Die großen Kirchen verlieren weiter Mitglieder. Laut dem scheidenden baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann werden sie aber auch in Zukunft gebraucht.
Nach Ansicht des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) sind in einer Zeit der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und außenpolitischen Umbrüche Kirchen mit einem klaren Werte-Kompass von Bedeutung. Es brauche Kirchen, die Lebensklugheit mit konstruktiver Kritik verbinden, die Anwälte für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Toleranz und Frieden seien, sagte er am Dienstag bei einer Jubiläumsveranstaltung der katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Seine Erfahrung sei, dass Kirchen immer dann besondere Wertschätzung erleben, wenn sie Antworten auf Fragen zu Sinn, Verantwortung und Hoffnung geben würden, sagte der scheidende Ministerpräsident.
In einem Interview mit der ZEIT hatte Kretschmann im Februar erzählt, dass er mehrmals an mehrtägigen Exerzitien im Kloster Maria Laach teilgenommen habe. «Ich bete immer in Gemeinschaft, wie beim Chor», erzählte er. Beim Vaterunser falte er die Hände. «Das ist ja das eigentliche Glaubensbekenntnis der Christen und nicht die offiziellen Glaubensbekenntnisse, die eigentlich Häresien abwehren sollen». Außerdem habe er gelernt, nicht das Bitten ins Zentrum von Gebeten zu stellen: «Wir wollen immer etwas von Gott, aber zuerst will Gott etwas von uns.»
2025 erneut Mitgliederverlust
Die evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer hatten am Montag ihre Kirchenmitgliederstatistik für das Jahr 2025 veröffentlicht (Jesus.de berichtete). Sie verloren durch Austritte und Sterbefälle gemeinsam erneut über eine Million Mitglieder.
Aufgrund der sinkenden Zahl an Mitgliedern müsse die Kirche sparen, sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Klaus Krämer. Dennoch müsse es der Kirche gelingen, neue Akzente zu setzen. Wichtig sei, dass «Glaube als Mehrwert konkret erfahrbar und erlebbar ist».
Glaube gibt Hoffnung gegen Zukunftsangst
Ernst-Wilhelm Gohl, Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, sagte, vor allem für junge Menschen brauche es gute Gründe, um in der Kirche zu bleiben. Ein Grund könne sein, dass der Glaube den Zukunftsängsten Hoffnung entgegenstelle. Ihm gebe zudem Hoffnung, dass sich die Kirchen sozial engagierten, sagte er.
Die Veranstaltung stand unter dem Thema: «Anschluss verloren? Wie die Zukunft der Kirchen in Gesellschaften der Zukunft gelingt». Sie war der Auftakt zum Jubiläumsjahr, das 2026 das 75-jährige Bestehen der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart feiert.
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Winfried Kretschmann: «Wir wollen immer etwas von Gott, aber zuerst will Gott etwas von uns.»
Sehr richtig, dazu die Aussage in 1. Johannes 3, 22 „Alles, was wir erbitten, empfangen wir von Gott, weil wir seine Gebote halten und tun, was ihm gefallt.“
Viele verwechseln das Gebet mit einem Bestellschein. Erfüllt Gott ihre Wünsche nicht, meinen sie er existiert nicht und wenden sich von ihm ab.
Die Kirchen werden nur dann nicht untergehen, wenn Sie endlich erkennen, daß nur absolute CHRISTUS-zentriertheit und das Alltagsbezogen, sie rettet. Solange aber die Kirchen und Ihre Vertreter sich und Ihre bisherigen (ausgetretene) Pfade verkünden wird sie untergehen. Die Kirchen-Austritte zeigen deutlich die Tendenz. Die Leute überzeugt nur Wahrheit, Liebe und echte Einheit. Da ist viel Luft nach oben … Die meisten Kirchen-Vertreter müsste man sofort kündigen …
Da Herr Kretschmann es bei einer katholischen Veranstaltung gesagt hat, stelle ich mal die Frage, ob die katholische Kirche überhaupt für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Toleranz und Frieden steht.
In sich ist sie nicht demokratisch, Ämter werden von oben herab vergeben. Quere Menschen werden diskriminiert, Frauen die Gleichberechtigung verweigert und vieles mehr.
Kleine Anmerkung:
in deiner Liste fehlt noch der Exorzismus !
Du schreibst zwar “ und vieles mehr „, aber da der Exorzismus in einem Text explizit erwähnt wird, hätte er in deine schwarze Liste zum Thema katholische Kirche gut gepasst.
Die Liste ist noch deutlich erweiterbar: Umgang mit Missbrauch, Unterstützung und Zusammenarbeit mit Diktaturen (Spanien unter Franco z.b.). Exorzismus natürlich auch. Wurde ja gerade vom Papst wieder als notwendig erklärt und hat ja in der Vergangenheit so manches Leben zerstört.
Die Liste ist ja fast endlos.
Gott bewirkt weltlich alles in allem
Nach Ansicht des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) sind in einer Zeit auch großer gesellschaftlicher, wirtschaftlichen und außenpolitischer Umbrüche Kirchen mit einem klaren Werte-Kompass von Bedeutung. Es brauche Kirchen, die Lebensklugheit mit konstruktiver Kritik verbinden, die Anwälte für Freiheit,Demokratie, Menschenrechte, Toleranz und Frieden seien, sagte er bei einer Jubiläumsveranstaltung der kath. Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Das finde ich grundsätzlich richtig. Als spezielle Antwort an Chey: Der Katholischen Kirche kann keiner den Vorwurf machen, sie trete nicht für diese Rechte ein, wie alle Kirchen. Kritikwürdig und Reformen erfordern jene gut ein halbes Dutzend gravierender und allseits bekannte Punkte. Die Kirche wertschätzt Quere, allerdings ihre Sexualität ist kann nie SÜNDE, sondern stets nur Biologie.
Es wäre aber absurd, wie hier unsere liebe Gabrielle meinte, die jene Papstkirche mit dem Exorzismus in Verbindung bringt. Es gibt sicher Zustände in Menschen, die nahe am Begriff Sucht sind, oder aber von Zwangsvorstellungen, und hier psychologisch und durchaus theologisch in Antike und Mittelalter als Besessenheit definiert wurden, was auch auf Anfallskrankheiten zutreffen könnte. Steinzeitmenschen haben Krankheit als wirkende böse Geister angesehen, bis die Missionare halfen Krankheit zu heilen.
Heute sind es Menschen, durch sich selbst fremdbestimmt, wie es leider auch bei multiplen Persönlichkeiten vorkommt. Das ist medizinisch/psychologisch zu sehen und leider wahrscheinlich niemals heilbar. Jesus hat bekanntlich ebenso Menschen geheilt, die wie von einer fremden Identität besessen erschienen. Nur hat Jesus keine bösen Geister ausgetrieben, sondern Menschen geheilt – auch mit positivem Hinweis, dass deren großer Glauben ihnen geholfen habe (Jesus sah sich keinesfalls als Magier und Wunderheiler). Und wenn in heute sogenannten heiligen Orten Menschen in extrem seltenen Fällen (medinisch belegt) sogar in einer Spontanheilung sofort gesund sind, dann zählen sie nur zu den 60 wirklich eingetroffenen Wundern unter 1000 weiteren, die man sich eigentlich auch nie perfekt erklären kann. Man vermutet im Menschen (bildlich gesehen) Schalter, die unsere Seele manchmal bedienen könnte. Als Christ kann ich fest glauben, dass dies nur Gott hier tut, als Ursachen unseres Wollens und auch Vollbringens. Sonst wäre er niemals Gott. Diese Form von einer Entmythologisierung radiert ja keinesfalls Glauben aus. Alles was Wunder sind, geschieht mit den Naturgesetzen, die der Himmel erfand und anwendet. Sonst landeten wir nur in Absurdistan.
Was Sie hier vertreten, ist keine harmlose Auslegung, sondern eine konsequente Entleerung des biblischen Zeugnisses – ganz im Sinne von Rudolf Bultmann. Dämonen werden zu psychologischen Zuständen, der Satan zu einem bloßen Bild. Damit wird das, wovon die Schrift konkret spricht, schlicht uminterpretiert.
Die Bibel lässt hier keinen Spielraum: Jesus Christus begegnet dem Satan als realem Widersacher, wird von ihm versucht, und die Dämonen erkennen ihn als Sohn Gottes. Das ist keine symbolische Sprache für innere Konflikte, sondern Ausdruck einer Realität, in der der Mensch eben nicht souverän über sich selbst ist.
Wer das alles psychologisiert, macht aus dem Evangelium am Ende ein therapeutisches Programm. Dann geht es nicht mehr um Befreiung von Sünde, Tod und Teufel, sondern um Selbstdeutung und innere Stabilisierung.
Und ja – eine solche Sicht ist mehr als nur problematisch: Sie ist ein Hohn gegenüber all jenen, die reale geistliche Anfechtung erleben. Ihnen zu sagen, das sei letztlich nur ein innerpsychischer Prozess, verkennt nicht nur ihre Lage, sondern nimmt ihnen auch das, was das Evangelium eigentlich zuspricht: echte Befreiung.
Und wenn schließlich sogar die Wunder relativiert und in eine Art religiöse Statistik überführt werden, dann bleibt von Christus nicht mehr viel übrig: nicht der lebendige Sohn Gottes, der mit Vollmacht handelt, sondern eine Figur, deren Wirken erst noch erklärt, eingeordnet und abgeschwächt werden muss.
Wenn der Teufel nur ein Symbol ist, dann ist auch der Sieg Christi keiner mehr.
Die Seelsorger dürften oft Not haben bei Ratsuchenden zu unterscheiden, ob Belastungen psychischen oder satanischen Ursprung haben. Der satanische Aspekt wird heute kaum noch geglaubt und ist trotzdem real.
Im Verlag der Liebenzeller Mission erschien 1975 das Buch „…und der Geist schrie, Ein Bericht vom Sieg Gottes über Satanskult und Dämonismus . von H.E. Nissen. Er berichtet von Erfahrungen in Afrika. Das Bibelzitat am Anfang des Buches stammt aus Apg. 8,7.
Pfr. Dr. Kurt E. Koch berichtet im Buch „Besessenheit und Exorzismus“ Brunnen Verlag Basel 1971 von seinen diesbezüglichen Erfahrungen.
> https://de.wikipedia.org/wiki/Anneliese_Michel
Exorzisten gehören vor Gericht wegen seelischen Missbrauch und Körperverletzung. Und die Kirchen , die das betreiben, auch.
> Als spezielle Antwort an Chey: Der Katholischen Kirche kann keiner den Vorwurf machen, sie trete nicht für diese Rechte ein, wie alle Kirchen
Natürlich kann ich ihr den Vorwurf machen . Ich habe das ja mit vielen Beispielen belegt.
> Es wäre aber absurd, wie hier unsere liebe Gabrielle meinte, die jene Papstkirche mit dem Exorzismus in Verbindung bringt
Das ist nicht im geringsten absurd. Ist Dir hier der neue Artikel genau darüber entgangen? Die Notwendigkeit von Exorzismus wurde ganz aktuell vom Papst bestätigt.