- Werbung -

Was ist Glück?

Haus, Geld, Erfolg? Die Psychologin Lisa-Maria Mehrkens erklärt, warum Dankbarkeit glücklicher macht als Besitz – und was das mit dem Glauben zu tun hat.

Ein sonniger Nachmittag im Park. Kinder lachen auf dem Spielplatz, Eltern sitzen auf der Wiese, irgendwo spielt jemand Gitarre. „So fühlt sich Glück an“, denke ich in einem solchen Moment. Und weiß doch: Dieses Gefühl ist flüchtig. Schon am nächsten Tag kann der Alltag ganz anders aussehen.

- Werbung -

„Jeder ist seines Glückes Schmied“, sagt ein bekanntes Sprichwort. Gleichzeitig wünschen wir einander „viel Glück“, als läge es doch nicht ganz in unserer Hand. Glück scheint etwas zu sein, das wir suchen, erhoffen und manchmal überraschend finden – und doch ist es nicht so leicht zu sagen, was Glück genau ist.

Viele Gesichter

Verwandte des Glücks sind Freude, Wohlbefinden und Zufriedenheit. Das momentane Glück erleben wir als Freude in schönen Augenblicken: bei einem gemeinsamen Essen mit Freunden, einem Spielenachmittag als Familie, einem Sonnenuntergang, einem wohltuenden Gespräch. Daneben steht eine Art dauerhaftes Lebensglück: eine innere Zufriedenheit mit dem eigenen Leben, die länger anhält als Freude.

Nicht immer ist bei der Frage „Bist du glücklich?“ eindeutig, welche Art von Glück gemeint ist. Klar ist aber: Glück ist ein persönliches Empfinden. Während meine Freundin glücklich ist beim stundenlangen Basteln mit ihren Kindern, treibt mir der Gedanke an Glitzer und Kleber Schweißperlen auf die Stirn.

Leider kein Dauergrinsen

Wie schön wäre es, mit einem Dauergrinsen im Gesicht zu leben! Manchmal suggerieren uns soziale Medien sogar, dass das möglich sei. Doch ein ehrlicher Blick auf das Leben zeigt: Glück ist kein Dauerzustand. Freude und Glück gehören ebenso zum Menschsein wie Traurigkeit, Wut oder Verzweiflung. Selbst Menschen mit einem scheinbar erfüllten Leben gehen durch Krisen und schwierige Zeiten.

- Werbung -

Natürlich haben äußere Umstände wie finanzielle Sicherheit, Gesundheit oder eine schöne Wohnung Einfluss darauf, wie glücklich wir uns fühlen. Wer in großer Unsicherheit oder Not lebt, hat es schwerer, Glück zu empfinden. Gleichzeitig zeigen Studien: Äußere Faktoren erklären nur einen Teil unseres Glücks. Menschen gewöhnen sich erstaunlich schnell an neue Lebensumstände – sowohl an positive als auch an negative. Nach einer Weile kehren sie wieder zu einem persönlichen Grundniveau an Zufriedenheit zurück. Ein höheres Einkommen oder ein neues Haus machen oft nur für eine begrenzte Zeit glücklicher.

Im Grimm-Märchen „Hans im Glück“ erhält der junge Hans nach jahrelanger Arbeit einen großen Goldklumpen. Auf seinem Heimweg tauscht er ihn immer wieder gegen scheinbar weniger wertvolle Dinge ein: ein Pferd, eine Kuh, ein Schwein, eine Gans, schließlich einen Schleifstein. Am Ende verliert er sogar diesen und steht mit leeren Händen da. Und doch ist Hans am Schluss glücklich. Er fühlt sich frei und leicht. Vielleicht liegt das Glück also nicht im Festhalten, sondern im Loslassen.

Glück hat weniger mit einem ständigen „Mehr“ zu tun als damit, das Gute im eigenen Leben wahrzunehmen. Langfristig entscheidend sind Dinge wie tragfähige Beziehungen, ein Gefühl von Sinn, Dankbarkeit oder die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen.

- Werbung -

Glück macht gesund

In den letzten Jahrzehnten hat sich eine eigene Forschungsrichtung entwickelt: die Positive Psychologie. Einer ihrer wichtigsten Vertreter ist der amerikanische Psychologe Martin Seligman. Er beschreibt Glück – beziehungsweise Wohlbefinden – als Zusammenspiel mehrerer Faktoren: positive Gefühle, Engagement in sinnvollen Tätigkeiten, tragfähige Beziehungen, Sinn im Leben und Erfolg. Diese Dinge können wir laut Seligman selbst beeinflussen.

„Ein fröhliches Herz ist die beste Medizin“

Eine wichtige Rolle spielt auch Dankbarkeit. Studien zeigen: Menschen, die regelmäßig Dankbarkeit üben – etwa indem sie täglich drei Dinge aufschreiben, für die sie dankbar sind – berichten langfristig von mehr Lebenszufriedenheit.

Dankbarkeit verändert den Blick: Statt nach dem zu suchen, was fehlt, wird wahrgenommen, was bereits da ist. Vielleicht erklärt das auch, warum Dankbarkeit in vielen religiösen Traditionen eine wichtige Rolle spielt. So sagt schon der Apostel Paulus: „Was immer auch geschieht, seid dankbar“ (1. Thessalonicher 5,18).

Interessant ist außerdem der Zusammenhang zwischen Glück und Gesundheit. Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit höherem subjektivem Wohlbefinden ein geringeres Risiko für bestimmte chronische Erkrankungen haben, weniger Stress und gesündere Lebensweisen zeigen.

Bereits das Alte Testament weist auf den Zusammenhang von Glück und Gesundheit hin: „Ein fröhliches Herz ist die beste Medizin“ (Sprüche 17,22). Natürlich bedeutet das nicht, dass man einfach nur „glücklich genug“ sein muss, um gesund zu bleiben. Aber die Forschung zeigt, dass seelisches Wohlbefinden, soziale Beziehungen und Lebenssinn eng mit unserer körperlichen Gesundheit verbunden sind.

Auch im Familienleben zeigt sich das Glück oft nicht in großen Momenten, sondern in kleinen Augenblicken. Wenn Eltern Zeit füreinander und für die Kinder haben, sich gegenseitig zuhören, unterstützen und Dankbarkeit vorleben, entsteht ein Klima, in dem Zufriedenheit wachsen kann. Auch Studien bestätigen: Gemeinsame Erlebnisse machen langfristig glücklicher als materielle Dinge.

Viele Menschen verbinden ihre glücklichsten Erinnerungen nicht mit Geschenken, sondern mit gemeinsamen Erfahrungen. Gerade im Familienalltag gilt deshalb: Glück entsteht dort, wo Menschen sich gesehen, geliebt und angenommen wissen.

Macht der Glaube glücklicher?

Der Theologe Dietrich Bonhoeffer schrieb einmal: „Es gibt erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche.“ Vielleicht beschreibt dieser Satz eine wichtige Wahrheit über Glück: Es hängt nicht davon ab, ob alles perfekt läuft. Liegt der Schlüssel zu langfristigem Glück dann vielleicht im Glauben? Sind Christen glücklicher? Natürlich ist der christliche Glaube kein Rezept für ein sorgenfreies Leben. Auch Christen erleben Krankheit, Verlust und Konflikte.

Und doch berichten viele Menschen, dass ihr Glaube ihnen eine besondere Form von innerem Frieden schenkt, besonders in schwierigen Umständen.

In der Bibel taucht das Wort „Glück“ eher selten auf. Stattdessen werden Wörter wie „Segen“, „Friede“, „Freude“ oder „Gnade“ verwendet. Besonders bekannt sind auch die Seligpreisungen aus der Bergpredigt Jesu. Dort sagt Jesus: „Glücklich sind die, die erkennen, dass sie Gott brauchen, denn ihnen wird das Himmelreich geschenkt. Glücklich sind die, die traurig sind, denn sie werden getröstet werden. Glücklich sind die Freundlichen und Bescheidenen, denn ihnen wird die ganze Erde gehören …“ (Matthäus 5,3-5).

Diese Aussagen wirken zunächst paradox, denn Jesus nennt Menschen glücklich, die nach unseren Maßstäben eher Grund zur Klage hätten. Doch er weist damit auf eine tiefere Wirklichkeit hin: Glück entsteht aus der Beziehung zu Gott und aus der Hoffnung auf sein himmlisches Reich, das nicht nach menschlichen Prinzipien funktioniert.

Auch der Apostel Paulus spricht häufig von Freude, selbst in schwierigen Situationen. Im Philipperbrief schreibt er aus dem Gefängnis: „Freut euch im Herrn allezeit!“ Für Paulus hängt Freude nicht nur von äußeren Umständen ab. Sie hat ihren Ursprung im Vertrauen auf Gottes Gegenwart, seine Versorgung, seinen Frieden und das ewige Leben bei ihm.

Studien zeigen, dass praktizierende Christen tatsächlich glücklicher sind. Wissenschaftler erklären das unter anderem mit der stärkeren sozialen und spirituellen Verbundenheit in Kirchgemeinden. Gottesdienste und religiöse Rituale können positive Emotionen auslösen. Auch regelmäßiges Beten kann das eigene Glückslevel erhöhen.

Von Gutem getragen

Vielleicht lässt sich Glück am besten als Mischung aus Geschenk und Aufgabe verstehen. Es ist ein Geschenk, weil vieles, was uns glücklich macht, nicht in unserer Hand liegt: Freundschaften, Liebe, Gesundheit oder schöne Momente. Gleichzeitig ist es eine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Glück in unserem Leben Raum bekommt – durch Dankbarkeit, Zeit für Beziehungen, Engagement und die Entscheidung, das Leben zu genießen – im Bewusstsein, dass alles von Gottes Gnade und Segen abhängt.

Vielleicht beginnt Glück genau dort, wo wir entdecken, dass unser Leben trotz aller Herausforderungen von guten Dingen getragen ist. Oder, um es mit einem irischen Segenswunsch zu sagen: „Glücklich sein ist wie eine köstliche Süßspeise. Möge dir das Leben mehr geben, als du je aufessen kannst.“

Lisa-Maria Mehrkens ist Journalistin, Autorin und Psychologin.



Dieser Artikel ist in der christlichen Familienzeitschrift Family erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

Mehr zum Thema Glück:

NEWS & Themen

NEWSLETTER

BLICKPUNKT – unser Tagesrückblick
täglich von Mo. bis Fr.
Wir liefern dir die interessantesten NEWS,
Interviews und Geschichten aus der christlichen Welt.
Kompakt, relevant, inspirierend.

Wie wir Deine persönlichen Daten schützen, erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.
Abmeldung im NL selbst oder per Mail an info@jesus.de

Konnten wir dich inspirieren?

Jesus.de ist gemeinnützig und spendenfinanziert – christlicher, positiver Journalismus für Menschen, die aus dem Glauben leben wollen. Magst du uns helfen, das Angebot finanziell mitzutragen?