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Dankbarkeit bringt Segen

Die größte Kraft des Lebens ist der Dank, heißt es. Dankbarkeit bringt Segen. Auf Spurensuche in der Bibel.

Von Pastor i.R. Fred Ritzhaupt

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„Dankbarkeit ist die Wachsamkeit der Seele gegen die Kräfte der Zerstörung.“ Sicher ist dieser Satz richtig, der als Morgenimpuls im Radio zu hören war. Ein dankbarer Mensch lebt freier, gesünder und fröhlicher. Ihm kann nichts so schnell etwas anhaben. Eine dankbare Grundeinstellung verträgt sich überhaupt nicht mit niederdrückenden Gedanken, einer zerstörerische Beziehung zu sich selbst oder zu anderen Menschen. Als Christen können wir dazu nur „Ja“ sagen, und trotzdem ist diese Erkenntnis irgendwie unvollständig. Denn was macht ein Mensch, der keinen Adressaten für seine Dankbarkeit hat? Danken kann man nur einem Gegenüber, weder dem Blau des Himmels noch dem Leberkäse, der sich warm in den Magen schmiegt. Die Bibel möchte aus „undankbaren Zweibeinern“ Menschen machen, die ganz genau wissen, wem letztlich alle Dankbarkeit des Herzens gehört. Doch der Reihe nach.

Altäre zum Dank und zur Erinnerung

Im jüdisch-christlichen Glauben erscheint das Thema Dankbarkeit eigentlich erst mit der Befreiung der Hebräer aus der Sklaverei. Die Urväter hatten Altäre errichtet, sicher auch zum Dank, aber vor allem zur Erinnerung. Es war ihre Art, Geschichte festzuhalten, und das bezog sich auf sie und ihre Familie. Doch die Errettung am Schilfmeer betraf alle und jeden. Dieses Drama mit glücklichem Ausgang bestimmt bis auf den heutigen Tag das Glaubensverständnis eines gläubigen Juden – selbst eines ziemlich säkularisierten. Gott hat gehandelt, und darum gilt es, sich an seine Taten Jahr für Jahr dankbar zu erinnern (das Pascha-Fest). Während andere Völker nicht einmal ein Wort für „danken, loben, preisen“ hatten, wurde der Dank im Volk Israel geradezu institutionalisiert.

Im Tempelkult nahmen Dankopfer einen bedeutenden Platz ein. Während die Sünd- oder Schlachtopfer dem Einzelnen wie dem Volk die Vergebung ihrer Schuld vermittelten und von den Opfertieren nichts mehr übrig blieb, hatte ein Dankopfer einen völlig anderen Charakter. Nachdem das Beste des Opfertieres – sein Fett (wir würden heute wohl eher sein Filet nehmen …) – auf dem Altar verbrannt war, feierte man mit dem übrig gebliebenen Fleisch ein fröhliches Fest. Dank hat immer auch etwas mit Versöhnung zu tun, denn schon damals wussten alle sehr genau: Man kann nicht ein Fest feiern und gleichzeitig mit jemandem die größten Probleme haben.

Davids Verse der Dankbarkeit

Neben dieser Dankbarkeit, die sich in einem besonderen Ritus des Tempelkultes zeigte, war es vor allem der Einblick in die Gottesbeziehung eines Mannes, der das Judentum durch seine Gebete und Gedichte über die Jahrhunderte hinweg prägte: David. Alle Verse, in denen er seinem Gott gegenüber seine Dankbarkeit ausdrückte, hier anzuführen, würde schlichtweg zu viel Platz einnehmen. Darum nur eine kleine Auswahl. David dankte vor allem für Gottes Güte und Barmherzigkeit: Psalm 106, 107, 118, 136 „Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Gnade währt ewig.“ Er dankte ihm für Bewahrung: Psalm 116, Ps 28; für seine Gerechtigkeit: Psalm 7; Psalm 119,62 und viele andere Gebete, die sich allesamt anfühlen, als kämen sie aus einem überfließenden Herzen. Im Psalm 147, ermuntert er alle um sich herum: „Stimmt dem Herrn ein Danklied an, und lobt unseren Gott mit Harfen!“

Und David war alles andere als ein einsamer Sänger in der Wüste. Im Hebräischen bedeutet der Wortstamm „jbh“ loben, preisen, vor allem aber auch danken. Dem Volk Israel war es trotz seiner wechselvollen Geschichte immer wichtig, dass dieser Gott geradezu einen Anspruch darauf hat, gelobt und gepriesen zu werden. Er ist es, der alles erschaffen hat, der errettet und befreit, der bis heute bereit war und ist, in großer Geduld jedem immer wieder zu vergeben (Man denke hier nur an Manasse, dieses Monster auf dem Königsthron, dem seine ungeheuerliche Schuld – geradezu nachprüfbar – vergeben wurde …).

In der Dankbarkeit liegt Segen

David lobte Gott mitten unter den Heiden (s. Psalm 18, 50), das blieb und das ist immer noch die herausragende Qualität des auserwählten Volkes Gottes. Sie zieht sich schon vor Davids Zeiten als verbindendes Merkmal durch die Geschichte der Landnahme, genauso wie durch die wechselvollen Ereignisse während der Zeit der Richter. Hier konnte Israel lernen, welcher Segen in der Dankbarkeit gegenüber seinem Gott lag und wie verloren es in den Zeiten war, in denen es sich bei fremden Göttern bedankte. Wenn Israel seinem Gott dankte, bekräftigte es damit seine Treue zu ihm, der es nie im Stich gelassen hat.

So war in der Geschichte des Volkes Gottes die Dankbarkeit immer eine Herausforderung, die vollständige Abhängigkeit von Gott demütig anzunehmen. Es wusste, dass andere Nationen an seinem Verhalten das Wesen Gottes erkennen sollten. Diese konnten so erfahren, wem sie letztlich alles verdanken. „Alle Völker werden dich preisen …!“ (Psalm 66, 4).

Der Grund für alle Dankbarkeit

Liest man das Neue Testament, so ist man zunächst einmal überrascht: In den Lehren Jesu kommt fast nichts vor, was den alttestamentlichen Anspruch Gottes auf den Dank seines Geschöpfes aufnehmen und weiterführen würde. Von Jesus selbst wird nur berichtet, dass er gedankt hat, zweimal vor einem großen Wunder (Matthäus 14, Johannes 6 und Johannes 11) und bei dem letzten Mahl mit seinen Jüngern Markus 14 bzw. Lukas 22. Während diese Gebete mehr seine persönliche Beziehung zum Vater offenbaren, schenkt uns eine einzige Begebenheit im Leben Jesu einen überdeutlichen Hinweis, wem in alle Zukunft nicht nur der Dank gebührt, sondern wer der Grund für alle Dankbarkeit ist: Jesus selbst (vgl. Lukas 17, der Samariter, welcher als Einziger als Geheilter zu Jesus zurückkehrte und ihm dankte).

Schaut man dagegen die weiteren Schriften des Neuen Testamentes an, so gehört die Dankbarkeit zum Wichtigsten, was den jungen Gemeinden immer wieder ans Herz gelegt wurde. Für das Geschenk, das Gott uns in der Erlösung durch seinen Sohn gemacht hat, für die unvorstellbare Liebe, die jeder im Tod Jesu erkennen konnte, durfte es nur noch eine Reaktion geben: von ganzem Herzen dankbar sein. Vor allem für einen Mann wie Paulus war die Befreiung von religiösen Zwängen, das unverdiente Glück, unter der Gnade Gottes frei atmen zu dürfen, Anlass genug, täglich seinem Gott zu danken.

Dankbarkeit leben

Was lehrt uns also die Bibel? Ein ganzes Leben reicht nicht aus, Gott für seine Güte zu danken. Darum wurde das Abendmahl schon am Ende des 1. Jahrhunderts von den jungen Gemeinden „eucharistia“ genannt: Danksagung. Das ist es, was einen Christen auszeichnet: Er ist Gott so dankbar, dass seine Freude über ihn im Laufe seines Lebens immer mehr zunimmt. Gott hat sicher nichts dagegen, dass eine solche Herzenshaltung unserer „Seele“ dazu auch noch unglaublich gut tut. Sie muss nicht wachsam sein gegenüber den „Kräften der Zerstörung“. Sie ist vor ihnen tatsächlich geschützt.


Dieser Artikel ist in der Zeitschrift Christsein Heute erschienen. Christsein Heute wird vom SCM Bundes-Verlags herausgegeben, zu dem auch Jesus.de gehört.

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