Was ist Verantwortlichen in Kirchen und christlichen Werken in diesen herausfordernden Zeiten wirklich wichtig?
Heute: Stefan Oster (katholischer Bischof, Passau).
Bischof Oster, Was sind die Themen, von denen Sie sagen: Wenn die Leute mal an mich zurückdenken, dann sollen sie sich erinnern, dass …
Vor einiger Zeit sagte ein junger Mann: „Wenn Sie von Jesus erzählen, dann kann ich glauben, dass es ihn wirklich gibt.“ Das hat mich berührt und gefreut, aber – hoffentlich auch demütig gemacht. Denn tatsächlich ist es Gott selbst, der so etwas bewirkt. Das ist mein Hauptthema: der Herr. Wie kann ich Wege finden zu zeigen, dass er lebt?
In der Vielfalt der Themen und Aufgaben, in der Sie sich als Bischof bewegen – was sind Ihre Herzensanliegen?
Immer wieder darf ich erleben, dass Menschen dem Herrn begegnen und dann auch noch erfahren, dass ihr Leben dadurch tiefer wird, froher, sinnvoller, erfüllter und freier. Wenn das passiert – und wir als Kirche oder auch ich selbst dazu etwas beitragen können, dann werde ich dankbar und weiß, dass ich zuerst und vor allem dafür lebe und arbeite.
Was mich auch noch umtreibt und antreibt, ist die Frage: Wie können die neuen Medien für die Verkündigung sinnvoll genutzt werden? Auch hier mache ich ja einige Versuche. Und zugleich ringe ich dabei massiv um die dramatische Ambivalenz von allem, was diese technologische Revolution gebracht hat und noch bringen wird.
Sie sind seit elf Jahren Bischof in Passau. Wir schwenken mal von Ihrer Person zu Ihrer Kirche. Hat sie sich in diesen Jahren, in denen Sie Bischof sind, spürbar verändert?
Ja, ich glaube schon, dass es Veränderung gab und gibt. Ich spüre vor allem auch in der Verkündigung von einigen der Hauptamtlichen bei uns, dass es ausdrücklicher um Christus geht und ausdrücklicher um das Wort Gottes. Wir haben zudem einige Initiativen begonnen, wie etwa Schulungen zur Jüngerschaft, Glaubenskurse oder einen Kongress für das Thema Gebet und Anbetung und anderes mehr. Wir haben die Praxis der Pfarreivisitation erneuert, wir haben durch die Einrichtung von Verwaltungszentren besonders die Priester von Verwaltungsaufgaben entlastet.
Gleichzeitig merken wir natürlich auch, dass die generelle Entkirchlichung und Entkonfessionalisierung dadurch nicht aufzuhalten sind. Außerdem: In einer strukturell stabil aufgestellten und finanziell immer noch ganz gut versorgten Kirche sind die Beharrungskräfte gegen Veränderungen doch enorm.
Neue Initiativen zur Evangelisierung sind im Grunde nicht möglich, ohne so etwas wie Bekehrung oder auch ohne die Intensivierung der persönlichen Christusbeziehung im Gebet.
Bischof Stefan Oster
Was wären die Voraussetzungen für Veränderung?
Oft werde ich dabei an das Wort im Evangelium von dem neuen Wein erinnert, der eigentlich in neue Schläuche gehört. Neue Initiativen zur Evangelisierung sind im Grunde nicht möglich, ohne so etwas wie Bekehrung oder auch ohne die Intensivierung der persönlichen Christusbeziehung im Gebet. Aber so etwas wie Bekehrung lässt sich natürlich nicht verordnen. Das führt dazu, dass die Widerstände gegen Impulse der Evangelisierung eher von innen kommen als von außen. Und das ist ernüchternd.
Seit Sie Bischof sind, haben ungefähr 20 Prozent Ihrer Mitglieder in Ihrem Bistum die Kirche verlassen. Was macht das mit Ihnen?
Das Phänomen, das Sie beschreiben, ist ja nicht nur ein Phänomen des Bistums Passau oder auch nicht nur ein Phänomen der Kirchen in Deutschland, es ist ein Phänomen der ganzen westlichen Welt. Und es wird zunehmend eins des Ostens oder auch des globalen Südens, wenn es auch dort noch weniger spürbar ist. Denken Sie an die Frage des Herrn: Wird der Menschensohn noch Glauben auf der Erde finden, wenn er wiederkommt?
Wird er?
Ich hoffe es, auch wenn vieles in Bewegung ist. Tatsächlich gibt es für die Entkonfessionalisierung viele Gründe und Megatrends seit der Zeit der Aufklärung. Individualisierung, Materialismus, eine bestimmte Art von Wissenschaftsgläubigkeit, die technologischen Revolutionen und anderes mehr. Unsere Skandale, insbesondere die Dimension des Missbrauchsskandals, beschleunigen diese Bewegung. Tatsächlich glaube ich aber, dass die stärkste Beschleunigung von der Digitalisierung ausgeht.
Vielen Dank für das Gespräch!
Die Fragen stellte Martin Gundlach, Redaktionsleiter von AUFATMEN.
Bischof Dr. Stefan Oster (*1965) ist seit elf Jahren Bischof von Passau.


Ich finde den Gedanken, dass die technologische Revolution seit den ersten PC anfang der 80er Jahre (heute weltweite Digitalisierung, KI) einen gewaltigen Schub in Richtung Säkularismus ausgelöst hat, diskussionswert
Meines Erachtens ist dieses falsch.
Wenn, dann: Nicht die technischen Neuerungen haben stark zur Säkularisierung beigetragen sondern dass gerade die großen Kirchen diesen Trend der Kommunikation weitgehend verschlafen haben.
Das ist schon ein Unterschied.
Ich glaube das allerdings auch nicht. Ich denke, es ist nur ein Faktor einer gesellschaftlichen Entwicklung „Nennen wir es Aufklärung“, die dazu geführt hat, dass es Richtung Normalität geht. Denn 90 % Christen in einer Gesellschaft wie der unseren, was wir ja mal hatten, ist doch eigentlich realitätsfern und gab es wohl in Wirklichkeit nie. Selbst die heutigen 50 % sind nicht das, was sich in der Gesellschaft widerspiegelt.
Wenn Jemand sich mit der Kirche befasst, merk er relativ schnell, daß das Entscheidente fehlt. EINHEIT und gelebte Liebe. Eine Familie die sich nicht um EINHEIT müht geht kaputt. Selbst in kleinen Dörfern haben wir oft genug drei div. Gemeinden zumindest Spaltung zw. kath.und evang. Ganz zu schweigen wieviel Gemeinden (Gemeinschaften) es in den Großstädten gibt. Kaum einer erkennt, dass diese Spaltereien innerhalb eines jeden Ortes und nicht nur total unglaubwürdig macht, sondern dem die KRAFT des HERRN in uns, flöten geht. Solange wir uns evang. oder kath. oder freievang oder Pfingstler nennen, ist nix in Ordnung im Reich GOTTES. Wer will einem solchen Haufen vertrauen, wenn es nichtmal untereinander klappt. Des-halb HERR öffne allen echten (nach Joh.3-wiedergeborenen) CHRISTen die Augen für das Elend durch die Spalterei unter uns … Erst wenn wir unsre blöden Gemeinde-Bezeichnungen und unsre Briefköpfe überall in LEIB des CHRISTUS ändern kann unser HERR eine gewaltige Erweckung senden. Ansonsten wie wir, bei genauem HInsehen, überall eine gespaltende, uneinige Famile. Wer soll dem Laden wirkilch vertrauen …
„Kaum einer erkennt, dass diese Spaltereien innerhalb eines jeden Ortes und nicht nur total unglaubwürdig macht…“ – Befassen Sie sich wirklich mit dem Thema? Wie oft habe ich schon bei hochrangigen Kirchenträger der großen Konfessionen und bei so vielen Seelsorgern und aktiven Gläubigen gehört, wie sehr dies Problem bewusst ist. Und man sollte bei aller Stagnation der letztem Jahrzehnte nicht vergessen, wie sehr die Verständigung schon fortgeschritten ist, wenn man weiter zurückblickt, etwa noch vor den 2. Weltkrieg. In früheren Jahrhunderten wurde vor allem auf das Trennende gesehen, aber nun wird vor seit längerem schon zuerst auf das Gemeinsame geschaut und versucht, das Trennende wertschätzend zu verstehen. Unschätzbar ist das Aufeinander zugehen im Bereich der Glaubenssprache, wieviele Verständigungsschwierigkeiten konnten überwunden werden, weil sich gegenseitig bemüht wurde, die Sprache der anderen in ihrem Kontext zu verstehen, ich nenne nur mal das Thema Rechtfertigung. Dabei weiß ich natürlich, dass manche sowohl von evangelischer als auch katholischer Seite die gemeinsame Erklärung von 1999 zerreißen wollen. Aber das liegt aus meiner Sicht eben daran, dass solche Menschen oft nicht wirklich in die Tiefe gegangen sind. Es führt kein Weg zur Einheit daran vorbei, sowohl die eigene Geschichte als auch die Geschichte der anderen zu berücksichtigen. Wir können nicht so zu tun, als wären wir Zeitgenossen von Paulus und könnten ihn einfach nur nachahmen, das wäre zu ist naiv. Und wenn man das NT wach liest, erkennt man, dass auch dort schon Uneinigkeit bestand. Überhaupt höre ich bei Biblizisten oder Fundamentalisten oft sinngemäß die Aussage: „Es wäre ganz einfach, alle Gläubigen müssten einfach so glauben wie ich selbst.“ Aber genauso haben auch alle Spalter aller Jahrhunderte gedacht, das ist eben kein inhaltliches Kriterium. Wir brauchen ohne Frage die Hilfe des Heiligen Geistes für unsere Einheit.
Aber z.B. die Bitte des Hr Mucke: „…öffne allen echten (nach Joh.3-wiedergeborenen) CHRISTen die Augen für das Elend durch die Spalterei unter uns…“ ist schon wieder so elitär. Sollten wir nicht für alle Christen beten, sogar für alle Menschen? Und was ist bei den aus Ihrer Sicht „unechten“ Christen, wollen Sie diese erst einer von Ihnen durchgeführten Prüfung unterwerfen, ob deren Glaube auch eben genauso ist wie Ihrer? Und weil Sie jetzt sicher auf die einzig korrekte Bibellesung kommen, sage ich noch: eine fundamentalistische Auslegung der Bibel ist eben auch eine Auslegung, nicht die einzig mögliche.
Die Kirche hat tatsächlich bei vielen Menschen in Europa an Bedeutung verloren. Es gibt Konkurrenz aus den Freikirchen, die eine lebendiger Art der Verkündigung praktizieren. Auch ich fühle mich dort mehr verstanden. Es herrscht Aufbruchstimmung.
Leider auch Wasser in den Wein gießen
Leider muss ich ein klein wenig Wasser in den Wein der Wahrheit gießen: Auch die Freikirchen leiden an einem Prozess ihrer Schrumpfung und es ist nicht immer der sogenannten Traditionsabbruch. Es kann schlicht die sich einschleichende Routine sein. Auch die Künstler(innen) können sich genauso wie Christinnen und Christen kein Pflichtbetrieb ihres Glaubens leisten, denn der macht weder Spaß, noch lässt er uns geistig-geistlich wachsen. Ich würde – um auf SELTSAM auch einzugehen – vorschlagen, in der Buntheit der Konfessionen und Glaubenstraditionen eine positive Buntheit zu sehen, also ein Einheit in der Vielfalt. Jesus ist dabei immer quer durch alle Kirchenformen mit seinem Geist dabei. Wichtig ist, dass wir Christinnen und Christen bzw. Kirche/n gute und starke Netzwerke bilden, uns keinen geistlichen Rückfall ins Mittelalter (siehe USA), oder Zugriff auf falsche Propheten leisten, sowie dem Heiligen Geist keine Knüppel zwischen die Beine werfen. Es ist keine Werkgerechtigkeit, dass wir als Christen auch fleißig mitarbeiten, nicht für das Erblühen nur der Kirchen, sondern um des Reiches Gottes willen. Denn dies ist nach Jesu Worten in uns und manchmal scheinen wir dies vergessen zu haben. Als Kirchenvorsteher habe ich 38 Jahre auch miterlebt, wie wir uns bewusst waren, dass wir eigentlich ein relativ guter Verwaltungsausschuss waren, dies aber nie abstellen konnten. Der Zwang liegt oft in den Strukturen von Kirche, und das Übel ist wie beim Staat die unendliche Bürokratisierung. Diese Probleme haben Freikirchen nicht, dafür aber sicher andere. Wie geht man Probleme an: In dem man sich nacheinander einzeln angeht. Eine Volksweisheit formuliert dies damit, kleine Brötchen nacheinander zu backen, dafür alle sehr kontinuierlich und sehr viele.
Zum Schluss: Das Leben ist immer bunt, sonst wäre es trübe. Die kirchliche Buntheit nötigt uns aber dann auch Toleranz ab und dies halte ich auch unter allen Christenmenschen für gut. Denn jeder darf eine Meinung haben und die muss nicht meine sein. Jesus hat niemals gefordert, man sollte, bevor man den Tempel betritt (also die Kirche) seinen Verstand vorher an der Pforte abgeben. Denn wer die Bibel und das Evangelium gut versteht, wird auch wissen, dass es in erster Linie um die LIEBE geht. Es ist uns nicht versprochen, hier auf Erden Gott zu verstehen, aber wie der barmherzige Samariter nicht ein christlicher Funktionär zu werden und an dem Hilfsbedürftigen geistig-geistlich blind vorbei zu eilen, weil der religiöse Terminkalender wichtiger erscheint.
Das Problem ist doch einfach, das viele den Herrn nicht mehr lieben, ihre eigenen Wege gehen, Kompromisse mit der Welt schließen, aber trotzdem noch in die Kirche gehen.
Ich schaue mir nur noch die Lebensberichte von Open Doors an.