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Mission gestern, heute und morgen

Wie wird christliche Mission im Jahr 2030 aussehen? Welche Veränderungen, die wir heute schon erleben, wirken sich darauf aus? Matthias Ehmann wagt einen missionswissenschaftlichen Blick in die Zukunft.

Kann man in die Zukunft sehen?

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Im Jahr 1910 haben sich in Edinburgh das erste Mal evangelische Christen aus unterschiedlichen Kontexten getroffen, um auf einer Konferenz über die erreichten Erfolge und gemeinsame Ziele und Strategien für die Zukunft christlicher Mission nachzudenken. Damals waren die meisten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Nordamerika und Europa. Man hat sich große Ziele gesetzt: Innerhalb einer Generation sollten „alle Völker der Erde Gelegenheit gefunden haben, den lebendigen Herrn Christus zu kennen und zu erwarten“ (John Mott).

Doch, es sollte ganz anders kommen. Wenige Jahre nach der Konferenz endete das große Jahrhundert der evangelischen Mission. Zwei Weltkriege zerstörten die Hoffnung. Statt gemeinsam in der Weltmission zu arbeiten, bekriegten sich die Völker des vermeintlich christlichen Westens. Die Missionsarbeit wurde zeitweise eingestellt, die Zahl der ausgesandten Missionare sank und hat danach meist nicht wieder den Stand von vor dem ersten Weltkrieg erreicht. Die Kolonien des Westens erkämpften ihre Unabhängigkeit und die Arbeit der Missionen veränderte sich ohne den staatlichen Schutz erheblich.

„Zieht die Missionare ab. Lasst uns in Ruhe!“

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Unter den Missionsbegeisterten machte sich erhebliche Ernüchterung breit. Die hochgesteckten Ziele vom Anfang des Jahrhunderts waren in weite Ferne gerückt. Manche Kirchen in Afrika, Lateinamerika und Asien forderten: „Zieht die Missionare ab. Lasst uns in Ruhe!“

Aber aus unterschiedlichen Quellen speiste sich ein ganz neuer Aufbruch. Die ehemaligen Missionskirchen wurden selbstständig, sie wurden unabhängiger von Unterstützung aus dem Westen und sie übernahmen selbst Verantwortung für Mission in ihren Ländern und darüber hinaus. Teilweise im Untergrund und unter Verfolgung, teilweise mit Hilfe der weltweiten Missionsbewegung entwickelten sich neue Aufbrüche. Das Christentum in Afrika, Asien und Lateinamerika blühte auf. Das 20. Jahrhundert wurde zum unerwartet christlichen Jahrhundert. Gott hat geschenkt, was Menschen nicht planen konnten.

Ein Blick nach vorn.

Sicher können wir nicht einhundert Jahre in die Zukunft sehen und voraussagen, was kommen wird. Aber wir können sicher sein, Gott bleibt seinem Ziel mit dieser Welt und mit seinen Menschen treu. Und er handelt. Er sendet seinen Geist, schenkt Glauben und tröstet die Christinnen und Christen in schwierigen Situationen. Wir sind dabei wie alle Jesus-Nachfolger aufgerufen, mit unseren kleinen Handlungen in Gottes großes Handeln einzustimmen. Also fragen wir: Wie können wir auch im Jahr 2030 am besten zu Gottes Plan mit dieser Welt beitragen?

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Klar muss dabei sein, dass es auch anders kommen kann. Es geht nicht um einen menschlichen Masterplan zur Rettung der Welt. Es geht um kluges Fragen, Hören und Denken. Es geht um Demut, Weisheit und Dienstbereitschaft. Und es geht um einen hoffnungsvollen Blick auf das, was Gott in der Welt tut.

Mission wird international

Wir leben schon heute in einer Zeit echter Weltmission. Auf der einen Seite gibt es in fast allen Ländern der Erde Christen, Gemeinden und Organisationen, welche sich um Mission bemühen. Das ist eine entscheidende Veränderung zur Situation von vor einhundert Jahren und dafür können wir extrem dankbar sein. Das Christentum ist zu einer echten Weltreligion geworden. Auf der anderen Seite gibt es heute neue Gegenden, in welchen es Mission bedarf. Dachte man früher häufig, Europa und Nordamerika seien christliche Kontinente, so ist längst klar, dass dies zumindest heute nicht mehr stimmt. Sie sind sicherlich von christlicher Kultur geprägt, aber längst nicht alle Menschen folgen Jesus Christus nach. Im Jahr 2030 wird das noch deutlicher sichtbar sein.

Gleichzeitig leben wir seit vielen Jahrzehnten in einem Zeitalter der Globalisierung. Im Jahr 2030 werden wir noch vernetzter, noch bunter und multikultureller sein. Heute gibt es gerade in den Großstädten fast alles im Kleinen, was es irgendwo auf der Welt im Großen gibt: ob Musik, Essen oder Religionen. Auch in unserem Bund Freier evangelischer Gemeinden gibt es schon heute vietnamesisch, koreanisch, kongolesisch und auch ein paar bayerisch geprägte Gemeinden. Diese Vielfalt hat bis ins Jahr 2030 noch deutlich zugenommen. Wir werden Vertreter dieser Gemeinden unter den Pastoren Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland und unter den Mitarbeitern der Allianz-Mission haben. Und das ist eine tolle Entwicklung.

Bild: pixabay

In einer Welt, die immer mehr zusammenrückt, wird die Unterscheidung zwischen Weltmission und Inland-Mission nicht mehr möglich sein. Mission findet im Jahr 2030 mit und unter unterschiedlichsten Kulturen in unterschiedlichsten Ländern statt. Nationale Grenzen sind keine Grenzen für das Reich Gottes. Wir werden die Kompetenzen der Inland-Mission für die Evangelisation und Gemeindegründung in Deutschland mit den Kompetenzen der Allianz-Mission im Bereich kulturüberschreitender Mission kombinieren.

Das wird sich auch daran zeigen, dass wir nicht mehr nur Missionare in andere Ländern aussenden. Wir gehen fest davon aus, dass die von uns mitgegründeten Gemeinden in aller Welt eine aktive Rolle in der Weltmission spielen. Wir können uns darauf freuen, Hilfe für unsere Arbeit in Deutschland zu bekommen. Ganz neu ist das für uns nicht. Im letzten Jahrhundert wurden etwa viele Gemeinden in Deutschland von Missionaren aus unseren Partnerbünden in den USA gegründet. Vielleicht werden Ihre Enkel eine Gemeinde in Berlin mit einem Pastor aus Brasilien gründen. Das wäre doch was!

Neue Formen von Mission

In den letzten zweihundert Jahren hat sich ein Modell in unseren Kreisen bewährt. Ein oder mehrere Ortsgemeinden senden eine Missionarin oder einen Missionar aus. Für die fachlichen Spezialfragen von Versicherung bis Nachbereitung wurden Missionsgesellschaften gegründet. Sie sind die Experten, die die einzelnen Gemeinden unterstützen. Die Gemeinden beten, fragen nach und sorgen für die materielle Versorgung. Das ist ein gutes Modell und es wird auch im Jahr 2030 eine wichtige Rolle spielen.

Daneben werden andere Modelle treten. Viele werden nicht neu sein. In 2000 Jahren Kirchengeschichte wurden schon viele Modelle entwickelt. In einer Gesellschaft, in der es mehr und mehr Singles gibt, werden auch mehr und mehr Singles in die Mission ausreisen. Die Frage ist, mit wem sie ihren Lebensabend verbringen werden, wenn sie ihren Dienst für Gott in der Ferne getan haben. Über fast 2000 Jahre gab es Gemeinschaften von frommen Männern und Frauen, die genau das getan haben. Ein großer Teil der Weltmission ist mit Hilfe verbindlicher Gemeinschaften geschehen. Ich denke an Kommunitäten, Orden, Bruder- und Schwesternschaften. Sie werden eine ganz neue Rolle für die Zukunft der Mission spielen. Wahrscheinlich werden sie keine Hauben oder Kutten tragen, aber der Herzschlag wird derselbe sein: Evangeliumsverkündigung in Wort und Tat.

Bild: shutterstock / Rawpixel.com

Dazu wird ein drittes Model im Jahr 2030 weiter an Bedeutung gewinnen: Auswandern. Meistens denken wir Mission so, dass jemand für eine bestimmte Zeit an einen bestimmten Ort kommt. Irgendwann kommt diese Person aber wieder zurück, zur Basis, in seine Heimat. Es wird jedoch immer normaler für Menschen, dass sie ihre Heimat nicht nur verlassen, sondern sie ändern. Sie wandern aus. Christen wandern aus unterschiedlichsten Gründen aus: einige in dem Bewusstsein, dass sie damit die weltweite Gemeinde stärken können. Sie arbeiten in ihrem Beruf, werden sesshaft und engagieren sich in einer Gemeinde. Viele Migrantengemeinden in Deutschland sind so entstanden. In London besuchen schon heute an einem Sonntagmorgen mehr Menschen den Gottesdienst einer von Migranten gegründeten Gemeinde als einen traditionellen englischen Gottesdienst. Warum sollten nicht auch wir auswandern und gleichzeitig in unserer neuen Heimat Gemeinde gründen? In Dubai, in Jakarta, Prag oder Madrid.

Sicher gibt es noch mehr zu Mission im Jahr 2030 zu sagen. Und sicher wird vieles anders, als wir uns es jetzt vorstellen können. Aber wir können sicher sein, Gott ist unterwegs in dieser Welt. Und wir dürfen Teil seiner Mission sein: Gestern, heute und auch im Jahr 2030.

Von Matthias Ehmann, Lehrbeauftragter für Missionswissenschaft
und Interkulturelle Theologie an der Theologischen Hochschule Ewersbach

 


Wir danken der Allianz Mission für die Bereitstellung dieses Artikels.

 

 

 

Der Artikel stammt aus dem Magazin move.

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