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Theologe Herbst: „Jesus ist mehr als ein Vorbild“

Eine Rückkehr zum „Glutkern der reformatorischen Theologie“ hat der Greifswalder Theologieprofessor Michael Herbst beim missionarischen Gemeindekongress „Dynamissio“ im Berliner Velodrom gefordert.
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Das Evangelium von der Befreiung durch Jesus Christus, das Martin Luther gepredigt hat, sei 500 Jahre nach der Reformation immer noch fremd und sperrig, betonte Herbst vor mehr als 2.000 Besuchern. „Dieses Fremde zu sagen, macht Kirche relevant.“ Moderne Menschen lebten heute unter dem Zwang zur Selbstoptimierung: „Sie disziplinieren sich beim Essen, sie quälen sich auf dem Stepper, ihre Armbänder messen sämtliche Körperwerte, sie optimieren sich in ihrem Umgang mit der Zeit, sie streben nach ehrgeizigen Zielen.“ Das innere „Betriebssystem“ des modernen Menschen sei – theologisch gesprochen – vom Gesetz geprägt und nicht vom Evangelium: „Die Gesetze ändern die Namen, der Zwang bleibt derselbe.“ Im Versuch, sich selbst durch Wohlverhalten zu erlösen, könne ein religiöser Mensch ebenso „am Evangelium vorbeigehen“ wie ein Religionsloser.

„Jesus nicht nur als Vorbild sehen, sondern als Geschenk an uns“

Daher sei es auch eine gefährliche Verkürzung, Jesus nur noch als Vorbild zu sehen, als „großen Weiser, aus dessen Worten wir lernen, wie ein gutes Leben, wie Nächstenliebe und der Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit aussehen können.“ Gegen diese Tugenden an sich sei ja nichts einzuwenden, aber „Jesus ist eben nicht zuerst und nicht vor allem ein Vorbild oder Beispiel. Er ist zuerst und vor allem eine Gabe und ein Geschenk an uns.“

Wenn Christen sagten, gute Taten seien eigentlich genug und Worte eigentlich nebensächlich, „dann entziehen wir sogar dem anderen, was er braucht. Denn die guten Taten verweisen für sich nur auf uns und nicht auf Jesus. Gute Taten mit guten Worten, die von Jesus erzählen, gönnen dem Nächsten nicht nur ein Vorbild, sondern eine Gabe und ein Geschenk.“ So müsse es bei aller Erneuerung der Kirche und im Gedenken an die Reformation immer darum gehen: „Wir sind Gott recht, ohne Werke des Gesetzes, allein aus Glauben, allein um Jesu willen.“

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„Mission braucht starke Gemeinden“

Heinrich Christian Rust (Foto: Dynamissio / Jonas Peschel)

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„Eine starke Mission ist nachhaltig nur durch starke Gemeinden möglich“, unterstrich der Pastor der Braunschweiger Friedenskirche, Heinrich Christian Rust, im zweiten Hauptvortragdes Kongresses. Die Kirche sei ein wichtiges Bindeglied „zwischen der Erlösungserfahrung des Einzelnen und dem angebrochenen Reich Gottes“. Dabei komme es nicht auf die reinen Zahlen an: „Es gibt dynamische Gemeinden, die von ihrer Organisation und der Anzahl ihrer Mitglieder nicht gerade überzeugen, und dennoch pulsiert in ihnen der Geist Jesu.“

Man könne derzeit einige „Unterströmungen in einem neuen Aufbruch“ wahrnehmen, wie zum Beispiel Zeichen der konfessionellen Versöhnung. „Nicht nur, dass wir nicht mehr aneinander leiden, sondern dass wir erkennen, dass der Leib Christi offenbar nicht an den Grenzen unserer Konfession endet“, so Rust.

Eine solche größere Einheit müsse auch eine größere theologische Bandbreite akzeptieren: „Da, wo wir meinen, dass eine aus dem Bibelstudium gewachsene unterschiedliche Erkenntnis über beispielsweise Taufe, Geistestaufe, Abendmahl, Amt, Charismen oder ethische Fragen uns das Recht gäbe, ein ‚Anathema‘ über jenen zu sprechen, die es anders sehen, sollten wir lieber innehalten und erkennen, dass ein zerrissener Leib Christi kein einladendes Zeugnis für ihn ist.“

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