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Zur katholischen Priesterin berufen

Jacqueline Straub möchte unbedingt Priesterin werden. Doch die katholische Kirche erlaubt nur Männern diesen Dienst.

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Redaktion: Jacqueline, wann hast du gemerkt, dass dein Geschlecht ein Problem für die katholische Kirche ist?

Jacqueline Straub: Mit 17 Jahren wurde mir das so richtig bewusst. Unser Pfarrer war im Urlaub und zu uns kam ein Ersatzpfarrer. Meine Freundin und ich haben während des Gottesdienstes wie immer ministriert und Brot und Wein zum Altar gebracht. Aber dieser Ersatzpfarrer wollte nicht, dass Frauen dem Altar so nahekommen. Er hat versucht, uns wegzudrängen.

Was denkst du, warum hatte er ein Problem damit?

Ich denke, dass er ein veraltetes Bild von Frauen hatte, also dass wir unrein sind und deswegen den Altarraum nicht betreten dürfen. Aber es geht natürlich auch um Macht. Die geweihten Männer halten an alten Traditionen fest, weil sie ihnen Sicherheit geben. Sie wollen sich vermutlich nicht eingestehen, dass sich die katholische Kirche im Laufe der Zeit verändert hat und verändern wird.

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Wie kommt es, dass du unbedingt Priesterin werden möchtest?

Ich fühle mich seit meinem 14. Lebensjahr dazu berufen. Damals war ich auf einem christlichen Jugendcamp. Dort haben wir viel gebetet, in der Bibel gelesen und uns über den Glauben ausgetauscht. In mir entstand eine große Sehnsucht, all das zu tun, was ein Priester tut: Eucharistie feiern, Kinder taufen, Sakramente spenden und mit den Menschen im Glauben unterwegs sein. Dieses Brennen in meinem Herzen habe ich immer noch.

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Du könntest ja auch konvertieren und evangelische Pfarrerin werden …

Das habe ich mir als Jugendliche auch überlegt. Aber für mich stand sehr schnell fest, dass ich römisch-katholisch bleiben und in der katholischen Kirche Priesterin werden möchte.

Welche Reaktionen erlebst du in deinem Umfeld auf deinen Berufswunsch?

In den sozialen Medien bekomme ich viele großartige Rückmeldungen. Die Menschen sprechen mir Mut zu, wofür ich sehr dankbar bin. Auch in der katholischen Kirche gibt’s Priester, Diakone und Bischöfe, die hinter mir stehen. Aber es gibt auch Menschen, die mich beleidigen und mir sagen, ich würde in die Hölle kommen und die Kirche zerstören. Sie können es einfach nicht haben, dass sich Frauen für ihre Rechte und ihre Berufung einsetzen.

Woher nimmst du deine Kraft, weiterzukämpfen?

Definitiv von Gott. Mit der Berufung, die Gott mir geschenkt hat, ist auch ganz viel Freude, Kampfeslust und Beständigkeit verbunden. Ich bin eigentlich eine sehr ungeduldige Person, aber wenn es um meinen Einsatz für die Kirche geht, bin ich durchaus geduldig. Die Kirche braucht eben auch ihre Zeit, um sich zu verändern. Ich möchte aber weiter dranbleiben, meine Stimme erheben und auf die Ungerechtigkeit hinweisen.


Das Interview führte Erika Weiss für die Zeitschrift Teensmag. Teensmag erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.

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8 KOMMENTARE

  1. Vielleicht käme ja die Altkatholische Kirche noch in Frage zum Konvertieren – da dürfen Frauen Priesterin werden.

  2. Ich finde es wichtig und gut wenn Junge Menschen sich für ihren Glauben einsetzen,
    bes. wenn Menschen es gründlich, mit ehrlichen Absichten und auch zum Wohle der Glaubensgemeinschaft & der Nächsten tun möchten;
    und wunderbar, wenn Sie und Anderen dabei behilflich sein können und im tiefsten Sinne auch dazu stehen & sich dafür einsetzen möchten;

  3. Priesterinnen in der Katholischen Kirche

    Die hier von Jaqueline gegebenen Antworten halte ich für zielführend. Ich bin zwar evangelisch, aber der ökumenische Gedanke als der Idee einer Einheit in der Vielfalt prägt meine christlichen Überzeugungen. Als Laie vermute ich, dass die Geschichte von Adam und Eva – also die biblische Schöpfungsgeschichte – auch immer noch wörtlich interpretiert wird. Oder es wird sich auf sie in dieser Form berufen: Zuerst war Adam da, der Mann. Dann wurde Eva aus seiner Rippe gemacht. Klar: Auch in der Antike war bekannt, dass der Mensch der Mensch ist, alle Leute haben Rippen. Aber Eva kam als die Zweite und musste daher wohl in den Überzeugungen früherer Jahrtausende und Jahrhunderte , als Frau dem Mann untertan sein. Eigentlich scheint im Patriarchat auch das Gottesbild ausschließlich männlich zu sein, auch einschließlich priesterlichem Personal. Tatsächlich war auch ganz praktisch noch lange nach dem 2. Weltkrieg der Mann qua Geschlecht Familienvorstand, seine Ehefrau konnte nicht ohne dessen Unterschrift ein Bankkonto anlegen. Ich habe es noch selbst erlebt. Dies war in jenen Zeiten, als Homosexualität absolut unanständig war, eine Todsünde, und wer sie praktizierte brach ein Gesetz. Mit gottlosen Homosexuellen wollte in jeder Kirche niemand etwas zu tun haben.

    Als Nichttheologe meine ich zu wissen, was auch andere glauben und hoffen: Die Schöpfungsgeschichte ist ein wunderbares allerdings antikes Glaubensbekenntnis, von Gott so inspiriert und deshalb grundsätzlich richtig. Wir alle sind von und aus Gott gemacht. Leider ist die Katholische Kirche ein reiner Männerverein, die Frauen dürfen Kaffee kochen und auch in den Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat gewählt werden. Aber Diakoninnen und Priesterinnen werden sie gemäß Kirchenrecht nicht. Sicher war Jesus wirklicher Gott und auch wirklicher Mensch und Mann bzw. auch ein Jude in seiner Zeit. Wenn auch nicht im engsten Jüngerkreis, so hatte Jesus Christus jedoch viele Jüngerinnen und er schätzte Frauen und Mädchen sehr. Dazu liefert uns das Neue Testament viele Berichte und Gleichnisse. Dass ein Priester keine Frauen am Altar sehen möchte, dass weibliche Gemeindeglieder keine Predigten halten dürfen, wohl auch nicht wenn sie Pastoralreferentinnen bzw. Volltheologen sind, scheint aus einer sehr unaufgeklärten Zeit zu stammen. Ich wünsche mir, obwohl ich das persönlich nicht mehr erleben werde, dass katholische und evangelische Menschen sich gemeinsam von Jesus zu Abendmahl und zur Messe eingeladen fühlen, sie sind es wirklich. Auch sollten wir uns über alle Konfessionen hinweg als Christ*innen der einen weltweiten Kirche Jesu Christi zugehörig fühlen. Und dass es dort nicht um Herrschaft, sondern um Liebe und Gemeinschaft geht, flache Hierarchien wichtig sind und Christenmenschen vor allem gemeinsam mit den Bischöfen oder Kirchenpräsidenten tatsächlich demokratisch arbeiten und Entscheidungen treffen. Und Jaqueline vielleicht sogar als erste Priesterin eingeführt wird. Im Kindergottesdienst habe ich mit den anderen Kindern die erste Pfarrerin gesehen und wir haben sie mit großen Augen damals wie ein Weltwunder bestaunt. Vorher war es unmöglich als Frau ein Pfarramt zu haben. Notfalls bliebe ja für Jaqueline noch die Altkatholische Kirche übrig. Aber ob das nun wirklich ihr persönlicher Plan B sein könnte, ist sicherlich aus sich heraus fraglich. Unsere älteren Geschwister im Glauben, dem Judentum, haben längst Rabbinerinnen ordiniert und es ist auch dann kein Feuer vom Himmel gefallen. Für mich ist Gott auch eine Mutter.

    • Hallo Bernd,

      Ich stimme mit ihnen überein, dass in der katholischen Kirche einiges falsch läuft. Das hat aber weniger mit antiquierten Glaubensvorstellungen oder -bekenntnissen zu tun, als damit, dass die RKK keine neutestamentliche Kirche ist. Die Bibel dient nur als “Deckel“ auf dem Topf, der Inhalt ist aber davon losgelöst. Wo gibt es im neuen Testament die Babytaufe als Glaubensbekenntnis, Sakramente, Altäre, Zölibat, Marienverehrung etc.? Paulus hat was ganz anderes gelehrt und die RKK hat ihre eigenen Regeln und eigene Traditionen entwickelt, die der Bibel z.T. diametral gegenüber stehen und von Jesus und seinem Geist ablenken.

      “Für mich ist Gott auch eine Mutter“. Das ist eine sehr gewagte Aussage und wahrscheinlich dem populären Feminismus geschuldet, denn durch die ganze Bibel hindurch wird Gott Vater genannt, auch von Jesus, und an ihm sollten wir uns orientieren. Das gleiche gilt für praktizierte Homosexualität, die durchweg Sünde genannt wird. Machen wir uns nichts vor, Jesus hat es selbst in Matthäus 5:28 Ehebruch genannt, wenn ein Mann eine Frau auch nur lustvoll ansieht, auch wenn beide jeweils unverheiratet sind. Wieviel mehr ist praktizierte Homosexualität Ehebruch, denn damit wird Gottes Bild der Einheit, das in der Ehe von Mann und Frau durch leuchten soll, auf’s Äußerste entstellt.
      Paulus legt auch die Stellung von Mann und Frau, besonders in der Ehe, anhand der Schöpfung ganz klar aus und stellt dabei solch hohe Anforderungen an uns Männer, dass eine Unterdrückung der Frau reininterpretiert werden muss. Denn diese ist nicht vorhanden.

      Dass Frauen ihre Männer in der Vergangenheit für bestimmte Dinge um Erlaubnis fragen mussten oder Homosexuelle verachtet und attackiert wurden, liegt nicht an der Bibel, sondern an der Sündhaftigkeit des Menschen. Weder das eine noch das andere ist durch die Bibel, und für uns Christen insbesondere durch das NT gerechtfertigt.
      Trotzdem müssen wir wiedergeborene Christen aufpassen, die gute Lehre nicht dem Zeitgeist zu unterwerfen, aus Angst vor Gegenwind. Den gab es schon immer und wird es auch immer geben. Jesus hat es uns gesagt.

      • Hallo Markus,

        obwohl ich evangelisch und dazu noch ein theologischer Laie bin, muss ich die RKK hier doch etwas in Schutz nehmen: Die Bibel diene dort nur als Deckel auf dem Topf, aber der Inhalt sei davon abgelöst. So einfach ist es m.E. überhaupt nicht, denn die Dogmen werden durchaus theologisch begründet, es mangelt eher an ihrer Begründung. Zudem sind Dogmen ja auch keine absoluten Wahrheit, denn nur Gott ist Wahrheit. Was mir generell falsch zu laufen scheint – nicht nur katholischerseits – Gott nicht als das zu verstehen was er ist, als Gott und seinem Wesen nach Liebe. Vor allem also in einer geistig-geistlichen Sichtweise. Die Bibel ist Gottes Wort, aber über den Umweg, dass es immer Gotteswort durch Menschenwort ist. Man muss daher die Schrift auslegen. Ich halte (selbstverständlich auch gelebte) Homosexualität nicht für Sünde, obwohl dies nicht mein Problem ist. Es gibt ja nicht nur lesbische Frauen, homosexuelle Männer, oder vereinfacht ausgedrückt Menschen mit zweierlei Geschlecht oder keinem, sowie Leute im falschen Körper. Dies alles hat man vor 2000 Jahren und auch noch vor hundert Jahren nicht wissen können. Jesus als wahrer Gott – und zugleich als wahrer Mensch – hätte als Mensch der Antike auch keinen Computer bedienen können und vermochte nicht zu wissen, wie ein Atomkraftwerk gebaut wird. Dass Mädchen zur Zeit Jesu bereits mit 13 Jahren verheiratet wurden, war damals normal. Die Moral hat sich seit Moses, Abraham und Jesus immer wieder sehr verändert. Was nicht heißt, dass ich es richtig finde Orgien zu feiern. Es geht vielmehr immer um Glaube, Hoffnung und Liebe, wobei die Liebe die Größte ist. Trotzdem: Leider waren in der Vergangenheit Frauen nicht gleichberechtigt und oftmals unterdrückt. Allerdings gab/gibt es Kulturen, wo dieses Schicksal Männern zugedacht ist. Die Abschaffung der Sklaverei hat die Urchristenheit nicht gefordert oder gedacht. Aber deshalb kann dies doch heute auch eine Aufgabe sein – also die Versklavung von Menschen auf andere Weise zu bekämpfen. Etwa durch die Prostitution oder in Unrechtsstaaten. Die Bergpredigt ist zeitlose Ethik.

  4. Ich will! Ich, ich, ich … ist dass das wichtigste?
    Das kommt mir immer in den Kopf wenn ich solche Frauen höre. Frauen die fordern und sich in den Mittelpunkt stellen. Genau darin steckt der Fehler. Der Weg zu Gott führt immer nur zur Demut.

    Ja, es gibt Machtprobleme und -missbrauch in der katholischen Kirche, aber auch in der evangelischen. Und man kann nicht feststellen das die evangelische Kirche irgendetwas besser macht. Gerade in der Missbrauchsaufarbeitung ist sie mehr als 10 Jahre der katholischen Kirche hinterher und wenn man mit Missbrauchsopfern von evangelischen Einrichtungen spricht, hat man nicht den Eindruck das es in der evangelischen Kirche überhaupt so etwas wie Empathie und Interesse gibt. Erstaunlich, bei so viele Priesterinnen erwartet man doch etwas anderes.

    Nein, hier scheitert die evangelische Kirche auch an dem „Ich“. Wer sich in den Mittelpunkt stellt und nicht Jesus macht schon mal den ersten großen Fehler.

    Ich habe kein Problem mit Priesterinnen und bin mir sicher das der heilige Geist dafür sorgen wird, das die Erkenntnis kommt das diese gebraucht werden. Wenn es denn Gottes Wille ist. Aber bis auf die Interpretation von „Gottes Wille“ als Kraft hinter der Selbstverwirklichung, ist nicht zu erkennen.

    Ich finde es ja sehr schade das es so viele ungute Kräfte in den Kirchen gibt. Die Menschen werden immer mehr vom Glauben abgestoßen weil sie in den Krichen nicht erleben das der Glaube wirklich wichtig ist.

    • Lieber EinFragender: Ich finde es auch schade, dass es so viele ungute Kräfte in den Kirchen gibt. Allerdings gilt auch heute die Erkenntnis des Bibelverses, dass wir allzumal Sünder sind und es uns an dem Ruhm mangelt, den wir vor Gott haben sollten. Damit will ich in keinster Weise sexuellen Mißbrauch als eine seelenzerstörende Kraft auch nur im Geringsten klein reden. Nicht selten trifft man auf Christen als Menschen, die durch ihre Art und Weise keine Reklame für den Glauben machen. Aber es gibt auch liebenswerte und emphatische Nichtgläubige. Am meisten stört mich Ihr Anfangssatz. „Ich, ich, ich will – und Frauen forderten immer im Mittelpunkt zu stehen“! Tun das Männer nicht ? Ich hoffe, damit ist nicht die junge Frau gemeint, die gerne Priesterin sein würde. Der Weg zu Gott führt leider nicht über die Demut, aber wenn Gott mich gefunden hat und der Heilige Geist in mir wirkt, werde ich sicherlich demütig. Aber bin ich nicht demütig gegenüber Umständen, die faire Kritik dringend benötigen.

  5. Noch eine Anmerkung zur Altkatholischen Kirche. Hier müsste man eigentlich nicht einmal konvertieren. Bekanntlich wird ein Kind bei der Taufe nicht römisch-katholisch, sondern katholisch. Ein Wechsel in eine Altkatholische Gemeinde war damit ohne Austritt aus der katholischen Kirche möglich. Und sollte es eigentlich immer noch sein. Leider gab es in der Vergangenheit zumindest eine höchst fragwürdige Gerichtsentscheidung, die diese jahrzehntelange Praxis verworfen und den Alleinanspruch der römischen Kirche auf den Katholizismus bejaht hat. D.h. natürlich hat das das Gericht nicht so gesagt – aber die verquaste formaljuristische Begründung lief praktisch darauf hinaus. Ob diese – m.E. verfassungswidrige – Parteinahme eines weltlichen Gerichtes in einem innerkirchlichen Streit Bestand hatte, weiß ich nicht.

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