Out of the Box – Weil wir wunderbar gemacht sind
Die Kolumne von Tom Laengner

Ist meine Logik logisch genug?

Tom Laengner philosophiert über Sandkastenspiele und Gottesbeweise – und landet beim Schriftsteller Mark Twain und dessen Bibelverständnis.

Heute gibt es Sandkuchen. Da ist zumindest kein Zucker drin. Leider war unter dem Sandkasten-Förmchen eine Nacktschnecke. Sie bekam ich kaum vom Finger. Und das hat meinen Genuss entscheidend eingeschränkt. Irgendwann ging es ans Bezahlen. Und egal, was auch immer ich bezahlte und womit, es gab immer noch etwas zurück. Das ging auch lange gut. Von „Förmchen-Eis“ und anderen Köstlichkeiten dieser Gourmetküche kann ich jede Menge essen, ohne dass es mir auf den Magen schlägt. Doch dann kam der Punkt, an dem das Wechselgeld ausging. Es gab nur noch Scheine: Hunderter und Zweihunderter. Sollte das zum Problem werden? Nein! Ließen diese Scheine sich doch in der Mitte durchreißen. So bekam jeder die Hälfte. Gerechter kann es kaum zugehen. Folgerichtiges Denken einer Dreijährigen scheint in etwa so zu funktionieren. Eine Kartoffel kann ich teilen, eine Ananas auch und eine Scheibe Brot sowieso. Einfach in der Mitte durchschneiden und fertig ist die Laube.

Einen 200-Euro-Schein in der Mitte durchzuschneiden, um zwei Personen jeweils 100 Euro zu geben, scheitert nicht an einer unpräzisen Schnitttechnik. Hier kommt die Logik eines Kindergartenkindes an seine Grenzen. Jeder erwachsene Mensch mag in sich eine Sehnsucht nach Kindlichkeit spüren. Aber er weiß um eine erweiterte Wirklichkeit hinter dem Spiel.

Das Allmachtsparadoxon

Mir fiel da ein Gottesbeweis ein, den ich als Jugendlicher geführt habe. Damit konnte ich die Nichtexistenz Gottes ziemlich plausibel darstellen. Das war ganz einfach. Und das musste es auch unbedingt sein. Denn sonst hätte ich es auch nicht verstanden. Also: ‚Wenn Gott allmächtig ist, was ja behauptet wird, dann muss er doch einen Stein schaffen können, den er selber nicht heben kann!‘ Damit meinte ich Gott nun wirklich eine Falle gestellt zu haben. Aus diesem Dilemma gäbe es kein Entkommen. So in etwa formulierte ich als frisch examinierter Konfirmand. Doch Menschen stellen diese Frage auch heute noch. So wird 2023 in einem Referat an der Uni Leipzig in diesem Zusammenhang vom ‚Allmachtsparadoxon‘ gesprochen. Das klingt in meinen Ohren schwer erhebend. Es macht richtig was her! Dabei hätte ich nicht gedacht, dass sowas heute noch eine Frage ist.

Mein Interesse an dem Stein, den der Schöpfer des Universums nicht heben kann, ist inzwischen ausgesprochen gering geworden. Das hat auch damit zu tun, dass ich hinsichtlich des menschlichen Verstandes über einige Erfahrung verfüge. Und gewiss, wir fällen durchaus kluge Entscheidungen. Doch wabern in unseren menschlichen Gehirnen auch haufenweise garstige Gedanken. Wir sind verantwortlich für jede Menge halbgarer, nicht zu Ende gedachter und gefährlicher Entscheidungen.

Das erinnert mich doch sehr an meine Enkeltochter. Nichts für ungut, die ist aber auch erst drei Jahre alt und bekleidet keine öffentlichen Ämter. Ich bin ja auch nicht mehr und nicht weniger als ein normaler Mensch und meine, Gott aberwitzige Fragen stellen zu können. Auf die mit dem Stein habe ich bis heute noch keine unmittelbare Antwort bekommen. Das ist für mich aber auch kein Problem. Wenn Gott wirklich existiert, wird er sich wohl kaum von einem Teenager aufs Kreuz legen lassen …

Lernen von Mark Twain

Lernen will ich vom us-amerikanischen Erzähler und Satiriker Mark Twain. Der sagte einmal: “Ich habe keine Schwierigkeiten mit dem, was ich in der Bibel nicht verstehe. Probleme machen mir die Stellen, die ich sehr gut verstehe“.

Da wäre ich wohl ganz gut beraten, mich den Herausforderungen meines Alltags zu stellen. Grübelndes Nachdenken über das Allmachtsparadoxon ist zumindest für mich eine Art, mich den echten Fragen zu entziehen.

Aber Moment, jetzt klebt die Nacktschnecke an meinem Hosenbein. Eine echte, klebrige Herausforderung!

Out of the box - weil wir wunderbar gemacht sind

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Tom Laengner

Tom Laengner ist ein Kind des Ruhrgebiets. Nach 20 Jahren im Schuldienst arbeitet er journalistisch freiberuflich und bereist gerne afrikanische Länder. Darüber hinaus arbeitet er als Sprecher für Lebensfragen und Globales Lernen.

In seiner Kolumne „Out of the Box – Weil wir wunderbar gemacht sind" schreibt er alle 14 Tage über Lebensfragen, die ihn bewegen.

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1 Kommentar

  1. Gott ist Liebe und zeigt dies gewaltlos am Kreuz

    „Wenn Gott allmächtig ist, was ja behauptet wird, dann muss er doch einen Stein schaffen können, den er selber nicht heben kann!‘ Damit meinte ich Gott nun wirklich eine Falle gestellt zu haben“! Da hat Tom Laengner hier absolut recht: Wir müssen Gott auch Gott sein lassen und dass auch seine Gedanken höher sind als unsere Gedanken. Niemand nutzt ein Westentaschengott, zurechtgestutzt nach unseren eigenen Bedürfnissen und angepasst an meine Überzeugungen. Auch die philosophischen Gottesbeweise haben keine wirkliche Überzeugungskraft, denn jeder Beweis dass es Gott geben muss, kann jeder engagierte Nihilist auch als Beweis des Gegenteiles verwenden. Ich meine nun aber trotzdem – bei allem Verständnis dass wir alle auch für uns selbst eine unkomplizierte Rechtgläubigkeit wünschen – es muss folgendes erlaubt (und eigentlich sogar notwendig) sein:

    Die Bibel nämlich auszulegen auszulegen an der Botschaft Jesu, angefangen bei der Überzeugung vorallem der Reformatoren, bis heute zu den Erklärungen auch zu unserer Bibel und zum Schriftverständnis: Die Bibel ist – neben vieler anderer Literatur – eine Sammlung von Glaubens- und Gotteserfahrung aus mehr als 3000 Jahren. Sie enthält aber auch menschliche Irrtümer, zudem das Weltbild aus jenen Zeiten als die biblische Schriften entstanden, und auch allerlei menschliche Meinung. Beispielsweise verbreitet das Alte Testament, Gott gewissermaßen in den Mund gelegt, dass die Kriege der damaligen Israeliten auch die Kriege Gottes waren. Das war – man nehme mir die Formulierung bitte nicht übel – damals einfach nur religiöse Propaganda. Sonst kommen wir in Widerspruch zu dem eigenen Gebot Gottes „du sollst nicht töten“. Da sind wir dann ganz schnell bei den fatalen Verständnis der heutigen oft recht gewalttätigen und fundamentalistisch denkenden jüdischen Siedlern im West-Jordanland. Man darf auch nicht stehlen und rauben und nicht palästinensischen Menschen das Land wegnehmen, was ja sogar strikt gegen israelisches Recht verstößt. Das Heilige Land ist momentan nicht wirklich heilig – und ich glaube es wird so erst – wenn Jesus wiederkommt. Da nutzt auch das von den Moslem zugemauerte Stadttor. Auch wieder ein untauglicher Versuch, religiöse Überzeugung handfest zu belegen. Dafür lobe und liebe ich Israel absolut: Es hat – bezogen auf seine Einwohnerzahl – der Welt größte Friedensbewegung. Israelische Frauen haben immer palästinensischen Familien beigestanden und ebenso geholfen, die Felder zu ernten. Im Moment dieses Krieges geht dies jetzt leider aber nicht.

    Jesus war und ist der Sohn Gottes. Aber mit dem Kreuz auf Golgatha wollte der Himmel auch strigend ausdrücken, dass Gott nicht mit Gewalt herrscht und auch nicht so richtet, sondern nur mit Liebe. Jesus hat sich nicht gewehrt. Gott wirft kein Feuer vom Himmel, er ist nicht böse und launisch, der schickt uns keine Krankheiten um zu strafen – aber er ist die Liebe in Person. Wie es im 1. Korinther 13 steht: Die Liebe ist geduldig gütig und sie vergilt gleiches niemals mit gleichem. So ist unser Gott. Und mit diesem Gott der Liebe mache ich im Leben immer wieder wunderbare Erfahrungen und habe großes Vertrauen.

    Die Bibel bleibt immer Gottes Wort, so wie jeder Singvogel, das scheue Reh und der morgendliche Sonnenaufgang auch die Sprache Gottes sind. Wie ebenso unser wunderschöner blauer Planet, wie ihn damals die Astronauten vom Mond gesehen haben und spontan die Schöpfungsgeschichte vorgelesen haben (ich glaube, es war gerade Weihnachten).

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