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„Kann Gott meine nicht-‚geistlichen‘ Begabungen gebrauchen?“

Out of the Box – Weil wir wunderbar gemacht sind

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Die zweiwöchentliche Kolumne von Tom Laengner


Eine Hühnersuppe für die kranken Enkel zu kochen, wirkt auf den ersten Blick nicht wie etwas, das Gott nutzen könnte. Tom Laengner entdeckt trotzdem einen Sinn darin.

Ich habe heute ein halbes Huhn gekauft. Dafür brauche ich mich nicht zu schämen. Es ist nicht gegen das Gesetz. Und es ist auch im übertragenen Sinne keine halbe Sache, weil ich daraus etwas nahezu Vollkommenes kochen werde. Dafür habe ich eigentlich keine Zeit, weil ich doch für Jesus.de einen Text schreiben muss. Andererseits sollte ich vielleicht getreu Motto der Webseite „damit der Glaube im Alltag lebt“ gerade deshalb dem toten halben Huhn eine neue Bestimmung geben. Schließlich geht es nicht um mich. Meine Enkelkinder haben Reizhusten. Die heiße Hühnersuppe soll ihnen guttun. Erfahrungsgemäß wird sie das auch.

Jedes Mal, wenn ich die Hühnerhaut untersuche, entdecke ich ein paar Federkiele in der wabbeligen Haut. Und jedes Mal erinnern sie mich an Haare in Männernasen. Die müssen auch raus, was die Angelegenheit nicht unbedingt appetitlicher macht. Besonders mag ich den Reis an der Hühnersuppe. Insbesondere Basmatireis kriege ich in der Regel nicht so hin, wie ich ihn haben möchte. Das ist im Allgemeinen nicht besonders erhebend. Aber hier spielt das keine Rolle. Gut, der Topf sollte nicht schwarz werden. Aber sonst? Letztendlich landet der weiße Reis in der Suppe als Einlage und die verzeiht so manchen Fehler. Das finde ich klasse! Für meine Familie bin ich der König der Fettaugen. Allerdings würde ich nicht so weit gehen zu sagen, dass das Kochen von Hühnersuppe eine Gabe von mir ist.

Wie denkt Gott über meine Begabungen?

Mit fiel dabei ein Instagram Post ein. Da war eine Frage zu lesen: „Kann Gott meine Begabungen auch dann gebrauchen, wenn sie nicht ‚geistlich‘ sind?“ Hm, kann er? Und denkt er so?

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Hühnersuppe ist ja nicht unbedingt ein veganes Gericht. Sie ist buchstäblich eher fleischlich. Aber auch zum Gemüseputzen brauche ich keine übernatürlichen Fähigkeiten. Doch das Eine weiß ich: Meiner Tochter mache ich eine große Freude. Und meine Enkelkinder werden begeistert sein. Ich habe das Gefühl, eine Suppe zu kochen ist das Beste, was ich im Moment der akuten Erkältungskrankheit machen kann. Es jeden Tag zu tun, wäre dummes Zeug. So sieht’s aus, finde ich. Also, ich habe da keine Begabung. Aber ich habe was gelernt.

Probieren geht über Studieren

Alles begann mit dem Unterschied zwischen Brathähnchen und Suppenhuhn. Denn eines Tages stand ich vor der Aufgabe, für meinen Vater ein Geflügelgericht zu kochen. Es gab sogar ein Rezept, dem ich mich stellen wollte. Ich weiß, wie die Geschichte heute ausgehen würde. Ein Anruf bei Food Gorillas oder ihrer Familie hätte den Tag gerettet. Damals gab es zwar schon Telefon, aber keinen Bestellservice. Doch der Reihe nach. Ich musste Fleisch erwerben. Das war das Wichtigste. Für kleines Geld gab es Huhn und Hahn im Discounter. Knochenhart weil tiefgefroren. Weil ich inzwischen das Abitur in der Tasche hatte, konnte ich immerhin Preise unterscheiden. Suppenhuhn war deutlich billiger. Dass Billiger nicht unbedingt auch klüger ist, erkannt ich spätesten drei Stunden später. Mein Vater wurde immer hungriger, das Suppenhuhn aber nicht garer. Wahrscheinlich wurde es nie gar. Das alles war meiner Ahnungslosigkeit und Unerfahrenheit geschuldet. Und mein Vater war, stark untertrieben gesagt, und wie jeder Mensch problemlos verstehen kann, durch und durch genervt.

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Offenbar habe ich diesen Tag überlebt. Und ich hatte etwas dazugelernt. Und ich habe einfach immer weiter gemacht. Soll heißen: gekocht. Wenn ich heute zurückdenke, gab es sogar ein Wunder an der Geschichte. Das besteht darin, dass ich nicht aufgegeben habe.

Aber jetzt muss ich los! Denn nur ein Versprechen allein macht dann doch weder satt noch eine große Freude.

Alle Kolumnen von Tom Laengner findet ihr hier.


Tom Laengner ist ein Kind des Ruhrgebiets. Nach 20 Jahren im Schuldienst arbeitet er journalistisch freiberuflich und bereist gerne unterschiedliche afrikanische Länder. Darüber hinaus arbeitet er als Sprecher für Lebensfragen und Globales Lernen. In seiner Kolumne „Out of the Box – Weil wir wunderbar gemacht sind“ schreibt er regelmäßig über Lebensfragen, die ihn bewegen.

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