Gustav Heinemann (1899–1976) war dritter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland und engagierter evangelischer Christ. Sein Glaube prägte sein politisches Handeln maßgeblich.
Gustav Walter Heinemann wurde am 23. Juli 1899 im westfälischen Schwelm geboren. Er studierte Jura, Volkswirtschaft und Geschichte. 1945 gehörte er zu den Mitbegründern der CDU im Rheinland, gründete 1952 die pazifistische Gesamtdeutsche Volkspartei und schloss sich nach deren Scheitern 1957 der SPD an. Von 1946 bis 1949 war er ehrenamtlicher Oberbürgermeister von Essen, anschließend bis 1950 Bundesinnenminister. Von diesem Amt trat er aus Protest gegen die von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) forcierte Wiederbewaffnung der Bundesrepublik zurück. Im Kabinett Kiesinger (CDU) der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD, hatte Heinemann von 1966 bis 1969 das Amt des Bundesjustizministers inne. 1969 wählte die Bundesversammlung Heinemann als ersten Sozialdemokraten zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland. Für eine zweite Amtszeit kandidierte er 1974 aus Altersgründen nicht mehr.
Wichtiger als sein politisches Engagement war Heinemann das Leben als Christ. Seine Priorität formulierte er so: „Ich stehe nicht in der Politik, weil sie mir die erste Verpflichtung wäre. Ich weiß meine erste Verpflichtung im kirchlichen Leben.“ Heinemann stammte aus einer kirchenfernen Familie, wandte sich aber als junger Mann unter dem Einfluss seiner Frau und deren Gemeindepfarrer in Essen dem christlichen Glauben zu. In seiner Heimatgemeinde engagierte er sich als Gemeindeältester (Presbyter). Während der Zeit des Nationalsozialismus gehörte der Jurist zur Bekennenden Kirche und fungierte als deren Rechtsberater. 1934 nahm Heinemann an der Bekenntnissynode in Barmen teil, verfasste später illegale Schriften für die Bekennende Kirche und unterstützte verfolgte Christinnen und Christen juristisch. Nach 1945 übernahm Heinemann Aufgaben in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): Von 1949 bis 1955 war er Präses der Synode, bis 1967 Mitglied des Rates der EKD. Außerdem war er bis 1962 Mitglied der Kirchenleitung der Rheinischen Kirche. Das Stuttgarter Schuldbekenntnis von 1945, zu dessen Unterzeichnern er zählte, bezeichnete Heinemann als „Dreh- und Angelpunkt“ seines kirchlichen Wirkens.
Als Politiker blieb Heinemann seiner christlich geprägten Haltung treu. Er engagierte sich in der Friedensbewegung, lehnte Atomwaffen entschieden ab und widersprach der religiösen Instrumentalisierung im Kalten Krieg mit dem Satz: „Christus ist nicht gegen Karl Marx gestorben, sondern für uns alle.“ Als Bundespräsident verstand er sich als „Bürgerpräsident“ und forderte in seiner Antrittsrede: „Nicht weniger, sondern mehr Demokratie.“ Zugleich betonte er die ethische Dimension von Politik: „Nicht der Krieg ist der Ernstfall, sondern der Friede, in dem wir alle uns zu bewähren haben.“
Ein kennzeichnendes Zitat von Heinemann stammt aus seinem Schlusswort beim Evangelischen Kirchentag 1950 in Essen: „Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren gehen, unser Herr aber kommt!“. Gustav Heinemann starb am 7. Juli 1976 in Essen.
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