Was als Pandemie-Idee begann, ist in Berlin-Wilmersdorf zu einem festen Ritual geworden: Jeden Abend um 19 Uhr singen Menschen vor der Kirche „Der Mond ist aufgegangen“.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) schlug während der Corona-Pandemie im März 2020 vor, um 19 Uhr auf Balkonen das Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen. Für viele blieb dies eine einmalige Aktion – nicht so in Berlin-Wilmersdorf. Vor der Kirche am Hohenzollernplatz treffen sich seit dem 18. März 2020 täglich Nachbarinnen und Nachbarn zum gemeinsamen Singen. Dies schreibt Leonie Gubela in einer Reportage für die taz.
Heute, mehr als fünf Jahre später, ist das Ritual fester Bestandteil des Lebens im Viertel geworden. Ob Regen oder Sturm: Die Gruppe singt sieben Strophen, vier Minuten lang. Für viele ist es mehr als Musik – es ist Gemeinschaft. „Das Lied ist für mich wie ein Abendgebet“, sagt Erika Pfaffenberg, 82 Jahre alt und seit Kindertagen vertraut mit dem Text.
Auch die Kirchengemeinde sieht darin eine Chance. Pfarrerin Marita Lersner betont: „Das Mondsingen entspricht meiner Vorstellung von gelebter Gemeinde: Beziehung und Vernetzung.“ In Zeiten sinkender Kirchenmitgliedschaften sei es umso wichtiger, dass solche Initiativen entstünden – nicht geplant, sondern aus dem Leben heraus.
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Mondsüchtig – eine Reportage von Leonie Gubela (taz.de)

„Berlin singt“ – das ist wieder so eine maßlose journalistische Übertreibung.
Aber ansonsten sicherlich eine gute Sache, Matthias Claudius hätte seine Freude daran.