Felix Nmecha sorgt mit einem öffentlichen Gebet nach einem WM-Spiel für Diskussionen. Was für viele ein starkes Glaubenszeugnis ist, stößt bei anderen auf scharfe Kritik.
Das Bild ging um die Welt: Nach dem 7:1-Sieg Deutschlands gegen Curaçao beteten Felix Nmecha und Jonathan Tah gemeinsam mit Spielern der gegnerischen Mannschaft (Jesus.de berichtete). „Ich fand das wirklich ein tolles Bild für Völkerverständigung“, sagt der Theologe Uwe Heimowski im Gespräch mit der evangelischen Zeitschrift chrismon. Fußball sei vom Wettbewerb geprägt – umso bemerkenswerter sei es, wenn Spieler unterschiedlicher Nationen gemeinsam ihren Glauben bekennen.
Für Heimowski ist öffentliche Religiosität nichts Ungewöhnliches: „Wir sind nie unreligiös.“ Glaube gehöre zur Persönlichkeit – auch bei Profisportlern. „Wenn jemand Christ ist oder Moslem, dann gehört das zu seiner Persönlichkeit dazu.“ Den Vorwurf, hier werde Mission betrieben, weist er zurück: „Mission wird oft missverstanden.“ Religionsfreiheit bedeute nicht nur, glauben zu dürfen, sondern auch, „dass ich über meinen Glauben öffentlich sprechen darf.“ Entscheidend sei, dass dabei niemand unter Druck gesetzt werde.
„Evangelikal heißt nicht automatisch rechts“
Nmechas Nähe zur Plattform „Ballers in God“ sieht Heimowski differenziert: Das Netzwerk selbst stabilisiere viele junge Spieler. Gleichzeitig gebe es Verbindungen zu theologischen Strömungen wie „Prosperity Gospel“ („Wohlstandsevangelium“), der Bethel-Church und christlichem Nationalismus – das sieht Heimowski kritisch. Öffentliche Kritik entzündete sich zuletzt vor allem an älteren Social-Media-Beiträgen Nmechas, die als queerfeindlich eingeordnet wurden. Heimowski mahnt hier zur Differenzierung. Nmecha habe die Beiträge gelöscht und sich davon distanziert. „Mir scheint, dass er nichts gegen queere Menschen hat, sondern ein konservativer Christ ist.“ Der Glaube dürfe nicht pauschal unter Verdacht geraten: „Evangelikal heißt nicht automatisch rechts“, betont Heimowski. Es gebe unterschiedliche Strömungen, auch problematische. „Die Radikalen sind nur medial viel präsenter.“
Zugleich unterstreicht Heimowski die Verantwortung von Christen: Sie müssten sensibel sein, wenn Menschen diskriminiert werden. „Aber wir sollten auch aufpassen, dass wir nicht jede Person sofort vollständig auf einen Fehler oder einen alten Post reduzieren.“ Die heftigen Reaktionen auf Nmechas Gebet wertet er als Ausdruck einer aufgeheizten Debattenkultur, in der Zwischentöne schnell verloren gingen. Sein Fazit: „Sieben Menschen stehen nach einem 7:1 zusammen. Die einen haben verloren, die anderen gewonnen. Und trotzdem sagen sie: Wir gehören zusammen. Das finde ich eigentlich viel schöner als all das, was später hineingedeutet wurde.“
>>> das komplette Interview bei chrismon
Uwe Heimowski (1964) ist Diplom-Theologe und war Pastor in der EfG Gera sowie Referent für Menschenrechte beim Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich. Zudem arbeitete er als politischer Beauftragter der Evangelischen Allianz Deutschland. Seit 2023 ist er geschäftsführender Vorstand von Tearfund Deutschland.
Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen hat die Aufregung rund um das Gebet Nmechas für chrismon kommentiert. Er schreibt unter anderem: „Öffentliches Beten ist Teil der Religionsfreiheit und deshalb ein unveräußerliches Menschenrecht. Darauf hätte man vor vier Jahren in Katar durchaus hinweisen können.“ >>> Dürfen Fußballer öffentlich beten?
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