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Stadt Herrnhut feiert 300-jähriges Jubiläum

Am 17. Juni 1722 haben böhmische Glaubensflüchtlinge den Grundstein des ersten Hauses in Herrnhut gelegt. Heute sind die „Herrnhuter“ weltbekannt für ihre Weihnachtssterne und die Losungen.

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Die Herrnhuter Brüdergemeine ist eine evangelische Freikirche, die im 18. Jahrhundert in der Oberlausitz von Glaubensflüchtlingen gegründet wurde. Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700-1760) hatte zuvor Protestanten aus Mähren auf seinem Gut aufgenommen.

Sie gründeten 1722 den Ort Herrnhut. Am 17. Juni wurde mit dem Bau eines ersten kleinen Hauses begonnen. Das Datum gilt als Gründungstag des bis heute christlich geprägten Ortes in Ostsachen.

Kommen ursprünglich aus Böhmen

Ihren Ursprung hat die Freikirche in einer der ersten evangelischen Kirchen in Böhmen, der Unitas Fratrum oder Brüder-Unität, die im 15. Jahrhundert entstand. Die „Böhmischen Brüder“ beriefen sich auf den Reformator Jan Hus, der 1415 in Konstanz als Ketzer verbrannt wurde. Die Nachfahren der „Brüder“ flüchteten während der Gegenreformation im 18. Jahrhundert nach Sachsen.

Herrnhut entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden Ort für Handwerk und Handel, aber auch zum Zentrum einer global vernetzten, kirchlichen Erneuerungsbewegung. Die Brüdergemeine und deren „Herzenschristentum“ fand in ganz Deutschland große Resonanz.

Die meisten „Herrnhuter“ leben in Afrika

Zehn Jahre nach der Gründung begann 1732 in der Karibik die Missionsarbeit. Heute leben in Afrika die meisten der weltweit mehr als 1,2 Millionen „Herrnhuter“. Die Evangelische Brüdergemeine, bekannt auch als Brüder-Unität, ist in mehr als 40 Ländern auf fünf Kontinenten vertreten. Deutschland ist nur eine von weltweit 29 Provinzen.

Überregional bekannt wurde Herrnhut durch seinen Weihnachtsstern. Entwickelt Anfang des 19. Jahrhunderts in der Brüdergemeine, um Schülerinnen und Schülern Geometrie beizubringen, ist er längst ein Exportschlager. 2021 wurden etwa 780.000 Herrnhuter Sterne in der ortsansässigen Manufaktur hergestellt.

Losungen haben Auflage von circa 1,5 Millionen Exemplaren

Außerdem gibt die Brüdergemeinde die „Losungen“ heraus. Das Andachtsbuch enthält Worte aus der Bibel für jeden Tag. Es erscheint in rund 60 Sprachen und hat weltweit eine Auflage von etwa 1,5 Millionen Exemplaren.

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Die täglichen Losungen erschienen erstmals 1728. Seit 1731 sind sie in gedruckter Form erhältlich. Es gibt auch eine Smartphone-App und eine Ausgabe für junge Leute.

Barockes Herrnhuter Gebäudeensemble als Unesco-Welterbe

Das barocke Gebäudeensemble rund um den Kirchensaal von 1756/57 ist bis heute das Zentrum der Stadt und der Herrnhuter Brüdergemeine. Wegen der weltweiten Missionstätigkeit der Brüdergemeine gibt es ähnliche quadratisch angelegte Siedlungen unter anderem in den USA, in Nordirland und Dänemark. Die Stadt Bethlehem im Bundesstaat Pennsylvania geht direkt auf die Herrnhuter Brüdergemeine zurück.

Auch Gracehill – heute in Nordirland – ist nach dem Herrnhuter Vorbild angelegt. Die drei Orte wollen sich voraussichtlich 2023 gemeinsam für den Unesco-Welterbetitel bewerben. Das dänische Christiansfeld – ebenfalls barock und rechtwinklig nach Herrnhuter Muster gebaut – trägt diesen Titel bereits seit 2015.

Link: Hier geht es zur Webseite der Herrnhuter Brüdergemeine.

1 Kommentar

  1. Zum 300. Geburtstag

    Am 17. Juni 1722 haben böhmische Glaubensflüchtlinge den Grundstein des ersten Hauses in Herrnhut gelegt. Es waren immerhin Flüchtlinge, deren christlicher Glaube im Frömmigkeitsstil sich spürbar unterschieden haben muss von ihrer Umwelt. Jan Hus, ihr Glaubensvater, wurde 1415 in Konstanz als Ketzer grausam verbrannt. Sagt da nicht ein dunkelschwarzer Humor: „Und willst du nicht mein Bruder sein, so…..Wir können uns heute solche religiöse Intolleranz, eine Gewalttätigkeit im Namen Jesu, überhaupt nicht mehr vorstellen. Vielleicht zeichnet die damalige kollektive Erfahrung einer heutigen Ev. Freikirche ihre Frömmigkeit aus, die daher gerade im Sinne von Herzensfrömmigkeit im positiven Sinne liberal ist: Also anderen zuzuhören, Unterschiede auszuhalten, vielleicht und nicht zuletzt auch ein ökumenisches Ideal zu leben, ohne sich dabei selbst zu verwässern. Von außen besehen scheint ein sehr intensives Gemeindeleben zu bestehen, sodass sogar die Stadt Herrenhut weitgehend identisch ist mit der Herrenhuter Christengemeine. Ich hätte gerne einmal Mäuschen gespielt, wäre dazu begeistert in eine Zeitmaschine gestiegen, um in alten DDR-Zeiten diesen aus kommunistischer Sicht völligen Fremdkörper im Staatssozialismus Ostsachsens zu besuchen. Heute, so denke ich, scheinen mir Herrenhut und die vielen Herrenhut-Gemeinden in aller Welt ein Beispiel dafür zu sein, wie Menschen das Evangelium befreit leben können und dürfen, um vor allem den christlichen Glauben jeden Tag geschwisterlich zu teilen. Ein deutliches Alleinstellungsmerkmal dieser Freikirche ist ebenso, dass eine Doppelmitgliedschaft in der Ev. Kirche und dieser Freikirche gerne gelebt werden kann. Eine fromme christliche Praxis, auch in modernen Ausdrucksformen, in der gemeinsam Geschwisterlichkeit gelebt wird, ist ein gutes Modell auch für unsere Zeit. Es geht dabei nicht in erster Linie um die einzig richtige Kirchlichkeit, oder um oberflächlich verstandene Dogmen sowie veräußerlichte traditionelle Frömmigkeitsformen, sondern ein im Geiste Jesu miteinander zu leben – also ein Licht in der Welt zu sein. Es gibt kein Kreuz und keinen Altar im Saal, aber weiße Bänke. Nicht weil man schmucke Kirchen ablehnt, aber hier der wesentliche Schmuck einer Kirche das „Licht der Welt“ ist, das Christenmenschen manchmal gerne leben. Menschen schmücken diese Kirche. Das Geburtstagskind wurde dieses Jahr 300 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch im Nachhinein. Es scheint kein bis’chen alt geworden zu sein.

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