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Die Bibel: Wie sie mein Leben geprägt hat

Biografie und Bibel sind meist untrennbar miteinander verflochten, findet Klaus Göttler. Als leidenschaftlicher Bibelleser verrät er, welche provokanten Merksätze ihn geprägt haben.

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Wenn man mir als Jugendlicher gesagt hätte, dass die Bibel eines Tages in meinem Leben eine Rolle spielen würde, hätte ich ihn bestenfalls verständnislos angeschaut. Die Bibel? Ich hätte nicht gewusst, wozu! Die einzige bewusste Erinnerung, die ich in meiner Jugendzeit mit der Bibel verbinde, ist eine Situation, in der wir uns in unserer Clique aus Bibelseiten Zigaretten gedreht haben, weil das Papier schön dünn war.

Doch dann gab es im Alter von 18 Jahren Ereignisse, die mein Leben auf den Kopf – oder soll ich besser sagen: auf die Füße? – gestellt haben. Auf einem Marktplatz in Schottland sprachen mich einige Christen an und stellten mir unvermittelt die Frage: „Wie stehst du zu Jesus?“ Diese Frage kam völlig überraschend. Und irgendwie war es interessant, was mir diese Christen erzählten.

Der Früh- und Spätregen im Jakobusbrief

Zurück aus dem Urlaub erzählte ich Mitschülern von dieser Begegnung. Es stellte sich heraus, dass einige davon Christen waren. Sie luden mich in einen Jugendkreis ein und dort begegneten mir zum ersten Mal junge Leute in Deutschland, die ernsthaft die Bibel lasen und sich damit auseinandersetzten. Merkwürdigerweise erinnere ich mich noch heute an das Thema dieses Abends: Es ging um die theologische Deutung des Früh- und Spätregens im Jakobusbrief (Jakobus 5,7). Ich habe mich seither nie wieder damit beschäftigt. Aber irgendwie hat es mich fasziniert, dass die Jugendlichen aus der Bibel Ratschläge für ihr Leben suchten. Sie erwarteten tatsächlich, dass Gott reden würde.

In dieser Zeit entdeckte ich eine Bibel in meinem Regal, die mir mein Patenonkel zur Erstkommunion geschenkt hatte und begann darin zu lesen. Doch ich verstand nichts und konnte nicht einmal die Namen der Bücher unfallfrei aussprechen. Dankbarerweise half mir eine Mitschülerin und las mit mir wochenlang in der Bibel. Sie hat diesen missionarischen Einsatz mit einem hohen Preis bezahlt. Sie ist heute meine Frau.

Vom Staubfänger zur Gebrauchsanweisung

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Nach einigen Monaten bemerkte ich, dass in meinem Leben Veränderungen im Gange waren. Plötzlich spielten Gott und die Bibel eine zunehmend wichtige Rolle. Eines Tages war mir klar: Ich möchte mit Gott leben und ich merke, dass ich in der Bibel eine Menge über ihn erfahren kann. Ich habe Gott kennengelernt als Schöpfer des Lebens. Deshalb wurde mir immer klarer, dass die Bibel so etwas wie die Gebrauchsanweisung des Lebens ist, in der der Konstrukteur wichtige Tipps und Informationen für den richtigen Umgang mit dem Geschenk „Leben“ gibt.

Von der Faszination zur Frustration

Ich war Feuer und Flamme. Es dauerte nicht lange, bis ich in meinem Jugendkreis mitarbeitete. Mit Faszination und Leidenschaft war ich dabei. Die Bibel wurde plötzlich zu einer Goldgrube, in der ich immer neue Schätze entdeckte. Dann kam meine erste eigene Bibelarbeit. Kolosserbrief, Kapitel eins. Ich war hoffnungslos überfordert. Ich erinnere mich, wie ich verzweifelt auf der Bettkante in meinem Zimmer saß und einfach nicht wusste, wie aus meinen wirren Gedanken etwas werden sollte, das anderen die Bibel näherbrachte. Ich verstand es ja selbst nicht! Das war eine frustrierende Erfahrung und ich bin heute noch froh, dass es erfahrene Christen gab, die mir halfen, mit so einer Situation umzugehen. Vermutlich hat keiner der damaligen Zuhörer aufgrund meiner Bibelarbeit seinen Glauben über Bord geworfen, auch wenn ich mich dunkel an etwas ratlose Gesichter erinnere.

Mehr Fragen als Antworten

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Mein Studium an der Evangelistenschule Johanneum in Wuppertal war ein Meilenstein. Natürlich hoffte ich, dass ich in diesem Studium alle meine Fragen beantwortet bekäme, um dann anschließend der Welt jede noch so diffizile Frage zur Bibel erklären zu können. Die Aussage eines Dozenten zu Beginn meines Studiums hat mich daher verständlicherweise irritiert: „Sie werden in Ihrem Studium mehr Fragen bekommen als Antworten.“ Und er sollte Recht behalten. Meine schwarz-weiße Welt wurde bunter und damit auch komplexer. Ein Satz, der mich seither begleitet:

„Ein glaubwürdiger Gott ist kein denkbarer Gott. Und ein denkbarer Gott ist kein glaubwürdiger Gott.“

Damit ist der Rahmen hilfreich gesetzt und ich weiß, dass ich nie ausgelesen und ausgeforscht habe. Und das hat nichts mit meinen begrenzten intellektuellen Fähigkeiten zu tun. Es liegt in der Natur der Sache – oder besser gesagt: der Person.

Keine schnellen Lösungen

„Alle einfachen Antworten kommen vom Teufel.“ Ein weiterer provozierender Satz eines Dozenten, der mir half, mich vor allzu schnellen Antworten zu hüten und mir einzubilden, ich hätte die biblische Weisheit in der Tasche. Während ich bis dato Gottes Wort als schnelle Lösungshilfe ansah, faszinierten mich immer mehr die Schönheit, Menschlichkeit und Komplexität der Heiligen Schrift. In unterschiedlicher Hinsicht wurde die Bibel für mich ein einzigartiges Buch: Biblische Texte in historische Zusammenhänge einzubetten, lieferte mir neue und hilfreiche Zugänge. Auch die literarische Sprachkraft faszinierte mich. Außerdem entdeckte ich zunehmend Gottes Geschichte in menschlicher Gestalt. Da wurden keine Helden beschrieben, sondern Leute mit Ecken und Kanten. Es war nicht der Glaube der biblischen Protagonisten, der mich bewegte. Es war der unendlich geduldige Gott, der mit brüchigen Biografien eindrücklich seine Geschichte schrieb.

Kennen wir Jesus?

Am Ende des Studiums fiel mir ein Andachtsbuch des Theologen Adolf Schlatter (1852–1938) mit dem Titel „Kennen wir Jesus?“ in die Hand. Er hat dieses Buch am Ende seines Lebens geschrieben. Dieser große Theologe, der zeit seines Lebens die Bibel erforschte, stellt am Ende seines Lebens die Frage: Kennen wir Jesus? Es war für mich eine bewegende Erkenntnis: Die Bibel ist nie ausgelesen. Gott begegnet mir immer wieder neu. Es kann geschehen, dass ich nach Jahrzehnten plötzlich über Bibelverse stolpere, die ich bis dahin nicht wahrgenommen habe. Es geschieht immer wieder, dass mir vermeintlich altbekannte Texte nach Jahren plötzlich völlig neu begegnen. Das kann mit neuen Erkenntnissen verbunden sein. Es kann aber auch mit veränderten Lebenssituationen zusammenhängen.

„Wir lesen die Bibel immer durch die biografische Brille.“

Bibel und Biografie

Wir lesen die Bibel immer durch die biografische Brille. Diese Erkenntnis hat mich etwas leiser gemacht im Verkünden biblischer Wahrheiten. Ich merke, wie sehr mein Bibellesen mit meinen Lebenserfahrungen verbunden ist. Das ist kein Problem, sondern das ist gut so. Ich muss Bibeltexte immer wieder neu anschauen, betrachten und lesen und entdecke neue Facetten. Manchmal komme ich sogar zur Erkenntnis, dass ich diesen Text offensichtlich bisher völlig falsch verstanden habe. Ein weiteres Zitat eines geschätzten Dozenten klingt in meinem Ohr: „Die Bibel ist nicht der papierne Papst.“ Ich glaube nicht an die Bibel. Ich glaube an Jesus Christus, wie ihn die Bibel bezeugt. Gottes Wort präsentiert sich im Menschenwort. So verstehe ich die Bibel. Deshalb nehme ich die Bibel nicht zwingend dann beim Wort, wenn ich sie wörtlich nehme. Ich möchte darin Jesus suchen und von ihm her Bibel lesen und verstehen.

Mein Dienst hält mich an der Bibel

Ich habe immer etwas neidisch auf treue Bibelleser geschaut. Mir als kreativem Menschen waren Routinen schon immer eher lästig. Das hat mich in Sachen Bibellesen immer wieder ernüchtert. Ein bekannter Evangelist hat mir hier einmal sehr geholfen: „Ich weiß nicht, wo ich heute wäre, wenn ich nicht Pfarrer geworden wäre. Mein Dienst hat mich immer wieder zur Bibel gebracht. Ich musste mich damit beschäftigen. Das hat mir geholfen.“ Hauptamtliche Christen sind nicht unbedingt die glaubensstärkeren. Vielleicht hat sie Gott auch deshalb in den hauptamtlichen Verkündigungsdienst berufen, damit sie an ihm und seinem Wort dranbleiben. Dieses Kriterium reicht sicher nicht aus als Grundlage für ein Pastorenamt. Aber es ist ein Aspekt, der mir in geistlicher Hinsicht enorm geholfen hat. Der größte Nutznießer meiner Predigten war ich oft selbst. Predigtvorbereitungen werden plötzlich zu heiligen Geistesblitzen. Das sind Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.

Der treue Begleiter

Wenn ich mein bisheriges Leben Revue passieren lasse, erkenne ich: Die Bibel hat mich treu begleitet. In unterschiedlichen Situationen hat sie sich unterschiedlich entpuppt: Sie war Trostbuch. Manchmal hat sie mir die Leviten gelesen. Sie hat mich angeregt, aufgeregt, hinterfragt und ermutigt. Es gab auch Phasen, in denen sie recht ruhig war. Aber sie war immer da. Ich habe sie gelesen, gehört, gesehen, studiert. Und über allem hat sie mir meinen treuen Lebensbegleiter lieb gemacht: Jesus Christus, das Wort Gottes! Mein Erlöser und Herr!


Diesen Artikel schrieb der EC-Generalsekretär Klaus Göttler zuerst für die Zeitschrift Faszination Bibel. Faszination Bibel erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.

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