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Es ist eine der am weitesten reichenden Aktionen der Evangelischen Kirche: Insgesamt 1,7 Millionen Mitglieder der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) erhalten in den kommenden Tagen Post von ihrer Kirche. Damit will sie ihre Mitglieder zu Veranstaltung in das Gotteshaus einladen. Eine vorherige ähnliche Kampagne hatte für Kontroversen gesorgt.

Die Osterpost besteht aus einem personalisierten Anschreiben von Kirchenpräsident Volker Jung und einer Motivkarte. Die Karte zeigt zwei Bilder eines lachenden Menschen – ein Mal verdunkelt und verknüpft mit Karfreitag, dem Todestag von Jesus Christus. Das andere Mal ist die Person vor weißem Hintergrund zu sehen, was an Ostern erinnern soll, den Tag der Auferstehung Christi. Das Schlüsselwort der Karte ist „Wiedersehen“. Der Pressesprecher der EKHN und Pfarrer Stephan Krebs teilte mit: „Dieses Grußwort steht im Sprachgebrauch für Abschied, vom Wortsinn aber für die Zuversicht, dass das gemeinsame Leben weitergeht – wie der Tod und die Auferstehung Christi.“ Die Kampagne richte sich vor allem an Kirchenmitglieder, die nicht regelmäßig an Kirchveranstaltungen teilnehmen.

Kritik an Weihnachtsaktion

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Schon vor Weihnachten hatten die Mitglieder der EKHN Post von Präsident Jung erhalten. Die aktuellen Briefe sollen die Empfänger auf die wichtigen christlichen Feiertage Karfreitag und Ostern hinweisen. Zeitgleich wendet sich die EKHN mit Großplakaten und Fassadenbannern an die Öffentlichkeit. Sie möchte damit auf die Bedeutung der Feiertage aufmerksam machen. Insbesondere um den Karfreitag als „stillen Feiertag“ gebe es an manchen Orten im Gebiet der EKHN Auseinandersetzungen. Pressesprecher Krebs sagte dazu: „Diese Feiertage sind uns wichtig. Wir halten daran fest, auch weil wir der Auffassung sind, dass sie auch der ganzen Gesellschaft gut tun.“ Gegenüber pro führte er die Gründe dafür an: „Wir brauchen Zeit, die die Arbeitszeit durchbricht, in der wir über das Leben nachdenken können. Hier kommt auch das dritte Gebot zum Tragen: Du sollst den Feiertag heiligen. Ein rein soziales Argument für denjenigen, der nichts mit der Kirche zu tun hat, ist, wir benötigen gemeinsame Zeit für Lebensvollzüge abseits der Arbeit für Feste, Familie, Sport oder Entspannung.“

Die Weihnachtsaktion unter dem Motto „Weihnachten ist Geburtstag“ stieß zum Teil auf negative Reaktionen. Zwar hätten sich 90 Prozent zumindest teilweise über den Brief gefreut, 10 Prozent übten aber Kritik.

Insbesondere drei Aspekte hätten Kritik ausgelöst, heißt es laut einer Mitgliederbefragung. Einige Empfänger hätten die Aktion insgesamt als Geldverschwendung abgelehnt. Andere hielten den Brief für zu werblich und damit einer Kirche nicht angemessen. Er war auf einer Seite knallrot und beinhaltete eine farbige Girlande. Hauptkritikpunkt sei gewesen, dass diese Girlande aus den beiden englischen Wörtern „Merry Birthday“ bestand. Jung kommentierte: „Viele Menschen sehen in der evangelischen Kirche offenbar eine Hüterin der deutschen Sprache und Kultur – eine Erbe der Bibelübersetzung des Reformators Martin Luther. Das haben wir nicht vergessen und wir tragen zu Erhaltung und Weiterentwicklung der deutschen Sprache mit zahllosen Predigten, Gebeten und weiteren Publikationen einiges bei.“

Hauptaufgabe der Kirche: Evangelium verkünden

Die Kernaufgabe der Kirche sei jedoch die Verkündigung des Evangeliums, sagte Jung. „Dafür wollen und müssen wir auch moderne Mittel einsetzen.“ Jung erläuterte, dass viele Menschen, angeregt durch die Aktion, darüber gesprochen hätten, was ihnen Advent, Weihnachten und die Geburt von Jesus Christus bedeuteten. Genau darum sei es der EKHN gegangen. Provozieren kann laut Jung dafür durchaus ein Mittel sein: „Wenn alle nur nicken, kommt kein Gespräch zustande.“

Aktion zwei Mal im Jahr

Eine derartige Aktion möchte die EKHN künftig zwei Mal im Jahr starten. Kirchenpräsident Jung erläutert: „Der Glaube an Jesus Christus ist nicht gebunden an eine Sprache, eine Kultur, eine Ästhetik, eine Stilrichtung, einen Geschmack oder eine politische Weltsicht.“ Vermutlich werde die Aktion aber nicht allen gefallen, dafür seien die Geschmäcker und Erwartungen zu unterschiedlich. Deshalb wolle die EKHN immer neue Ideen für die Briefe entwickeln. 

Die Kosten für die Oster-Aussendung bezifferte Jung auf 437.000 Euro, davon seien 250.000 Euro Portokosten. Weitere Materialien kosteten 500 Euro pro teilnehmender Gemeinde, zusammen 200.000 Euro. Insgesamt gebe die EKHN also 687.000 Euro für die aktuelle Aktion aus. Das seien “pro Mitglied 40 Cent“.

(Quelle: Christliches Medienmagazin Pro)