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Die Staatsanwaltschaft in Bremen leitet kein Ermittlungsverfahren gegen den evangelischen Pastor Olaf Latzel (47) ein. Der Pastor hatte sich im Januar in einer Predigt kritisch über andere Religionsgemeinschaften geäußert. Die Prüfung des Textes habe jedoch „keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Straftat ergeben“, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Zwar habe Latzel zweifellos herabsetzend gepredigt. Die Äußerungen seien aber durch die grundgesetzlich zugesicherte Meinungs- und Religionsfreiheit gedeckt. Die Staatsanwaltschaft hatte geprüft, ob Latzels Kanzelrede in der Bremer St.-Martini-Kirche den Anfangsverdacht einer Straftat wie Volksverhetzung oder Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft erfüllt. In seiner Predigt unter dem Titel „An Gideon die Reinigung von den fremden Göttern lernen“ hatte der Pastor am 18. Januar vor Religionsvermischung gewarnt. Dabei hatte er unter anderem das islamische Zuckerfest als „Blödsinn bezeichnet und davor gewarnt, als Christ eine Statue von Buddha („so einen alten, fetten Herrn“) zuhause aufzustellen. Er wandte sich auch gegen den „Reliquiendreck und -kult“ der katholischen Kirche.

Nach rund dreimonatiger Prüfung argumentierte die Staatsanwaltschaft, die Äußerungen fielen weder unter den Tatbestand der Volksverhetzung noch unter den der Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft. Für seine Formulierungen hatte sich Latzel zwischenzeitlich entschuldigt. Inhaltlich steht er bis heute hinter seiner Predigt und genießt dabei die volle Unterstützung seiner Gemeinde, die sich in einer Erklärung hinter ihren Pastor gestellt hatte.In den sozialen Netzwerken erhielt Latzel viel Zuspruch von konservativen Christen – so zum Beispiel auf der Facebookseite „Solidarität mit Olaf Latzel„, die über 7.700 „likes“ erhalten hat.

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Olaf Latzel kommentierte die Entscheidung der Staatsanwaltschaft gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur idea mit den Worten, er sei Gott dankbar, dass er alles so geführt habe. „Ich habe die ganze Zeit hindurch alles in seine Hände gelegt. Wir haben einen großen Gott. Ihm allein gebührt alle Ehre.“ Seiner Meinung nach sei es bei dem Verfahren nicht ausschließlich um ihn als Person gegangen, sondern um die Freiheit der Verkündigung des Evangeliums.

Die Bremer Kirchensprecherin Sabine Hatscher sagte, die Bremische Evangelische Kirche respektiere die Unabhängigkeit der Justiz und werde die Entscheidungen der Staatsanwaltschaft nicht kommentieren. Die Kirchenleitung hatte schon Mitte Februar angekündigt, sie werde kein Disziplinarverfahren gegen Latzel einleiten. Das sei kein geeigneter und juristisch auch kein möglicher Weg, um mit kritikwürdigen theologischen Aussagen umzugehen, sagte damals der theologische Repräsentant der Bremischen Evangelischen Kirche, Renke Brahms. Zur Bremischen Evangelischen Kirche gehören 61 Gemeinden mit rund 210.000 Mitgliedern.

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(Quelle: Mit epd-Material)