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Der Schubladengott: Welches Gottesbild hat dein Kind? (Teil 1)

Wie sehen Kinder Gott? Ist er für sie der „Happy-Clappy“-Gott, bei dem alles immer fröhlich zugehen muss? Oder einer, der wütend wird, wenn man was falsch macht? Oder doch eher der ganz weit entfernte, der für die kleinen Alltagssorgen viel zu beschäftigt ist? Rachel Turner sagt dem Schubladendenken den Kampf an.

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Übersetzt von Birte Clausen

Bei vielen Kindern stimmt das, was ihnen übers Beten erzählt wird, nicht mit ihrer eigenen Erfahrung überein. Wir erzählen Kindern: „Gott hört immer zu“, „Du kannst jederzeit über alles mit ihm reden“, „Gott liebt dich“. Sie kennen all diese Aussagen und sie werden sie wiederholen und darauf beharren, dass sie sie glauben. Das Problem ist, dass sie diese biblischen Wahrheiten in ihrem eigenen Leben nicht so erleben und auch nicht wissen, wie das gehen könnte. Die meisten Kinder fühlen sich in ihren Gebeten nicht mit Gott verbunden oder von ihm geliebt und angenommen. Manches davon ist ihre eigene, ganz persönliche Erfahrung mit Gott und ihren Lebensumständen. Und manches kommt daher, dass wir dazu beigetragen haben, ihr Gebetserleben als ein starres, oft einseitiges Nachrichten-Übermittlungssystem von ihnen zu Gott darzustellen.
Die Erfahrungen, die Kinder mit Gott einerseits, und dem, was wir über ihn erzählen, andererseits gemacht haben, führen oft dazu, dass sie falsche oder verschobene Gottesbilder einfach akzeptieren. Diese „Wahrheiten“ haben ein Bild von Gott entstehen lassen, das viele Kinder davon abhält, überhaupt eine Beziehung mit ihm haben zu wollen. Um sein Leben mit jemandem teilen zu wollen, muss man diese Person mögen. Man muss wissen, wer sie ist und wie diese Beziehung funktionieren könnte. Dann kann man entscheiden, ob man es durchziehen will. Wenn Kinder ein falsches und unattraktives Bild davon haben, wer Gott ist und wie eine Beziehung zu ihm wirklich wäre, ist es kein Wunder, wenn sie keine Beziehung zu ihm haben wollen.
Meiner Erfahrung nach gibt es vier grundsätzliche Sichtweisen von Gott, bei denen wir helfen müssen, sie wieder richtigzustellen. Kinder schalten oft zwischen Bildern hin und her oder behalten sogar zwei oder drei von ihnen parallel im Kopf. Deshalb werden die Gottesbilder der meisten Kinder nicht komplett in die eine oder die andere Schublade passen.

Der distanzierte Gott

Manchmal ist er glücklich, manchmal nicht – aber wie auch immer, dieser Gott neigt dazu, kein Interesse an uns zu haben. Er ist nämlich viel zu beschäftigt damit, sehr wichtige Dinge zu tun. Kinder, die diese Sichtweise haben, könnten sich unwichtig fühlen und den Eindruck haben, dass sie Gott nerven, wenn sie versuchen mit ihm zu reden. Sie meinen, sie müssten ihre Wünsche „aufheben“, bis sie den einen richtig großen Wunsch haben, weil Gott nicht die Zeit hat, sich um all unsere kleinen Belange zu kümmern. Beten ist für diese Kinder sehr stressig, weil sie glauben, dass Gott ungeduldig wird, wenn sie zu lange brauchen oder etwas Falsches sagen. Also bitten sie oft ein Elternteil oder einen Mitarbeiter, für sie zu beten.

Wie man das Bild des distanzierten Gottes auflösen kann

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Diese Sichtweise ist bei Kindern weit verbreitet, denn viele unserer Bücher und Lieder führen unabsichtlich zu einem Bild von Gott, das eine physische Entfernung zwischen ihm und uns darstellt. Kunst und Filme zeigen Gott in den Wolken über uns, eingehüllt in seine Himmelswelt und immer mit vielen Dingen beschäftigt. Wir schauen oft nach oben oder zeigen, zum Beispiel bei Bewegungsliedern, hoch in die Ferne, wenn wir uns auf Gott beziehen. Viele Lieder handeln von Gott, der von oben „auf uns herabschaut“. Es ist also nicht schwer zu erkennen, woher dieses Bild kommt.
Auch wir Erwachsenen tragen möglicherweise zu diesem Bild bei, zum Beispiel einfach nur, indem wir in normalem Tempo gebetet haben, während Kinder oft viel langsamer beten. Wir sind vielleicht während der Gebetszeit eingesprungen, weil wir Kindern helfen wollten, ihre Gedanken zu vervollständigen, oder um das Gebet schneller zu beenden. Kinder achten darauf, wie wir beten. Für sie kann es sich so anhören, als würden wir schneller reden als sie. Und vielleicht schließen sie daraus, dass man sich beim Beten ein bisschen beeilen muss oder dass man Gott nicht warten lassen darf. Oft verwechseln Kinder unsere Ungeduld mit der Ungeduld Gottes.
Diese Sichtweise kann auch dadurch verstärkt worden sein, dass wir etwas abgelehnt haben, wofür ein Kind beten wollte: Fußball, Heilung für einen winzig-kleinen Kratzer am Knie oder den Wunsch einer Reise nach Disneyland. Wir könnten beiläufig gesagt haben: „Oh nein, wir sollten uns etwas anderes überlegen, für das wir beten können“ oder „Ich bezweifle, dass Gott sich für die Ergebnisse des Fußballspiels interessiert.“
So blöd es auch klingt, solche Kommentare konstruieren ein sehr deutliches Bild von Gott. Um dieses Bild des distanzierten Gottes aufzulösen, können wir Kinder immer wieder aktiv auf Gottes Versprechen aufmerksam machen, dass er immer bei uns sein will. Wir können mit ihnen gemeinsam entdecken, was das für unsere Beziehung zu Gott bedeutet.
Wir können Kinder auf die Bilder und Lieder aufmerksam machen, die zu der Sichtweise beitragen, dass Gott weit weg ist. Und wir können sie fragen, warum sie glauben, dass Menschen Gott so darstellen.

Im nächsten Schritt kann man die Kinder bitten, ein neues Bild von Gott zu malen oder darüber zu reden, wie man zum Beispiel ein Lied verändern könnte, damit es mehr der Wahrheit entspricht. Es geht eben nicht nur darum, ein falsches Bild von Gott aufzulösen, sondern auch darum, Kindern eine biblische Sicht von Gott zu vermitteln. Wir müssen uns unserer Sprache bewusst sein, um nicht versehentlich das Bild des distanzierten Gottes zu verstärken. Auch wenn man unter Zeitdruck steht, sollte man darauf achten, die eigene Sprachgeschwindigkeit an die langsamere der Kinder anzupassen und klarzustellen, dass Gebetszeiten sehr ungezwungen sind. Keine Angst vor langen Pausen – wenn Kinder beim Beten stocken, kann ein einfaches: „Nimm dir Zeit, Gott will hören, was du zu sagen hast, und er wartet liebend gern, um alles hören zu können!“ helfen, das Kind zu beruhigen. Statt simple oder „blöde“ Gebetspunkte abzulehnen, sollte man Kinder im Gegenteil dazu ermutigen, mit Gott auch darüber zu reden: „Weißt du, ich bin mir ganz sicher, dass Gott liebend gern hören würde, was du darüber denkst! Warum erzählst du’s ihm nicht einfach?“

Der glückliche, optimistische Gott

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Super-nett, super-fröhlich – und super-passiv. Diese Version von Gott lächelt, egal, was auf der Welt passiert. Gott ist völlig relaxt, hört sich unseren Lobpreis an und hat eine Floskel-Antwort auf alles. Vielleicht wirkt dieses Gottesbild, oberflächlich gesehen, nicht schädlich. Aber Kinder reagieren darauf sehr deutlich auf zwei ganz unterschiedliche Arten:
Auf der einen Seite gibt es Kinder, die eine richtige kleine Performance für Gott hinlegen und denen es vor allem darum geht, beim Beten um Dinge zu bitten. Sie versuchen Gott mit ihrer Herzensgüte zu bezaubern, sodass er sie mit guten Dingen belohnt. Sie wetteifern sehr stark mit anderen Kindern darum, wer der oder die „Beste“ ist, damit ihre strahlende und positive Persönlichkeit ihnen Punkte bei Gott einbringt.
Auf der anderen Seite können Kinder sehr abweisend und distanziert auf diesen Gott reagieren. Sie könnten ihn als engherzig wahrnehmen, als jemanden der sich vor allem um seine Lieblinge kümmert. Wenn Kinder ein geringes Selbstwertgefühl haben, glauben sie, sie könnten niemals mit den „guten“ Kindern um Gottes Zuneigung und Gunst konkurrieren. Die Fröhlichkeit dieses Gottesbildes bewirkt, dass Kinder glauben, dass ihm die Realität ihres Lebens und die Schwierigkeiten, in denen sie stecken, völlig egal sind. Er hat keine Antworten auf ihre tief empfundenen Fragen und er akzeptiert es nicht, dass jemand über längere Zeit traurig oder wütend ist oder Schmerzen empfindet. Das Ziel dieses Gottes ist es, uns genauso glücklich zu machen, wie er es ist. An dieses Gottesbild können viele Kinder schlicht und einfach nicht andocken.

Wie man das Bild des glücklichen, optimistischen Gottes auflösen kann

Erwachsene können diese Sichtweise von Gott auf viele Weise vorangetrieben haben. Meist im Umgang mit jüngeren Kindern legen Eltern und Mitarbeiter den Fokus auf die netten Dinge an Gott (Gott liebt dich, Gott kümmert sich, Gott freut sich) und darauf, was Gott von uns möchte (Gott will, dass wir gehorchen, dass wir nett sind, dass wir teilen).
Entwicklungsbedingt lernen Kinder in diesem Alter viel über Ursache und Wirkung, und manchmal treten diese beiden Dinge im Umkehrschluss auf: „Gott liebt uns, weil wir gehorchen, lieb sind und teilen. Wenn wir diese Dinge nicht tun, dann hört Gott auf, uns zu lieben, sich um uns zu kümmern und mit uns glücklich zu sein.“
Wer diese Sichtweise auflösen möchte, sollte hilfreiche Beziehungswahrheiten aus der Bibel einbeziehen, die andere Aspekte Gottes zeigen: Die Geschichte vom „Verlorenen Sohn“ eignet sich zum Beispiel gut, um zu erklären, dass Gott uns genau so liebt, wie der Vater in der Geschichte seinen Sohn liebt. Dabei kommt es nicht darauf an, was wir tun – es gilt auch dann, wenn wir etwas falsch gemacht haben. Gott will tatsächlich zu uns laufen und uns umarmen und dabei helfen uns zu ändern, sodass wir wieder nah beieinander leben können.
Man könnte außerdem weniger auf dem herumhämmern, dass wir tun sollen, was Gott will, und den Schwerpunkt mehr darauf legen, wie man eine Beziehung mit ihm führt. Redet mit den Kindern über „Wenn“-Aussagen: „Wenn ich mich allein fühle, ist Gott bei mir“, „Wenn ich Angst habe, beschützt Gott mich“. Das schafft ein Verständnis von Gott und der Beziehung zu ihm und arbeitet trotzdem noch mit dem Thema „Ursache und Effekt“.
Wir sollten Kindern außerdem ehrlich ihre Fragen beantworten und sie nie mit oberflächlichen Antworten, Entschuldigungen oder Floskeln abspeisen, sondern ihnen helfen, damit umzugehen: „Ich weiß, der Typ nervt dich, aber Gott liebt ihn auch, also musst du nett zu ihm sein“ – „Lächle, Jesus liebt dich!“ – „Du brauchst nur Mut zu haben“, oder „Gott wird am Ende alles gut machen“. Solche Aussagen haben die Tendenz, die emotionalen Erfahrungen von Kindern als ungültig dastehen zu lassen. Sie implizieren, dass Gott zuallererst und am allermeisten will, dass Kinder schnell über ihren Schmerz hinwegkommen und wieder zu einem fröhlichen emotionalen Zustand zurückkehren. Kinder müssen aber wissen, dass Gott in ihrem Schmerz bei ihnen ist und die Realität ihrer Situation sieht. Sie brauchen keine knappen Pauschalantworten, sondern eine reelle Möglichkeit, eine Beziehung zu Gott zu entwickeln.
Man sollte versuchen, die Situationen, in denen Kinder sich befinden, anzuerkennen. Redet mit Kindern offen und ehrlich darüber, was ihr in einer solchen Situation tun würdet – und erzählt ihnen von eurer Beziehung zu Gott. „Ich weiß, der Typ nervt dich, aber Gott liebt ihn auch, also musst du nett zu ihm sein“ kann werden zu: „Klingt so, als ob du wirklich sauer und gestresst bist. Wenn ich mich so fühle, nehme ich mir gern eine kleine Pause, um bei Gott Luft abzulassen. Er hilft mir echt, mich zu beruhigen und einen klaren Blick dafür zu kriegen, was jetzt zu tun ist. Willst du dir vielleicht auch eine Pause nehmen?“
Später kann man die Chance nutzen, um die Situation zu besprechen und auf Gottes Liebe aufmerksam zu machen, die selbst in schwierigen Lebenslagen existiert. Aber in diesem Moment braucht ein Kind eine emotionale Verbindung zu Gott und keine Anordnung, was zu tun ist.
Das Bild vom fröhlich-optimistischen Gott kann auch entstehen, wenn wir Kindern nicht die vollständige Realität eines Lebens mit Gott zeigen. Wenn wir ihnen nicht weitergeben, wie Gott sich in verwirrenden, wütenden oder traurigen Situationen um uns kümmert, dann kennen sie diese Seite von ihm nicht. Dieses falsche Bild aufzulösen kann so einfach sein, indem wir den Kindern offen zeigen, wie Gott in unserem Leben an uns arbeitet. Ermutigt eure Kinder, ihm auf die gleiche Weise zu vertrauen!

Zwei weitere verschobene Gottesbilder – das des wütenden und das des mysteriösen, unvorhersehbaren Gottes, praktische Ideen, um mit Kindern über ihr Gottesbild ins Gespräch zu kommen, sowie eine wundervolle Beispielgeschichte, wie Gott uns sieht, gibt’s in Teil II.


Dieser Artikel ist zuerst im Magazin „Kleine Leute – Großer Gott“ erschienen, das wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

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