Es fällt nicht jedem leicht, von Jesus zu reden. Für manche scheint es mehr fromme Pflicht als Herzenssache zu sein. Warum ist das so? Und wie kann man das ändern?

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Carl Medearis berichtet in seinem lesenswerten Buch „Von Jesus reden“ wie er an einer Bibelschule in den USA den Studierenden die Frage gestellt habe, was das Evangelium sei. Eine Fülle von Antworten kam, allerdings nannte niemand Jesus als Person. Sie hatten vor lauter theologischen Wahrheiten Jesus selbst vergessen.

Nicht anders ergeht es vielen Christen: Sie reden über ihre Sünden, Vergebung, Gemeinde, ewiges Leben. Aber ist das eine Rede von Jesus? Medearis charakterisiert seinen jahrelangen missionarischen Dienst mit den Worten: „Ich war so damit beschäftigt, Menschen zum Christentum zu bekehren, dass Jesus dabei keine Chance hatte.”

Wer von Jesus reden will, der sollte Jesus kennen. Sicher, die großen Wahrheiten kennt man schon, dass er der Sohn Gottes sei, in die Welt gekommen ist, um die Welt zu retten, gelitten habe, gekreuzigt wurde und dann auferstanden ist. Aber wenn man genauer nachfragt …

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Ich schockiere meine Glaubensgeschwister oft mit der Frage, wie denn die Großmutter Jesu hieß, oder sein berühmter Cousin. Natürlich kenne man Johannes den Täufer, aber dass er ein Verwandter Jesu gewesen sei?! Und warum sei das denn so wichtig? Nun, schlicht und einfach, weil Jesus so wichtig ist. Wer von ihm reden will, will alles über ihn wissen. Wie sonst will man begeistert von Jesus reden?

Begeistert sein

„Begeistert“ hat mit Geist zu tun. Und während es bei der geliebten Fußballmannschaft unser eigener Geist ist, der sich in ungeahnte Höhen emotionaler Aufregung zu versetzen versteht, ist das in religiösen Fragen anders. Seinen Jüngern sagte Jesus, sie sollten auf die Herabkunft des Heiligen Geistes warten, und dann würden sie seine Zeugen werden in Jerusalem, Judäa, Samaria und bis an das Ende der Welt (Apostelgeschichte 1,8).

An Pfingsten fiel der Geist Gottes auf die in Jerusalem aus Furcht vor den Juden in Privathäusern versammelten Jünger. Im Nu konnten sie den Menschen aus vielen Nationen furchtlos und begeistert von Jesus erzählen. 3000 fanden an einem Tag zum Glauben an Jesus (Apostelgeschichte 2) und versetzten die Oberen der Stadt in Rage. Sie verhafteten Petrus und die Apostel und verboten ihnen, öffentlich über Jesus zu reden. Petrus und Johannes antworteten: „Urteilt selbst, ob es vor Gott recht ist, dass wir euch mehr gehorchen als Gott. Wir können‘s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben“ (Apostelgeschichte 4,19-20). Hier liegt der erste Grund für freimütiges Reden über Jesus in unserem Alltag: Menschen, die den Heiligen Geist in ihr Leben gelassen haben, ja von ihm erfüllt worden sind, werden es nicht lassen können, über Jesus zu reden. Sprachlosigkeit ist ein Ergebnis von Geistlosigkeit.

In vielen christlichen Kreisen herrscht nicht nur eine Unkenntnis über die Rolle des Heiligen Geistes, sondern sogar Angst vor ihm. Die Beziehung zum Heiligen Geist wird als Domäne von Pentekostalen und Charismatikern betrachtet. „Wir folgen Jesus Christus nach der Heiligen Schrift“, heißt es dann oft stolz, „und nicht dem Heiligen Geist.“ Doch nach Jesus ist es der Heilige Geist, der seine Nachfolger in alle Wahrheit führen wird (Johannes 16,13). Wer also fröhlich und leidenschaftlich über Jesus reden will, der braucht den Heiligen Geist als geistlichen Führer in seinem Leben.

Leben an der Quelle

Leidenschaft, übersprudelnde Energie entsteht nur da, wo man mit der Quelle der Energie verbunden ist. Sie können sich die teuerste Lampe kaufen, aber leuchten wird diese erst, wenn sie an die Energiequelle angeschlossen ist. Die Beziehung zu Jesus ähnelt dem in mancher Hinsicht. Man weiß alles, ist bekehrt, getauft, gehört zur Gemeinde, besucht regelmäßig den Gottesdienst – und doch … irgendetwas fehlt da. So als hätte man den Schein der Gottseligkeit, aber die Kraft kennt man nicht (2. Timotheus 3,5).

Wie bekommt man den Anschluss an die Energie Gottes? Der Apostel Paulus stellt in seinem Brief an die Korinther fest: „Der Geist schenkt die Gaben, der Herr bestimmt die Aufgaben und Gott wirkt Energie“ (1. Korinther 12,4-6). Paulus schreibt weiter: „Wir sind sein Werk geschaffen zu guten Werken, die er zuvor bestimmt hat, dass wir darin wandeln sollen“ (Epheser 2,10). Als Christ ist der Mensch immer konkret berufen! Für diese Berufung rüstet der Heilige Geist uns mit seinen besonderen Gaben aus. Unbegabte Nachfolger Jesu gibt es nicht! Da, wo die Gaben erkannt wurden und in dem von Jesus gegebenen Dienst Anwendung finden, entsteht Energie, Kraftwirkung. Es passieren die Dinge, die man als Mensch aus sich heraus nicht machen kann. Wie bei Jesus. Ausweise seiner Messianität waren nicht seine ausgeklügelten theologischen Reden, sondern Werke der Gnade, die aus seinen Worten flossen. Als die Jünger des Johannes ihn fragen, ob er der Messias sei, oder sie auf einen anderen warten sollen, antwortet Jesus: „Geht und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium gepredigt“ (Lukas 7,22). In Jesus ist Gottes Wahrheit erfahrbare Realität geworden.

Die Apostel konnten nicht aufhören, von Jesus zu reden, weil sie „gesehen und gehört“ haben, was Jesus getan und geredet hat. Menschen reden von Jesus, wenn Jesus in ihrem Alltag reales Leben wirkt, und zwar jenseits des menschlich Möglichen. Wessen Herz voll Bewunderung ist, dessen Mund wird nicht schweigen können.

Freilich kann begeistertes Reden auch zum Stammtisch-Gerede degradieren. Da reden dann Gleichgesinnte und in solcher Runde ist es einfach, eigene Erfahrungen mitzuteilen. Doch wer Jesus folgt, vom Heiligen Geist geführt wird, kann niemals am Stammtisch hängen bleiben. Die Liebe zu Gott gibt es nur im Doppelgebot (Markus 12,29-31). Wer Gott liebt, der wird zu seinen Nachbarn gedrängt. Liebende können nicht über Jesus schweigen, denn ihre Geliebten werden sonst verloren gehen. Wo die Liebe erkaltet, da hat man bald keine Worte mehr und den Menschen nichts mehr zu sagen.

Reden will gelernt sein

Apostel Paulus machte sich um der Menschen willen auf den Weg und lernte, mit den Juden wie ein Jude, mit den Griechen wie ein Grieche und mit den Barbaren wie einer von ihnen zu leben und zu reden. Er wollte allen alles werden, damit er wenigstens einige gewinne (1. Korinther 9,19-22). Wir sind gesandt, wie Jesus gesandt wurde – zu den Menschen in dieser Welt. Und deshalb werden wir uns darum bemühen müssen, so zu leben, dass die Menschen unseren Alltag sehen und verstehen, unsere Worte hören und verstehen, unsere Einladung wahrnehmen und annehmen können.

— Fortsetzung folgt —


Dieser Text von Dr. Johannes Reimer ist der erste Teil aus einem gekürzten Buchauszug in der Zeitschrift Christsein Heute (02/2021). Christsein Heute erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört. Teil 2 des Artikels erscheint morgen.

 

 

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Nanu? Wie die Großmutter Jesu hieß, steht doch gar nichtv uin der Bibel. Die nächste Weibliche Ahnin, von der wir wissen, was die Frau des Urija – die in Mt 1,6 bezeichnenderweise nicht mit Namen genannt wird (aber natürlich weiß ich, wie sie hieß!) …

    Aber das Anliegen von Reimer (bzw. Medearis) ist wichtig: Das Evangelium zu verkünden heißt, von Jesus zu reden. Wenn Jesus nicht erwähnt wird, ist das nicht das Evangelium, sondern bestenfalls christliche Philosophie.

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