Aggressionsgeladene Gemeinderatssitzungen, alte Gebäude, langweilige Predigten. Wer aus der Kirche austreten will, findet seine Gründe. Warum Sie es dennoch nicht tun sollten.

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Von Pastor Malte Detje

Die Kirchentür ist der Ort der kleinen Geschichten. Manchmal werden sie jedoch größer. Nach dem Gottesdienst kommt ein älterer Mann auf mich zu, gibt mir die Hand, bedankt sich. Es folgen zwei Minuten Smalltalk. Er ist angespannt. Dann erzählt er, was sein Herz bewegt. „Wissen Sie, ich kenne diese Kirche sehr gut. Als ich 13 Jahre alt war, bin ich hier zum Konfirmandenunterricht gegangen. Sonntags mussten wir in diesen Bänken sitzen. Ich habe versucht, die Lieder mitzusingen, aber ich war nun einmal hoffnungslos im Stimmbruch verloren. Ich bekam kaum einen Ton heraus. Der Pastor predigte meist langweilig. Aber es gab eine Predigt, die werde ich niemals vergessen. Denn wie aus dem Nichts fängt er an zu schreien und zu schimpfen. Er brüllt mich an. Nennt mich mit Namen. Was mir denn einfalle. Ich hätte gefälligst vernünftig mitzusingen. Sein Donner will einfach nicht aufhören. Es ist ein Albtraum. Meine Augen füllen sich mit Tränen und irgendwann kann ich nicht mehr. Ich will einfach nur weg. Also laufe ich den Gang zwischen den Bank­reihen entlang, spüre unzählige Blicke auf mir und rette mich zur Kirchentür. Irgendwie habe ich es geschafft, die restliche Zeit bis zur Konfirmation die Zähne zusammenzubeißen. Aber seitdem habe ich diese Kirche nicht mehr betreten und eine andere auch nicht.“

Wenn der Teppich Falten wirft

Ende der Geschichte. Damit verließ der Unbekannte mich und jene Kirchentür, die ihm schon damals die Freiheit geschenkt hatte. Ich blieb sprachlos zurück. Nur seine Geschichte lässt mich seitdem nicht mehr los. Es gibt wohl so manche, die zu jener Selbsthilfegruppe der Anonymen Christen gehören und Geschichten wie diese erzählen könnten. Ihre Dunkelziffer ist hoch. Viele von ihnen sind an einer Gemeinde zerbrochen. Vielleicht bist du einer von ihnen.

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Wenn man in einer Gemeinde den Teppich anhebt und sich all den Schmutz anschaut, der über die Jahre daruntergekehrt wurde, dann kommen viele solcher Geschichten zum Vorschein. Sie entsprechen nicht dem Bild von Kirche, das wir in unsere Leitbilder schreiben. Wir orientieren uns lieber an der Urgemeinde, die als „ein Herz und eine Seele“ zusammengelebt hat (vgl. Apostelgeschichte 4,32). Wir wollen als Gemeinden Hoffnung in unsere Nachbarschaft tragen und Orte sein, wo jeder liebevoll angenommen wird. Doch manchmal ist Gemeinde eben auch ein Ort von Verletzungen und Enttäuschungen.

Konflikte und Gardinen zum Fremdschämen

Vielleicht bist du ein Teil des Leitungskreises deiner Gemeinde und hast dich gefreut, diese Aufgabe anzugehen, auch wenn es etliche Abendstunden kosten würde. Aber da sind Konflikte, die dieses Gremium auffressen, alte Verletzungen, über die keiner offen redet, die aber die Atmosphäre spürbar vergiften. In dir entstehen Loyalitätskonflikte, wie es sie manchmal bei Kindern nach einer Scheidung gibt. Du willst dich nicht für eine Seite entscheiden müssen. Deshalb gehört es für dich nicht nur zum Ritual, am Ende der Sitzung ein Vaterunser zu beten, sondern auch auf dem Sofa zu Hause einen Schnaps zu trinken. Anders ist es nicht zu ertragen.

Manchmal entsteht die Enttäuschung aus dem Gefühl, in der Gemeinde nicht gesehen zu werden. Wenn du gebraucht wirst, um mit anzupacken oder eine Aufgabe zu übernehmen, dann bist du plötzlich wichtig. Dann ist es selbstverständlich, dass du neben einem vollen Berufsalltag noch etliche Stunden in der Gemeinde aushilfst. Als Gegenleistung gibt es ein schlechtes Gewissen, wenn du doch einmal „Nein“ sagst. Wenn du ehrlich bist, kostet Gemeinde viel Kraft und Lebensenergie. Aber darüber hinaus interessiert es keinen, wie es dir wirklich geht. Seit Wochen trägst du diese Last mit dir herum, aber niemand fragt nach, wie es dir geht. Interessiert sich wirklich jemand für dich? Oder bist du nicht mehr als eine Ressource in den Gemeindeaufbaufantasien deines Pastors?

Allein im 70er-Jahre Ambiente

Vielleicht ist es bei dir auch weit weniger dramatisch, aber dennoch ist Gemeinde für dich kein Ort mit einer großen Anziehungskraft. Bereits die Räumlichkeiten sind zum Fremdschämen. Die Gardinen und Tischdecken atmen den Charme der 70er-Jahre. Braun-Orange ist einfach nicht dein Stil. Und dieser muffelige Geruch ist nicht aus der Nase zu bekommen. In den Gottesdiensten bist du regelmäßig peinlich berührt, unter so wenigen Besuchern zu sitzen und mit ihnen gemeinsam so zu tun, als würde man zur jammerigen Orgel singen. Oder es ist die verstimmte Gitarre, begleitet von einer schiefen Querflöte älteren Semesters, die deinen Entschluss bestätigt, hiervon definitiv keiner deiner Freundinnen zu erzählen.

Es gibt unzählige Gründe, warum Gemeinde aufhören kann, unser Zuhause zu sein. Doch was der genaue Grund im Detail auch sein mag, es ist oftmals das schale Gefühl der Enttäuschung, das zurückbleibt. Auch hier passen Erwartung und Realität nicht zusammen.

Vielleicht hast du deiner Gemeinde deshalb den Rücken gekehrt. Oder du stehst kurz davor, deinem lang vertrauten Kirchturm Lebewohl zu sagen. Wenn ich ehrlich bin: Möglicherweise ist das sogar die richtige Entscheidung. Es gibt Formen von Kirche, die krank machen. Gemeindekulturen können Gift für die Seele sein. Ich denke, dass sich an unseren Gemeindekulturen und den Bildern, die wir über Gemeinde im Kopf haben, grundsätzlich etwas ändern muss.

Gemeinde ist Gottes Projekt

Eine große Baumarktkette wirbt mit dem Slogan: „Mach es zu deinem Projekt.“ Der Werbespruch appelliert an den kleinen Heimwerker, der in uns steckt und die Dinge gern selbst anpackt. Aber irgendwie trifft der Satz auch auf Kirche zu.

„Mach es zu deinem Projekt.“ Die Gemeinde ist der Ort, an dem ich mich einbringe, wo ich mitmache und mitgestalte. Wie sollte es auch anders sein? Die Gemeinde braucht mich doch. Das ist das Gemeindebild, das ich jahrelang mit mir herumgetragen habe. Meine Beziehung zur Gemeinde war hauptsächlich davon bestimmt, dass ich mitgearbeitet habe. Das war mein Platz in der Gemeinde. Ich war Mitarbeiter. Auch wenn ich es nicht ausgesprochen habe, gab es in meinem Kopf eine Art Zwei-Stufen-Christsein. Auf der ersten Stufe standen die normalen Kirchgänger und auf der zweiten die engagierten Mitarbeiter. Zweimal darfst du raten, wer in meinen Augen die „echten“ Christen waren. Die Kultur meiner christlichen Szene hat dieses Denken befeuert. Ich habe zahlreiche Predigten gehört, die mich herausforderten, in der Gemeinde nicht nur zu konsumieren, sondern meine Gaben zu entdecken und mich endlich aktiv einzubringen.

Das Entscheidende tut Gott

Inzwischen denke ich, dass wir dabei die Hauptsache übersehen. Es gibt in Glaubensfragen eine Faustregel, an der man sich orientieren kann. Sie lautet: Das Entscheidende tut Gott, nicht wir. Für unsere Gottesbeziehung gilt das in jedem Fall. Wir sind geliebte Kinder und gerechtfertigte Sünder, nicht weil wir etwas dafür getan hätten, sondern weil Gott es uns geschenkt hat. Ich meine, dass das nun in der Kirche nicht anders ist. Auch hier tut Gott das Entscheidende.

Mit der Kirche ist es eben nicht wie mit dem Baumarkt. Sie ist nicht dein Projekt. Sie ist Gottes Projekt. Frage dich einmal: Komme ich in erster Linie in die Gemeinde, um etwas zu tun, oder komme ich, um etwas zu empfangen? Dürfen wir in einer Gemeinde Bettler sein, die gemeinsam die größten Gaben von unserem Heiland empfangen?

Du brauchst die Kirche

Mitarbeit in der Gemeinde ist etwas Gutes. Als Pastor weiß ich, dass keine Gemeinde ohne die vielen ehrenamtlichen Hände funktionieren würde. Aber es macht mich nachdenklich, dass es in vielen evangelischen Gemeinden so viel mehr ehrenamtliche Helfer als regelmäßige Gottesdienstbesucher gibt. Ja, die Gemeinde braucht dich. Aber du brauchst die Gemeinde viel mehr, als dich die Gemeinde braucht. Was du hier zu empfangen hast, ist viel größer als das, was du zu geben hast. Du brauchst die Kirche.

Ich weiß, dass das auf den ersten Blick eine steile These ist. Besonders dann, wenn du schmerzhafte Erfahrungen mit einer Gemeinde gemacht hast, wirst du gut und gerne auf Kirche verzichten können. Wozu solltest du noch eine Gemeinde brauchen?

Ich gebe zu, auf vieles, was in unseren Gemeinden stattfindet, könnten wir tatsächlich verzichten. Und damit meine ich nicht nur die unterschwelligen Spannungen, offenen Konflikte und gemeinen Kommentare. Vielleicht könnten wir als Kirche auch auf viele unserer Veranstaltungen, Gruppen und Kreise verzichten. Ich bin mir nicht sicher, ob es der Herzenswunsch Jesu ist, das Gemeindehaus zu jeder Stunde gefüllt zu sehen. Aber auf eine Sache können wir nicht verzichten, nämlich auf das, was den Herzschlag der Kirche ausmacht.

Kaufhaus für Gottes Gaben

Wir sind geistlich nicht lebensfähig, wenn Gott uns nicht mit seinen Gaben beschenkt. Wir brauchen es, dass er seinen Heiligen Geist in unser Leben haucht, dass er dem Zweifler in uns die Gnade Christi zuspricht und dass er unseren Glaubenstank auffüllt.

Ich weiß nicht wieso, aber Gott hat es sich so ausgedacht, dass er uns all diese Gaben vor allem in Gemeinschaft geben will. Sie fließen stets von einer zerbrechlichen Kreatur zur nächsten. Vielleicht tut Gott das, um den egoistischen Vereinzelungstendenzen in uns zu begegnen und uns liebevoll zu formen.

Gemeinde ist darum vor allem der Ort, an dem wir gemeinsam die Gaben Gottes empfangen. Das ist der Herzschlag der Kirche. Das ist der Grund, warum es Gemeinde gibt. Sie ist kein Clubhaus für motivierte Ehrenamtliche, sondern ein Kaufhaus für Gottes Gaben. In diesem ungewöhnlichen Kaufhaus wird alles verramscht, verschleudert und verschenkt. Der Besitzer will für die größten Schätze kein Geld oder sonst etwas haben. Gemeinde ist der Ort, an dem Gott uns beschenkt.

Einmal die Woche eine gute Nachricht

Gott beschenkt dich vielleicht nicht mit einem Pfarrer, aber durch einen Pfarrer, der dir Sonntag um Sonntag die Gnade Gottes vor Augen malt. Seine Predigt ist vielleicht nicht so unterhaltsam wie ein YouTube-Clip oder ein TED-Talk, aber er gibt dir mit seinen Worten, was er dir zu geben hat: die Vergebung Christi. Für wenige Minuten darfst du wegschauen von deinem Versagen im Kampf mit der Sünde und von deinem versteinerten Herzen, sodass du nur noch Christus siehst, den für dich Gekreuzigten. Wenigstens einmal in der Woche darfst du eine gute Nachricht hören trotz all der Schwierigkeiten, die dein Leben durchziehen mögen. Dieser gebrochene Mann Gottes spricht dir die Vergebung deiner Sünden zu und erinnert dich daran, dass du durch deine Taufe ein Kind Gottes bist und bleibst. Er tut es wieder und wieder und hört damit nicht auf, bis du dieses Erdenleben verlassen wirst. Deshalb brauchst du die Kirche.

Du brauchst die Kirche, weil sich dort am Altar Christus selbst in deinen Mund legt, mit seinem wahren Leib und seinem kostbaren Blut. Er tut dies, damit du Gottes Liebe schmecken kannst, selbst wenn du in deinem Herzen nichts mehr von ihr spürst. Vergebung kann man vielleicht nicht immer fühlen, aber man kann sie „essen“.

Du brauchst andere

Du brauchst die Kirche, weil du Glaubensgeschwister brauchst, die dich daran erinnern, dass das Blut Christi stärker ist als alles, was Sünde, Tod, Teufel und Hölle dir tagein, tagaus entgegenschleudern. Ich kann mich nicht selber trösten. Ich brauche dazu die anderen Kinder Gottes. Denn sie können mir sagen, was ich mir selbst nicht sagen kann. Meine Seele hat die Angewohnheit, den Worten meiner geistlichen Geschwister mehr zu glauben als den eigenen. „Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der Christus im Worte des Bruders“, schrieb Dietrich Bonhoeffer in „Gemeinsames Leben“.

Die Predigt, die Taufe, das Abendmahl, die Worte der Vergebung in der Beichte und der Trost unter christlichen Geschwistern – das ist es, was die alten Dogmatiker die „Gnadenmittel“ nannten. Es sind die Mittel, die Gott benutzt, um uns seine Gnade zu schenken. Durch sie kommt Jesus zu uns. Das ist auch die Antwort auf die Frage, warum wir die Kirche brauchen. Weil sie der Ort ist, wo uns Gottes Gnadenmittel begegnen. Ja, die Gnadenmittel definieren die Kirche. Wo Gottes Gaben sind, da ist Gemeinde.

Die Herausgerufenen

Die Gemeinde ist tatsächlich ein Ort, der davon lebt, dass sich jemand einbringt. Aber es ist nicht unser Einsatz, von dem hier die Rede ist. Gemeinde ist der Ort, an dem sich der Höchste selbst zu deinem Heil einbringt. Dein Schöpfer setzt sich mit allem ein, was er zu geben hat.

Das ist die Ekklesia. Ekklesia ist das lateinische und griechische Wort für Kirche. Wenn man es wörtlich übersetzt, dann beschreibt es uns als „die Herausgerufenen“. Als Gemeinde sind wir von Gott herausgerufen. So wie Noah aus einer dem Tode verfallenen Menschheit, die dem gerechten Gericht Gottes ausgesetzt war, herausgerufen wurde in die rettenden Planken der Arche, so sind auch wir herausgerufen. Heraus aus Tod, Sünde und Hölle, hinein in das Schiff, das sich Gemeinde nennt. Dieses Schiff mag nicht sonderlich gemütlich sein, aber es rettet uns.

Herausgerufene. Das sind wir. Wir haben uns nicht aus eigener Kraft entschieden, sondern wurden verzaubert von der Stimme, die uns ruft. Wie von einer magischen Flöte, der man kaum zu widerstehen vermag. Auf diese Stimme hört die Kirche. Von ihr lebt sie. „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir“ (Johannes 10,27). Wo das geschieht, ist Kirche. Der Hirte, der hier spricht, ist kein Gemeindepastor, sondern Jesus, der seine Schafe selbst weidet, das Schwache stärkt, das Verlorene zurückholt, das Verirrte sucht, das Verwundete verbindet und das Kranke heilt (vgl. Hesekiel 34).

Gottes Geschenke auspacken

Ja, Mitarbeit ist gut. Aber mehr noch als ein Ort zum Anpacken ist Kirche ein Ort zum Geschenkeauspacken. Diese grundsätzliche Einsicht klingt vielleicht banal und selbstverständlich, aber sie ist in unserer Zeit, die ein obsessives Verhältnis zur Mitarbeit hat, ungemein wichtig. Ich denke, es würde unsere Gemeinden freier machen, wenn wir diesen Druck loswürden, unsere Gemeindehäuser mit Aktivitäten vollzustopfen.

Wir brauchen in unseren Gemeinden ein neues Bewusstsein dafür, dass das Wichtigste der Gottesdienst ist. Denn dann lassen wir Kirche Kirche sein. Weil wir Gott Kirche bauen lassen, indem er uns in dieser Stunde mit seiner Gnade füttert. Er gibt. Wir empfangen. Das ist Gemeinde.

Die Kirche ist der Ort der Gnade Gottes. Die große Geschichte von uns Menschen als Sündern und von dem Heil, das uns Christus schenkt, wird in der Gemeinde konkret hörbar, spürbar und schmeckbar. Der Theologe Hermann Sasse hat es einmal wunderschön auf den Punkt gebracht. Er schreibt in „Was heißt lutherisch“ 1934 über die Kirche: „Sie lebt ja nicht von der Moral, nicht vom Wissen und Tun des göttlichen Gebotes. Sie lebt auch nicht von der Religion, nicht von hohen Erlebnissen des Göttlichen und vom Wissen um die Geheimnisse Gottes. Sie lebt einzig und allein von der Vergebung der Sünden.“


Dr. Malte Detje ist Pastor in der Ev.-luth. Kirchengemeinde Kirchdorf im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Der Artikel ist ein gekürzter Vorabdruck aus seinem Buch „Im Zweifel für Gott – Wie wir an Gott dranbleiben, wenn der Glaube nicht trägt“ (SCM R.Brockhaus).

 

 

 

11 DIREKT-KOMMENTARE

    • Jesus.de-intern geht das unseres Wissens nach nicht (außer ein schlauer Kollege hätte still und heimlich mal so eine Funktion eingefügt). Was aber geht, ist sich den Artikel als Bookmark im Browser zu speichern 🙂

      Liebe Grüße
      dein Jesus.de-Team

  1. Danke schön !
    Mit Ihren Worten gelingt es Ihnen hoffentlich, vielen von uns die Augen zu öffnen. Ja, es ist nicht unsere Kirche, sondern Seine. Wir machen Kirche nicht für uns, sondern für Ihn. Danke schön !

  2. Kirche frustriert manchmal oder öfters

    Kirche frustriert manchmal – oder auch öfters – und Pastor Malte Detje beschreibt eine Innenansicht, wie ich sie seit Jahrzehnten (auch) positiv kenne. Wenn ich alleine die 38 Jahre aufschreiben würde, die ich mit sehr erfreulichen, seltsamen, obskuren Ereignissen und jene einer fast dritten Art im Kirchenvorstand erlebte, würde mir das niemand in dieser Mischung abnehmen. Leider haben wir uns in all dieser Zeit leitungsmäßig eher in einem gefühlten Verwaltungsrat gesehen und weniger in einem Gremium, welches die Gemeinde gemeinsam mit dem/der Pfarrer/in geistlich leitet. Ich vermute mal, daß es in den meisten Gemeinden weder die Idee noch ein Beginnen gibt, ein Gemeindekonzept zu erstellen: Sich daher Ziele zu setzen, wie man sich Gemeinde wünscht, wie das zu erreichen ist, und: wie Gemeindeaufbau stattfinden kann. Wir sollten es nicht faul Gott überlassen, die berühmten Funde zu mehren und sich dann wundern, daß die Gemeindearbeit stagniert. Von der schönen Lahn in die Pfalz verzogen, stelle ich hier in der Großstadtgemeinde fest, daß es die sinnvolle Kerngemeinde mit Gemeindegruppen öfters nicht gibt, sieht man von anderen und gut frequentierten übergemeindlichen Angeboten ab. Der sonntägliche Gottesdienstbesuch ist oft nahe am Nullpunkt, die wenigen Ehrenamtlichen arbeiten sich zutode und ganz allgemein befindet sich alles in einem geistlichen Dornröschenschlaf. Das kann niemand alleine mit dem Traditionsverlust erklären, der nicht vom Himmel gefallen ist. Vielleicht schafft die katastrophale Situation nach Corona, wo ganz vieles anders sein wird, auch meiner hier eher sich im Niedergang befindlichen (jetzt) pfälzischen Kirche doch ein Wehen des Heiligen Geistes. Dem seltener wegen Untätigkeit, langweiliger Predigten und fehlender Begeisterung für den Glauben Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. Vielleicht ist ein auch finanzielles Zurückgeworfensein auf die Kernkompetenzen von Kirche zwar kein willkommener, aber doch sehr notwendiger’Anlass, wieder neu angezufangen. Ich würde mir eine frömmere, auch eine mehr politischere Kirche sowie eine Kirche welche die Bergpredigt wieder mehr in den Mittelpunkt rückt, sehr wünschen. Vielleicht sind die Klimakatastrophe und von Corona ein Weckruf hierzu: Wenn der Herr nicht das Haus baut, werkeln die Gemeindefunktionäre vergeblich vor sich hin. Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, dümpelt in schwerer See und vergißt leider, daß es wieder seinen Lotsen braucht.

    • Hallo, man ist doch nicht durch die Taufe ein Kind Gottes und bleibt es, sondern dazu gehört der Glaube an Jesus Christus., denn es heißt in der Bibel “ … wer da glaubet und getauft ist …“. sh. Mk 16,16. Nur von der rettenden Taufe zu predigen ist m.E. der Tod der Kirchen

  3. https://tredition.de/autoren/volker-kulessa-31864/kritik-der-reinen-verleugnung-hardcover-133154/

    Auf der Rückseite steht: (damit man weiß, worum es geht)

    Der heute auf breiter Ebene und in aller Schärfe geführte Angriff auf die Bibel als das untrügliche Wort Gottes hängt auf das engste mit dem Namen Rudolf Bultmann zusammen. (H. Jochums, Angriff auf die Kirche, S 20)

    Deshalb wird in diesem Buch der Frage nachgegangen, ob, und wenn ja, warum, in der von Bultmann vorgeschlagenen „Entmythologisierung durch existentiale Interpretation“ eine ganz wesentliche Ursache für die zahlreichen von allem Christlichen entleerten Predigten zu suchen ist.

    Die Auswirkung Bultmanns haben zunächst Protestanten mit Recht als weltanschauliches “Erdbeben” bezeichnet. So vieles kam durch seine Ausführungen in fast allen Konfessionen, die römische Kirche leider nicht ausgenommen, ins Wanken, ja in zahllosen Fällen zum völligen Einsturz, schien er doch der gesamten Theologie jedes sichere Fundament zu nehmen. (E. Hesse, Das Evangelium im Widerstreit der Theologen)

    Der Autor zeigt im Detail und in aller Ausführlichkeit die Zerstörung der Substanz des Neuen Testaments durch Bultmann auf.

    Das Buch ist eine Einladung an die Leser, sich selbst davon zu überzeugen, daß R. Bultmann als Irrlehrer erwiesen ist.

    Es wird gezeigt, daß die von Bultmann vorgeschlagene Methode der „Entmythologisierung durch existentiale Interpretation“ völlig ungeeignet für die Exegese des Neuen Testaments ist, mehr noch, daß sie eine für das Evangelium zersetzende Wirkung hat.

    Darüber hinaus wird ausführlich nachgewiesen, daß sich Bultmann wissenschaftlich mit seinen zahlreichen Vorannahmen und unzutreffenden dogmatischen Fehlurteilen für eine dem Neuen Testament sachgerechte Exegese, auch gemessen an seinen eigenen Kriterien, selbst disqualifiziert hat.

    Vor allem in den Gegenreden wird durch eine große Fülle und Vielfalt von Zitaten angesehener Theologen aus Kirche und Wissenschaft eine neutestamentliche Theologie entfaltet, die auf ganzer Linie Bultmann widerspricht.

  4. Die einzigen, die Kirche/Gemeinde brauchen, sind diejenigen, die ihren Lebensunterhalt daraus beziehen.
    Tut mir leid, es so krass formulieren zu müssen, aber hier wird Ekklesia mit der Ortsgemeinde gleichgesetzt, was nirgends in der Bibel erwähnt wird.
    Ich selbst habe über 40 Jahre in Gemeinden verbracht, davon einige Jahre in der Gemeindeleitung und habe mich sehr intensiv damit auseinander gesetzt.

    Die Gemeinde ist der Leib Christi und meint weltweit alle, die in Christus verbunden sind.

    Die Bibel sagt, es ist ein Gott und ein Mittler und das ist nicht der Pastor, kein Seelsorger und nicht der Papst. Der Mittler ist Jesus Christus. Einzig und allein die Beziehung zu ihm schenkt neues Leben und neuen Mut.
    Man kann ihm im Gottesdienst begegnen, ebenso auch anderswo.

    Die Kirche/Gemeinden sind menschengemachte Institutionen und Vereine, in der Regel mit dem Ziel einen physischen Ort der Begegnung für Gläubige zu schaffen. Zumeist auch mit karitativen Diensten.
    Was sehr ehrenwert ist. Aber wir müssen es auch so in aller Ehrlichkeit kommunizieren und endlich aufhören, Menschen etwas aufzudrängen, was sie nicht brauchen!
    Wem die Gemeinde/Kirche guttut, geht auch freiwillig hin. Allen anderen sollten wir nicht länger moralische Lasten auflegen.

    • Weltweite Kirche ist Leib Christi

      liebe Lena, ich teile vollkommen deine und unsere Überzeugung, daß die Kirche Jesu Christi alle Christen weltweit umfasst und damit alle bezeichnet, die mit Jesus Christus verbunden sind. Ich würde da auch alle unterschiedlichen Perspektiven auf die Person und das Werk Jesu, sowie das Heil durch ihn, in diese Betrachtung einbeziehen. Unter Christinnen und Christen wird es immer unterschiedliche Meinungen geben und genauso regelmäßig sich unterscheidende Frömmigkeitsstile. Aber weil wir Menschen sind, können wir uns nur in menschlichen Institutionen versammeln, Kirche sein und auch unsere Vorstellungen von Gott sind schon vom einen zum anderen Menschen verschieden. Ich höre sowohl in der (guten !) evangelischen als auch katholischen Predigt die übereinstimmende Aussage, daß der „Gott mit uns“ – Jesus – Kirche ausmacht. Jedenfalls die Institutionen die Kirche ausmachen, soll und darf man kritisieren, insbesondere beim geistlichen Dörnröschenschlaf.

  5. Nette Worte.
    Aber sie berühren mich nicht.
    Ich bin gegangen, weil ich den Glauben an die Kirche verloren habe. Nicht den an Gott.

    Eine Kirche, die von Heiden geleitet wird und zur linken politischen Sekte umgeformt wurde.
    Eine Kirche, die politisch Andersdenkende (und dazu zählt jeder, der nicht regierungskonform denkt) explizit ausgrenzt.
    Egal, wie wertvoll deren Mitarbeit war und wie stark deren Glaube und wie nützlich sie in der Gemeinschaft waren.
    Eine Kirche, die nicht Stärke und Einzigartigkeit des christlichen Glaubens predigt, sondern Beliebigkeit und Unterwerfung.
    Eine Kirche, die dem Zeitgeist stärker verhaftet ist als der Ewigkeit.
    Bis hinunter ins kleinste Glied indoktriniert, wo eifrige Vollstrecker aus der Anonymität heraus Meinungswillkür betreiben und Kommentare verschwinden lassen.

    Der Austritt hat mich Gott näher kommen lassen.
    Und ich sehe jetzt die massenhaften Austritte und die zunehmenden Kirchen- und Wegkreuzschändungen als das, was es ist:
    Den Beginn einer neuen Zeit, in der das Christentum, so wie wir es kennen, keine Rolle mehr spielen wird.
    Es wird fast verschwinden, aber die, die es noch praktizieren, werden es mit Kraft und Enthusiasmus tun und die Keimzelle für einen neue Bewegung sein.
    So, wie es vor fünfhundert Jahren schon einmal ein religiös und politisch Geschmähter gemacht hat, der von seiner zeitgenössischen Kirche einfach nur noch angeekelt war.

    Und darauf freue ich mich!

    • „Eine Kirche, die von Heiden geleitet wird und zur linken politischen Sekte umgeformt wurde.
      Eine Kirche, die politisch Andersdenkende (und dazu zählt jeder, der nicht regierungskonform denkt) explizit ausgrenzt.“ Da stimme ich dir, Mark, weitestgehend zu. Das empfinde ich größtenteils ähnlich, leider. Kirche sollte den Menschen beistehen im Leid und im Kampf gegen Unterdrückung von seitens der Herrschenden. Zum Glück gibt es aber dennoch wenige positive Ausnahmen unter den Pastoren und kirchlichen Mitarbeitern.

      „Eine Kirche, die nicht Stärke und Einzigartigkeit des christlichen Glaubens predigt, sondern Beliebigkeit und Unterwerfung.
      Eine Kirche, die dem Zeitgeist stärker verhaftet ist als der Ewigkeit.
      Bis hinunter ins kleinste Glied indoktriniert, wo eifrige Vollstrecker aus der Anonymität heraus Meinungswillkür betreiben und Kommentare verschwinden lassen.“ Das sehe ich ähnlich, lieber Mark. Das sollte so nicht sein. Ich hab das in DDR besser erlebt, zumindest weitestgehend. Pfarrer Führer aus Leipzig z.B. stand den Menschen wirklich bei im Kampf gegen das Regime und bei ihren Ausreisewünschen, auch wenn er selbst das sicher nicht immer verstehen konnte.

      Die Kirche muss zuerst zum wirklichen Glauben an Christus zurückfinden und daraus resultierend den Armen und Unterdrückten helfen.

    • Kritik ist bei uns willkommen, darum geht es nicht, aber an dieser Stelle müssen wir kurz Stellung beziehen. Sie schreiben über die Kirche:

      „Bis hinunter ins kleinste Glied indoktriniert, wo eifrige Vollstrecker aus der Anonymität heraus Meinungswillkür betreiben und Kommentare verschwinden lassen.“
      Wir haben diesen kommentar niocht verschwinden lassen, obwohl Sie ihn hier – für andere Nutzer quasi anonym – der Öffentlichkeit präsentieren. Ein solcher Pauschalvorwurf, der quasi alle Mitglieder der Kirche unter Generalverdacht stellt, ist unserer Überzegung nach völlig unangemessen. Kennen Sie alle persönlich? Woher schöpfen Sie ihr Wissen? Es ist eine Beleidigung für alle Christen, die innerhalb der Kirche ihren Herrn bezeugen und ihm nachfolgen. Mit freundlichen Grüßen, die Redaktion

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