Gottesdienst (Foto: Jesus.de)
„Du darfst über alles predigen, nur nicht über 20 Minuten!“ Dieser Spruch dürfte Generationen von Theologiestudenten vertraut sein. Der Religionssoziologe Detlef Pollack empfiehlt den Kirchen nun: „Kein Gottesdienst sollte länger als 50 oder 60 Minuten dauern.“ Warum? Das hat er auf der EKD-Synode in Bonn erklärt.

Man erleichtere es Menschen, am Gottesdienst teilzunehmen, wenn er kürzer sei, so Pollack. Dass Menschen wegblieben, habe zwar auch mit Inhalten wie der Predigt zu tun, aber vor allem damit, „dass sie am Sonntagvormittag schlichtweg anderes zu tun haben, das ihnen wichtiger ist.“

Darüber hinaus empfiehlt der Religionssoziologe, dass die Kirche ihr Geld in die Kinder- und Jugendarbeit investieren sollte. Dies diene der „religiösen Sozialisation“ der Menschen. Wer sich einmal von der Kirche verabschiedet hat, komme dagegen in der Regel nicht wieder. Deshalb sei es auch am effektivsten, sich vor allem um diejenigen zu bemühen, die noch Kirchenmitglieder seien, jedoch am Rande stünden. „Die Verbreitung des Evangeliums an alles Volk mag theologisch geboten sein“, so Pollack, doch nicht einmal ein Prozent der Konfessionslosen denke ernsthaft über einen Kircheneintritt nach.


Kein Gottesdienst über 60 Minuten? Sinnvoll? Nachvollziehbar? Oder Unsinn? Was sagt ihr dazu?

24 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Tatsächlich sind die Sonntag-Vormittage in vielen Familien nicht nur (gefühlt) kürzer als an Werktagen, sondern oft auch „praller“ gefüllt. Man steht eine Stunde später auf, frühstückt in Ruhe und oft wird sonntags auch ein gemeinsames Mittagessen mit der Familie eingeplant – und auch das muss vorbereitet werden. Oder man möchte am Sonntag etwas unternehmen – und das nicht erst ab 14:00 mittags.
    Ich halte nichts von einer vorgeschriebenen Maximaldauer, da vieles von der Situation abhängt. So dauert ein Gottesdienst mit Abendmahl meistens etwas länger als einer ohne und zu manchen Themen gibt es einfach mehr (oder weniger) zu sagen. Aber als Richtwert sollte sich jeder Prediger vornehmen: eine Stunde und nicht länger!
    Früher gab es in unserer Gemeinde übrigens sonntags um 8:00 Uhr Frühgottesdienste. Da bin ich immer gerne hingegangen, die dauerten maximal 40 Minuten. Das war ein guter Tagesanfang – und danach hatte man den ganzen Tag noch vor sich.

    • die pfeiffersche Meinung ist ganz richtig. Zu lange Gottesdienste vertreiben schon immer Gemeindemitglieder (ich kenne das seit mehr 70 Jahren)

      • Luther sagt man, habe 4 Stunden gepredigt und niemandem geschadet.. bei uns ist es nicht so lange .. aber 1,5 Stunden sind VOLL okay… wir leben ja von jedem Wort Gottes …. für anderes ist auch immer Zeit !

      • Herr Oppermann, haben sie schon einmal daran gedacht in ihrer Versammlung die Stühle gegen Liegestühle zu tauschen? Dies wäre doch eine existentiell, notwendige Verbesserung für ihre erfahrenen Versammlungen?

  2. Bei uns wird es schon lange so gemacht, dass der GoDi mind. 60 Min dauert. Je nach Pfarrer und Gastpfarrer. Das mögen auch unsere Besucher.

  3. Diese Diskussion ist ja nicht neu. Als Laienprediger bin ich auch immer wieder in unterschiedlichen Gemeinden unterwegs und habe schon einiges erlebt.

    Meine Kritik an „20-Minuten-Predigten“ und vorgeschriebenen GoDie-Längen:

    – Von unseren Kindern erwarten wir in der Schule, dass sie 45 min bei der Sache sind, zum Teil 6 Schulstunden am Tag. Von einem Gottesdienstbesucher, der (hoffentlich) Interesse an der Bibel und ihrer Auslegung hat, sollte man nicht mehr als 20 min verlangen können? Merkwürdig …
    – Bibeltext lesen, Einführung, Botschaft an sich, Ende und Herausforderung zu Tun – wie soll das in 20 min passen? Ich lasse deshalb den Bibeltext oft schon als Lesung im Vorfeld lesen, damit man wenigstens diese Zeit spart
    – was ist mir am Sonntag wichtig – Gemeinschaft mit und unter Gottes Wort und mit den Geschwistern, oder ist der GoDie nur ein lästiges, religiöses Ritual, das man abfrühstücken muss, damit man „in den Himmel kommt“? Wo sonst habe ich mal Zeit, mich auf Gott, sein Reden und sein Wirken einzulassen, wenn nicht am Sonntag? Wie schon gesagt: Alle Tage sind vollgestopft, und der Sonntag ist bei vielen oft auch nicht besser
    – Lobpreiszeit: Alles unter 20 Minuten ist „Pflichtgesang“ (ich übertreibe). Lobpreis ist eine Zeit, in der ich (endlich mal) von mir weg ganz bewusst auf Gott schaue. Nirgends bin ich so nah an ihm dran wie in der Zeit des Lobpreises – und er an mir. Wie soll das in einem GoDie, der 50-60 min dauert, alles reinpassen? Ich glaube, es ist sind falsche Prioritäten gesetzt
    – Sonntag als „christlicher Sabbat“: Schauen wir uns an, was Gott an seinem freien Tag gemacht hat – und orientieren wir uns wieder daran

    Wenn wir abwechslungsreiche Gestaltung mit guten Botschaften verbinden geht die Zeit wie nix rum. Und jeder schaut auf die Uhr und sagt: „Was, schon fast 2 Stunden? Ist mir viel kürzer vorgekommen….!“ Und dann ist der GoDie ein Highlight und keine Pflichtveranstaltung mehr.

  4. Unser Gottesdienst dauert normalerweise zwei Stunden. Da es einen Kinderdienst und Übertragung für Familien mit kleinen Kindern gibt, ist es gut.

  5. Lustiger Zufall, ich war gestern mit meiner Tochter (15 Jahre) bei einem Gottesdienst des Ev. Jugendwerkes bei uns im Bezirk (ich war die Fahrerin). Ihr Kommentar: Warum war der Gottesdienst so kurz? Der Gottesdienst hat 1,5 Stunden gedauert. Vielleicht sind es ja auch die Inhalte und nicht die Dauer, die das Problem sind…

  6. Nicht über 60 Minuten? Ich vermute, dass diese Forderung von Menschen kommt, die noch nie einen richtig guten Gottesdienst erlebt haben. Wenn Du begeistert bist vom Gottesdienst, willst Du gar nicht, dass er nach 60 Minuten schon zu Ende ist.

    • Das ist auch meine Erfahrung. Wenn es gefüllte Zeit ist, spielt die Dauer kaum eine Rolle. Nur nichtssagende Gottesdienste langweilen.

    • Ja, es gibt einen „himmelweiten“ Unterschied zwischen geisterfüllten Gottesdiensten, in denen ich gerne 2 oder mehr Stunden verweile – und konventionellen Gottesdiensten….

    • Das sehe ich auch so …. Gottes Wort ist köstlich und man braucht es für jeden Tag, das muss ja dann vom Prediger von Montag bis Samstag für mich reichen …. ein guter Prediger und interessante Themen … da ists wie bei einem guten Film… fast 2 Stunden zuhören und vom Heiligen Geist gefüllt werden in der Predigt !

  7. Oh Herr Pollack, denke sie wirklich, dass die Zuhörer der Predigten so schlecht zuhören können ? .. Kommen sie mal zu uns … da dürfen sie auch 1 h predigen ! Und wir schlafen weder ein noch sind wir genervt . .. es ist köstlich Gottes Wort zu hören …

  8. Bezeichnend!!!
    Ich kenne auch einige Christen, die kurze „Impulse“ einer längeren Predigt vorziehen!
    Für Evangelisationsveranstaltungen – ok, da sind die Zielgruppe ja diejenigen, die keine Beziehung zu Jesus haben.
    Aber für mich ist er der absolute Mittelpunkt meines Lebens und ich liebe es, über ihn zu reden, von ihm zu hören, verschiedenen Gedankenansätzen nachzugehen, in seiner Gemeinde zu sein, gemeinsam zu beten, anzubeten, seine Anwesenheit zu genießen.
    Ich kann mir nichts Passenderes v.a. für einen Sonntag vorstellen?!
    Den Gottesdienst zeitlich begrenzen, damit man Zeit für wichtigere Dinge hat … ich kann mir nicht vorstellen, dass das ein geeigneter Ansatz ist, den Glauben in den Kirchgängern wieder lebendig zu machen.

  9. Wenn es ein langweiliger Gottesdienst ist, werden alle froh sein, wenn er nach 60 Minuten vorbei ist. Aber so sollte es nicht sein und dann kann man kein Zeitlimit setzen.

  10. Eine Beschränkung sollte es nicht geben. Aber allein weil die die Formulierung, „Es ist Quatsch.“, nicht gefällt, habe ich mich für ja genügt entschieden.
    Ein Gottesdienst ist ja nicht nur predigt. Es gibt ja nach dem Gottesdienst etwas zu trinken und unterhält sich. So ist es in einigen Gemeinden und das gehört ja dann auch zum Gottesdienst dazu. Von der Seite betrachtet, kann es schon passieren, dass so ein Gottesdienst trotz nur 20 Minuten Predigt zwei Stunden dauert.
    Wer keine Verpflichtungen wie Familie, bekannte, Freunde hat, kann von mir aus viele Stunden Gottesdienst feiern. Ich sehe da kein zwingendes Maß.

  11. Wir kommen vor königliche Audienz, vor dem König ALLER Könige und wollen IHM vorschreiben „Du sollst nicht länger als 20 / 60 Minuten zu uns reden bzw. wir haben für Dich nur 60 Minuten Zeit?? Eigentlich gehört der ganze 7. Tag der Woche unserer Zeit mit IHM…

  12. Weshalb gehen Menschen in einen Gottesdienst, wenn sie eigentlich etwas Wichtigeres zu tun haben?
    Was sind das für Gottesdienste, die wertvolle Sonntagszeit vertrödeln? Wenn Menschen wie Herr Pollack glauben, dass es wichtigeres gibt als Gottes Wort zu hören, dann sind doch auch 60 Minuten zu lang. Dann ist jede Minute übrig wie ein Kropf! Ist es nicht schwachsinnig zu glauben, dass die Verkürzung der Gottesdienste die Menschen besser an die Kirche bindet? Nach dieser Logik würde der 0 Minuten GoDie die meisten Menschen hindern die Kirche zu verlassen?
    Unbestritten gibt es Predigten, die man besser nicht anhört! Aber liegt dies wirklich an der Länge oder am Prediger? Unbestritten gibt es Gebete und Gesang auf die man gern verzichten kann! Aber liegt dies wirklich an der Länge oder an der fehlenden Wahrhaftigkeit und Qualität? Unbestritten gibt es Menschen, die sich nicht lange gut vertragen. aber liegt dies an der Länge des Zusammenkommens oder an der fehlenden Liebe untereinander?
    Unbestritten ist für mich, wer vorrangig träumt an der Beschränkung der Zeit zu feilen – um bei Predigten, Gebete, Gesang und Gemeinschaft eine Verbesserung zu erzielen, ist ein beschränkter Träumer.

  13. Ist es eine gut erarbeitete und vorbereitete Predigt zu einem interessanten Thema und die Rhetorik und Präsentation sind klasse, darf eine Predigt für mich ruhig – auch viel – länger sein.
    Sind jedoch weder Thema, noch Präsentation und Rhetorik gelungen… zum Beispiel mehr schlecht als recht abgelesen… dann sind selbst 30 Minuten zuviel.
    Sind es nicht nur mit Orgelklimpern und schlechtem Rhythmusgefühl begleitete Stöhn- und Jammerlieder, sondern mit moderner Musik und gut abgestimmter Technik ( ein Lob an die Techniker, die das können) gesungene Lobpreislieder, die eine Herzenseinstellung erkennen lassen und innigen Kontakt zu Gott fördern, dann kann auch diese Zeit ruhig sehr viel länger als nur 10 Minuten pro Gottesdienst sein.

    Bei der Gestaltung der Gottesdienste sollten daher diese – und weitere – Gesichtspunkte maßgeblich sein.
    Nicht ob ich schnell noch was kochen möchte oder ’ne Freundin besuchen.

  14. Ich dachte auch mal, Gottesdienste dürften nicht länger als 45 Minuten sein. Aber: ein langweiliger Gottesdienst ist eigentlich immer zu lang, egal wie kurz er ist, und fängt Sonntags zu früh an. Da kommt mir dann auch eine 15-Minuten-Predigt schon wie eine Ewigkeit vor. Bei einem schönen Gottesdienst allerdings, in dem mich – fromm ausgedrückt – der Heilige Geist berührt, vergesse ich die Zeit ohnehin. Wir haben in unserer landeskirchlich-lutherischen Gemeinde Glück, da ist die Kirche jeden Sonntag voll und der Gottesdienst dauert selten weniger lang als 60 Minuten (aber zum Glück auch nicht arg viel länger, und ich finde durchaus, dass man eine gute Predigt auch in 12 Minuten halten kann). Danach ist Kirchenkaffee und ich bin selten vor 13:00 zurück. In unseren Gottesdiensten sind übrigens auch viele, die zurückgefunden haben zur Kirche, mich selber eingeschlossen. Mein Fazit: Die Kirche sollte eher überlegen, wie sie die Sonntagsgottesdienste wieder relevant machen kann und damit auch den Sonntag wieder in die Mitte des Gemeindelebens zu rücken, als ständig über alternative Formate nachzudenken. Das ist sicherlich etwas, wo die Landeskirchen sich bei den Freikirchen etwas abschauen könnten.

  15. Meine Beobachtung: Freikirchen, in denen Gottesdienste typischerweise zwischen 1 und 2 Stunden dauern, haben Zulauf, Landeskirchen, die sich an die 60 Minuten halten verzeichnen z.T. dramatische Rückgänge. Also ich ziehe andere Schlüsse, als Herr Pollack. Eine Frau aus unserer Kirchengemeinde sagte zu dem Thema: „Wo man sich wohl fühlt bleibt man gerne auch länger.“

  16. Noch ein interessantes Zitat vom Vizepräses der EKD-Synode, Klaus Eberl, zum Thema: „Ich glaube, dass die Länge des Gottesdienstes nicht entscheidend ist. Mich haben auch schon Gottesdienste in den Bann gezogen, die zwei und mehr Stunden gedauert haben – und kurze haben mich gelangweilt.“
    Anscheinend hat Herr Pollack nicht jeden überzeugt… 😉

    VG
    Daniel

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