Symbolbild Taufe (Bild: epd-Bild / Andrea Enderlein)

Berlins evangelischer Bischof Markus Dröge hat die staatlichen Behörden zu einer sorgsamen Prüfung von Asylanträgen getaufter Flüchtlinge aufgefordert. „Wir haben es in der letzten Zeit erlebt, dass bei der Prüfung der Asylanträge nicht richtig ernst genommen wurde, wenn Geflüchtete sich in unseren Gemeinden haben taufen lassen“, sagte Dröge am Sonntag in der Berliner Marienkirche. Er fügte hinzu: „Wir sprechen es unserem Staat nicht ab, Asylanträge auf ihre Glaubwürdigkeit hin zu prüfen – aber wir erwarten eine sorgsame und gewissenhafte Prüfung.“

Bei dem Gottesdienst wurde verfolgter und bedrohter Christen weltweit gedacht. Es nahmen auch neu getaufte Flüchtlinge teil. Dröge sagte, die Kirche habe wegen der kritischen Begutachtung von Taufen bei Flüchtlingen beim Amt für Migration und Flüchtlinge nachgefragt. Dabei hätten die Kirchenvertreter „dringend darum gebeten, die Bekehrung zum christlichen Glauben ernst zu nehmen“. Die Pfarrer, die Taufunterricht erteilt hätten, Geflüchtete getauft haben und erlebten, wie ernsthaft diese sich in den Gemeinden engagierten, könnten bezeugen, wie ernst es den Konvertierten mit ihrem christlichen Glauben ist.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz mahnte, bei der Prüfung von entsprechenden Asylanträgen müsse auch mit bedacht werden, was es bedeutet, wenn Muslime, die zum Christentum konvertiert sind, in ihre Ursprungsländer abgeschoben werden: „Müssten sie zurück in ihre Ursprungsländer, wären sie durch die Taufe nun noch einmal mehr gefährdet.“

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Das die Bekehrung zu Christus und die Taufe von einigen Mitarbeitern nicht ernst genommen wird, liegt meiner Meinung nach daran, dass Christus und Taufe selbst nicht ernst genommen wird. Sie können sich gar nicht vorstellen, dass dahinter etwas anderes steht, als der Versuch, in Deutschland zu bleiben.

  2. Der Staat muss jeden, der einen nachträglich geschaffenen Asylgrund geschaffen, alle gleichermaßen prüfen.Dabei spielt es keine Rolle, ob der nachträglich geschaffene Grund ein religiöser, oder politischer Grund ist. Hier müssen alle gleich behandelt werden.

    Aber auch die Kirche könnte ihren Beitrag zur Glaubwürdigkeit leisten. Wenn sie sich wegen dem Kirchenasyl nicht über bestehendes Recht stellen würde, Würde die Kirche es den Getauften leichter machen, denn die Kirche würde damit zeigen, dass sie den Staat mit ihren Regeln respektiert.

    • Selbstverständlich muss sich der Staat an seine eigenen Gesetze halten und daher jeden Asylantrag auch inhaltlich prüfen. Wären wir eine Bananenrepublik, würden die Verfahren, auch durch die Möglichkeit der Einschaltung gerichtlicher Instanzen, nicht so lange dauern. Da aber nicht unerheblich auch Kritik geäußert wird an den langen Verfahren, kann man es bei diesem Thema niemanden wirklikch recht machen.

      Die Sache mit dem Kirchenasyl beruht auf der Überzeugung, dass Situationen im Leben von Menschen gibt, in denen man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen. Es gibt oft Gründe, die dann staatliche Stellen doch zu dem Entschluss kommen lassen, den Antrag nochmals zu überprüfen. Das Kirchenasyl ist formalrechtlich kein rechtsfreier Raum.

      Meiner Einschätzung und Beobachtung nach sind die Entscheidungen von Asylanten und Flüchtlingen, sich taufen zu lassen, in der Regel sehr ernsthaft gemeint. Es ist vielleicht zusätzlich auch der Versuch, nach den oft schlimmen Erfahrungen durch Lebensbedrohung und Flucht in der hiesigen Gesellschaft Fuß zu fassen und wieder zu sich selbst zurück zu finden. Im übrigens sollte man bei den Taufen in den großen Volkskirche für Fremde keine anderen (perfektionistischen) Maßstäbe anzulegen. Denn wer heute (man verzeihe mir den Begriff) als Karteileiche eine kirchliche Amtshandlung begehrt, bei dem wird man diese Entscheidung auch nicht über Gebühr kritisch hinterfragen. Hier zählt zunächst der Wille, sich taufen zu lassen und somit Christ zu werden. Es gehört zur Willkommenskultur von uns Christen, uns darüber zu freuen und die Neuen in unsere Gemeinschaft aufzunehmen.

      Weder ein Asylant, Flüchtling oder Deutscher wird durch die Taufe sofort ein anderer Mensch. Die Taufe ist ein Zeichen der Liebe Gottes und damit die Möglichkeit des Anfangs eines Glaubenslebens. Insofern ist die Taufe wie jedes andere Sakrament nur durch Mitwirkung relevant.

      Migranten geht natürlich durch den Übertritt in einen anderen Glauben teilweise ein hohes Risiko ein, bei der Rückkehr in die Heimat angefeindet zu werden. Man sollte dies aber weder über- noch unterschätzen.
      Nach der reinen Lehre ist die Christ für den Moslem kein Ungläubiger. Ausserdem gibt es auch Moslems, die ihren Glauben genauso ernst nehmen wie Christen. Auch für Moslems ist Gott ein barmherziger Gott, der Liebe zu den Mitmenschen fordert. Islam ist nicht gleich Islamismus.

      Bernd Hehner, Kaiserslautern

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