Atheisten werben mit Bus für Abschaffung der Kirchensteuer

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Der Bus in Hamburg
Auch in Hamburg soll die säkulare Buskampagne halten. Foto: Evelin Frerk, Montage: Blu Dot

Atheistische Organisationen wollen mit der „säkularen Buskampagne“ für eine Trennung von Staat und Kirche werben. Ab dem 4. Mai soll ein Bus mit der Aufschrift „Kirchenstaat? Nein Danke.“ durch 25 Städte fahren. Vor Ort wollen die Veranstalter Pressekonferenzen und Informationsgespräche durchführen. Unter anderem sind die Kirchensteuer, fehlende Strafverfolgung von kirchlichen Missbrauchstätern und Zwangsberatungen vor Abtreibungen ein Thema.

Organisiert wird die Aktion von der Giardono-Bruno-Stiftung in Kooperation mit dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und dem Humanistischen Pressedienst (hpd). Als Vorbild dient eine ähnliche Kampagne vor zehn Jahren unter dem Motto „Gottlos glücklich“. Auch auf Berliner Bahnhöfen wollten die Organisatoren werben. Das hatte die Deutsche Bahn jedoch untersagt. Sie begründete das mit „Fehlender Neutralität“.

5 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Die Einführung der Kirchensteuer war keine Idee der Kirchen und Gemeinden -> bitte erst schlau machen bevor man meint ein Fass aufmachen zu müssen und sich dann an die richtigen Stellen damit wenden. Dann verstehe ich nicht ganz das Anliegen (außer, dass die Kirchenteuer vom Staat eingezogen wird), denn wer keine zahlen möchte kann doch aus der Kirche austreten und ist damit raus. Wer aus der Kirche ausgetreten ist und trotzdem die Leistungen in Anspruch nehmen möchte, soll dann einen Dauerauftrag einrichten, mit dem er einen Ausgleich schafft (in Freikirchen ist das ganz normal und hat die Richtgröße von 10% des Nettoeinkommens). Darüber hinaus wäre ich auch für eine Trennung der Feiertage. Wer in keiner Kirche engagiert ist, wem Gott nichts bedeutet, das Kirchenjahr sonst wo vorbei geht, der braucht doch auch keine kirchlichen Feiertage, und das Weihnachtsgeld macht doch dann auch keinen Sinn, oder wie seht ihr das?

    • Hast du schon mal was vom französischen Revolutionskalender gehört? Da es nur einen freien Tag pro Dekade gab (nicht mehr alle sieben Tage, wie beim gregorianischen Kalender), war er nicht sonderlich beliebt. Auch die Anzahl an (säkularen) Feiertagen war – verglichen mit den katholischen Feiertagen – deutlich geringer. Da bestand eindeutig Verbesserungsbedarf.

      Weihnachtsgeld ist übrigens nicht staatlich verordnet, im Unterschied zu den Feiertagen. In Deutschland sind Feiertage aber Angelegenheit der Länder, nicht des Bundes. Bayern hat die meisten. Maria Himmelfahrt ist aber nur in Gemeinden mit mehr Katholiken als Protestanten ein Feiertag. Nicht nur Atheisten sondern auch Protestanten profitieren in Bayern also davon, wenn sie eine Minderheit sind. Das hat aber bisher noch nicht dazu geführt, das fränkische Protestanten, wie beispielsweise Söder, massenweise die Konfession gewechselt hätten. In Nürnberg beispielsweise würde das theoretisch Sinn machen, wenn die Nürnberger einen Feiertag mehr haben wollten.

    • Das ist ein bemerkenswert sachlicher Artikel, danke!
      Zur Kirchensteuer: Diese wirft man ja der Politik vor, insofern stimmt der Adressat. Die Kirchensteuer ist nur ein Teil der Steuergelder, die den Kirchen zukommen, insofern ist man als Nichtgläubiger nicht wirklich „raus“: https://hpd.de/artikel/kirchen-erhalten-so-viel-geld-staat-nie-15672.
      Zu den Feiertagen: Ostern und Weihnachten sind ja älter als das Christentum, insofern würde ich die schon gern nach meiner Façon feiern (z.B. mit einem Lichterbaum und bunten Eiern, Weihnachts- und Urlaubsgeld bekomm ich leider eh nicht). Berlin hat den Frauentag als Feiertag eingeführt, 1. Mai, Tag der dt. Einheit, „Vatertag“, … so langsam kommt die Säkularisierung an, würde ich sagen. Aber der Staat tut sich noch schwer.

  2. Die Begründung der Deutschen Bahn für die Ablehnung der Plakate mit „fehlender Neutralität“ ist nicht zuletzt deswegen recht fragwürdig, da die Deutsche Bahn Hauptsponsor des evangelischen Kirchentags 2019 in Dortmund ist. Oh ja, es ist schwierig neutral zu sein. Insbesondere ist es schwierig Werbung neutral zu gestalten. (Wer wirbt schon nach dem Motto: Wir verkaufen Autos, aber die der Konkurrenz sind auch ganz gut!). Da es keine neutrale Werbung gibt, dürfte die Deutsche Bahn gar nicht mehr Werbung verkaufen.
    Die Deutsche Bahn AG ist auf jeden Fall religiös und weltanschaulich nicht neutral, sondern sympathisiert mit dem Christentum.

  3. Eigentlich müssten sich die Gläubigen schämen, sich von Konfessionslosen ihren Platz im Himmel finanzieren zu lassen. Matthäus 4/26
    Es gibt auch schon Einsichtige, die sich in diese Richtung äußern!

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