Was bei einer „(e)Xtreme Character Challence“ passiert, bleibt auch dort. Nur eines dürfen die Teilnehmer erzählen: Wie Gott ihnen dort begegnete.
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Von Walti Bänninger

„Wo habe ich jetzt schon wieder das Handy hingesteckt?“ Wir sind nun schon „gefühlte“ Stunden unterwegs und immer wieder ertappe ich mich beim Griff zur Hosentasche. Natürlich habe ich der Vorgabe der Organisatoren Folge geleistet. Das Mobile ist, nur für einen Notfall, ausgeschaltet im Rucksack verstaut. Zu gerne wüsste ich jetzt, wie viele Schritte wir nun schon gegangen sind, auf welcher Höhe wir uns befinden, wie viele Kalorien ich schon verbrannt habe oder überhaupt: „Wie spät ist es eigentlich?“

Schauen wir noch einmal ein paar Stunden zurück. Da sind wir, acht Männer, auf dem Weg ins XCC von 4M Schweiz: eine „(e)Xtreme Character Challenge“ von Männern für Männer organisiert und durchgeführt. Unsere einzigen Informationen sind, wann und wo es beginnt, wann es zu Ende sein wird, was wir mitnehmen sollen und was wir zu Hause lassen dürfen.

Laufen, laufen, laufen

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Am Ausgangspunkt angekommen geht es nach ein paar Begrüßungsworten und Instruktionen auch schon los. Laufen, laufen, laufen. Das wird für die nächsten Stunden und Tage zum Programm. Der Sprecher am ersten Speakerpoint erklärt uns: „Männer, ihr werdet viel laufen und weite Distanzen hinter euch bringen. Ihr werdet an eure Grenzen kommen und vermutlich darüber hinausgehen. Aber die weiteste und wohl schwierigste Distanz ist jene zwischen Kopf und Herz!“ Wie Recht er doch hat!

Nach einem längeren Aufstieg und weiteren starken Worten durch die Organisatoren sind wir beim Nachtlager angekommen und schlagen unsere Zelte auf. Schräg ist auch schön! Wir versuchen, Zelt an Zelt auf der zu klein geratenen Fläche zu platzieren. Das ist wie Tetris spielen, nur leider ohne Erfolg. Der Zeltboden gleicht trotz mehrmaligen Versuchen eher einem Abhang anstatt einer Liegewiese.

Jeder kommt an seine Grenzen

Bei der Reise durch unseren Charakter begleitet uns an diesem Wochenende Simson aus der Bibel. Simson war ein eigenartiger Zeitgenosse. Er machte, was ihm gerade gefiel, und dennoch lesen wir mehrmals, wie der Geist Gottes über ihn kam und er Großartiges für Gott vollbrachte. Wenn Gott rief, war Simson zur Stelle und erledigte, was Gott ihm auftrug. Wie oft mache ich, was ich will. Selbst wenn mich Gott durch seinen Geist klar anspricht. Wie oft habe ich da schon weggeschaut, mich umgedreht und bin in eine andere Richtung gelaufen.

Männer sitzen in einer Berghütte.
Foto: 4M Switzerland

Das Großartige an diesem Wochenende ist, dass jeder an irgendeine Grenze kommt, welche es zu bewältigen gilt. Da entscheidet sich, ob ich die Grenze mit eigener Willenskraft meistern will oder ob ich mich auf Gott einlasse und die Grenze mit ihm zusammen überschreite. Letzteres hat aus meiner Erfahrung mehr Kraft und ist für mich leichter – bis auf den Punkt, dass ich mich auf Gott einlassen muss. Dass man es selber nicht hinbekommt, ist nicht für alle gleich einfach einzugestehen. Wir sind ja Kämpfer und wollen es alleine schaffen. Das scheint in der Natur des Mannes zu liegen.

Wow-Momente mit Gott

Am folgenden Abend erleben wir einen seltenen Männermoment. Wir treffen als Team früh im Camp ein, was den schönen Nebeneffekt hat, dass wir mit unserem Campbau fertig sind, bevor alle Gruppen im Ziel eingetroffen sind. Wir sind noch nicht bereit, uns für die Nacht ins Zelt zurückzuziehen. Da stehen wir also im Kreis vor unseren Zelten. Für mich ist das ein schöner Moment, welchen ich nutzen will, die Männer etwas herauszufordern. „Männer“, fange ich an, „was war euer Moment bis jetzt? Wo habt ihr Gott erleben dürfen? Was war euer Gott-Moment?“

Wo wir Männer sonst eher zögerlich sind, ist dieser Austausch die Bestätigung, dass wir ein gegenseitiges Vertrauen aufgebaut haben, welches keine Hemmschwelle mehr kennt. Denn kaum habe ich meine offenen Fragen ausgesprochen, legen sie los mit ihren Erlebnissen. Wow! Echt toll, was wir da alles zu Ohren bekommen. Männer beginnen, ihre Geschichte zu erzählen. Einer leert seine Taschen und holt zehn Steine in unterschiedlichen Größen heraus – es sind alles Steine in der Form eines Herzens. Sie sollen symbolisieren, dass unser Vater im Himmel uns an diesem Wochenende unsere steinernen Herzen herausgenommen und uns lebendige eingesetzt hat. Wir sollen diese Herzsteine als Symbol dessen mit nach Hause nehmen und uns stets daran erinnern.

Arbeit ist nicht alles

Ein anderer fängt an, sein Erlebnis zu erzählen, als ihm wie aus dem Nichts fast unaufhörlich die Tränen kommen. Er erinnert sich, wie er eines Morgens beim Frühstück saß und sein 7-jähriger Sohn augenreibend aus seinem Zimmer kam und enttäuscht sagte: „Aber Papa, wenn du jetzt arbeiten gehst, dann sehe ich dich ja den ganzen Tag nicht mehr!“ Die Erinnerung an diesen Moment mit seinem mittlerweile erwachsenen Sohn hat ihn geschüttelt und uns erinnert: Verpasst keinen Moment mit euren Kindern. Lebt im Jetzt! Verbringt Zeit mit ihnen, der Familie und macht nicht die Arbeit zum Alles.

Das ist 4M. Wir sind draußen in der Wildnis, erleben Aktivitäten und hören Inputs, welche uns an den Rand unserer Kräfte und Emotionen bringen. Wenn es dann noch einen kleinen Schubs über die Grenzen gibt, dann erleben wir solche Männermomente, wo Herzen offen werden und der Stein vom Herzen fällt.

Ungewissheit sorgt für Tiefgang

Eine XCC hat ein paar einfache Regeln für danach. Eine davon ist: Wir erzählen nicht weiter, was wir bei der XCC an Programm gemacht haben. Aber wir erzählen, was wir mit Gott erlebten. Der Grund dafür ist einfach: Bei einer XCC gibt es viele spannende und überraschende Momente und Programmpunkte. Unterwegs in der Wildnis ist es eine abenteuerliche Reise mit Tiefgang. Das Erlebte wird verstärkt durch die Überraschungsmomente und die Zeiten der Ungewissheit. Traue dich auch an eine XCC und begib dich auf die Reise, denn Gott ist mit dir noch lange nicht fertig.


Dieser Artikel ist zuerst im Männermagazin MOVO erschienen, das wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

Der Beitrag entstand vor der Coronazeit und soll nicht dazu ermutigen, die physischen Kontakte über ein vernünftiges Maß hinaus auszuweiten.