Fabian Vogt: „Luther für Eilige“

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„Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör bald auf.“ Diese Worte Martin Luthers nahm sich Fabian Vogt, selbst Pfarrer, Schriftsteller, Kabarett-Künstler und Radiopfarrer, zu Herzen und schrieb das Buch „Luther für Eilige“. In kurzen und knackigen Kapiteln beschreibt er die wichtigsten Werke des Reformators und zeigt, wie dessen Worte die Welt im 16. Jahrhundert auf den Kopf stellten.

Die Dank des damals erfundenen Buchdrucks dokumentierten 350 Druckschriften, hunderten von Predigten, 2500 Briefen und fast 7000 Tischreden Luthers kann der Autor nur ansatzweise vorstellen. 15 kurze Kapitel sind wie eine Kostprobe, die Lust auf mehr macht. Denn wie sollte man Luther in 140 Seiten packen?

Also erfährt der Leser etwas über die Person Luthers, die Reformation und zwölf seiner Werke, die der Autor für die wichtigsten ansieht, über verschiedene Sendschreiben und Briefe sowie einige seelsorgerische Ratschläge, die Luther erteilte. Der Leser erfährt, wie die Veröffentlichung der 95 Thesen wirklich abgelaufen sein könnte. Zwölf dieser Thesen werden beispielhaft erläutert und erklärt. Der Leser wird schnell merken, dass diese Thesen auch für uns heute noch von Interesse sind. Luthers Freiheitsschrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ bildet für viele Theologen und Historiker die Grenze zwischen Mittelalter und Neuzeit. In eindrücklichen Worten beschreibt der Autor die guten wie die katastrophalen Konsequenzen und Missdeutungen insbesondere dieser Schrift.

Luther war ein ausgesprochen mutiger Mensch. Er sagte klar und deutlich ohne Furcht und Angst, was er für richtig hielt. Er war ein Mann mit Rückgrat, der seine Meinung nicht nach dem Wind drehte und seine Aussagen sorgfältig begründete und recherchierte. Er vertrat seine Ansicht vor weltlichen und geistlichen Herrschern, ohne Rücksicht auf Verluste, im Vertrauen auf Gott und Jesus Christus – ein Beispiel, dem heutzutage nur noch wenige Menschen folgen und das mich ins Nachdenken brachte.

In Folge seiner Schriften musste Luther sich mit ganz profanen Themen auseinandersetzten. Denn nachdem er die Geldquellen der Kirchen versiegen ließ (Ablasshandel, kostenpflichtige Messen, Reliquienanbetung, Pilgerfahrten, etc.) machte er sich Gedanken darüber, wie eine Kirche überleben kann, denn die Kosten waren geblieben.

Und dann musste er sich mit seelsorgerischen Themen befassen. Wie weit soll der Obrigkeit gehorcht werden, welchen Gehorsam schulden Kinder ihren Eltern, wie ist das mit der Ehe (ein für einen damals noch unverheirateten Mann ein besonders brisantes Thema), wie wird ein Gottesdienst gestaltet, was ist mit den guten Werken? Die Schriften und Reden Luthers haben auch heute nichts von ihrer Brisanz eingebüßt.

Die Frage, die Luther umtrieb „Macht die Kirche das, wofür sie da ist?“ muss immer wieder neu gestellt werden. Im letzten Kapitel Ausblick stellt deshalb der Autor an uns die Frage: „Was von dem, was unsere Gemeinden und Kirchenleitungen tun, bringt Jesu Botschaft von der Liebe und Freiheit wirklich voran?“ In vier kurzen Abschnitten gibt er uns Lesern eine Anleitung, diese Frage zu beantworten. Ein gutes Stichwortverzeichnis rundet das kleine Taschenbuch ab.

Von Brigitte Keune

Verlag: Chrismonshop
ISBN: 978-3-9603801-0-8
Seitenzahl: 144
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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