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Geistliche Leiterschaft: Jeder macht Fehler, ein guter Leiter lernt aus ihnen

Thomas Härry scheiterte selbst als Leiter an den eigenen Ansprüchen. Sein Tipp für junge Leitende: „Höre auf Gott und lass dich inspirieren.“ Ein Interview über geistliche Leiterschaft.

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Thomas Härry, was bedeutet Leiten für dich?

Thomas Härry: Leiten heißt, Einfluss auszuüben. Ich wirke unter Menschen und in Situationen so, dass sich Dinge bewegen, verändern und auf etwas Gutes hinbewegen. Leitung gelingt aber nur, wenn mein Einflussnehmen von meinem Gegenüber aufgenommen wird. Erst wenn mein Leiten andere begeistert, in Bewegung bringt, motiviert und aktiviert, ist es Leitung. Es braucht hier beides: Menschen, die leiten und solche, die sich leiten lassen.

Wie kann man Fehltritte als Leitungsperson vermeiden?

Härry: Es gibt kaum eine Leitungsperson, die sich vornimmt, es so richtig zu vermasseln. Es ist wie beim Heiraten: Kein Paar heiratet mit dem Ziel, in fünf Jahren frustriert auseinanderzugehen. Man will es gut machen. Dennoch kommt es vor, dass Leitende vom Kurs abkommen. Kann man es verhindern?

Ja und Nein. Eine gute Prävention ist, so viel es geht, über Leadership zu lernen und sich (von Mentoren) begleiten zu lassen. Es ist wichtig, Menschen zu haben, die einem widersprechen dürfen. Es ist auch hilfreich, nicht allein zu leiten, sondern dafür zu sorgen, dass Macht gut verteilt ist.

Das Wichtigste aber ist: Jeder macht Fehler, jeder scheitert mal. Die Frage ist: Was mache ich dann? Lerne ich daraus und rapple mich wieder auf?

Wie kann man denn wieder aufstehen, wenn man gestolpert ist?

Härry: Es kommt darauf an, worin man gestolpert ist. Man kann aus jedem Scheitern lernen – wenn man willig und korrekturfähig ist. Auch hier helfen Rechenschaftsbeziehungen und ein sauberes Aufarbeiten, wo nötig Wiedergutmachung gegenüber denen, die unter meiner Leitung gelitten oder Schaden genommen haben.

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Aufstehen kann auch heißen: Ich mache eine Therapie und verzichte eine Zeit lang auf Leitungsaufgaben – das ist vor allem dann angesagt, wenn dysfunktionale Verhaltensmuster zu gravierenden Fehlern geführt haben.

Womit hast du selbst schon Probleme gehabt?

Härry: Das war das Thema Selbstführung. Als junger Leiter wollte ich zu viel auf einmal. Ich wollte unbedingt erfolgreich sein und es auch allen anderen recht machen, keinen enttäuschen. Eine Unmöglichkeit.

Ich habe mich damals überfordert und bin gesundheitlich eingebrochen. Ich dachte: „Nun ist es vorbei. Du wirst nie mehr leiten können.“ Zum Glück sah Gott das etwas anders. Er hat zuerst mein Herz verändert und mir danach wieder Einfluss anvertraut.

„Gib nicht auf! Höre auf Gott und lass dich inspirieren, wie du in konkreten Leitungssituationen vorgehen sollst.“

Was würdest du jungen Menschen raten, die später mal ein Unternehmen leiten wollen, sich selbstständig machen oder in einer Firma eine Stelle anstreben, in der sie ein Team führen müssen?

Härry: Das Wesentliche ist: Denke nie, dass du weißt, wie es geht. Die wichtigste Haltung ist die der Lernbereitschaft. Jede Situation ist anders. Jedes Team ist anders. Jeder einzelne Mensch, für den du Verantwortung hast, ist anders. Es gibt keine „One-fits-all“-Formel, dank der du alles richtig machst, auch wenn manche Bücher und Gurus sowas behaupten – glaub ihnen nicht!

Deshalb: Taste dich leitend voran, lerne aus Fehlern und von anderen. Sammle Erfahrungen, lies gute, bewährte Leitungsbücher. Und vor allem: Gib nicht auf! Höre auf Gott und lass dich inspirieren, wie du in konkreten Leitungssituationen vorgehen sollst.

Was muss man wissen, wenn man ein Team führen will?

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Härry: Kläre, welche Menschen du vor dir hast und wie du sie am besten führen kannst. Achte nicht nur darauf, dass die Aufgaben und die Ziele im Team klar sind und alle gemeinsam darauf hinarbeiten. Achte auch auf die Teamfaktoren: Wie gehen wir miteinander um? Haben wir ein Klima des Vertrauens?

Sind wir ehrlich? Arbeiten wir miteinander oder gegeneinander? Kann man Heikles ansprechen? Denn ist die Teamkultur vergiftet, ist es auch die Arbeit selbst. Und so ist es die Aufgabe der Leitungsperson, Ausgewogenheit auf der Ebene des Miteinanders und der Ebene der Arbeit zu schaffen.

Wie kann man lernen, sich selbst gut zu leiten?

Härry: Durch Erfahrung und gute Begleitung, zum Beispiel von Mentoren. Und auch hier ist die Bereitschaft, immer wieder neu zu lernen, wie man sich selbst leitet, ausschlaggebend – in den Aufgaben, im Umgang mit Erfolg und Misserfolg, mit Enttäuschung und allen Hoch und Tiefs, die das Leiten mit sich bringt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Priska Lachmann.

Thomas Härry ist Schweizer Theologe, Pastor, Dozent und Buchautor. Härry und Ulrich Eggers, Vorsitzender von Willow Creek Deutschland, teilen im Blog „Eggers & Härry“ ihre Entdeckungen und gehen ins Gespräch über das, was bleibt. Ein Alltagsdialog über Glaube, Führung, Lebensstile und Literatur.


Ausgabe 1/23

Dieses Interview ist in der Zeitschrift DRAN erschienen. DRAN ist Teil des SCM Bundes-Verlags, zu dem auch Jesus.de gehört.

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