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Gott gönnt sich Vielfalt – wir müssen sie aushalten

Unterschiedliche Meinungen führen oft zu Spannungen zwischen Christinnen und Christen. Pfarrer Oliver Helmers ermutigt, die Vielfalt anzunehmen.

Manchmal bleibe ich einfach stehen, schaue in den Himmel oder auf eine Blumenwiese – und bin sprachlos. Gott hätte sich beim Schöpfen dieser Welt auch auf Schwarz und Grau beschränken können. Praktisch, übersichtlich, kein unnötiges Durcheinander. Aber stattdessen malt er verschwenderisch in Millionen von Farbtönen, von denen unser menschliches Auge immerhin ein paar Millionen unterscheiden kann. Überfluss pur. Schönheit ohne Zweck. Gott gönnt sich Vielfalt.

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Meinungen aushalten

Und doch – genau diese Vielfalt scheint uns Menschen oft zu viel zu sein. Wir halten sie schwer aus. In der Natur bestaunen wir die Unterschiede, in der Gemeinde oder in unseren Diskussionen scheinen wir sie eher zu fürchten. Da muss es oft eine Meinung geben, eine Sicht, einen Ton. Wer abweicht, steht schnell schief im Bild, wird kritisch beäugt – oder gehört irgendwann nicht mehr dazu.

Klar, ganz so schwarz-weiß läuft es selten. Eher schleichend. Aber ich spüre es: Ein Feuerwerk an Meinungen ist für viele schwer auszuhalten. Magazin-Leser kündigen ihr Abo, weil ein Artikel nicht ins eigene Weltbild passt: „Zu fromm“, „zu liberal“, „zu konservativ“, „zu alternativ“ – irgendwo ist immer ein Stempel schnell parat. Manche verlassen ihre Kirchengemeinde oder treten gar ganz aus ihrer Kirche aus, weil sie nicht mehr „mitkönnen“ bei dem, was „von oben“ kommt. Als wäre die Gemeinde eine Art Verein, in dem der Vorstand die Tagesordnung bestimmt, und die Mitglieder nur noch durchwinken oder eben austreten können.

Geschwister bleiben

Was hat unsere Gesellschaft eigentlich so übertrieben empfindlich gemacht? Kaum sagt jemand etwas, das nicht ins eigene Raster passt, schon fühlen wir uns persönlich angegriffen. Vielleicht klammern wir uns deshalb so sehr an unsere Meinungen – weil sie uns Halt geben. Weil wir Angst haben, dass uns dieser Halt verloren geht, wenn wir ihn nicht mit aller Macht verteidigen. Und je unsicherer wir innerlich sind, desto fester klammern wir uns an das, was wir für „unsere Wahrheit“ halten. Fast so, als ginge es ums Überleben.

Gleichzeitig schalten viele von uns im Alltag auf „Energiesparmodus“: Job, Familie, Verpflichtungen – da hat man schlicht keine Lust, sich auch noch in Glaubensfragen oder Weltanschauungen zu verbeißen. Da nickt man lieber ab oder schweigt – weil unterschiedliche Ansichten eben Kraft kosten.

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Dass das nicht nur Theorie ist, haben wir in den letzten Jahren mehr als deutlich erlebt – Stichwort Corona. Und trotzdem hält uns das Neue Testament einen ganz anderen Maßstab vor Augen: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.“ Das heißt nicht: „Alles prima, alles richtig.“ Sondern: Wir bleiben Geschwister, auch wenn wir uns nicht einig sind. Wir begegnen uns mit Respekt, auf Augenhöhe, und halten Spannungen aus – nicht, weil wir müssen, sondern weil Christus uns zuerst ausgehalten hat.

Einander annehmen

Ein Bild, das mich immer wieder berührt, ist das Abendmahl in unserer Gemeinde. Da kommen ganz schön viele zusammen. Und wenn ich in die Runde schaue, kenne ich die meisten Gesichter ziemlich gut. Und manchmal muss ich schmunzeln. Da steht der Konfirmand, der vom Glauben gerade mal die Basics aufgeschnappt hat, neben der Frau, die seit Jahrzehnten jede Gebetsstunde im pietistischen Gemeinschaftshaus mitnimmt. Die leidenschaftliche Umweltschützerin feiert das Heilige Mahl neben dem, der seit Jahren über Umweltauflagen stöhnt, weil sie seiner Firma angeblich die Wettbewerbsfähigkeit rauben.

Theologisch, politisch, biografisch – da prallen Welten aufeinander. Und doch: In diesem Moment sind wir eine Familie. Wir teilen das Brot, wir trinken aus einem Kelch, wir schauen uns in die Augen. Da zählt nicht, wie wir die Bibelstelle interpretieren, wie wir wählen oder wie viele Gottesdienste wir schon besucht haben. Da zählt nur: Christus hat uns angenommen. Und deshalb nehmen wir einander an.

Vielleicht ist das ja der tiefste Grund, warum Gott uns diese Welt so bunt gemalt hat: Damit wir lernen, Vielfalt nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als Geschenk. Im Kleinen wie im Großen. Im Garten, in der Gesellschaft – und auch mitten in der Gemeinde.

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Oliver Helmers ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Aldingen.



Dieser Artikel ist zuerst erschienen im Männermagazin MOVO. MOVO gehört wie Jesus.de zum Bundes-Verlag.

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3 Kommentare

  1. Erst im Himmel gibt es Ewige Wahrheit über alles

    Ulrich Wößner meint, der Hinweis von Theologen und anderer Menschen auf die Vielfalt der Meinungen sei nur Trick, Gottes unbequeme Meinung zu meiden. Aber was Gottes unbequeme Wahrheit ist, schreibt er nicht und kann niemand. Denn dieser Mensch wäre dann so klug wie es Gott ist.

    Hallo Chey und Ulrich Wößner. Ihr formuliert Vielfalt und Einfalt. Wie ich meine, geht Vielfalt davon aus, dass bereits alle Bäume im ‚Wald nicht wie vom Fließband kommend sind und niemand mehr vor lauter Bäumen keinen Wald sieht. Jeder Mensch ist praktisch wie eine sehr große Zahl eines Quantenzustandes, sodass alleine das bekannte Gesetz der großen Zahl verhindert, dass jemand sich mit dem anderen Menschen wie ein eigenes Spiegelbild gleicht. Wir Christinnen und Christen haben allesamt – vielleicht sogar in Summe aller – jede/r sein eigenes Gottesbild in Kopf, jenseits aller Theologie, entsprechend eigener religiöser Sozialisation und von Gesellschaft und Wissenschaft (oft auch vielfältig) vorgegebenen Regeln und Normen. Es gibt viele Konfessionen, christliche Traditionen, traditionelle, Begründungen für richtigen und falschen Glauben,, sowie auch die jeweils überall anderen kulturellen Hintergründe. Je nach Ort und Zeit auf den Kontinenten ist Weihnachten mitten im Winter, oder gar im Hochsommer..

    Eigentlich müsste man meinen, wir würden in Gott die Größe seiner Liebe auch an der Unendlichkeit der Wirklichkeit messen, denn die Erde steht leider nicht mehr im Mittelpunkt unseres Universum. Es gibt bis zum 400 Milliarden Fixsterne allein in unserer Galaxis und das prinzipiell sichtbare Weltall zudem verfügt über geschätzt 2 Billionen Galaxien. Es könnte mehr als eine Urknallsingularität geben und diese könnte prinzipiell beliebig groß oder gar unendlich sein, obwohl unser Planet 4,5 Milliarden Jahre alt sein dürfte. Unser sichtbare Universum entstand dann vor 13,7 Milliarden Jahre und es dehnte sich zeitlich mit Überlichtgeschwindigkeit aus zu einem Durchmesser von 93 Milliarden Lichtjahren. Dies sind heute Theorien.
    Sie sind einem unendlichen Gott angemessen, der wirklich von Ewigkeit zu Ewigkeit ist und zu dem wir alle eingeladen sind in seine reale Ewigkeit.

    Die Kosmologen vermuten, dass alle Sterne – also Sonnen – erst in einer Zeit von einer Zahl mit über 20 Stellen hinter dem Komma, erloschen sind. Dann könnte unser Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit, einen Neuen Himmel und eine Neue Erde, ein völlig Neues Universum der Ewigkeit erschaffen. Obwohl wir möglicherweise sofort wie durch eine Tür im Tode in diese Welt gehen und wie im Zeitsprung im Himmel sind, wird dort niemand je geboren, keiner stirbt und alle Geschöpfe leben mit Gott im Paradies in aller Ewigkeit. Theologen können und müssen also davon ausgehen, dass die neue Existenz der zukünftigen Welt wie unser Schöpfer auch zeitlos ist, und so in eine Ewigen Gegenwart darstellen Also der Himmel immer jegliche Zusammenschau von Vergangenheit und Zukunft ist, daher absurderweise auch immer wie nebeneinander vorhanden wären. Dies alles sind nur rein menschliche Gedanken. Sie sind auch deshalb angreifbar, weil wir die Welt nur so erkennen, wie uns dies nur unser Gehirn vermitteln möchte. Die reine Wirklichkeit ist für uns nicht durchschaubar. Alles was existiert ist so gestaltet, wie es unserer Vorstellung in unserem Denkorgan erlaubt. Es wird wahrscheinlich richtig sein, dass diese große Darstellung völlig falsch ist. Aber es kann nur so sein, dass nur Gott größer ist als alles.

    Wir können heute bereits nicht die Quantenphysik verstehen, weil es dort auch keinerlei Kausalität mehr gibt und Gesetzmäßigkeiten uns völlig unverständlich vorkommen. Ein Gott, der so eine große Welt erschuf, der nur mit Liebe und Güte regiert, der wohnt nicht auf Bergen, auf keiner Welt als Scheibe, der gleicht keinem Menschen, der ist unendlich in seinen Möglichkeiten und wenn er alle Menschen unendlich liebt und so sehr unbesiegbar ist in seinem Wollen, dann werden sich alle Menschen auch mit Jesus freiwillig versöhnen. Wir Christen sind es hoffentlich hier schon heute und leben aus der Güte seiner Gegenwart. Trotz Gottes Allvermögen ist er der Schatten über unserer Rechten Hand und wie der allerbeste Vater und die liebste Mutter. Jesus ist das liebende Angesicht Gottes und der Heilige Geist seine Dynamik. Gott lässt uns Freiheit, denn er weiß als Herr von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, dass wir nie aus seiner Hand fallen können. Ein Gott der scheitert, kann es niemals geben, sonst wäre er nicht Gott. Gott ist kein Mensch, seine Gedanken und Absichten sind höher als unsere Gedanken und Pläne. Er hat sogar meine Haare auf meinem Kopf gezählt und wir können vom Schöpfer aller Dinge nur so sprechen, dass wir das Meiste von ihm als Rätsel nur wie in einem Dunklen Spiegel erkennen können. Dies steht auch überall in unseren Bibeln. Gott ist groß und sogar unendlich und wir sind seine Geschöpfe, die er liebt. All dies kann vielleicht teilweise oder überhaupt nicht wahr sein. wie ich es hier schilderte. Im Himmel erfahren wir die ewige Wahrheit über alles. Gottes Liebe zeichnet sich auch dadurch aus, dass wir ein so großes Gehirn besitzen und es absurd wäre, wenn der Himmel Benutzung verbietet.

  2. Neugier hilft.

    Wenn bei Diskussionen nicht der 1. Impuls ist, seine eigene Meinung durchdrücken zu wollen sondern zu erfahren, was und warum der/die andere so glaubt, wie er /sie glaubt. Seine eigene Meinung zu sagen, ohne diese als für alle richtig zu verallgemeinern.

    Vielfalt nicht als etwas zu sehen, was man aushalten muss sondern Vielfalt als Gewinn zu sehen.

    Das ist mitunter schwer. Aber wenn man einen Kreis hat, wo das alle so sehen, dann ist die Erfahrung wunderbar.

  3. Klar, der Pfarrer propagiert die Vielfalt der Meinungen in der Gemeinde –
    dann kann er auch die eher unbequeme Meinung Gottes als eine unter vielen ganz gut außen vor lassen …

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