- Werbung -

Gottesdienst ohne Worte: Was ich von den Quäkern gelernt habe

Stille ist ein zentrales Element für ihren Glauben. Tim Bergen hat die Gemeinschaft der Quäker zweimal besucht.

Sie schweigen. Alle um mich herum. Ich sitze in einem Stuhlkreis mit zehn Personen. In der Mitte steht auf dem Boden eine angezündete Kerze. Daneben liegen Bücher, darunter auch die Bibel. Wir befinden uns in einem großen Raum, der farbenfroh gestaltet ist. Mein Blick wandert zu Wänden. Dort hängen mit Buntstiften gemalte Bilder und in den Regalen befinden sich Brettspiele. Sonst geht es hier wahrscheinlich laut zu.

Heute: Kontrastprogramm. Die einzigen Geräusche an diesem Sonntagmorgen sind die Tauben im Innenhof und der Verkehr auf den Straßen Dortmunds. Die Runde schweigt weiter. Manche der Beteiligten starren gegen die Wände, andere haben die Augen geschlossen oder falten die Hände. Bei einem älteren Herrn habe ich den verstärkten Eindruck, dass er eingedöst ist. Beten die Menschen? Gehen sie gerade ihren Terminkalender durch? Schwierig zu sagen.

- Werbung -

Positive Stille

Stille kann in anderen Situationen sehr unangenehm sein – wie im Fahrstuhl oder bei einer Schweigeminute im Stadion. Dennoch liegt in der Luft eine erwartungsvolle, positive Spannung. Nach etwa 20 Minuten erzählt jemand ein Erlebnis aus der vergangenen Woche, das ihn noch immer beschäftigt. Es gibt keine Kommentare oder Nachfragen, die Stille setzt wieder ein.

Der Klang der Leere gibt mir immer mehr Raum, meine Woche zu durchschreiten. Ich beginne zu beten und denke einfach nach. So viel Zeit für exklusive Stille nehme ich mir sonst nie. Das ist nicht mit einer langen, wortlosen Bahnfahrt zu vergleichen. Geht es meinem Kollegen auch so, der heute mit dabei ist? Nach einer halben Stunde schwanke ich zwischen Reflexion und Müdigkeit. Ein weiterer Beitrag durchbricht das Schweigen, Ruhe kehrt wieder ein. Zum Ende hin erwische ich mich selbst, wie ich zwischendurch einnicke.

Plötzlich greifen zwei Hände nach mir. Ich registriere, dass sich alle Anwesenden zum Abschluss an den Händen fassen. Das macht mich hellwach. Die 60 Minuten sind vorbei und mir wird bewusst: Ich sitze nicht im Gottesdienst einer Kirchengemeinde, sondern in der Stillen Andacht einer Quäkerversammlung.

Gesellschaft der Freunde

Noch nie davon gehört? Die Quäker sind eine religiöse Gemeinschaft, die ohne feste Dogmen auskommt und auch kein gemeinsames Glaubensbekenntnis hat. In Deutschland gibt es circa 300 Mitglieder, deutlich mehr sind es in Amerika. Sie sind davon überzeugt, dass jeder Mensch etwas Göttliches in sich trägt. Die Stille Andacht soll das Göttliche, was sie ‚inneres Licht‘ nennen, an die Oberfläche bringen. Dafür kommen sie wie heute ohne festgelegte Liturgie zusammen, nur der zeitliche Rahmen ist festgelegt. In der Stillen Andacht werden die Beiträge nicht kommentiert, dafür ist aber jetzt bei Kaffee und Kuchen die Gelegenheit.

Ich stelle im Rückblick auf unser Schweigen fest: Die Beiträge hatten allesamt keinen spirituellen Charakter. Es waren Erlebnisse und Gedanken aus der vergangenen Woche. Kein direktes Sprechen Gottes, keine Visionen oder Bilder.

Wir führen auch ein Gespräch über den Glauben der Quäker. Einige erzählen von ihrem Weg und berichten, dass sie vorher in verschiedenen Kirchen Mitglieder waren. Nach einer Sinnsuche sind sie dann zu den Quäkern gekommen. Eine 91-jährige Frau entpuppt sich bei den Glaubensfragen als Wortführerin. Sie weist mich zuerst darauf hin, dass die Quäker sich selbst gar nicht so nennen, sondern „Religiöse Gesellschaft der Freunde“. Der Name ‚Quäker‘ war ursprünglich ein Spottname, weil ihre frühen Versammlungen von so viel innerer Ergriffenheit geprägt waren, dass manche zitterten – auf Englisch ‚to quake‘.

Zurück zur älteren Dame. Schon ihre Eltern waren Quäker. „Ich bin mit der schweigenden Andacht groß geworden. Da muss keine Totenstille sein“, erklärt sie. Die gebürtige Berlinerin beschreibt, wie früher in den Stillen Andachten noch ganze Predigten gehalten wurden. Für die heutigen Zusammenkünfte wünscht sie sich mehr Beteiligung: „Wer in der Stille einen Gedanken empfängt, ist verpflichtet, ihn mitzuteilen“, sagt sie sehr bestimmt.

Was wird hier eigentlich geglaubt?

Auch wenn ich jetzt weiß, wie eine Andacht abläuft, habe ich noch immer nicht verstanden, was den Glauben der Quäker konkret ausmacht. Die Frage, die ich in die Runde stelle, erzeugt wieder Stille. Noch einmal ergreift die ältere Frau das Wort: „Das ist schwierig zu sagen, wir haben ja kein gemeinsames Bekenntnis. Deshalb gehen unsere Meinungen bei verschiedenen Themen auseinander – ob bei der Bibel, der Gottesvorstellung oder ethischen Fragen.“

Weitere Besucher erklären ihren Glauben und ich erhalte sehr unterschiedliche Antworten. Ein Gast, der kein Quäker ist, beschreibt es so: „Für mich ist das Quäkertum eine Lebensweise für den Alltag, aber nicht eine Glaubensweise.“ Mein Eindruck ist, dass es selbst für die Quäker schwierig ist, ihren Glauben in Worte zu fassen.

Eine Orientierung gibt ihnen das Heft „Ratschläge und Fragen“ aus dem Jahr 1995, das sie mir am Anfang der Veranstaltung in die Hand gedrückt haben. Die Sammlung enthält viele Impulse zur Reflexion. Und die Bibel? Schließlich lag eine in der Mitte. „Für mich spielt die Bibel eine große Rolle“, betont die Wortführerin. Jedoch würde sie davon abraten, sie wörtlich zu nehmen. Die Beteiligten sind sich darüber einig, dass die Bibel eine wertvolle Inspirationsquelle ist, aber den Absolutheitsanspruch lehnen sie ab.

- Weiterlesen nach der Werbung -

„Wie verändert denn der Glaube euer Leben?“ frage ich in die Runde. „Wenn ich die Erfahrungen durch die Stille in mein Leben hineinlasse, führt es dazu, dass ich es mehr in Schlichtheit und Friedfertigkeit lebe“, reflektiert jemand aus der Runde. Das Gespräch klingt langsam aus. Vollgepackt mit neuen Eindrücken machen wir uns auf den Heimweg. Das war mal kein Gottesdienst mit übertrieben lauter Worship-Musik, bei der man seine eigene Stimme nicht mehr hören kann.

Übungssache

Ortswechsel: Ich bin nach einigen Wochen zu Gast in einer anderen Quäkerversammlung, diesmal in Hilden, in der Nähe von Düsseldorf. Es ist Samstag. Die Adresse finde ich leicht, es ist ein Kirchengebäude. Ich stehe davor und warte auf weitere Besucher. Da kommt ein älterer Herr auf mich zu. Er möchte auch zu den Quäkern. Er hat einen breiten, amerikanischen Akzent. Sympathisch. Gemeinsam gehen wir durch mehrere Flure bis zu dem angemieteten Raum. Insgesamt wirkt es hell und angenehm. Schlicht. Es ist wieder eine kleine Gruppe, ähnlich wie in Dortmund. Auch hier sind größtenteils ältere Menschen dabei. Die Ausnahme bilden zwei junge Frauen, eine hat ihr Kleinkind im Kinderwagen dabei.

Recht zügig beginnen wir mit der Stillen Andacht im Stuhlkreis. Auch hier entsteht ein angenehmer Rahmen für innere Ruhe. Wenige Wortbeiträge unterbrechen die Stille. Das Kleinkind zieht durch vergnügte Laute die Aufmerksamkeit auf sich. Ich halte diesmal die Stille besser aus, schaue weniger auf die Uhr. Das Format ist nicht mehr fremd für mich.

Ich merke: Es ist es auch eine Übungssache, wie sehr man sich auf die Stille einlassen kann. Nach Ablauf der Stunde fassen sich alle an den Händen. Alle bleiben sitzen. Es ergibt sich ein spannender Austausch über die Glaubwürdigkeit der Bibel. Einen Impuls dazu hat das Heftchen „Ratschläge und Fragen“ gegeben. Hier merke ich wieder, wie stark sich der Glaube der einzelnen Quäker unterscheidet.

Ein älterer Herr sagt: „Ich habe mit dem Begriff ‚Wort Gottes‘ meine Schwierigkeiten, weil damit die Idee der Unfehlbarkeit verbunden ist.“ Die Frau mit dem Kind sieht das auch so: „Für mich stehen in der Bibel heilige Weisheiten, aber genauso gut kann ein Mensch mir heilige Weisheiten weitergeben. In der Bibel gibt es Stellen, wo sehr viel Interpretation nötig ist – zum Teil ist es auch sehr verstörend.“

- Werbung -

„Eine anstrengende Haltung“

Ich spreche die Gruppe auf die Unterschiedlichkeit ihres Glaubens an. Ist das nicht schwierig auszuhalten? Erstmal Stille, das ist hier aber nichts Ungewöhnliches. Die Frau mit Kind erklärt schließlich: „Es führt sicher auch zu Spannungen, dass wir kein gemeinsames Gottesbild haben. Für mich gibt es aber Wichtigeres, als sich darauf festzulegen. Da hat jeder seine Wahrheit.“

Auch für die anderen scheint das kein großes Problem zu sein, der ältere Herr ergreift das Wort: „Der eine braucht mehr den göttlichen Vater, der andere hat eher die Vorstellung, in einem universellen Kreislauf zu sein. Die quäkerische Haltung ist anstrengend, sie ist nicht für jeden gemacht.“ Beim letzten Satz müssen alle lachen. Wir merken gemeinsam: Es ist gar nicht so leicht, den minimalen Konsens der Gruppe zu finden.

Zum Abschluss wird noch eine Zeit der Stille durchgeführt. Drei Minuten, dann fassen wir uns an den Händen und stehen auf. Die Veranstaltung ist vorbei und ich mache mich auf den Heimweg. Das Glockengeläut der Kirche nebenan verabschiedet mich.

Mein Fazit

Was habe ich aus meinen Besuchen gelernt? Mir ist bewusst geworden, wie wichtig ein gemeinsames Bekenntnis ist. Jeder Quäker glaubt anders, vielleicht auch an etwas anderes. Ihren Glauben habe ich deshalb noch nicht ganz durchblickt, wenn man überhaupt von „ihrem Glauben“ sprechen kann. Mein Eindruck: Es geht ihnen mehr um den Weg, den man gemeinsam beschreitet, und die Erkenntnisse, die das Leben verändern.

Ich nehme auch mit, dass bewusste Stille eine Bereicherung für mein Glaubensleben ist. Die Stille Andacht hat mich an das hörende Gebet erinnert. Es gibt allerdings einen wichtigen Unterschied: Christen prüfen ihre Eindrücke im hörenden Gebet anhand der Bibel und im geistlichen Austausch. Die Beiträge in den Quäkerversammlungen sind oft persönlicher Natur, nicht unbedingt geistlich oder göttlich inspiriert. Trotzdem haben sie mir gezeigt, wie wertvoll diese Form der Ruhe ist. Für Christinnen und Christen kann das eine Einladung sein, die Stille für das Gebetsleben neu zu entdecken: Gott spricht, ich schweige, höre zu und bete nicht meine Wunschliste herunter.

Auch auf einer anderen Ebene fand ich meine Besuche inspirierend: Wir leben in einer Zeit, in der vieles laut und schnell ist – gerade in Kirchen. So wirkt diese Form der Andacht wie ein entschleunigender Gegenentwurf. Eine Stunde Gottesdienst ohne Predigt, Musik und Bühnenprogramm – nur Stille. Wie wäre das? Diesen Gedanken hatte ich vor allem beim zweiten Besuch. Dort habe ich mir während der Stillen Andacht die Frage gestellt: Würden die Gottesdienstbesucher meiner Kirche das aushalten? Vielleicht müssen Christen wieder lernen, sich auf die Stille einzulassen. In unserer lauten Welt könnten Kirchen Orte werden, an denen die Stille nicht als Pause gilt, sondern als Kraftquelle.

Tim Bergen arbeitet als Content-Manager im Bundes-Verlag.



Dieser Artikel stammt aus sela. Das Gebetsmagazin 2026. sela. wird vom SCM Bundes-Verlag herausgegeben, zu dem auch Jesus.de gehört.

NEWS & Themen

NEWSLETTER

BLICKPUNKT – unser Tagesrückblick
täglich von Mo. bis Fr.
Wir liefern dir die interessantesten NEWS,
Interviews und Geschichten aus der christlichen Welt.
Kompakt, relevant, inspirierend.

Wie wir Deine persönlichen Daten schützen, erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.
Abmeldung im NL selbst oder per Mail an info@jesus.de

Konnten wir dich inspirieren?

Jesus.de ist gemeinnützig und spendenfinanziert – christlicher, positiver Journalismus für Menschen, die aus dem Glauben leben wollen. Magst du uns helfen, das Angebot finanziell mitzutragen?

21 Kommentare

  1. Schon interessant, dass die meisten hier darüber diskutieren, was ein Gottesdienst ist. Die Quäker haben keine Gottesdienste. Muss man nicht gut finden, ist aber so.

    Die deutsche Website der Quäker schreibt zur stillen Andacht:
    „Schweigen, Hören, Warten
    Kern unseres spirituellen Lebens, unseres Glaubens und unseres Wirkens ist das gemeinsame Schweigen, Hören und Warten in der Stillen Andacht. Wir suchen die Verbindung mit dem göttlichen Geist, ohne festgelegten Kult oder Liturgie und ohne einen Pastor. Diese Form entspricht unserer Erfahrung, dass das Göttliche sich jedem Menschen, der es sucht, offenbaren kann.“

  2. @Adrian:
    Lieber Adrian,
    um 10:40 und um 13:32 Uhr habe ich heute (13.2.26) zwei Beiträge geschrieben, die (noch nicht) veröffentlicht wurden.
    Bitte Matthäus 4:10 lesen.

    Liebe Grüße
    Aku

      • Guten Tag, aufgrund von Krankheit und Willow-Kongress wurde hier tageweise gar nicht zw. nur teilweise freigeschaltet. Mit freundlichen Grüßen, das JDE-Team

    • Lieber Aku,

      vielen Dank für den starken Vers! Matthäus 4,10 ist für mich tatsächlich einer der zentralen Belege für das, was ich meine.

      Ich glaube, wir meinen bei dem Begriff „Dienen“ eventuell nicht ganz das Gleiche. In dieser Szene zeigt Jesus uns als Sohn Gottes seine Autorität ja gerade dadurch, dass er sich nicht auf eine menschliche Leistung oder einen Dienst beruft, den er Gott in diesem Moment anbietet. Er siegt allein durch das „Es steht geschrieben“.

      Für mich ist das der entscheidende Punkt: Der höchste Dienst an Gott ist es, ihn Gott sein zu lassen – also als derjenige, der spricht und rettet, während wir die Bedürftigen sind, die alles von ihm empfangen. Wir dienen ihm am besten, wenn wir aufhören, auf unsere eigene Kraft zu schauen, und uns ganz auf sein Wort verlassen. Er ist der allein Handelnde – wir sind die Beschenkten.

      Bin gespannt auf die noch nicht veröffentlichten Beiträge.

      Herzliche Grüße

      • Lieber Adrian,
        danke für Deine Erklärung, der ich auch teilweise zustimmen kann.
        Natürlich ist mein ganzes natürliche und geistliche Leben als Geschöpf und Kind Gottes von meinem Schöpfer und Erhalter usw. abhängig!!!
        Ohne IHN kann ich nichts tun!!!
        Jedoch ändert das nichts daran, dass wir vom Wort Gottes dazu aufgefordert werden, Gott zu dienen!!!

        Liebe Grüße
        Aku

    • Guten Tag, aufgrund von Krankheit und Willow-Kongress wurde hier tageweise gar nicht zw. nur teilweise freigeschaltet. Mit freundlichen Grüßen, das JDE-Team

  3. Natürlich dienen die Menschen auch gegenseitig in einem guten Gottesdienst!
    Aber ich bezog mich auf zwei vorherige Beiträge.

    Liebe Grüße
    Aku

    • Jetzt war ich einen Moment zu spät und sehe die neuen Beiträge – da ich meine Gedanken aber schon formuliert hatte, poste ich sie trotzdem noch, weil mir dieser Punkt so wichtig ist:

      Lieber Aku,

      danke für den Hinweis auf 1. Korinther 14! Ich glaube aber, man muss hier zwei Richtungen auseinanderhalten:

      In der Horizontalen (unter uns Menschen) hast du recht: Da dienen wir einander, prophezeien und ordnen den Ablauf, damit das Wort Gottes Raum gewinnt. Das ist wichtig für die Gemeinde.

      Aber in der Vertikalen (zwischen Gott und uns) bleibt der Gottesdienst eine Einbahnstraße. Gott ist nicht bedürftig; er ist der allein Gebende, wir sind die Beschenkten. Wenn wir behaupten, wir würden dort Gott „ebenso dienen“, machen wir das Heil schnell zu einem Gemeinschaftsprojekt. Das Evangelium ist aber kein Synergie-Effekt, sondern Gottes reines Handeln an uns.

      Unsere Lieder und Gebete sind die Antwort auf seine Tat, aber sie sind kein Beitrag zu seinem Werk. Die Freiheit eines Christen liegt doch gerade darin, dass Gott uns dient und wir in der Vertikalen nichts „liefern“ müssen.

      • Lieber Adrian,
        Gott braucht überhaupt nichts von uns Menschen!
        Auch keine Anbetung usw.!!!
        Aber ER will es haben und wir sollen gehorchen!!!
        Der Herr Jesus Christus hat bei seiner Versuchung durch den Teufel unter anderem folgende Worte gesagt:
        Verschwinde, Satan!, denn es steht geschrieben: „Du sollst den HERRN (JHWH), deinen Gott anbeten und ihm allein dienen.(Matthäus 4:10)
        Gemäß dem Wort Gottes sollen also die Menschen Gott DIENEN!!!
        Zum Beispiel in der Anbetung während eines Gottesdienstes!!!

        Liebe Grüße
        Aku

  4. In einem guten Gottesdienst dienen sowohl die Menschen Gott als auch Gott dient den Menschen!
    Beispielsweise in 1. Korinther 14 und an anderen Stellen kann man etwas dazu erfahren.

    Liebe Grüße
    Aku

  5. Geht es nicht letztendlich darum, dass die Menschheit Gott aus sich herausholt, um in ihm ihre eigene Kraft zu entdecken?

    Ich bin, wie immer so schön gesagt wird, katholisch sozialisiert. Erzogen, würde ich persönlich sagen, damit der Bezug zu meinen Eltern nicht verloren geht. Das hieß für mich, ich musste nach ihren Regeln spielen, bis ich erwachsen genug war meinen eigenen Freiraum zu finden.

    Dabei halfen mir keine Gesetze oder Rechte, die mir offensichtlich innewohnen, da ich sie trotzdem befolge, wobei sich das eher auf die 10 Gebote bezieht, die ja all das bereits inkludieren. In dem Freiraum, den meine Eltern für mich begrenzten, bis ich in der Lage war, ihn selbst zu erobern, fand ich bisher immer das, was ich brauchte. Auch wenn es nicht viel war, so war es immer genug.

    Was wollte Gott mit meinem Leben erreichen und wem will er damit danken?

    An dem Punkt stehe ich gerade und ich glaube, diese Antwort des Lebens von Gott erschließt sich mir in der Stille einer Wartezeit, die sich aus meiner Frage ergibt und für Jesus offen bleibt.

  6. Gottesdienst ist ein Werk für Gott

    Vielleicht wäre grundsätzlich keine Predigt für mich persönlich kein leicht begehbarer Glaubensweg. Aber es ist unzweifelhaft faktische Wahrheit:
    Quäker sind keine Sekte, sie glauben keinen fremden Glauben und sie sind davon sehr überzeugt, dass Gott und damit der Heilige Geist in ihren Herzen lebt. Im übrigen ist ein Glaubensdogma keine Art frommer Beschreibung irdischer Realitäten, sondern eine bildhafte Sichtweise hier einer Wirklichkeit, in der Gott alles beinhaltet und dem wir uns mit unserer Seele liebevoll annähern, der uns oft wie die „Verlorenen Schafe“ einsammelt.
    Ich kann mich da einigermaßen hineinversetzen unter den Berücksichtigungen meiner Erfahrungen, dass alle Gottesdienste in Taize aus Singen bestehen und in ihrer Mitte aus einer gewöhnungsbedürftigen Länge einer Stillen Zeit. Hieran haben sich alle ganz schnell nicht nur gerne auch gewöhnt, sondern wir konnten es gerade zu genießen, sich geistig-geistlich ganz Gott innerlich hinzugeben und auch auf ihn zu hören. Dabei gab es natürlich immer Lesungen von Bibeltexten im Tagesverlauf in Kleingruppen mit Gesprächsangeboten, mit den weit mehr als 50 Brüdern, heute sind es vielleicht schon doppelt so viele. Predigten bei uns evangelischen und katholischen Christen sollten in den (Noch-)Großkirchen immer kurz und nie länger als deutlich mehr wie 15 Minuten, aber sehr konkret sein (keine frommen Worthülsen) und die Gemeinde ebenso geistig nicht völlig unterfordern. Ein Gottesdienst in ein Werk für Gott, dient nicht der Unterhaltung Anwesender, sondern sich vom Geist Gottes erfüllen zu lassen. Er sollte schön sein, mit wunderbarer Musik, Kerzen und bisweilen auch mit Segnungen und Salbungen, oder etwa auch einer Dialogpredigt. Es soll nicht jeder Gottesdienst eine Predigt beinhalten und sie sind bei uns Evangelischen oft zu verkopft. Das Evangelium ist aber keine reine Kopfsache, sondern eine Haltung unseres inneren Menschen – es geht nicht um unsere Sichtweise, sondern Gottes Wirken in uns, freiwillig, auch vernünftig und zudem unter Beteiligung unseres großen Gehirnes. Da wo man empfindet, dass das Feiern des Gottesdienstes nur das immer Gleiche ist, da haben wir es nicht verstanden, seine Liturgie mit Empathie und sinnvoller Sprache zu füllen. Wenn Gott Liebe ist, darf man gerne lächeln und dies gilt auch für Chöre, die bei gut geprobten Lieder zumindest freundlich blicken dürfen. Denn wer unerlöst aussieht, lässt nicht erhoffen, dass der Schöpfer aller Dinge uns seine Liebe schenkt.. Die Glaubensgeschwister in den Freikirchen dürften gleiche Ideale haben. So gibt es nicht nur die alten Krippenspiele, sondern sogar Osterspiele und das Abendmahl, bei Luther noch selbstverständliche Mitte jedes Gottesdienste, sollte häufiger gemeinsam gefeiert werden. Es ist jeder gerne eingeladen. Kirche verstehe ich über alle Kirchen und Konfession verbreitete Kirche Jesu Christi.
    Dazu gehören die Quäker, Heilsarmee, Freikirchen jeder Form und Glaubenstradition und alle, die Glauben mit gemeinsamem Leben verbinden.

    • Die Quäker in Deutschland verstehen sich nicht als christliche Kirche. So sind sie auch ganz bewusst nicht Mitglied des ACK. Aber sie verleugnen auch nicht ihre christlichen Wurzeln. Zumal viele ihrer Mitglieder Christen sind, aber eben nicht alle. Manche sind Atheisten, Agnostiker, Pantheisten oder was anderes oder ordnen sich gar nicht unter so einem Begriff ein.

      Und in der Tat, sie sind das Gegenteil einer Sekte: Keine Hierarchie, Gleichheit aller Mitglieder, keinerlei finanzielle Interessen, keine Missionierung, kein Alleinvertretungsanspruch irgendeiner Wahrheit.

      Und nebenbei: Die Quäker sind Träger des Friedensnobelpreises.

    • Lieber Herr Hehner,

      Ihre Ausführungen klingen sehr nach einem modernen, harmonischen Christentum, aber ich muss hier aus einer reformatorischen Perspektive entschieden widersprechen. Drei Punkte sind mir dabei besonders wichtig:

      1. Das Evangelium ist keine „Haltung“

      Sie schreiben, das Evangelium sei eine „Haltung unseres inneren Menschen“. Verzeihen Sie, aber das ist theologisch brandgefährlich. Wenn das Evangelium eine Haltung wäre, dann hing mein Heil davon ab, wie gut ich diese Haltung bewahre oder wie „vernünftig“ mein Gehirn mitwirkt.

      Das Evangelium ist keine Haltung, sondern eine Tat Gottes an mir! Es ist das extra nos – das Wort, das von außen kommt und mich völlig unvorbereitet trifft. Es ist die Nachricht: „Deine Sünden sind dir vergeben – um Christi willen!“ Das ist keine Einstellung, die ich entwickle, sondern ein Urteilsspruch, den ich erleiden und glauben muss. Wer das Evangelium zur inneren Haltung macht, landet unweigerlich wieder bei der Selbsterlösung.

      2. Gottesdienst ist kein Werk für Gott

      Sie sagen: „Gottesdienst ist ein Werk für Gott.“ Nein, absolut nicht! Das wäre das Ende der Gnade. Was will ein Bettler dem König schenken? Gott braucht unsere Lieder, unser Lächeln und unsere „vernünftige Mitwirkung“ nicht. Er ist nicht bedürftig.

      Im Gottesdienst passiert genau das Umgekehrte: Gott dient uns! Er ist der Gastgeber, wir sind die Hungernden. Wir kommen mit leeren Händen, als geistlich Bankrotte. Er nährt uns durch sein Wort und seine Sakramente. Wenn der Gottesdienst zu unserem „Werk“ wird, dann wird er zur Performance, zum Leistungsdruck. Aber der wahre Gottesdienst ist der Ort, an dem Gott den Sünder rechtfertigt – ganz ohne dessen Zutun.

      3. Die Kirche als Krankenhaus (Wiedergeburt vs. Lächeln)

      Ihre Forderung, wer erlöst sei, solle bitteschön auch so aussehen und lächeln, empfinde ich als zynisch. Die Kirche ist kein Showroom für spirituelle Siegertypen, sondern ein Krankenhaus für Sünder.

      Christus kam für die Kranken, nicht für die Gesunden (Markus 2,17).

      Die Wiedergeburt ist eine unsichtbare, geistliche Realität durch das Wort, kein kosmetisches Dauerlächeln.

      Ein Mensch kann zutiefst verzweifelt, traurig oder depressiv sein und dennoch im Zentrum von Gottes Gnade stehen. Ihn unter den Druck zu setzen, „erlöst auszusehen“, ist Gesetzlichkeit pur. Hiob hat nicht gelächelt. David in den Bußpsalmen hat nicht gelächelt. Christus am Kreuz hat nicht gelächelt. Und doch wurde dort das Heil der Welt vollzogen.

      Hören wir auf, den Glauben psychologisch aufzuhübschen. Das Evangelium ist die befreiende Nachricht für Leute, die am Ende sind – nicht für die, die ihre „innere Haltung“ im Griff haben. Gott spricht, wir schweigen und lassen uns beschenken. Alles andere ist menschliches Bemühen, das am Kreuz vorbeiführt.

      • Bitte legen Sie nicht jeden auf die gedankliche Goldwaage

        Lieber Herr Adrian, ich vermag leider nicht zu erkennen, wo ich ausgerechnet hier inhaltlich im Widerspruch zu Ihrem Kommentar stehe.
        Gott ist immer die Haltung, die Gott in mir erzeugt und die ich dann auch – in aller menschlichen Unvollkommenheit – auch besitze und für die ich verantwortlich bin. Und selbstverständlich ist es immer Gottes Gnade, die mein Leben zum Heil geführt hat und ebenso erhält. Ich hübsche meinen Glauben hier niemals mit Psychologie auf, im Gegensatz ich bin dankbar (wie jeder dankbar sein müsste) dass ich einen von Gott geschenkten Freien Willen habe, der auch mit Gottes Allmacht nicht im Widerspruch steht, aber nicht erklärt und/oder gegeneinander aufgelöst werden kann. Ich darf genauso über den Inhalt meines Hobbys nachdenken, dies ist vieles was wir Menschen heute als Laien auch über das Universum wissen können, ich darf über das Universum und Gott nachdenken und der mich liebende Gott ist niemals ein Verbotsgott. Sonst dürfte ich nur fromme Bücher lesen und nicht solche, die Fragen stellen, sowie psychologische, hier auch logische, philosophische und andere Antworten sogar selbst formulieren, die vernünftig sein könnten. Aber niemand auf der Welt besitzt absolute Wahrheit. Und selbstverständlich ist das Evangelium immer eine Botschaft für Leute die am Ende sind, aber ebenso im Umkehrschluss kann auch jeder ein Gotteskind sei, wenn er momentan nicht am Ende ist. Jesus jedenfalls kann man mit dem, was von ihm überliefert ist, nicht unterstellen, er wäre nur für Menschen dagewesen die am Ende sind. Aber trotzdem ist er auch für diese Leute da und alle die sich oft als Sünder fühlten und im Tempel sich früher hinter Säulen versteckt haben. Auch ich bin wie jeder Christ Sünder. Also bitte, legen Sie doch nicht mich oder andere Leute auf ihre Goldwaage. Auch die Psychologie ist ein Gedanke Gottes, sonst hätte er uns nicht erschaffen, beispielsweise über die Psychologie nachzudenken, sonst könnten wir – wenn wir keinen Freien Willen hätten – uns überhaupt nicht damit beschäftigen und entscheiden, was jeweils für jeden Gut und Böse sein kann. Mit dem freien Willen habe ich auch Verantwortung. Die Wiedergeburt ist eine unsichtbare, geistliche Realität durch das Wort, kein kosmetisches Dauerlächeln: Auch richtig. Aber ich habe das Gefühl, sie behandelt mich wie ein unmündiges Kind. Allerdings verstehe ich diese Wiedergeburt nicht als Perfektion völliger Sündlosigkeit. Sie ist vielmehr das Versprechen, dass mich keine Macht der Welt, sowie kein Abgrund in mir, (den es in immer in allen Menschen gibt), nicht mehr aus der Liebe Gottes entfernen. Und dazu kommt das Unbegreifliche, dass Jesus weder nur für alle Fromme starb, sondern für alle Menschen, auch wenn sie auf Erden logischerweise zahlenmäßig immer eine kleine Minderheit sind. Dies alles schreibe ich immerzu. Ich halte es für aushaltbar, dass mich die einen für zu fromm, oder für falsch fromm oder zu wenig fromm, ja als Gottlosen sehen, nur weil sie meine erlaubte Meinung theologischer Art (auch für mich) für wichtig halte. Ich bin kein Dauerlächler, aber ich halte Lächeln, auch Humor und auch die nonverbale Freundlichkeit durchaus für eine sehr legitime und sehr wichtige Form wie Menschen kulturell miteinander umgehen. Hiob hat nicht gelächelt. David in den Bußpsalmen hat nicht gelächelt. Christus am Kreuz hat nicht gelächelt. Auch richtig. Aber wir leben im Jahre 2026 und heute wissen wir, dass es auch eine gute Haltung ist und mir als sehr unwahrscheinlich erscheint, gegen Gottes Willen zu. Leider kommt es mir fast so vor, dass Sie da ausgesprochen gesetzlich denken. Als Christ muss niemand als Grieskram durch die Welt laufen, was ich Ihnen aber hier nicht unterstellen will. Sie erwecken aber Phantasien.

  7. Im Artikel steht: „…Vielleicht müssen Christen wieder lernen, sich auf die Stille einzulassen…“ Ich weiß ja nicht, für welche Christen der Autor hier spricht. – Tatsache ist, dass für viele Tausende Christen im Kontext monastischer Tradition Stille schon immer Teil ihrer Spiritualität ist, in katholischen Ordensgemeinschaften, evangelischen Kommunitäten, orthodoxen Klöstern, sowie auch bei den jeweiligen dazugehörenden Gästen, Kursteilnehmern, Freundeskreisen usw.

    • Das Schweigen bei den Quäkern ist aber etwas anders. Üblicherweise dient Schweigen/Meditation dazu, in sich hinein zu horchen.
      Quäker versuchen, nach aussen zu hören.

      Ist schwierig in Worte zu fassen.

      • Wobei „nach außen“ sicher nicht räumlich gemeint ist.
        Die Stille in der christlichen monastischen Weise ist auch anders als die in so populären weltanschaulich neutralen Meditationen, die einfach ein in sich hineinhorchen praktizieren, ein Achtsam werden auf sich selbst.
        Christliches Schweigen bedeutet hinhören auf Gott, still werden für Gott und dabei stets zu unterscheiden zwischen dem eigenen menschlichen und dem, was von Gott kommt. Von außen, von andersgläubigen wird das natürlich als reine Psychologie abgetan.

  8. liebes Jesus.de team: Es steht im Text völlig richtig, in der Überschrift aber falsch. Es ist kein Gottesdienst. Das ist den Freunden fremd.

WAS KANNST DU ZUM GESPRÄCH BEITRAGEN?

Bitte gib hier deinen Kommentar ein
Bitte gib hier deinen Namen ein