Für ERF-Chefin Susanne Thyroff ist bei allen Veränderungen vor allem eins wichtig: Immer wieder schweigend Zeit mit Gott zu verbringen und innerlich zur Ruhe zu kommen.
In deinem Leben spielt das Schweigen eine große Rolle. Wie kam es dazu?
Susanne Thyroff: In der Zeit der Neuorientierung [vor dem Wechsel zum ERF / Anmerkung der Redaktion] habe ich ein Seminar besucht. Dort hatten wir dreimal täglich Schweigezeiten. Dabei knieten wir auf einem Gebetshocker und hatten die Aufgabe, an nichts zu denken. Ich habe mich gefragt, wie das gehen soll, an nichts zu denken. Was soll ich sagen: Ich habe es nicht geschafft! Was ich aber gelernt habe ist, in diesen Zeiten an Jesus zu denken. Auch heute noch hilft es mir, mir eine Begebenheit aus der Bibel, zum Beispiel aus den Evangelien, vorzustellen. Ich schaue dann Jesus an. Diese Übung heißt Contemplation, vom lateinischen Begriff „contemplare“, das bedeutet „betrachten“.
Ich habe diese Schweigezeiten damals in meinen Alltag integriert. Oft war ich schon sehr früh morgens wach. Ich habe mich nicht im Bett herumgedreht und versucht, wieder einzuschlafen, sondern habe die Zeit genutzt, um ganz für mich zu sein, bevor alle anderen wach werden.
Kann man am Morgen besser schweigen als am Rest des Tages?
Für mich ist entscheidend, dass ich morgens gedanklich bei nichts anderem bin. Ich setze mich als erstes auf einen Gebetshocker und knie mich vor Gott hin. Meistens bete ich: „Rede du, Herr! Was möchtest du mir sagen?“ Ich versuche, alle Gedanken, die in meinem Kopf sind, beiseitezuschieben. Manchmal brauche ich sehr lange, bis es in mir ruhig wird. Deshalb habe ich immer Zettel und Stift dabei und schreibe alles auf. Wenn ich das nur kurz auf dem Handy notieren möchte, ist es mit der Stille vorbei. Dann sehe ich alles Mögliche, bin abgelenkt und die Konzentration ist dahin.
Während ich knie, versuche ich bewusst, zu hören, was Gott mir sagt. Auch in mich selbst hinein zu spüren und mich zu fokussieren. Danach lese ich oft noch in der Bibel. Und wenn ich viel Zeit habe, knie ich mich danach nochmal hin und denke über das nach, was ich gelesen habe.
Beim Schweigen vor Gott geht es mir vor allem um die Gemeinschaft mit ihm.
Susanne Thyroff
Was ist das Wichtigste für dich?
Beim Schweigen vor Gott geht es mir vor allem um die Gemeinschaft mit ihm. Teresa von Ávila hat das „Verweilen bei einem guten Freund“ genannt. Das beschreibt es sehr gut. Ich nehme mir bewusst Zeit, werde mir klar: Ich bin hier, und Gott ist schon da. Er wartet auf mich. Diese Zeiten sind für mich unglaublich schön. Ich liebe es, in Ruhe vor Gott zu sein. Ich nehme mir eine solche längere Zeit mindestens einmal pro Woche. Was mir auch hilft, um mich zu fokussieren, ist, den Namen Jesus auszusprechen: „Jesus, du bist hier. Ich bete dich an. Ich genieße die Zeit mit dir.“
Ist das Schweigen für dich ein Ausgleich zu den vielen Informationen, die du jeden Tag aufnehmen musst?
Ja, auf jeden Fall. Aber das Schweigen hat für mich auch mehrere Facetten. Zum einen schweige ich vor Gott. Aber auch vor anderen Menschen. In der Phase, in der ich mit dem Schweigen angefangen habe, ging es mir nicht gut. Da habe ich mit niemandem geredet über das, was mich beschäftigt hat. Ich habe es nur vor Gott gebracht. Oft habe ich einfach dagesessen und gefragt: „Warum? Was soll das? Wo bist du?“ Und dann habe ich gespürt, wie er mich tröstet und innerlich heilt.
Ich habe eine große Familie und ich war beruflich immer in Positionen, wo ich viel gesprochen habe. Dazu komme ich aus einer kirchlichen Tradition, wo dem Wort eine wesentlich größere Bedeutung zugemessen wird als dem Schweigen. Daher war mir das Schweigen und Zuhören eigentlich sehr fremd.
Ich habe das Schweigen und Zuhören als Kraftquelle entdeckt – und ja, auch als Ausgleich. Ich kann dadurch das viele Neue verarbeiten und für mich einordnen.
Hat dir das Schweigen auch beim Start in deine neue Aufgabe geholfen?
Am Anfang auf jeden Fall. Ich muss ja erstmal zuhören und verstehen. Daher schweige ich sehr viel und höre den Menschen zu. Manchmal denken die Kollegen vielleicht, ich hätte keine eigene Meinung. Die habe ich schon, aber ich möchte sie – gerade jetzt am Anfang – von dem bilden lassen, was ich höre. Je mehr ich zuhöre und schweige, desto mehr erfasse ich. Je früher ich anfange, zu sprechen und meine Einschätzung zu sagen, desto weniger kann ich mich hineindenken und lernen. Das hat auch ein bisschen mit meinem Führungsansatz zu tun. Ich sehe meine Aufgabe darin, andere darin zu unterstützen, ihr Potenzial zu entfalten. Ich kann ja nur Menschen leiten, die ich auch kenne und verstehe. Und dafür muss ich erstmal schweigen.
Ich glaube, dass er auf unterschiedliche Weise spricht – durch die Bibel, durch Menschen, durch innere Eindrücke und manchmal durch äußere Umstände.
Susanne Thyroff
Wie erlebst du es konkret, wenn Gott zu dir spricht?
Gottes Stimme zu hören, ist für mich ein Lernprozess. Ich glaube, dass er auf unterschiedliche Weise spricht – durch die Bibel, durch Menschen, durch innere Eindrücke und manchmal durch äußere Umstände.
Im Zusammenhang mit dem Schweigen sind es oft einfach Gedanken oder Ideen, die mir kommen. Zum Beispiel: Ich könnte ja mal die oder den anrufen.
Ich habe auf verschiedene Weisen Gottes Führung erlebt – zum Beispiel durch den Rat, die Augen bei christlichen Werken offenzuhalten. Oder durch Umstände, die mich dazu gebracht haben, einen beruflichen Weg einzuschlagen, den ich von mir aus nicht gewählt hätte. Oder auch durch einen Bibelvers, der mir bedeutsam wurde.
Wichtig ist mir auch, zu tun, was ich als richtig empfinde – worüber ich eine innere Sicherheit gewinne. Wenn ich als Christin glaube, dass der Heilige Geist in mir wohnt, kann ich lernen zuzuhören, was er mir sagt. Sicher sein kann ich mir zwar nie zu hundert Prozent, aber wenn ich auf solche Eindrücke höre, kann ich im Nachhinein oft Gottes Führung erkennen. Bei wichtigen Entscheidungen ist mir auch ein inneres Gefühl des Friedens und die Rückversicherung bei anderen wichtig. Wenn mein Umfeld – insbesondere meine Familie – eine Entscheidung als falsch empfinden würde und davon unmittelbar betroffen wäre, dann passt sie nicht.
Du hast den Heiligen Geist erwähnt. Wie erlebst du ihn?
Oft erlebe ich den Heiligen Geist als Tröster. Manchmal, wenn ich nicht weiter weiß bin, spüre ich den Zuspruch von Gott: „Mach dir keine Sorgen! Ich bin da!“ Wenn eine Schwere da ist oder ich Druck empfinde, und ich sitze eine Weile vor Gott und stehe dann auf, ist die Schwere oft weg und es kehrt Freude ein. Ich weiß: Sie kommt nicht aus mir.
Hast du eine Lieblingsbibelstelle?
Ja: „Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“ (Römer 5,5). Ich war auf einer Freizeit und dort wurden wir eingeladen, diesen Vers auswendig zu lernen. Ich habe das gemacht und ihn in den nächsten Tagen vielleicht hundertmal vor mich hingesagt. Immer wieder, immer wieder, immer wieder. Dieser Vers wurde so zu meinem Lieblingsvers und ich habe gemerkt: je mehr ich diesen Vers ausspreche, desto mehr wird er Realität. Was da alles drinsteckt! Ich kann ihn vorwärts und rückwärts aufsagen.
Was ist deine Vision für deine Arbeit?
Beim ERF machen wir Medien, damit Menschen Gott kennenlernen und er ihr Leben verändert. Nur deswegen bin ich hier. Diese Vision entspricht meinen persönlichen Werten und Zielen. Wir machen Medien für zwei Gruppen von Menschen. Die eine Gruppe sind die Menschen, die Gott noch nicht kennen. Und die andere Gruppe sind Menschen, die Gott schon kennen, und ihn besser kennenlernen wollen. Für die zweite Gruppe machen wir schon einiges, bei der ersten Gruppe gibt es noch eine Menge Potenzial. Das Feld ist groß.
Es ist unser Ziel, dass wir von den Menschen, die gerade auf der Suche sind oder am Zweifeln oder vor Herausforderungen stehen, gefunden werden. Auch „zufällig“ gefunden werden. Also dass wir alle technischen Möglichkeiten nutzen, die es so gibt, damit überall die gute Botschaft erscheinen kann. Ich wünsche mir, dass es ganz viele Geschichten von Menschen gibt, die Gott begegnet sind.
Die Fragen stellte Ellen Nieswiodek-Martin (Redaktionsleiterin der Frauenzeitschrift Lydia)
Susanne Thyroff ist seit Januar 2025 Vorstandsvorsitzende von ERF – der Sinnsender (Jesus.de berichtete). Vorher arbeitete sie in der Kommunikationsabteilung eines großen Pharmaunternehmens.
Das vollständige Interview mit Susanne Thyroff ist in der Zeitschrift Lydia erschienen. Lydia ist wie Jesus.de Teil der SCM Verlagsgruppe.


Es gibt (mindestens) 2 Arten dieses Schweigens. Beide haben ihre Berechtigung, sind aber unterschiedlich.
1. Das Schweigen zur Selbsterkenntnis. Hier beschäftigt man sich mit sich selbst und ggf. Gott. Diese Form ist die häufigere und z.b. im Rahmem von Meditation sehr verbreitet. Auch bei christlichen Schweigewochenenden in Klostern geht es eher in diese Richtung. Der heilige Geist ist hier die Verbindung von einem selbst zu Gott.
2. Das gemeinschaftliche Schweigen. Hier versucht man, in die Gruppe hinein zu fühlen. Der heilige Geist verbindet hier die Mitglieder der Gruppe insgesamt mit Gott.
Während also der Blick bei 1. in einen selbst geht, geht der Blick bei 2. nach außen.
Ich beschäftige mich derzeit sehr mit dem 2. Weg, merke dabei aber oft in Gesprächen, dass viele automatisch an den 1. Weg beim Schweigen denken.
Gebet und Arbeit ist unser christliches Programm
Schweigen und auf Gott hören, schildert die Chefin des Evangeliums-Rundfunk, Susanne Tyhroff ihre Glaubenserfahrung, die Veränderung bringt.
Ich bin ebenfalls der festen Überzeugung – und dies entspricht auch meiner Glaubenserfahrung – dass ein Stillwerden vor Gott ein großer Segen sein kann. Eine Grunderfahrung darin machte ich mit anderen gemeinsam bei zweimaligen Taizebesuchen vor 50 Jahren (jeweils eine Woche lang), die mir heute in der Erinnerung vorkommen wie lange Zeiträume. Da waren wir, damals bereits zwischen 2000 – 3000 junge Menschen ganze 8 Minuten, bei den täglichen Gottesdiensten ganz still, was vielleicht kurze Zeit mühsam war, aber dann spürbar für alle eine Erholung für den Geist und die Seele wurde. Man hörte kaum eine Stecknadel fallen. Nie habe ich mich Gott so nahe gefühlt und dass der Heilige Geist tröstet.
Ich glaube deshalb durchaus, daß die Wirklichkeit des Heiligen Geistes nicht nur Realität, sondern auch in seinem Erspüren möglich ist. Wir alle brauchen am ehesten einmal am Tag eine stille Zeit, das Nachdenken über ein Bibelwort für diesen Zeitraum und für das Hören, was mir mein Gewissen und dann auch mein Gott zu sagen hätte. Die Kraft jeden Engagementes kommt aus diesen glücklichen schöpferischen Pausen. Aber sie ersetzen niemals unser Tun, denn das Gebet unterstreicht, daß wir alle unsere Wünsche für das Reich Gottes auch durch unsere Haltung und ebenso alle Worte und Taten unterstreichen. Mal umgangssprachlich ausgedrückt: Es macht keinen Sinn, für einen erfolgreichen Kampf gegen den Klimawandel zu beten, dann aber den lieben Gott dies alles selbst machen zu lassen. Alles was ich und wir tun können, auch in der alltäglichen Kommunikation, ist dabei gute Meinungen weiter zu geben und ergibt guten Zweiklang von Beten und dafür auch alle Arbeit zu leisten. Ich bin so auch überhaupt nicht davon überzeugt, daß der Heilige Geist nach dem Gieskannenprinzip wirkt, sondern wir müssen uns ihm dann aktiv zur Verfügung stellen. Aber dem gegenüber steht auchoft ein „Schlaf der Sicherheit“ im Glaubensleben von Menschen, die sp Gottesdienste ermüden.
Wenn hoffentlich einmal eine Zeit kommt und die Menschen global auf Gott hören, und dann die Schwerter zu Pflugscharen machen, der Friede einkehrt und jeder Krieg geächtet wird: Dann geschieht dies nur, weil wir es zulassen und uns daher Gottes Willen hierfür auch voll zur Verfügung stellen. Auch das böse Gegenteil, die Apokalypse, ist kein (himmlischer) Fahrplan wie jener der Bundesbahn. Sondern die möglichen denkbaren noch schlimmeren Katastrophen kommen, weil wir den Krieg an den Gartenzäunen und zwischen den Staaten oder Kontinenten persönlich auch für den Normalfall halten. Möglicherweise sind dies typische Ninive-Realitäten und der Weltuntergang finden doch nicht statt. Was die Leute in dieser lehrsamen Geschichte begriffen haben war doch immerhin, daß jeder immer umkehren darf. So war auch der Mauerfall wirkliches Wunder. Dafür gingen aber 10 000ende in einem Unrechtsstaat auf die Straße und riefen zudem „keine Gewalt“. Und ein DDR-Regierungsmitglied irrte sehr.
Die Hölle ist keine aktive Schöpfungsaufgabe des Himmels, Gott herrscht nicht mit Gewalt oder gerechten Kriegen, sondern nur mit Liebe. Heute wurden bei einer Außenveranstaltung auch Luftballon`s an Kinder verteilt mit der Aufschrift „Gott ist die Liebe“. Hierum geht es im Evangelium und dies ist auch der Faden des Zusammenhanges unserer Bibel und Verkündigung. Da wird mit der Liebe Gottes auch nichts weichgespült. Im Gegenteil: Weil Gott Mensch wurde und sich freiwillig von Menschen hinrichten ließ, verkündigt Golgatha, daß nur Gewaltlosigkeit die Welt zum besseren verändert. Aber es ist die Liebe Gottes und nicht ein Zuckerguss über unser Versagen und das Böse, um es zu marginaisieren. Es geht ja darum, daß Gott ein unendliches Universum erschuf und die Botschaft seiner Liebe und Barmherzigkeit ebenso unendlich ist wie der Raum seiner Herrschaft mit seinen Mitteln der Liebe. Aber dieses Kreuz ist ein Skandalon, ein Fallstrick unseres möglichen Ärgers, denn Jesus starb für alle, weil jede Menschin und jeder Mensch gerettet werden soll. Aber dies liegt nicht in unserem Vermögen. Es ist ein Wunder weil Gott alles möglich wird.
Guten Abend Herr Hehner,
Wie oft ein sehr guter Kommentar der auch tiefgründig geht. Ich denke man kann Dinge nicht immer zu 100% trennen. Glaube und Werke, Jesus und der Vater, Himmel und Erde.
Oft stehen viele Dinge in Wechselwirkung. Das Gießen des Heiligen Geistes bringt etwas in Gang. Aufgrund dieser Idee kommt dann der Impuls und daraus ein Gedanke. Ein Plan und später eine Handlung.
Mal angenommen Frau Müller streitet sich ganz stark mir Nachbarin Gisela. Sie schläft ein und wacht am nächsten Morgen auf. Da Frau Müller Christin ist geht sie ins Gebet. Im Gebet bekommt sie ein Gefühl der Liebe und Vergebung zu Gisela.
Danach ist das Gebet vorbei und sie macht sich Gedanken.
Und aus den Gedanken kommt dann vielleicht die Tat, dass Sie zu Ihr geht und sie beide sich bei einem Kaffee versöhnen.
Ich denke du verstehst meinen Punkt
Netten Abend wünsche Ich 🙂
Perfekt !
Perfekt verstanden, stand aber auch nicht im Widerspruch zu meinem Kommentar – ergänzte ihr sehr gut