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Theologe: „Die Bibel ist nicht einfach, sondern unbequem“

Worum geht es beim Bibellesen? Hören und folgen – auch wenn es mal unbequem wird, sagt der Theologe Jürgen Fischer. Er hält das konsequente Auswendiglernen von Bibelversen für sinnvoll.

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Jürgen, du sagst über dich, ein „unbedingter Verfechter davon [zu sein], dass man Bibelverse auswendig lernen sollte“. Warum?

Jürgen Fischer: Die Antwort ist ganz einfach: Weil nichts in der Bibel mehr Verheißungen in sich trägt als das Nachsinnen über Gottes Wort. In Psalm 1 steht, wer Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz nachsinnt – Tag und Nacht, der wird sein wie ein Baum an Wasserbächen und Frucht bringen […] und alles, was er tut, gelingt.

Die entscheidende Frage der heutigen Zeit ist: Wie kommt das Wort Gottes in mein Herz? Ich finde es wichtig über die Bibelstelle, die Gottes Geist mir aufs Herz legt, nachzusinnen. Das organisiere ich durch Auswendiglernen von Bibelversen.

Wie gehst du vor beim Auswendiglernen von Bibelversen?

Fischer: Ich lerne die Verse wie Vokabeln auswendig und wiederhole sie – jeden Tag 50 Bibelverse. Ich lerne schlecht auswendig, deshalb brauche ich lange. Über einen Vers denke ich fünf Wochen nach. Und in zehn Wochen habe ich hoffentlich auch das getan, was der Vers will.

Wie hilft dir das Auswendiglernen von Bibelversen konkret im Alltag?

Fischer: Nur die Verse, die du auswendig weißt, erinnern dich an den Geist Gottes. Sie können als Waffe in geistlichen Kämpfen verwendet werden. Die richtigen Verse parat zu haben, entscheidet darüber, ob du in der richtigen Situation die richtigen Entscheidungen triffst.

Der Geist Gottes kann mich besonders an die Bibelverse erinnern, die ich auswendig gelernt habe. Und das ist immer dann wichtig, wenn es um Versuchungen geht, evangelistische Gespräche oder seelsorgerliche Fragen. Denen würde man sonst eher unvorbereitet gegenüberstehen. Die auswendig-gelernten Verse sind außerdem Teil meiner Persönlichkeit geworden. Ich handle intuitiv nach ihren Inhalten.

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Was ist die Bibel für dich?

Fischer: Hören und Folgen, Zittern vor seinem Worte. Die Bibel ist nicht einfach, sie ist unbequem. Aber der Umgang mit dem Wort ist der Umgang mit meinem Richter. Johannes 12,48 sagt: Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, hat den, der ihn richtet: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag.

In Sprüche 2 gibt es dieses Bild davon, dass man der Weisheit nachforscht, wie man einen Schatz sucht. Ich gehe nicht davon aus, dass ich alles verstehen muss, was in der Bibel steht. Wenn ich Gott begegne, treffe ich einen wundersamen, mich mit meinem Intellekt übersteigenden Gott.

Die Bibel schenkt mir in vielen Bereichen meines Lebens Weisheit. In der Bibel finde ich Antworten, mit denen ich ein Leben führe, dass mich fasziniert. Und ich bin ein Freund guter Auslegung. Hermeneutik [Wissenschaft von den Grundfragen des Textverständnisses; Anm. d. Red.] ist so etwas wie mein Steckenpferd. 

„Ich habe keine direkten Probleme mit Bibelstellen, sondern verstehe nicht alle.“

Welche Bibelstelle bereitet dir Probleme?

Fischer: Ich habe keine direkten Probleme mit Bibelstellen, sondern verstehe nicht alle. (lacht) In zentralen Bereichen ist Bekehrung zum Beispiel ein Thema, das ich gerne noch mehr verstehen würde. Was passiert, bevor ein Mensch sich bekehrt? Außerdem: Was heißt es, ein neues Herz zu bekommen? Was ist da der Unterschied zwischen Altem Testament und Neuem Bund?

Wie lese ich gewinnbringend in der Bibel?

Fischer: Wenn es um das Thema Bibellesen geht, würde ich unterscheiden, ob ich gerade zum Glauben gekommen bin oder vor 30 Jahren. Wenn jemand gerade zum Glauben gekommen ist, würde ich immer sagen: Lies deine Bibel durch. Einfach durchlesen, den roten Faden finden, die Sprache verstehen lernen, sich einen Überblick verschaffen. Aber vor allem durchlesen.

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Wenn es jemandem schwerfällt, Bibel zu lesen, habe ich 3 Tipps:

  1. Mit Gleichgesinnten lesen. Zum Beispiel in einer Gemeinde oder einem Hauskreis. Da motiviert man einander.
  2. Habe einen Bleistift parat. Das ist unser bester Freund beim Bibellesen. Bei jedem Vers, der dich förmlich anspringt, machst du ein Ausrufezeichen dahinter. Und wenn du etwas nicht verstehst, ein Fragezeichen.
  3. Die Ausrufezeichen-Verse lerne auswendig und die Fragezeichen-Verse schreibe dir auf eine Liste. Die Liste nimmst du nächsten Sonntag mit, gibst sie dem Ältesten deiner Gemeinde und sagst: Wir müssen reden. Beides ist wichtig. Wenn uns etwas anspricht, dann ist es der Geist Gottes. Eine Frage braucht eine Antwort.

Wer bereits länger an Gott glaubt, der sollte thematisch lesen oder sogar biblische Bücher studieren. Außerdem empfehle ich Bibellesepläne.

Wie liest du in der Bibel?

Fischer: Gar nicht. Ich lese keine Bibel. Aktuell zumindest nicht fortlaufend. Eventuell habe ich irgendwann mal wieder Lust dazu, die Bibel durchzugehen. Dann werde ich mir eine Hörbibel von einer Übersetzung vornehmen, die ich noch nicht kenne.

Ich studiere pro Jahr ein bis zwei biblische Bücher, Vers für Vers. Das tut mir gut. Als junger Christ habe ich innerhalb der ersten zehn Jahre jedes Jahr einmal die ganze Bibel durchgelesen. Jetzt kenne ich den roten Faden schon zur Genüge und will beim Bibellesen vor allem in die Tiefe gehen.

„Ich muss wissen, wo etwas steht und warum ich etwas glaube.“

Ist es wichtig, als Christ in der Bibel zu lesen? Es gibt genug gute Bücher von Theologen zu biblischen Themen.

Fischer: Nicht das Lesen ist meiner Meinung nach wichtig, sondern das Sinnen über das, was man gelesen hat. Ja, man könnte durchaus andere gute Bücher lesen – bin ich auch dafür. Aber: Bücher von anderen zu lesen, erzeugt keine Überzeugungen. Überzeugungen gewinne ich dadurch, dass ich selbst nachdenke.

Ich muss wissen, wo etwas steht und warum ich etwas glaube. Wenn man ein Buch nur liest, übernimmt man schnell die Meinung des Autors. Dann glaube ich, weil XY glaubt und nicht, weil die Bibel es gesagt hat. Das hat nichts mit Überzeugung zu tun, sondern ist abgeleiteter Glaube. Der trägt nicht.

Ich versuche das, was ich glaube, an Bibelversen festzumachen. Auf diese Weise kann sich meine Theologie entwickeln und immer mehr an Gottes Wort anpassen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Kezia Weber.

Jürgen Fischer (56) ist Theologe und Mitarbeiter einer Brüdergemeinde in Berlin. Er betreibt „frogwords“ – eine Webseite, YouTube-Kanal und Podcast, um seine Predigten, dazugehörige Skripte, Kommentare sowie Hilfsmittel zum Auswendiglernen von Bibelversen bereitzustellen.


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