Wer den Vers der Jahreslosung (Lukas 6, 36) nicht im Kontext liest, der landet schnell bei einem starren und eindimensionalen Aktionismus, meint David Brunner in seinem Blog-Beitrag. Er lädt zu einem umfassenderen Blick auf Barmherzigkeit ein.

„Wo wir nun meinen, durch die Jahreslosung zu mehr ‚barmherzigen Tun‘ herausgefordert zu werden, ist das schon mal nicht schlecht. Diese Welt benötigt mehr Menschen, die Gutes tun – das ist ganz einfach. Und die oben genannten Dinge, wie wir Gutes tun können, sollten wir auch unbedingt tun. Keine Frage. Bei diesen Appellen stehen zu bleiben kratzt an der Oberfläche und geht nicht in die Tiefe.“

Weiterlesen im Blog von David Brunner

…und bei uns in den Gedanken zur Jahreslosung von Bernd Siggelkow

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1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Barmherzigkeit ist einfach zu verstehen

    Alles was David Brunner hier schreibt, ist sicherlich unbedingt richtig. Ich habe beim Lesen allerdings etwas die Übersicht verloren, obwohl dies anderen wohl auch so geht bei meinen Kommentaren. Denn bei dem wichtigen Thema Barmherzigkeit muss niemand viel um die Ecke denken. Ich darf barmherzig werden wie Jesus bzw. Gott ist. Die gesamte Bergpredigt ist wie voll gesogen von dem Gedanken der Barmherzigkeit. Übrigens ist mir nicht sprachlich aber inhaltlich aufgefallen, dass die Bergrede Jesu sich sehr ähnelt dem Text in 1. Korinther 13. Letzterer Text beschreibt mehr als innere geistig-geistliche Haltung das Praktizieren einer Liebe, die langmütig und freundlich ist, nicht eifersüchtig und dabei selbstlos. So wie es dort gefordert wird, ist auch Gott zu jedem von uns. Daher kann ich an einen zornigen und rachsüchtigen Schöpfer nicht glauben.
    Die Bergpredigt und Jesu Reden allgemein beschreiben Gefühle. In der Übersetzung der „Guten Nachricht“ geht es ums Freuen: Für alle, die leiden, weil Gott die Last abnimmt. Dass Gewaltlosen die Erden zum Besitz erhalten. Denen die barm-herzig sind, wird Gott auch so begegnen. Das reine Herz ist wohl wichtig – also die guten geradlinigen Absichten – und jene werden dann Gott sehen (wie er wirklich ist – Liebe). Die Menschen sollen Salz und Licht der Welt sein und sie dürfen so leben, dass andere so ein völlig anderes Lebensmodell faszinierend empfinden. Hier geht es um ein Geben und Nehmen: Wenn wir Barmherzigkeit üben wird Gott auch zu uns barmherzig sein. Es ist naheliegend, dass wenn viele Menschen friedfertiger würden, werden viele andere Weltbürger auch friedlicher. Ein alter Pfarrer sagte uns als Jugendliche einmal, mit dem Wissen dass Werkgerechtigkeit oft als Alibi verstanden wird für geistliche Faulheit: Man muss den Willen Gottes auch tun und tun wollen, wenn man dem Heiligen Geist keine Knüppel zwischen die Beine werfen will. Das Phantastische beim Glauben im Sinne eines festen Vertrauens zu Gott bleibt aber: Gott ist viel größer als ich und viele von ihm vermuten. Er liebt jeden einzelnen Menschen dieser Erde, als ob es nur ihn alleine gibt. Wenn ich so seine Geduld und Freundlichkeit in meinem Leben spüre (man nennt das Glaubenserfahrung), sollte ich mich bemühen auch Geduld und Freundlichkeit anderen gegenüber ebenso aufzubringen. Dies ist schwer und es wäre absolut realitätsfern, den Erfolg solcher Bemühungen zu überhöhen. Meist ist feststellbar, dass ich und wir alle mit leeren Händen vor Gott stehen. Denn wir sind nicht Gott. Das könnte mich betrüben, aber es sollte mich eigentlich trösten. Letztlich wird mich Gott nicht messen an meinen Stärken, sondern meinem guten Willen. Und in das Vertrauen, welches ein anderes Wort für Glauben ist. Ich glaube daran, dass nur schlechte Christen gute Christen sind, weil sie versuchen, zuerst den Balken aus dem eigenen Augen zu ziehen, statt die Schuld (nur) beim Mitmenschen zu finden. Mir gelingt das eher selten. Aber die leeren Hände füllt Gott: Das ist barmherzig.

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