Jürgen Mette: Die Evangelikalen – Weder einzig noch artig

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Als Läufer kenne ich sie: Sportverletzungen! Ebensolche diagnostiziert Jürgen Mette bei den Evangelikalen. Er, der diesem „Jesus-First“-Rennstall entstammt und viele Jahre in vorderster Reihe mitlief, steuert mit diesem Buch eine ungeschminkte und ehrliche Innenansicht des evangelikalen Trainings- und Rennbetriebes bei. Seine Analyse kommt nicht von oben her. Sie atmet eigene Biographie, viel Herz, große Leidenschaft und ist gespickt mit genialen Wortspielen. Ich habe geschmunzelt, geseufzt und tief durchgeatmet.

Mette treibt eine große Leidenschaft an: Er will zusammenhalten, was auseinanderzufliegen droht. Sein Herz brennt für die Inklusion der Jesus-Leute. Damit trifft er ins Schwarze. Er benennt das Problem: „Wir differenzieren und dividieren uns bis zur Harmlosigkeit. Der ordnungsstiftende Skalpell derer, die vermeintlich noch ‚klar stehen‘ oder auf ein ‚klares biblisches Profil‘ bestehen, schneidet tief ein in den ‚Leib Christi‘“. Als intimer Kenner der verschiedenen Welten hat er auch die Probleme der Kirche auf dem Schirm: „Was man bisher gegen diese Gefäßerkrankung getan hat, klingt eher nach ‚sola structura‘“.

„Atmet Lebensreife, Weisheit und Gnade“

„Die EVANGELIKALEN“ ist ein kluges, wegweisendes und zutiefst geistliches Trainingshandbuch. Es atmet Lebensreife, Weisheit und Gnade. Jürgen Mette fordert dazu auf ethische Randthemen nicht zu Bekenntnisfragen aufzuladen. Das Buch ist eine dringliche Mahnung, die lähmenden Flügelkämpfe zu überwinden und eine mutmachende Einladung zurück auf die Laufbahn des Glaubens, denn die Evangelikalen sollten „Salz und Licht der Welt sein, machen aber einen auf Zucker und beklagen die Finsternis.“

Diese Lektüre eignet sich nicht nur zur Steigerung des Blutdrucks. Nein, sie ist auch geeignet, eine segensreiche Bewegung neu ins Laufen zu bringen, wenn sie denn diese Heilungsratschläge befolgt und „rausfindet aus der privaten Genügsamkeit der eigenen Gottseligkeit“ und Jesus die Mitte sein lässt. Von daher: Auf die Plätze fertig los, liebe Evangelikale, liebe Mitchristen, liebe Kirche! Im Marathon der Nachfolge sollte uns die Liebe und Gnade Gottes auszeichnen, liebe Mitläufer zwischen Kassel, Hannover, Bad Blankenburg, Dillenburg, Wetzlar und Wittenberg. Mette lebt vor, wie es gehen kann. Danke!

Von Rüdiger Jope

Leseprobe

Eine weitere Rezension zum Buch finden Sie hier.

Verlag: Gerth Medien
ISBN: 978-3-9573454-8-6
Seitenzahl: 256
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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8 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Als Jeshua-Nachfolger bin ich „gemeindegeschädigt“, vor allem durch US-amerikanisch geprägte charismatische Gemeindeformen ….. Grausam, was da teilweise passiert – übrigens auch in Deutschland !! Wenn ich mir überlege, dass Evangelikale Donald Trump an die Macht geputscht haben und in Deutschland mit der AfD paktiert wird, vergeht mir jedwede Nachfolge ….. Weiß nicht, wo das bei mir enden soll …. Gesegnete Grüße, Christian K.

    https://youtu.be/8kkgccLG1Gg

  2. Der Rezensent schreibt in einem flüssigen Schreibstil und würdigt den Autor zu stark. Jürgen Mette versucht die unterschiedlichen Lager der Evangelikalen zusammenzuführen, es gelingt ihm im Grunde aber nicht.
    Es ist eine absolute Streitschrift und kann aus meiner Sicht nur die Gräben zwischen den Flügeln noch vertiefen.

    Darüber hinaus hätte er auf die ganze Debatte um praktizierte Homosexualität unter Christen viel stärker eingehen müssen, war doch dieses Thema der eigentliche Anlass für die Lagerbildung.
    Ein alles in allem entbehrliches Buch, das die Chance vertan hat, die Evangelikalen und ihre Bedeutung für die deutsche christliche Szene stärker in den Vordergrund zu rücken.

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