Afghanistan: Regierung schließt fast 150 Hilfsorganisationen

Afghanistans Regierung hat die Büros von fast 150 Hilfswerken im Land geschlossen, weil sie gegen neue Bestimmungen verstoßen. Wie die afghanische Nachrichtenagentur PAN am Dienstag berichtete, handelt es sich um 145 afghanische und vier internationale Organisationen. Sie hätten es versäumt, Tätigkeitsberichte und Finanzunterlagen wie vorgeschrieben einzureichen, hieß es. Die Regierung hatte vor einigen Monaten eine Kommission eingerichtet, um die Hilfswerke in Afghanistan besser zu kontrollieren. In dem Land sind Schätzungen zufolge etwa 1.300 nichtstaatliche Organisationen tätig. Im Mai waren aus ähnlichen Gründen bereits 172 Hilfswerke geschlossen worden. Auch zwei christliche Organisationen wurde die Arbeitserlaubnis entzogen, nachdem Gerüchte aufgetaucht waren, ihre Mitarbeiter würden in dem streng islamischen Land missionieren. Es waren der US-amerikanische «Church World Service» und das Hilfswerk «Norwegian Church Aid» in Oslo, das von der norwegischen lutherischen Kirche unterstützt wird. Zuletzt hat die afghanische Regierung westliche Organisationen und Unternehmen mehrfach kritisiert. Sie begünstigten die Korruption und arbeiteten nicht im Interesse Afghanistans, hieß es.

EKD-Synode: Glänzer und Tietz in den Rat gewählt

Das Führungsgremium der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist wieder komplett. Edeltraud Glänzer (54), Hauptvorstandsmitglied der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, und die Mainzer Theologieprofessorin Christiane Tietz (43) wurden am Dienstag bei der EKD-Synode in Hannover im ersten Wahlgang in den Rat gewählt. Von 144 gültigen Stimmen erhielt Glänzer 110. Tietz kam auf 135 Stimmen. Damit erreichten beide Kandidatinnen die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit.

Oklahoma: Gericht stoppt Scharia-Verbot

Im US-Bundesstaat Oklahoma hat ein Gericht das per Volksentscheid beschlossene Scharia-Verbot vorübergehend gestoppt. Es müsse überprüft werden, ob das umstrittene Gesetz mit der Verfassung vereinbar sei, entschied Richterin Vicki Miles-LaGrange am Montag (Ortszeit) in Oklahoma City. Die Wähler des Bundesstaates hatten sich vor einer Woche mit einer Mehrheit von 70 Prozent dafür ausgesprochen, die Anwendung des islamischen Rechts in Gerichten des Bundesstaates ausdrücklich zu verbieten. Muslime kündigten daraufhin eine Verfassungsklage an. Das neue Gesetz diskriminiere Muslime und verstoße gegen die in der US-Verfassung vorgeschriebene weltanschauliche Neutralität des Staates, argumentieren Islam-Vertreter. Unter den 3,7 Millionen Bürgern Oklahomas gibt es lediglich einige zehntausend Muslime. Die Initiatoren des Volksentscheides warnen dennoch vor einer Einführung der Scharia.

Katholikentag 2012: Geschäftsstelle in Mannheim eröffnet

Für den 98. Deutschen Katholikentag, der im Mai 2012 in Mannheim geplant ist, hat das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken am Ort eine Geschäftsstelle eingerichtet.

EKD-Synode: Evangelische Kirche berät über Bildungsgerechtigkeit

Mit Beratungen über Bildungsgerechtigkeit hat die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Montag in Hannover ihre Jahrestagung fortgesetzt.

Sachsen-Anhalt: Hunderte protestierten gegen NPD-Bundesparteitag

Mehrere Hundert Menschen haben am Samstag in Hohenmölsen bei Weißenfels (Sachsen-Anhalt) gegen den Bundesparteitag der rechtsextremen NPD protestiert. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sprach sich dabei für ein erneutes NPD-Verbotsverfahren aus. Unter dem Motto «Bunte Stadtt Braune» knüpften Demonstranten an dem «Aktionstag» mit farbigen Stoffen ein Band, das als sogenannte Toleranzkette die evangelische Stadtkirche und den Markplatz umfasste. «Wir haben bereits einmal in Deutschland die Demokratie verspielt», warnte Ministerpräsident Böhmer. Das dürfe nicht noch einmal passieren. Neben Böhmer waren auch Innenminister Holger Hövelmann (SPD), Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) und der Wittenberger Regionalbischof Siegfried Kasparick zur Unterstützung der Proteste nach Hohenmölsen gekommen. Als Teilnehmerzahl gab die Polizei 300 an, die Veranstalter sprachen von 1.000 Menschen. Aufgerufen zu dem «Aktionstag» hatten Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Vereine und die Kommune. Zudem lag eine «Hohenmölsener Erklärung» gegen Rechtsextremismus aus, in der sich zahlreiche Einwohner der Kleinstadt im Burgenlandkreis eintrugen. Zum Abschluss gab es ein Konzert in der Stadtkirche. Die Stadt war am Freitag vor dem Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalts (OVG) mit einer Klage gegen den NPD-Parteitag im kommunalen Bürgerhaus gescheitert. Das Gericht entschied, dass die Partei nicht generell von der Nutzung gemeindlicher Einrichtungen ausgeschlossen werden dürfe, solange sie nicht durch das Bundesverfassungsgericht verboten sei. Das OVG bestätigte damit zugleich ein Urteil des Verwaltungsgerichts Halle vom Oktober zugunsten der NPD, die gegen die Verweigerung des Mietvertrages für das Bürgerhaus geklagt hatte. Auf ihrem außerordentlichen Parteitag stimmte die NPD mit großer Mehrheit einer Fusion mit der ebenfalls rechtsradikalen DVU zu. Nach Einschätzung des bildungspolitischen Vereins «Miteinander» aus Sachsen-Anhalt gehören der NPD bundesweit knapp 7.000 Mitglieder an. Die DVU komme auf 4.000 Anhänger, die die Partei nach der Abonnentenzahlen ihrer Parteizeitung angebe. In Sachsen-Anhalt stehen 2011 Landtagswahlen an. Politiker demokratischer Parteien befürchten, dass die Rechtsextremen dann nach Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern in den dritten ostdeutschen Landtag Einzug halten könnten.

EKD: Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland beginnt

Mit einem Gottesdienst in der hannoverschen Marktkirche wird heute (Sonntag) die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eröffnet. Dazu wird unter anderen Bundespräsident Christian Wulff erwartet. Das ZDF überträgt den Gottesdienst ab 9.30 Uhr live. Die Predigt hält nach Angaben der EKD der stellvertretende Landesbischof der gastgebenden hannoverschen Landeskirche, Hans-Hermann Jantzen. Die 126 Mitglieder des Kirchenparlaments tagen bis zum Mittwoch. Im Mittelpunkt steht die für Dienstag vorgesehene Neuwahl des EKD-Ratsvorsitzenden als Nachfolger der im Februar zurückgetretenen hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann. Einziger Kandidat ist voraussichtlich der rheinische Präses Nikolaus Schneider, der seit dem Rücktritt Käßmanns kommissarisch als Spitzenrepräsentant der rund 25 Millionen Protestanten in Deutschland fungiert.

Ökumene: Bischof Weber wirbt für weitere Annäherung

Der lutherische Bischof Friedrich Weber hat für mehr Gemeinsamkeit in der Abendmahlsfrage mit der katholischen Kirche geworben. In den «theologischen Knackpunkten» des Abendmahls- und Eucharistieverständnisses lägen beide Konfessionen nicht mehr weit auseinander, sagte Weber auf der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) am Samstag in Hannover. Der Ökumene-Bischof der Lutheraner erneuerte seinen Vorschlag, Gespräche mit der römisch-katholischen über eine gemeinsame Erklärung zum Abendmahl aufzunehmen. Ein solches Dokument könnte zeigen, dass in den traditionellen Kontroversen, wie beispielsweise Laienkelch und Messopfer, ein «differenzierter Konsens» erreicht sei. Für das öffentliche Bewusstsein von Kirche und Gesellschaft wäre ein solcher Schritt von erheblicher Bedeutung, argumentierte der Braunschweiger Landesbischof in seinem Catholica-Bericht. Viele Vorurteile und Missverständnisse auf beiden Seiten ließen sich dadurch beheben. Zudem sei von einer lutherisch-katholischen Erklärung zum Abendmahl ein Motivationsschub zu erwarten. In die festgefahren Debatte über die Lehre vom kirchlichen Amt könnte damit Bewegung gebracht werden. Während zu evangelischen Abendmahlsfeiern alle getauften Christen zugelassen sind, dürfen evangelische Christen an der katholischen Eucharistiefeier nur in Ausnahmefällen teilnehmen. Offiziell wiederum ist es Katholiken untersagt, zum evangelischen Abendmahl zu gehen. Trotz der ungelösten Unterschiede in zentralen Lehrfragen äußerte Weber die Hoffnung, dass mit dieser Erklärung auch in der kirchlichen Praxis Fortschritte möglich seien. Denn ein Dokument ohne praktische Folgen wäre evangelischen Christen in konfessionsverbindenden Ehen, aber auch weiten Kreisen in der katholischen Kirche nicht zu vermitteln. Obwohl der Ökumene-Experte für einen solchen Prozess derzeit wenige Spielräume in Rom sieht, warb Weber dafür, auf nationaler Ebene intensiv weiterzuarbeiten. Zuversichtlich stimme ihn, dass der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sich für ein gemeinsames Abendmahl für Eheleute unterschiedlicher Konfession einsetzen wolle. Es gebe eine «leise Auswanderung» gerade von in konfessionsverbindenden Ehen lebenden Partnern aus der Kirche, wenn kirchliche Praxis dem gemeinsamen Glaubensleben keinen Raum gewähre, äußerte Weber als Sorge. In seiner Bewertung des fünfjährigen Pontifikats von Benedikt XVI. schloss der lutherische Bischof nicht aus, «dass es in der Ökumene noch zu Weiterentwicklungen kommt; das traue ich Papst Benedikt durchaus zu.» Schnelle Fortschritte in den strittigen theologischen Lehrfragen sehe er allerdings derzeit nicht, ergänzte Weber.

Evangelische Kirche: Präses Schneider fordert Lehren aus Streit um «Stuttgart 21»

Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, fordert Konsequenzen aus dem Konflikt um das Bahnprojekt «Stuttgart 21». Derartige Großprojekte dürften künftig nicht mehr nur auf den üblichen Verfahrenswegen legitimiert werden, auch wenn diese Wege rechtmäßig seien, sagte der rheinische Präses den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (Samstagsausgaben). '«Stuttgart 21 zeigt, dass vor allem die Kommunikation das entscheidende Problem ist.» Geredet werden müsse aber auch über das rechte Maß bei neuen Projekten, mahnt der 63-jährige Theologe. Gerade mit Blick auf das Bahnvorhaben in Stuttgart werde gefragt, ob das nicht «gigantomanistisch» sei. Schneider warnte aber davor, Großprojekte grundsätzlich zu blockieren. «Wir leben in einer technisch-wissenschaftlichen Zivilisation», sagte er. «Wir müssen mit den Entwicklungen unserer Zivilisation weiterleben.» Schneider übt seit dem Rücktritt von Margot Käßmann im Februar das Amt des EKD-Ratsvorsitzenden aus. Er kandidiert auf der EKD-Synode, die am Sonntag in Hannover beginnt, für eine fünfjährige Amtszeit.

Lutherische Generalsynode: Bischof Friedrich sieht besondere Rolle der Kirchen auf dem...

Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich schließt Rückwirkungen der Islamdebatte auf das Verhältnis von Staat und Kirche nicht aus.