Margot Käßmann: „Schöne Aussichten auf die besten Jahre“

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Margot Käßmann ist bereits seit vielen Jahren nicht nur in hohen Kirchenämtern zuhause, sondern auch sehr aktiv als Autorin. Sie ist ebenfalls bekannt für inhaltlich sehr persönliche Ansätze. Also keine Theoretikerin, sondern sehr praxisnah orientiert. Spritzig, fröhlich und vor allem auch geistlich kommt sie daher, so, wie es aus ihren anderen Büchern bekannt ist. Das Buch ist leicht zu lesen und ich finde mich hier total wieder. Vielleicht auch deshalb, weil ich fast derselbe Jahrgang bin.

Gewundert hatte mich schon, dass eine so agile Frau so früh in Rente geht. Nun hat sie ein Buch darüber geschrieben, das ist ja auch Arbeit. Sie genießt jetzt Lebenszeit, wo sie früher nur von Termin zu Termin hetzte und einen ständig vollen Kalender mit sich trug. Margot Käßmann ist eine Frau, die alles erreicht hat und dennoch Vorbild wird in Bezug auf das Loslassen. Es gab kein Amt, das sie unbedingt festhielt. Sie hat sich ganz bewusst für eine frühe Rente und mehr Freiräume entschieden, um alles zu tun und zu erleben, was in den Zeiten der Vollzeitberufstätigkeit – auch als Mutter von vier Kindern – nicht möglich war. Mir spricht sie aus dem Herzen, aber auch für jüngere Menschen ist dieses Buch sicher interessant zu lesen.

In acht Kapitel ist ihr Buch gegliedert und berichtet über Arbeit als Lebenssinn ebenso wie über Enkelglück, Rückblick auf die Lebenswege und wie man „abschiedlich“ Leben kann. Immerhin ist ab 60 ihr letztes Lebensdrittel angebrochen. Da wird zum Beispiel beschrieben, wie sie mit weiser Voraussicht beim Umzug in die neue Wohnung auf Alterstauglichkeiten achtet. Das mutet angesichts ihres noch recht jungen Alters etwas übertrieben an. Aber sie erklärt es völlig glaubhaft. Immerhin musste sie bereits in der Lebensmitte gegen eine schwere Krankheit kämpfen. „Hilfe geben ist leichter als Hilfe annehmen“ ist eine weitere Erfahrung, die sicher nicht nur Frau Käßmann gemacht hat und der gerade im Alter mehr Rechnung zu zollen ist als in jungen Jahren.

Von Cornelia Christophersen

Verlag: Bene Verlag
ISBN: 978-3-9634001-0-0
Seitenzahl: 238
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. „Gewundert hatte mich schon, dass eine so agile Frau so früh in Rente geht.“
    >>> Fast schon zynisch, dieser Satz, und richtig verachtend gegenüber allen, die mit hoffen-wir-mal-67, und dann mit kranken Rücken, Augen, Knien in Ruhestand gehen können. Wer sich’s halt leisten kann, kann auch mit 60 in den Ruhestand gehen.

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