Verlag: Neukirchener Aussaat
Seitenzahl: 160
ISBN: 978-3-7615-6533-9

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Anne und Nikolaus Schneider: „Vom Leben und Sterben“

Kann und darf ich in meiner Verantwortung vor Gott und Menschen das Ende meines Lebens selbst bestimmen, wenn ich unerträgliche Schmerzen leide und es keine Hoffnung mehr für mich gibt? Wenn ich des Lebens müde geworden bin und das Leben unerträglich ist? Sollte ein Arzt, Freunde und Verwandte mir dabei helfen dürfen? Oder glaube ich an einen uneingeschränkt mächtigen Gott, der Herr über Leben und Tod ist, der mich auch im Sterben nicht verlässt und mich hindurch trägt?

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Über diese Fragen und alles, was mit assistiertem Suizid zusammenhängt, diskutieren das Ehepaar Anne (Religionslehrerin) und Nikolaus (Pfarrer und ehemaliger EKD Ratsvorsitzender) manchmal durchaus kontrovers. Anne und Nikolaus Schneider haben ihre an Leukämie erkrankte Tochter sowie viele andere Menschen beim Sterben begleitet. Anne Schneider erkrankte selbst 2015 an einer aggressiven Form des Brustkrebses mit ungewissem Ausgang. Somit verfügen sie über viel Lebenserfahrung. Sie plädiert für die Möglichkeit, dem eigenen Leben unter bestimmten Voraussetzungen ein Ende setzen zu dürfen, wohingegen Nikolaus Schneider es ablehnt, das eigene Leben selbst zu beenden.

Diese Diskussion ist absolut aktuell. In den Niederlanden, Belgien und der Schweiz bestehen Möglichkeiten zur Selbsttötung, beziehungsweise Sterbehilfe, in Deutschland ist es absolut verboten. In Zeiten der Intensivmedizin, in denen Mediziner das Leben von Kranken bis ins Absurde verlängern können, finden sich keine einfachen Antworten. Darf ein Arzt eine tötende Spritze setzen? Welches Leben ist nicht mehr lebenswert? Welche Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Menschen im Einzelnen (z.B. psychisch Kranke, Demente, Schwerbehinderte, etc.) hat eine Aufhebung des Verbots zur Selbsttötung bzw. zur Tötung durch einen Arzt? Greift die Selbsttötung nicht in das souveräne Handeln Gottes ein? Auch die Frage nach Patientenverfügungen wird gestellt.

Assistierter Suizid aus verschiedenen Perspektiven

In fünf Kapiteln werden die theologischen Grundlagen, aus denen Christen ethische Fragen entscheiden, besprochen. Wer ist Gott? Welche Gottesbilder prägen unseren Glauben? Wer ist Jesus und welche Stellung hat er? Die Antworten aus liberal-theologischer Sicht auf diese Fragen sind herausfordernd. Sie fordern den Leser zum Mitdenken und Nachdenken und zum Überprüfen der eigenen Meinung auf. Wegweisend für unsere theologisch-ethischen Entscheidungen sind auf jeden Fall die biblischen Menschenbilder, die unseren Glauben prägen. Der Mensch zwischen Gottes Ebenbild und Staub und Asche – zwischen Selbstvertrauen und Demut, zwischen Eigenverantwortung und gelebt werden. Dieses Spannungsfeld heißt es auszuhalten. Die Achtung vor dem Leben und das Verbot, das Leben vorzeitig zu beenden, führten auch zum Ausbau von Palliativ- und Schmerzmedizin, zur Finanzierung von Hospizen und zu Sterbebegleitung. Es steht uns nicht zu, aktiv Leben zu beenden, meint Nikolaus Schneider.

Somit enthält dieses Buch widersprüchliche Gedanken. Diese Gedanken sollen dem Leser zum Einordnen, Akzeptieren und Umgehen mit den Lebensfragen Sterben und Tod dienen. Nikolaus Schneider ist überzeugt, dass Gott mit uns durch das Sterben und den Tod hindurch geht. Wir können diesen letzten Weg im irdischen Leben zum Leben in Gottes Reich ganz seinem Geleit anvertrauen.

Dieses Buch beleuchtet die unterschiedlichen Seiten des assistierten Suizids aus verschiedenen Blickwinkeln. Letzten Endes bleibt die Frage: Vertraue ich Gott bis an mein Lebensende oder nehme ich das Ende meines Lebens selbst in die Hand, weil ich das Leben nicht mehr aushalte? Gibt mir Jesus so viel Kraft, auch in schweren und schwersten Zeiten durchzuhalten? Für mich, die Leid nie wirklich erlebt hat, ist die Frage einfach. Wirklich beantworten kann wahrscheinlich nur derjenige, der wirklich durch Leid hindurchgegangen ist oder mitten darin steht. Ansonsten bleibt die Antwort immer nur rein theoretisch und wir sollten uns davor hüten, Dogmen aufzustellen.

Von Brigitte Keune


Falls ihr selbst in einer verzweifelten Situation seid, sprecht mit Freunden und Familie darüber. Hilfe bietet auch die Telefonseelsorge.Sie ist rund um die Uhr anonym und kostenlos erreichbar: 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. Auch die Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

ZUSAMMENFASSUNG

Dieses Buch beleuchtet die unterschiedlichen Seiten des assistierten Suizids. Es regt zum Nachdenken an, hilft, mit Sterbenden und dem Thema Sterben besser umgehen zu können, und macht Mut, das Thema nicht zu tabuisieren.