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10 Gebote: Reihenfolge und innere Logik erklärt

Niemand kann den großen kulturellen Einfluss der Zehn Gebote bestreiten. Aber warum sind es eigentlich genau diese zehn? Und was hat es mit der Reihenfolge auf sich?

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Von Pascal Alius

Die Zehn Gebote sind neben der Goldenen Regel und der Bergpredigt einer der einflussreichsten Texte aus der Bibel. Sie haben ganze Kulturen geprägt. Lange Zeit war der Monumentalfilm „Die Zehn Gebote“ von Cecil B. DeMille mit 13 Millionen US-Dollar Produktionskosten einer der teuersten Spielfilme der Produktionsfirma Paramount.

Das Bibelwissen der Bevölkerung mag sinken, aber die Zehn Gebote sind jedem ein Begriff. Das heißt aber nicht, dass alle Gebote oder ihre Reihenfolge bekannt wären. Über die Nummerierung der Gebote sind sich selbst Juden und Christen uneinig. Auch die christlichen Konfessionen zählen unterschiedlich.

Egal, welche Nummerierung: Es bleiben zehn Gebote

Im Judentum zählt die Selbstvorstellung Gottes nicht als Gebot, sondern als Zusage Gottes. Trotzdem wird sie mit der Nummer eins versehen. Fremdgötterverbot und Bilderverbot zählen zusammen als ein Gebot.

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Bei den Anglikanern, Reformierten und vielen Freikirchen ist die Selbstvorstellung ebenfalls kein Teil der Gebote. Fremdgötterverbot und Bilderverbot zählen jeweils als ein Gebot. Orthodoxe und Adventisten nehmen die Selbstvorstellung Gottes und das Fremdgötterverbot für das erste Gebot zusammen.

Bei Katholiken und Lutheranern sind Selbstvorstellung, Fremdgötterverbot und Bilderverbot Teil des ersten Gebotes. Das Begehrensverbot, also Nummer zehn, wird bei ihnen aufgeteilt: Frau dann Haus und Güter in der katholischen Kirche, Haus dann Frau und Güter in der evangelischen.

Die folgende Aufzählung richtet sich nach der jüdischen Ordnung:

  1. Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat.
  2. Du sollst außer mir keine anderen Götter haben. Du sollst dir kein Götzenbild anfertigen.
  3. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.
  4. Denk an den Sabbat und heilige ihn. Sechs Tage in der Woche sollst du arbeiten und deinen alltäglichen Pflichten nachkommen, der siebte Tag aber ist ein Ruhetag für den Herrn, deinen Gott.
  5. Ehre deinen Vater und deine Mutter. Dann wirst du lange in dem Land leben, das der Herr, dein Gott, dir geben wird.
  6. Du sollst nicht töten.
  7. Du sollst nicht die Ehe brechen.
  8. Du sollst nicht stehlen.
  9. Du sollst keine falsche Aussage über einen deiner Mitmenschen machen.
  10. Du sollst den Besitz deines Nächsten nicht begehren: Weder sein Haus, seine Frau, seinen Sklaven, seine Sklavin, sein Rind, seinen Esel oder sonst etwas, das deinem Nächsten gehört.

Nach 2. Mose 20,1-17; Neues Leben Übersetzung

Warum zehn – und warum diese Reihenfolge?

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Gott gibt Mose zehn Gebote mit für das Volk Israel. Aber warum genau diese zehn? Der Alttestamentler Julius Steinberg geht in einem Artikel für die Zeitschrift Faszination Bibel dieser Frage nach. Er bricht mit der traditionellen Ordnung der Zehn Gebote und schlägt eine alternative Lesart vor: „von innen nach außen“. Dadurch werde die innere Logik der Gebote sichtbar, meint der Theologe.

Steinberg stellt die Gebote in Paaren zusammen. Das Versprechen, lange zu leben, und das Gebot, nicht zu töten, bilden dabei das erste Paar. Von diesem Mittelpunkt geht Steinberg Stück für Stück nach außen. Jedes Paar stehe für einen anderen Lebensbereich.

Quelle: Faszination Bibel

Gebote als Schutzzäune

Im Zentrum steht bei dieser Betrachtungsweise der einzelne Mensch. Die Gebote sollen als Schutzzäune dienen. „Sie schützen zuerst sein Leben, dann seine Familie, seine Arbeit, seinen gesellschaftlichen Ruf und münden in einen allgemeinen Aufruf zum Respekt.“

Die erste Hälfte des Gebotspaares bezieht sich laut Steinberg immer auf Gott – in einem Fall die Eltern. Die Gebote eins bis fünf (nach jüdischer Nummerierung) decken damit die vertikale Beziehungsebene ab. Die zweite Hälfte behandelt dagegen die Beziehung zum Mitmenschen, also die horizontale Beziehungsebene.

Die Verheißung, lange zu leben, trennt Steinberg vom Gebot, Vater und Mutter zu ehren. Dieses Versprechen gelte für alle Gebote, meint er, da es nach der eben erläuterten Sichtweise in der Mitte stehe.

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7 Kommentare

  1. Ihr weist darauf hin, dass Ihr Euch an der jüdischen Ordnung orientiert hat.

    Und etwas versteckt steht noch etwas sehr wichtiges: „Gott gibt Mose zehn Gebote mit für das Volk Israel.“

    Nach jüdischem Glauben gelten eben die 10 Gebote nur (!) für die Juden (übrigens als Teil der 613 Weisungen).

    Für Nichtjuden gelten nach jüdischem Glauben 7 Weisungen:
    1. Erkenne, dass es nur Einen Gott gibt, der unendlich ist und über allen Dingen steht
    2. Ehre den Schöpfer
    3. Morde nicht
    4. Ehre die Ehe
    5. Stehle nicht
    6. Ehre Gottes Geschöpfe
    7. Übe Gerechtigkeit
    Quelle: hagalil

    Die Deutung ist -wie vieles im Judentum- etwas komplexer und auch kontroverser (ich kenne das auch anders formuliert; die 6. Weisung kann man auch als Speisegesetz verstehen und die 1. Weisung kann auch so verstanden werden, dass Atheisten sie beachten könnten, nämlich als reines Verbot, falsche Götter anzubeten). Aber man sieht schon, dass es oft ähnlich der 10 Gebote ist, aber doch unterschiedlich von Anzahl und manchmal auch Inhalt.

    Wenn man dieses beachtet, versteht man als Christ auch manches besser. Z.B. die Apostelkonferenz mit ihren Beschlüssen. Denn diese 7 Weisungen waren damals wohl den meisten Juden und Christen geläufig.

    • Hallo Jörg,

      danke für die Erläuterung. Das wusste ich noch nicht.

      Liebe Grüße,
      Pascal vom JDE-Team

  2. Es gibt eine einfachere und logischere Reihenfolge und Einteilung der zehn Gebote in Paare.
    Ich habe darüber einmal einen Beitrag in meinem Blog geschrieben.
    Wen’s interessiert, einfach reinschauen in http://www.neues-testament.org und ins Suchfeld eingeben: Die zehn Gebote.
    Mit herzlichen Grüßen – viel Spaß beim Lesen!

  3. Wie passt denn das was Jesus in Matthäus 22 36-40 sagt zu dieser Aufteilung?

    36
    Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz?
    37
    Jesus aber sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«.
    38
    Dies ist das höchste und erste Gebot.
    39
    Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«
    40
    In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

    Ich finde diese „neue“ Aufteilung zu ich bezogen, dabei sollte doch Gott im Mittelpunkt stehen, siehe auch was Jesus sagt.

  4. Das Buch LEITPLANKEN (über Amazon zu beziehen) unterstützt diesen Artikel von Steinberg, und stellt die ZEHN GEBOTE realistisch in die aktuelle Zeit. Das kleine buch mit rund 180 Seiten ist absolut lesenswert.

    • Hallo Joachim, ich habe das vorgeschlagene Buch nicht gelesen und sehe auch kein Grund dies zu tun.
      Ich habe aber folgende Frage.

      In Matthäus 5 18 steht.

      Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht.

      Können wir mit dieser Aussage von Jesus dann einfach etwas von Gottes Wort anpassen, was uns nicht mehr zeitgemäß erscheint?

      • Gott ist Liebe

        Tobias muss ich insoweit recht geben, dass es sich um eine berechtigte Frage handelt. Denn beispielsweise die 10 Gebote werden noch nicht einmal formal außer Kraft gesetzt bevor ein Krieg durchgeführt wird. An die Bergpredigt hält sich dann auch kein Mensch mehr. Gottes Wort ist immer zeitgemäß und so wie Jesus es auslegt. Nämlich: Der ganze Glaube wird zusammengefasst, wenn wir Gott lieben und unseren Nächsten wie uns selbst. Wenn der Glaube aber diesen Zusammenhang völlig verliert, wenn die Liebe nicht mehr die maßgebliche Oberstimme ausfüllt, hat das wenig mit Gottes Wort zu tun. Richtig ist: Glaube, Hoffnung und Liebe, aber die Liebe ist die Größte unter ihnen. Weil nämlich Gott Liebe ist. Dann besteht das Gesetz nur aus dem Willen Gottes zur Liebe. Und dass Jesus für mich am Kreuz gestorben ist und ich freigesprochen bin von aller meiner Schuld und fehlenden Liebe. Welche Liebe kann größer sein als diejenige, die Jesus lebte. Umso mehr darf jede/jeder dafür dankbar sein. Eigentlich sind deshalb Christen die freiesten Menschen, weil unsere Seele befreit wurde von der Last der Vergangenheit.

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