Die Zahl der Wohnungslosen in öffentlichen Einrichtungen ist gestiegen. Das Problem hat nach Ansicht von Experten längst die Mitte der Gesellschaft erreicht.
Zum Stichtag 31. Januar waren in Deutschland nach den Meldungen von Kommunen und Einrichtungen 474.700 Menschen in Unterkünften untergebracht, weil sie keine Wohnung hatten. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte, erhöhte sich die gemeldete Zahl gegenüber dem Jahr zuvor um acht Prozent. Das sei vermutlich auf Verbesserungen der Datenmeldungen im vierten Jahr seit der Einführung der Statistik zurückzuführen.
Die Erhebung erfasst wohnungslose Menschen, die in der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar 2025 beispielsweise in überlassenem Wohnraum, Sammelunterkünften oder Einrichtungen für Wohnungslose untergebracht waren. Die geschätzt rund 50.000 Obdachlosen, die ohne jede Unterkunft auf der Straße leben, sowie Formen von verdeckter Wohnungslosigkeit – zum Beispiel das Übernachten bei Bekannten oder Angehörigen – werden nicht in der Statistik berücksichtigt.
Hoher Ausländeranteil
86 Prozent der untergebrachten wohnungslosen Menschen hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit. Schutzsuchende aus der Ukraine waren die größte Gruppe (29 Prozent). 41 Prozent der untergebrachten Wohnungslosen waren jünger als 25 Jahre. Etwas mehr als die Hälfte (56 Prozent) waren Männer. Der Deutsche Caritasverband verwies darauf, dass das Problem der Wohnungslosigkeit längst die Mitte der Gesellschaft erreicht habe. «Oft sind es Krisensituationen wie der Verlust des Partners oder der Partnerin, Verlust von Arbeit und Einkommen, Krankheit oder andere Lebenskrisen, die dazu führen, dass Menschen ihre bisherige Wohnung und damit ihr Zuhause verlieren», heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag.
Elke Ronneberger, Bundesvorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland, sagte, die Gesellschaft dürfe nicht hinnehmen, dass so viele Menschen über keine eigene Wohnung verfügen, darunter viele Familien mit Kindern. «Die eigene Wohnung ist zentral für ein sicheres und selbstbestimmtes Leben. Bund und Länder müssen dafür sorgen, dass wohnungslose Menschen wieder in eigenen Wohnraum kommen und nicht nur in Notunterkünfte», unterstrich Ronneberger.
Zwar sei es zu begrüßen, dass mehr Geld in den sozialen Wohnungsbau fließen solle. Doch nach Ansicht der Diakonie-Vorständin reicht es nicht aus, nur zu bauen. Es müsse sichergestellt werden, dass wohnungslose Menschen auch Zugang zu bezahlbarem Wohnraum erhalten. Ronneberger erläuterte: «Viele Betroffene scheitern auf dem angespannten Wohnungsmarkt an strukturellen Barrieren wie Schufa-Einträgen oder an Diskriminierung. Eine soziale Wohnungspolitik muss diesen Ausschlussmechanismen aktiv entgegenwirken.»

Heftige Zahlen und es dürfte in den nächsten Jahren leider keine Lösung des Problems geben.