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Minusgrade in der Ukraine: Hilfswerke warnen vor humanitärer Katastrophe

Am 24. Februar jährt sich der russische Angriff auf die Ukraine zum vierten Mal. Hilfswerke schlagen Alarm, denn der eisige Winter trifft die Menschen mit voller Härte.

„Hunderttausende Menschen [in der Ukraine] sind seit vielen Wochen bei Minusgraden ohne Strom, ohne Wasser oder ohne Heizung. Die Kälte wird in dieser Phase des Kriegs als Waffe eingesetzt, um die Menschen zu brechen“, erläutert Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. Mit diesem Vorgehen habe der Krieg eine neue Dimension erreicht, welche unverhältnismäßig viel Leid für die Zivilbevölkerung erzeuge – „und völkerrechtswidrig ist“, so Keßler. Infrastrukturelle Schäden setzen den Menschen im Winter umso härter zu. Noch dazu sei der diesjährige Winter in der Ukraine besonders kalt (bis minus 20 Grad) und lang.

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„Die Menschen sitzen zum Teil bei zwei bis fünf Grad in den Wohnungen“, sagte der DRK-Leiter für Internationale Zusammenarbeit Christof Johnen. Seit dem Sommer habe die russische Regierung gezielt Heizanlagen und Wasserwerke attackiert. Immer wieder wurden Defekte repariert, doch die Angriffe hörten nicht auf. Die irreparablen Schäden an Heizanlagen würden sich mehren, erklärte Johnen.

Sowohl die Diakonie Katastrophenhilfe als auch Brot für die Welt warnen vor schwerwiegenden Folgen für die ukrainische Bevölkerung. Neben der Lebensgefahr durch russische Angriffe drohten auch soziale Traumata. Die Diakonie Katastrophenhilfe hat deshalb neben ihren laufenden Projekten die „Winterhilfe“ gestartet. „Mit Gutscheinen können Familien Brennstoff, Reparaturmaterial oder Kleidung gegen die anhaltende Kälte kaufen“, erklärt Andrij Waskowycz, Büroleiter der Diakonie Katastrophenhilfe in Kyjiw. So konnten über 700 Familien in Kyjiw und Dnipro versorgt werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Spenden besser verteilen

Waskowycz betont außerdem die Relevanz einer gleichmäßigen Spendenverteilung: Während in den Frontregionen die meiste humanitäre Hilfe geleistet werde, mangele es 3,6 Millionen Menschen und damit dem Großteil der Geflüchteten in der Mitte des Landes an Schutz. „Die Suche nach Hilfe wird zu einem gefährlichen Pull-Faktor, wenn viele Vertriebene eine Rückkehr in frontnahe Gebiete in Betracht ziehen. Hilfe muss deshalb in der gesamten Ukraine geleistet werden, um das zu vermeiden“, warnt Waskowycz.

Doch nicht nur für die Ukrainer selbst ist der Krieg zermürbend, die helfenden Ehrenamtler teilen ihr Leid: „Wir bilden Freiwillige fort und stärken sie, um Erschöpfungssyndrome frühzeitig zu erkennen und Burnout vorzubeugen. Viele Helferinnen und Helfer haben ihre Belastungsgrenze längst erreicht.“ , sagt Vitaliy Mykhaylyk, der das Rehabilitationszentrum St. Paul in Odessa leitet. „Hunderttausende Soldaten wurden verletzt oder getötet. Das reißt tiefe Wunden in Familien und verstärkt gesellschaftliche Probleme.“

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Trotz allem gibt es Anlass zur Hoffnung: Der enorme Zusammenhalt innerhalb der ukrainischen Bevölkerung motiviert viele Helfer, weiterzumachen.

Schutz für Zivilbevölkerung und Helfende

Hermann Gröhe, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes erklärt, dass der Schwerpunkt der Hilfsleistungen im Gegensatz zum Kriegsbeginn zunehmend auf der dauerhaften Bereitstellung von Gesundheits- und sozialen Dienstleistungen sowie dem Ausbau des lokalen Katastrophenschutzsystems liege. Aktuell seien neben einem „umfassenden Winterhilfeprogramm mit Wärmestationen“ auch die Notfalleinsatzteams des Ukrainischen Roten Kreuzes in den akut betroffenen Städten im Einsatz.

In aller Deutlichkeit fordert Gröhe den Schutz der Zivilbevölkerung und der humanitären Helfer – aber auch den Zugang zu Kriegsgefangenen durch das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK). „In all diesen Punkten muss das humanitäre Völkerrecht konsequent gelten – überall und ohne Wenn und Aber”, so der DRK-Präsident.

Die Diakonie Katastrophenhilfe hat nach eigenen Angaben seit 2022 rund 79 Millionen Euro an Spenden für die Ukraine-Hilfe erhalten. Das verstärkte Engagement europäischer Länder reiche trotzdem nicht aus, um die durch den Rückzug der USA entstandene Lücke zu schließen.

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