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Umstrittener Kardinal Woelki bleibt im Amt

Papst Franziskus rügt den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki für Fehler bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, sein Amt darf er jedoch weiter ausüben – nach einer mehrmonatigen Auszeit.

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Die Bedenkzeit soll Mitte Oktober beginnen und bis Anfang März 2022 dauern, heißt es in einer Erklärung des Vatikans. Die Amtsgeschäfte übernimmt in der Zwischenzeit ein Apostolischer Administrator. „Der Heilige Vater zählt auf Kardinal Woelki, er anerkennt seine Treue zum Heiligen Stuhl und seine Sorge um die Einheit der Kirche“, heißt es weiter. „Gleichzeitig ist offenkundig, dass Erzbischof und Erzbistum einer Zeit des Innehaltens, der Erneuerung und Versöhnung bedürfen.“

In einer ersten Stellungnahme am Freitag räumte der Kardinal Fehler bei der Aufarbeitung und in der Kommunikation ein. „Das tut mir leid, das bedauere ich“, sagte er und betonte: „Dafür übernehme ich selbstverständlich die Verantwortung.“

Fehler bei Aufarbeitung des Missbrauchsskandals

Anlass der päpstlichen Prüfung war der Umgang der Bistumsleitung mit der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Ein im März veröffentlichtes Rechtsgutachten wies Woelki persönlich zwar keine Pflichtverletzungen nach, dennoch steht er seit Monaten in der Kritik – vor allem innerhalb seines Erzbistums. In der Herangehensweise an die Frage der Aufarbeitung insgesamt, vor allem auf der Ebene der Kommunikation, habe der Kardinal „große Fehler gemacht“. Das habe wesentlich zu einer Vertrauenskrise im Erzbistum beigetragen. Woelki selbst sagte in seiner heutigen Stellungnahme, es tue ihm „aufrichtig und von Herzen leid“, dass von sexualisierter Gewalt Betroffene wegen Fehlern bei der Aufarbeitung erneut retraumatisiert worden seien.

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Gutachtens baten die beiden Kölner Weihbischöfe Ansgar Puff und Dominikus Schwaderlapp den Papst um ihren Rücktritt. In beiden Fällen hat der Papst entschieden, sie im Amt zu belassen, wie aus der Erklärung hervorgeht.

Papst Franziskus hatte im Juni die Apostolischen Visitatoren, Kardinal Anders Arborelius und Bischof Johannes van den Hende, nach Köln geschickt, um den Umgang des Erzbistums mit Missbrauchsfällen zu untersuchen.

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Quelleepd

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3 KOMMENTARE

  1. In Anbetracht dessen, was Kommunikation im Zusammenhang mit Kirche, Gott und dem lebendigen Wort bedeutet, so denke ich, ist das Eingeständnis gravierender Fehler in derselbigen für einen Kardinal, das Armutszeugnis schlechthin, insbesondere für die Einheit der Kirche. Die geistige Dimension dieser Entscheidung zu erfassen und nun das Beste daraus zu machen, das obliegt der gesamten christlichen Gemeinschaft, die ja letztendlich davon betroffen ist, denn immerhin geht es hier um das Grundverständnis von Kirche und Dialog im Umgang mit dem lebendigen Wort.

  2. Kardinal Woelki bleibt im Amt ?

    Kardinal Woelki bleibt im Amt. Die allgemeine Empärung gegen den Kardinal ist auch seinem rätselhaften Verhalten geschuldet, das erste Gutachten durch ein zweites zu ersetzen. Entweder hat er die wahren Gründe hierfür nicht erwähnen wollen, oder er durfte sie nicht offiziell veröffentlichen. Alleine dass ein Gutachten angeblich fehlerhaft war/ist, erscheint mir wie eine leere Begriffshülle. Was bliebe auch sonst übrig als akzeptabler Grund? Roswitha Steffens stimmte ich da voll zu. So schlimm und fatal die Untaten früherer Priester auch waren, so muss man aber Woelki gegenüber so fair sein und nicht zwangsläufig den Schluss ziehen, der Kardinal habe zum Vertuschen bewusst beigetragen. Da will ich gerne auch Papst Franziskus in Schutz nehmen wenn er Rechtsstaatsprinzipien hier anwendet, dass Woelki bis zu einem klaren Beweis als unschuldig zu halten ist. Was bleibt: Die Katholische Kirche benötigt auch nach eigener Sichtweise eine Reform an Haupt und Gliedern, einen vorausgehenden Dialog, anschließend eine völlig andere reflektiertere Haltung zur Sexualität und viel mehr gelebte Nächstenliebe mit flacher Hierarchie. Das Kirchenvolk sind keine dummen Schafe, sondern Mitwirkende auch im Sinne „des Hörens auf die Glaubensgeschwister“. Dem synodalen Weg muss man daher Glück wünschen. Auch bei uns Evangelen gibt es Probleme, deshalb sollte niemand in einem Glashaus mit Steinen werfen. Jedenfalls die nachvollziehbare Empörung gegen den Jahrzehnte langen sexuellen Missbrauch fällt auf uns alle in der Ökumene zurück und wir alle sollten in eigener Zuständigkeit die Regeln von Achtsamkeit im Umgang vor allem mit den Schwachen und Kleinen auf den neuesten Stand halten. Der Heilige Geist weht nur da, wo man ihm keine Knüppel zwischen die Beine wirft. Barmherziger umzugehen mit unserer Menschlichkeit ist sicherlich auch Gottes Wille. Also Kirchenämter für Frauen, oder die Ehe- und Partnerlosigkeit für Priester zumindest zum
    Freiwilligkeitsprinzip zu erklären. Der gewöhnliche Mensch würde sich freuen, nach Scheidung und Neuheirat vom Abendmahl nicht mehr ausgesperrt zu werden.

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