Wer nicht in einer Beziehung lebt, sollte sich mehr in die Gemeinde einbringen. Klar – oder doch nicht?
Danielle Treweek ist Single und Christin. Als sie eines Tages in einem Cafe sitzt, überkommt sie das plötzliche Bedürfnis 1. Korinther 7,32-35 aufzuschlagen. Diese Stelle kennt sie schon sehr lange, doch wann immer sie diese gelesen hat, blieb sie mit offenen Fragen zurück. Erneut liest sie die Bibelstelle:
„Ich möchte, dass ihr in allem, was ihr tut, von den Sorgen dieses Lebens frei seid. Ein unverheirateter Mann kann seine Zeit ganz für die Sache des Herrn einsetzen und darüber nachdenken, wie er ihm Freude machen kann. Für einen verheirateten Mann ist das sehr viel schwerer. Er muss seine irdischen Verpflichtungen erfüllen und sich überlegen, wie er seiner Frau gefallen kann. Seine Aufmerksamkeit ist geteilt. Genauso kann eine Frau, die nicht mehr verheiratet ist oder nie verheiratet war, sich körperlich und geistig sehr viel stärker für den Herrn einsetzen als eine verheiratete Frau, die sich um ihre irdischen Verpflichtungen kümmern und darüber nachdenken muss, wie sie ihrem Mann gefallen kann. Ich sage das, um euch zu helfen, und nicht, um euch zu bedrängen. Ich möchte, dass ihr anständig lebt und zuverlässig dem Herrn dient, ohne euch ablenken zu lassen.“
Treweek fragt sich: Wenn das so ist, wieso hat sie dann nur selten erlebt, zu viel Freizeit zu haben? Tatsächlich hat sie eher das Gefühl, dass ihr Single-Dasein ihre Fähigkeit zu dienen mehr beeinträchtigt als fördert. Von außen bekommt sie jedoch immer wieder mit, wie Leute davon ausgehen, sie müsse die Arbeit tun, die ihre verheirateten Glaubensgeschwister nicht erledigen können, da sie zu sehr miteinander und mit ihrer Ehe beschäftigt sind. Das klingt widersprüchlich für sie. Wieso sollte Paulus es gutheißen, dass Verheiratete ihren Ehepartner (zumindest teilweise) über Gott stellen? Sollte nicht jeder Christ an erster Stelle Jesus dienen, ganz unabhängig vom Beziehungsstatus?
Der „Magic-Eye-Moment“
Treweek vergleicht ihre plötzliche Erkenntnis bezüglich dieser Bibelstelle mit einer Erfahrung aus ihrer Jugend: Früher hat sie sich zusammen mit ihren Freunden „Magic-Eye-Bilder“ angeschaut. Das sind Bilder, die oft aus einem sich wiederholenden Muster oder Fotodruck bestehen und erst bei längerem Hinschauen ein verborgenes Bild offenbaren. Sobald man dieses Bild einmal entdeckte, konnte man es nicht mehr ungesehen machen, beschreibt Treweek. Bei dieser Bibelstelle hatte sie ein ähnliches Erlebnis: Bisher habe sie immer gedacht, Paulus lade Singles doppelt so viel Arbeit auf, da sie es sich ja erlauben können Gott zu priorisieren. Allerdings erscheine diese Bibelstelle aus einem anderen Blickwinkel heraus viel logischer.
Das offenbare sich vor allem darin, dass Paulus hier das Wort „gefallen“ verwendet. In keiner anderen seiner Erklärungen über die ideale Ehe erwähne er die Notwendigkeit, seinen Ehepartner von sich überzeugen zu müssen und darauf hinzuarbeiten, ihm oder ihr zu gefallen. An anderer Stelle taucht das Wort jedoch auf – und zwar im Zusammenhang mit der Notwendigkeit „Gott zu gefallen“. Treweek wird deutlich: Die Stelle in 1. Korinther 7 warne aus ihrer Sicht Ehepartner davor, ihren Partner vor Gott zu stellen. Paulus fordere, dass Singles wie auch Menschen in Beziehung Gott in ungeteilter Hingabe dienen.
Manchmal reicht nur eine leichte Verschiebung der Perspektive, um die wahre Bedeutung hinter den Worten der Bibel zu erkennen, schreibt Treweek. So würden auch Singles und Verheiratete nicht mehr miteinander konkurrieren, sondern einander ergänzen.
Der vollständige Artikel von Danielle Treweek stammt von Christianity Today und kann hier gelesen werden (englisch).
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Ich hätte diese Bibelstelle auch gar nicht so verstanden wie die zitierte Protagonistin, also dass Paulus Unverheiratenen mehr Pflichten in der Gemeinde aufbürden wollte. – Aber Paulus wird ja „gerne“ mal missverstanden.
Der Geist ist willig, aber leider das Fleisch oft schwach
Natürlich ist der Antrieb Gott zu gefallen immer gut. Aber dies darf nicht so verstanden werden wie ein Vertrag auf Gegenseitigkeit. Denn die Liebe Gottes ist wie eigentlich auch unsere menschliche unvollkommene Liebe nicht dazu erschaffen, dass wir uns wie Lohnarbeiter/innen mit guten Taten unseren Platz im Himmel kaufen. Gut beschrieben wird die Liebe im 1. Korinther 13, denn ohne sie ist das Glaube wertlos und verliert seine Güte. Ich darf Gott dankbar sein und mich bemühen, meinen eigenen Werten und Normen anzunähern, aber ich werde niemals vollkommen sein. Selbst die Jünger Jesu, wie andere große Gestalten der Bibel, glänzten weder mit vollkommenem Leben noch mit einem solchen Glauben. Als ein Realist sehe ich mich so, wie es die Bibel gut beschreibt: „Der Geist ist willig, aber leider das Fleisch schwach“!. Ob Menschen ohne Partner mehr für die Mitmenschen und unsere Gemeinschaft leisten, ist eine ideelle Vorstellung, Denn auch verpaarte Menschen können sich sehr engagieren und die ohne Partner auch, oder eben auch nicht. Es gibt aktive Christen, fleißige Kirchengemeinden, aber auch immer Schlaf der Sicherheit, leider. Wir sind mit unserem von Gott geschenkten freien Willen ausgestattet, keinerlei ferngesteuerte Wesen des Himmels. Der Heilige Geist verleiht uns nur unsere Flügel, wenn wir uns ihm auch freiwillig zur Verfügung stellen. Aber auch hier gilt das Gleichnis der Arbeiter im Weinberg: Alle erhalten den gleichen Lohn und dies ist die unverdienbare Liebe und Güte Gottes. Ganz banal ausgedrückt: Unser Schöpfer ist keinerlei Buchhalter für gute und schlechte Taten, sondern er liebt jeden einzelnen Menschen völlig unverdient. Ich glaube sogar gültig für jene, die erst gar nicht im Weinberg sind. Denn träfe dies nicht zu, wäre es in der Ewigkeit sehr einsam, Jesu Erlösung wäre in homöopathischer Menge wirksam und die Welt ohne jegliche Hoffnung. Ein wiederkommender Jesus als sanfter Herrscher passt nicht zum göttlichen Leistungsprinzip, sondern nur zu vollkommener Liebe. So
ein gutes Beispiel ist die Begegnung des Saulus mit dem auferstandenen Christus vor Damaskus. Er wird Paulus durch unverdiente Gottesliebe.
So erging es auch dem Schächer am Kreuz und ich halte es auch für eine Hoffnung, dass Jesus auch die Schuld des Judas vergeben hat am Kreuz.
Denn Gottes Gedanken sind auch wie Gottes Wege immer höher als unsere. Sonst wäre Gott nicht Menschen geworden, um ganz unten zu sein.