Der Vorsitzende des Weltkirchenrats, Bedford-Strohm, hat in Bielefeld für mehr Empathie im Nahost-Konflikt geworben – und für einen Dialog, der das Leid auf beiden Seiten ernst nimmt.
Das Leid auf beiden Seiten anzuerkennen, sei der Schlüssel für die Öffnung von neuen Wegen, die am Ende zu einem gerechten Frieden führen könnten, sagte der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Donnerstagabend bei einem Vortrag in Bielefeld. Nötig sei ein «Niederreißen der Empathie-Abschottungsmauern».
Richtig verstandene Solidarität mit Israel bedeute, sich für einen gerechten Frieden im Nahen Osten einzusetzen, erklärte der Vorsitzende des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK). Nur so könnten die Menschen auf beiden Seiten in nachhaltiger Sicherheit leben. Alle Kräfte, die sich auf einen solchen Weg einließen, müssten gestärkt werden.
Plädoyer für einen Dialog
Bedford-Strohm plädierte für eine strategisch-kooperative Vernetzung von christlich-jüdischem und christlich-palästinensischem Dialog. Beide seien Ausdruck dafür, aus schrecklichem Leid heraus zu einer Kultur des Respekts vor dem Leben zu kommen und kompromisslos für die Würde jedes Menschen einzutreten. Dieses notwendige gemeinsame Engagement vertrage «keine Blasenbildung zwischen den Palästina-Unterstützern und den Israel-Freunden».
Es habe gute Gründe, dass sich Deutschland als Land in seiner Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg Israel und seiner Sicherheit besonders verpflichtet gefühlt habe, sagte der evangelische Theologe.
Ein Engagement für das Existenzrecht Israels sei allerdings nur dann glaubwürdig, wenn es von einem Engagement für die weltweite Geltung von Menschenrechten und für eine Achtung des internationalen Rechts begleitet werde.
Gewalt überwinden
Bedford-Strohm verteidigte die umstrittene Israel-Palästina-Erklärung des ÖRK. Er halte zwar den Begriff «Apartheid» nicht für hilfreich, räumte er ein. Es müsse jedoch möglich sein, auch in Deutschland «das himmelschreiende Unrecht» im Gaza-Streifen genauso deutlich anzusprechen wie die Kriegsverbrechen der islamistischen Hamas. Die Mitgliedskirchen des Weltkirchenrats setzten sich für die Überwindung von Gewalt ein.
Der Zentralausschuss des ÖRK hatte im Juni in einer Erklärung die Politik Israels gegenüber den Palästinensern verurteilt. Die «Realität der Apartheid» müsse beim Namen genannt und es müssten Sanktionen gegen Israel verhängt werden. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) distanzierte sich von dem Apartheid-Vorwurf.
Der ÖRK umfasst derzeit rund 350 Mitgliedskirchen mit weltweit mehr als 580 Millionen Christen. Die römisch-katholische Kirche ist nicht Mitglied, arbeitet aber mit dem Weltkirchenrat zusammen.

Bedford-Strohm bietet immer wieder reichlich Angriffsfläche und für mich der gegen die Eliten der großen Kirchen ein gewisses Misstrauen hegt ist das wieder mal eine Steilvorlage. Aber zum eigentlichen Thema.
„Wenn die Araber die Waffen niederlegen gibt es Frieden, legt Israel die Waffen nieder wird es ausgelöscht“ (frei nach Golda Meir)
Das war in den 70er Jahren Realität und gilt auch heute noch.
Diese Tatsache hat Bedford- Strohm leider nicht verstanden und weil er das nicht checkt, sind auch alle weiteren Schlussfolgerungen irreführend.
Sein Versuch, die Reaktion Israels auf den 7 Oktober auf eine Linie mit dem Massaker zu stellen ist allerdings beinahe boshaft, eine Täter/Opfer Umkehr par excellence ! Von der Verpflichtung Deutschlands gegenüber Israel spricht er in der Vergangenheitsform, so als ob das jetzt obsolet sein könnte. Und was ist eigentlich ein gerechter Friede? Das kleine Land Israel wurde seit seiner Gründung immer wieder in Kriege hineingezogen, die arabischen Nachbarstaaten versuchten mehrmals den Judenstaat zu vernichten. Ostjerusalem, Gaza und das Westjordanland sind so unter israelische Kontrolle gekommen. Fünf mal haben die Palästinenser seit 1948 die Angebote für einen eigenen Staat abgelehnt, obwohl Israel bis an die Schmerzgrenze gegangen ist. Was will man eigentlich, einen eigenen Staat oder Israel von der Landkarte verschwinden lassen?
Die völlige Ignoranz der geschichtlichen und heilsgeschichtichen Fakten durch Betford-Strohm bilden allerdings die Spitze der Orientierungslosigkeit. Hat er mal was von Abraham gehört, den zwölf Stämmen Israels, dem Königreich Davids und Salomos und wo ist eigentlich unser Herr Jesus geboren? Richtig, in der „Westbank“ nämlich in Bethlehem in Judäa. Dort lebten über viele Jahrhunderte immer Juden, selbst nach der Vertreibung durch die Römer. Die „Alija“, die Rückkehr der Juden ins Land der Väter ist nicht nur eine politische Fußnote des frühen 20. Jahrhunderts sondern sondern die Erfüllung einer göttlichen Vorhersage „Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der HERR, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der HERR lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat. sondern: »So wahr der HERR lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.« Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.“ ( der Prophet Jeremia, ca 600 vor Christus )
Selbst wenn man gegen alle Vernunft, die Zuverlässigkeit biblischer Vorhersagen ignoriert, niemand kann bestreiten, dass dieser Landstrich den wir neuerdings Palästina nennen jüdisches Stammland war und ist.
Jetzt habe ich für die Lösung des Konfliktes auch kein einfaches Rezept. Die „Zweistaatenlösung“ wird es vermutlich nicht sein. Israel würde friedliche Palästinenser sicher intergrieren können, für die Hardliner wäre es vielleicht besser zu ihren Stammverwandten in Jordanien, Syrien, Libanon, Ägypten auszureisen und von dort aus ihre Träume von einem „befreiten Palästina“ zu träumen !?
„…Selbst wenn man gegen alle Vernunft, die Zuverlässigkeit biblischer Vorhersagen ignoriert, niemand kann bestreiten, dass dieser Landstrich den wir neuerdings Palästina nennen jüdisches Stammland war und ist….“ –
„Gegen alle Vernunft“ – das ist hier nur eine Behauptung, die in sich selbst unvernünftig ist. Wenn die biblischen Grundlagen (die ja nur für Juden und Christen verbindlich sind) als konkrete politische Grundlage genommen werden sollen, könnten die Muslime wohl auch geografische Grundlagen aus ihren Schriften nehmen, die aber doch für uns irrelevant sind. Mit dieser Logik müsste man ja die ganze Weltgeschichte nochmal durchgehen. Von der Kolonialzeit will ich mal gar nicht erst anfangen. Noch weiter zurück: vor den Germanen waren die Kelten in großen Teilen der Bundesrepublik ansässig, also alle Deutschen dort raus, oder was? –Ideologien und Fanatismus sind nie fruchtbar sondern nur auf Zerstörung aus. Es führt kein Weg daran vorbei, die Lösung möglichst jenseits von Ideologien zu suchen, letztlich haben im Nahost im Lauf der Jahrzehnte die Fanatiker auf beiden Seiten den Frieden immer wieder torpediert.
Gerade die Hardliner auf beiden Seiten haben immer wieder Friedensansätze verhindert. – Damit kein Missverständnis entsteht: die islamistische Ideologie, die den Staat Israel nicht anerkennt sondern vernichten will, ist absolut abzulehnen. Diese Ideologie wurde und wird in vielen arabischen Staaten hochgehalten. Aber ich denke, man sollte überall auch unterscheiden zwischen der offiziellen Staatsdoktrin und den jeweiligen Bürgern, Menschen. Es gab ja im Lauf der Jahrzehnte trotz aller Gewalt auch eine Reihe von Ansätzen sowohl auf politischer Ebenen als auch auf der praktischen Zusammenarbeit der Menschen, Juden und Muslime. Fanatiker auf beiden Seiten haben immer wieder erreicht, das solche zarten Pflanzen zerstört wurden.
„…Sein Versuch, die Reaktion Israels auf den 7 Oktober auf eine Linie mit dem Massaker zu stellen ist allerdings beinahe boshaft, eine Täter/Opfer Umkehr…“ – Das Leid auf beiden Seiten ernst nehmen bedeutet doch nicht, es gegeneinander auszuspielen, sondern eben beides im Blick zu behalten, was Sie z.B. offensichtlich nicht machen, jedenfalls in diesem Text nicht. Natürlich sind die Hamas die Täter des Massakers an den Juden, die Hamas opfert aber auch genauso ihre eigene Bevölkerung, eben als Schutzschilde. Und da mindestens möchte ich doch differenzieren und Ihren Vorwurf Täter/Opfer- Umkehr differenzieren: die Bevölkerung, die Kinder zumal sehe ich doch eher als Opfer der Hamas, nicht gleicherweise als Täter wie die Hamas.
In der Annahme ich befinde mich hier auf einer christlichen Plattform, habe ich vorrausgesetzt, die Erwählung der Juden durch Gott selbst sei noch irgendwo , wenn auch etwas verschüttet, präsent. Aber um ehrlich zu sein, mich wundert hier schon lange nichts mehr. Die Juden nehmen tatsächlich eine Sonderstellung ein, ich weiß von keinem germanischen Stamm der Gebietsansprüche in Europa stellt und die Völker die zu Israels Frühzeit gelebt haben, sind im „Völkermeer“ aufgelöst. Im Koran wird „Palästina“ ja tatsächlich den Juden zugesprochen Sure 5 “ „O mein Volk (Israel) ! Betretet das Heilige Land, das Allah euch bestimmt hat“ . Doch ist der Koran mit der jüdisch/christlichen Bibel nicht vergleichbar ! Für mich, das Werk eines kriegslüsternen Mannes, der Engelstimmen gehört haben will.
Und lieber Seltsam, sie ignorieren die Fakten, die Palästinenser haben mehrmals die „Zweistaatenlösung“ abgelehnt. (bitte googeln).
Nehmen sie sich die Zeit und befassen sie sich gründlich mit der Geschichte Israels, der antiken und der Neueren und sie werden sehen, hoppla, da gibt es einen göttlichen roten Faden !
„…die Erwählung der Juden…“ – gerade intensiv gläubige Juden sagen aber auch, dieser aktuelle politische Staat ist nicht eins zu eins gleichzusetzen mit dem biblischen Begriff.
„…ist der Koran mit der jüdisch/christlichen Bibel nicht vergleichbar…“ ich habe die beiden nicht verglichen und nicht gleichgesetzt. Fakt ist, dass es schlichtweg für die jeweilige Religion nicht nachvollziehbar ist, die Gebietsansprüche aus den Schriften der anderen Religion zu legitimieren. Dieses Dilemma bleibt.
„…, sie ignorieren die Fakten…“ bevor Sie solche Behauptungen aufstellen, wäre hilfreich, genauer zu lesen. Ich schrieb:“… Gerade die Hardliner auf beiden Seiten haben immer wieder Friedensansätze verhindert….“ – weil ich ja eben um die ältere und neuere Geschichte weiß !! Fanatiker eben auf b e i d e n Seiten, z.b. wurde der Ministerpräsident Rabin von jüdischen Fanatikern ermorden gerade wegen seiner Friedensbemühungen.
Der rote Faden umfasst ganz sicher nicht jede unrechtmäßig gebaute Siedlung in den Westbanks.
Und zu den Kindern, die ebenfalls Opfer sind, haben Sie wieder keine Stellung genommen.
2 sehr gute posts hier von Dir. Inhaltlich stimmig und deutlich christlicher als manche Kriegsrechtfertigung, die leider hier auch zu lesen ist
Der Mann lässt einfach nicht locker …
Was ist falsch an dem Satz „…Das Leid auf beiden Seiten anzuerkennen…“ ?
Jeder Krieg ist auch eine (christliche) Sünde
Der Mann Bedford-Strohm lässt aus gutem Grund nicht locker: Er hat mit allem was hier kommentiert wird, vollkommen recht und man muss das Leid stets auf beiden Kriegsseiten sehen. Alles andere macht auch via Israel keinen Sinn. Hier hätten mehr und auch längere Kriege und Gewalt im Nahen Osten nur noch mehr Tod, Leid und Traumata, bis ins Unermessliche. Das Leid was jeder Krieg erzeugt, ist fast in jedem Krieg in brutalster Weise gleich. Getötet werden nicht nur Soldaten, sondern auch Zivilisten. Dass dabei gerade auch die Seelen von Menschen verletzt werden, fällt unter den Tisch. Dies ist umso mehr tragisch, da nie so viele Therapeuten vorhanden sein werden, die wir ausreichend auch für heutige Kriege nicht haben. Im übrigen heilen sehr schlimme Traumata oft lebenslang nicht. Dies hat kaum jemand nach dem Zweiten Weltkrieg wirklich verstanden.
Mir ist kein Krieg geläufig, der insgesamt die Welt an jenem Ort des Krieges auch nur ein wenig menschlicher gemacht hätte. Allerdings sind die Einzigen, die sich hierüber (eigentlich) freuen müssten diejenigen, die mit Tötungsinstrumenten das ganz große Geld scheffeln. Aber leider gibt es da auch kein Patentrezept dafür, wie damalige Henker und heutige Waffenproduzenten ihr Gewissen auf Stumm schalten. Von Soldaten ist bis in die Neuzeit bekannt, daß nachweislich die meisten unter ihnen über die Köpfe geschossen haben, wenn es ging. Drohnen funktionieren anders. In den 1970er Jahren wurde ich vorallem wegen der (auch heute noch bestehenden) Irrlehre der atomaren Abschreckung ein Wehrdienstverweigerer.
Heute sind sich die Theologie/n und Kirche/n hier auch in ihrem Verständnis des Neuen Testamentes, ausgelegt an Jesus Christus einig, daß nichts unkompatibler ist mit dem christlichen Glauben wie jede Form von Gewalt. Krieg ist immer Sünde. Und da sich hier weder das Wesen noch die Meinung Gottes seit Anbeginn der Schöpfung änderten, müssen wir die Bibel nur am Neuen Testament auslegen. Kriege die angeblich Gott selbst in der Antike führte, sind wie so manches, mindestens (gut gemeinte?) Meinung der Textredakteure im Altertum, wenn nicht in besonderen Fällen auch sehr deftigste religiöse Propaganda. Dies ist aber verständlich, weil Glaube immer nur Menschen überliefern und andere Zeiten waren leider stets die anderen Zeiten. Wir sehen heute in anderer Perspektive auf Gott, nicht nur weil wir heute nur sozialer empfinden und vielleicht reifer sind. Sondern Nächsten- und Feindesliebe nicht kompatibel sind. Wir müssen eigentlich fast allen Kirchen dankbar sein, daß sie auch in der Summe derer, die so Glauben exemplarisch leben, den Krieg meist nie als Mittel der Politik ansehen. Aber wie alle haben wir nur das Reden und Schreiben.
Mir leuchtet aber ein, daß man dann aber schlichtweg trotzdem derzeit keine völlige Gewaltlosigkeit predigen kann, weil dann eine Notwehr weder zwischen Staaten noch Einzelpersonen ein sehr großes logisches Problem erzeugen würde. Allerdings brauchen wir aber gültige globale Justiz, die auch bei Kriegsverbrechen und ähnlichem weltweit funktioniert. Nur so wäre es menschheitsgeschichtlich mit Gottes Hilfe gut möglich, den Krieg zu ächten. Soldaten sind Polizisten mit starkem UN-Mandat. Dem Heiligen Geist wäre hinderlich, wenn wir ihm Knüppel zwischen die Beine werfen