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„Kirche und evangelikale Bewegung brauchen einander“

Mehr Pragmatismus und weniger Ideologie wünscht sich Missions-Experte Dr. Erhard Berneburg (EKD) im Verhältnis zwischen Amtskirche und evangelikaler Bewegung. Evangelikale seien weder „Exoten“, noch Rechtspopulisten.

Von Rüdiger Jope

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Wer oder was sind die Evangelikalen? Welches Bibelverständnis findet sich bei ihnen? Welchen Platz haben sie in den Landeskirchen? Was zeichnet ihre Attraktivität aus? Wo müssen die Landeskirchen ihnen mehr Raum einräumen? Diesen und anderen Fragen widmete sich die Tagung „Evangelikale Bewegung(en): Geschichte, Theologie(en), Potenziale, Grenzen“ am Wochenende in der Evangelischen Akademie Loccum.

„Keine Feindbilder pflegen“

60 Frauen und Männer trafen sich zu einem dialogischen Forum, um Antworten darauf zu finden und „miteinander statt übereinander zu reden“. Dr. Erhard Berneburg, ehemaliger Direktor der Arbeitsstelle midi und Oberkirchenrat für Missionarische Themen im Kirchenamt der EKD, machte in seinem Vortrag „Evangelikale und Volkskirche“ deutlich: „Es ist eine Schwäche beider Seiten, dass sie häufig nicht erkennen, wie fruchtbar und nötig es ist, die Gemeinsamkeit zu bewahren, anstatt Feindbilder zu pflegen.“

Berneburg plädierte im Umgang miteinander für „mehr Pragmatismus und weniger Ideologie“. Er hob hervor, dass das Verhältnis von Evangelikalen und Volkskirche nicht nur ein Thema der Unterscheidung und Abgrenzung, „sondern zugleich eine Aufgabe für eine innerprotestantische Ökumene sei“. In diesem Zusammenhang räumte er auch den Vorwurf ab, dass evangelikale Christen per se empfänglicher für rechtspopulistische Positionen empfänglich sein. Im Gegenteil: „Die offiziellen Vertreter evangelikaler Verbände haben sich eindeutig von populistischen neurechten Bewegungen distanziert“, so der Oberkirchenrat, um am Ende zu resümieren: „Evangelikale sind keine Exoten. Kirche und evangelikale Bewegung gehören zusammen, brauchen einander.“

Steffen Kern: „Pietismus statt Populismus“

Pfarrer Steffen Kern, Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbands, unterstrich in seinem Referat „Hören. Hoffen. Handeln – Warum eine Kirche freie Werke braucht“ gleich zu Beginn, dass Gnadau „für den Pietismus statt für Populismus“ stehe. Er grenzte seinen Verband klar vom Fundamentalismus ab, denn „dieser versuche aus Gewissheit, Sicherheit zu machen. Er versuche festzuhalten, verkenne aber damit das Prinzip von Schöpfung und Neuschöpfung.“

Anhand der Geschichte des Pietismus bilanzierte Kern: Dort, wo der Weg des Fundamentalismus eingeschlagen wird, „verkommt die Weggemeinschaft zur Winkelgemeinschaft.“ Einerseits kehrte er den Wert der Bibelfrömmigkeit hervor, machte aber auch deutlich, dass die Bibel nicht zu einem vierten Genossen der Trinität gemacht werden dürfe. Kern forderte die Kirche und die Evangelikalen gleichermaßen auf, wieder das Unverfügbare in den Blick zu bekommen, die Sendung Gottes in diese Welt zu leben. Er schloss mit dem Credo: „Wenn wir nicht mehr hoffen, erstarrt unser Handeln. Eine Kirche braucht freie Werke und geistliche Bewegungen, die sie an die Lebendigkeit Gottes erinnert, um innerlich erneuert und gesellschaftlich neu relevant zu werden.“

Pfarrerin Dr. Andrea Völkner

„Kirche muss sich nach den Menschen richten!“

Im Gothic-Style trat sie ans Rednerpult: Dr. Andrea Völkner, Pfarrerin der Berliner Stadtmission. Ihr überzeugendes und vorgelebtes Credo lautete „Kirche muss sich nach den Menschen richten.“ Eindrücklich und lebendig zeichnete sie im Referat „Das Kreuz mit der Pietistenzwiebel – von konservativen Wurzeln und Fresh X Potenzial“ ihren bunten Lebensweg als Christin nach. „Lasst uns mit dem Hören auf Gott und die Menschen beginnen, Gemeinschaft wagen, Glauben leben und dann Gemeinde bauen“, forderte sie Evangelikale und Kirche gemeinsam auf, ins Handeln zu kommen. Anhand des FreshX-Ansatzes und des von ihr initiierten und verantworteten Projektes Familien- und Gemeindezentrums Weit.Blick im Berliner Stadtteil Lichtenberg machte sie deutlich, „dass Christen sich nicht genug sein dürfen“, sondern wir eine „neue Sehnsucht nach den Menschen brauchen.“ Dazu müssen „Glauben und Leben in unseren Gemeinden wieder neu zusammenkommen,“ so die Theologin.

Rüdiger Jope ist Redaktionsleiter des Kirchenmagazins 3E

Link: Kloster Loccum

17 Kommentare

  1. M.E. macht es wenig Sinn, ueber Gruppen-Zugehoerigkeiten (WIR und DIE) zu philosophieren.

    Menschen haben versch. Interessen.

    Deshalb sollte lieber ueber die versch. Interessen geredet werden. Nicht ueber Gruppenzugehoerigkeiten.
    Also nicht Moral oder Abgrenzung in den Vordergrund stellen, sondern Interessen.

    Gemeinsame Interessen koennten sein:
    – Wie folge ich Jesus (besser) nach?
    – Wie sieht meine Jesus-Beziehung aus, was staerkt sie, was daempft?
    – Welche Gemeinsam-Glauben-Konzepte sprechen mich an?

    Politische Interessen waeren zB:
    – Wie gestalten wir Zuwanderung?
    – Wie sieht eine sichere, bestaendige, bezahlbare, konkurenzfaehige Energieversorgung aus?
    – Wie gestalten wir innere und aeussere Sicherheit (welche Beduerfnisse)?
    – Wie gestalten wir Mobilitaet (mit oder ohne Verbrenner) und Heizung (Anreize oder Verbote)?
    – Wie kommen wir zu mehr Basis-Demokratie (statt abgehobene Parteien-Demokratie von Eliten)?

    Also nicht ueber Gruppenzugehoerigkeiten reden (Worthuelsen: Populismus, Rechts, Links, Glaeubig, etc) sondern ueber konkrete Interessen (was will ich, was willst Du, was wollen wir als Ehepaar/Familie/Gemeinde/Bundesland/Bundesstaat).

    So vielleicht?

    LG Joerg

  2. Das lässt mich jetzt leicht ratlos zurück ! Wie man weiß, bildet die evangelikale Bewegung keine homogene Einheit, sondern ein zerstückeltes frommes Etwas, da gibt es ein prosperierendes liberales Lager, ein bibeltreues und dann wäre da noch die bunte Truppe der Pfingstler und Charismatiker.
    Ein wenig Halt bietet vielleicht noch die evangelische Allianz, mit formulierten Grundsätzen, doch der „Kulturkampf“ scheint auch hier entfesselt, nichts ist und bleibt wie es war !
    Auf der anderen Seite die EKD,  beängstigend „vielfältig“, fest in der Hand von links angehauchten Öko-Protestanten und einer überschwänglichen Liebe zu verschiedenen gesellschaftlichen Randgruppen und den dazugehörigen Aktivisten. Das alles bei reichlich wenig Anbindung an die ehemals verehrten Reformatoren. 
    Bei dieser Gemengelage befürchte ich überschaubare Schnittmengen und wenig messbare Ergebnisse, von wohlwollenden  gegenseitigen Sympathiebekundungen mal abgesehen.
    Und um ehrlich zu sein, es ist zwar richtig nett vom Oberkirchenrat und sehr inklusiv wenn er uns Evangelikale nicht als Exoten abtut, aber gehören wir wirklich dazu? Oder so: wollen wir denn dazugehören ?
    Noch eine Frage nachgeschoben, man verzeihe mir meine Unwissenheit: was ist eigentlich „das Prinzip von Schöpfung und Neuschöpfung.“ ?

    • Einheit in der Vielfalt

      Lieber Stammtischbruder, schade dass du dies so einschätzt. Buntheit betrachte ich als Einheit in Vielfalt. Es wäre schon sehr seltsam, wenn überall die Menschen unterschiedliche Meinungen haben und dies geradezu wegen der Demokratie auch so sein muss und entsprechend einer Freiheit des Denkens, wenn ausgerechnet beim Glauben alle einheitlich ticken wie bein kommunistisches Zentralkommitee. Ich halte eine sehr bunte evangelische Kirche und die Buntheit von Kirchen- und Katholikentagen für ein Zeichen sozialen Fortschrittes. Gott besitzt ein buntes Biotop, denn Vielfältigkeit bedeutet auch Leben und dass man dann Rom beispielsweise auch über Hamburg erreichen kann. Selbst die Bäume im Wald sind unterschiedlich und ausserdem sind Denkunterschiede ein Garant für Stabilität und Monokulturen können nie besser überleben. Meine alte Lehrerin hatte vor Jahrzehnten schon deutlich eingesehen, dass jede Christin und jeder Christ auch seine ganz individuelle Gottesvorstellung hat – nicht eine grundsätzliche Diskrepanz – aber im Detail eben doch individuell. Selbst Petrus und Paulus tickten unterschiedlich und veranstalteten daher das erste Apostelkonzil. Daher gibt es viele Kirchen, die Ökumene und Gott lässt sogar zu, dass es unterschiedliche Religionen gibt. Im Iran, Nordkorea und bei Donald Trump sollen ja alle einheitlich ticken und alle die nicht im Gleichschritt denken wie diese, sind daher sehr böse.

      Übrigens: Vermutlich wird hier Neuschöpfung als das Vorgehen Gottes angenommen, dass am Ende ein Neuer Himmel und eine Neue Erde steht. Damit ist sehr ernsthaft gemeint, dass im Himmel alles anders sein wird und gewissermaßen ein Neues Universum entsteht, möglicherweise von Ewigkeit zu Ewigkeit und daher zeitlos. Die Schöpfung wird aber auch in alter Form als gut angesehen, auch wenn es im Himmel kein Fressen und kein Gefressenwerden mehr geben kann, weil die Erlösung aller Kreatur stattfinden. Letztlich ist unser Glaube keinen Anspruch, in irgendeiner Zeit die Naturwissenschaft und den Kosmos – schon gar nicht perfekt – zu erklären. Das fängt beim (menschlichen) Begriff des Sündenfalles an, der beim Prinzip einer Neuschöpfung voraussetzt, dass die alte Schöpfung gebrochen ist und durch den Sündenfall auseinander geriet. Dann müsste es sich um ein kosmisches Geschehen handeln. Dass wir nicht in einer heilen Welt leben, sehen wir jeden Tag.

      • Lieber Bernd Hehner, ist die Kirche wirklich bunt? Das würde bedeuten, dass es in ihr wirklich profiliert verschiedene Farben geben darf, die nebeneinander und miteinander existieren. Das erlebe ich nicht so. Es wird wohl postuliert und proklamiert, aber wehe, wenn es ernst wird. Farben haben gerade in ihrer Abgegrenztheit und Unterscheidbarkeit das Momentum des Bunten in sich. Mir scheint eher, dass ein „bunt“ proklamiert wird, aber letztlich „grau“ gelebt wird.

    • naja, ob eine Landeskirche links oder konservativ angehaucht ist, hängt sehr von der jeweiligen Landeskirche ab. Das alle links sind, wage ich zu bezweifeln, einige haben einen sehr konservativen Ruf.

      > und einer überschwänglichen Liebe zu verschiedenen gesellschaftlichen Randgruppen

      Wenn Du mal wieder in den Evangelien liest, wirst Du feststellen, dass Jesus genau die gleiche überschwängliche Liebe zu verschiedenen Randgruppen hatte.

      Da solltest Du eher Du Dich fragen, warum Du sie offensichtlich nicht hast und sogar kritisch siehst.

      • Es war mir sehr wohl bewusst, dass dieser Einwand kommt, Jesus der sich mit Prostituierten, Zöllnern und einfachen Leuten umgibt und uns damit ein Beispiel ist. Tatsächlich hat er das getan, aber hat er mit den Huren, Ehebrecher/innen und Zöllnern einen Umzug durch Jerusalem gemacht? So eine Art Pride-Day auf Hebräisch?
        Sicher nicht! Den Sünder annehmen ist die eine Seite, aber es mündet in die Aussage „sündige hinfort nicht mehr“.
        Die Kernbotschaft des Evangeliums ist “ tut Buße , denn das Himmelreich ist nahe gekommen “ !
        Man könnte sagen ohne Buße kein Himmelreich, Umkehr von den „eigenen Wegen“ hat schon seit jeher zur göttlichen Message gehört, bei Noah angefangen über Jona zu Johannes dem Täufer, Jesus selbst, dann die Apostel und heute die Evangelikalen !
        Geht ein Mensch darauf ein entfaltet sich die „gute Nachricht“ in der Tiefe !
        Und keine Sorge, die Bibel gehört zu meiner täglichen Lektüre, aber Danke für den Hinweis !

        • Ganz so war es laut Bibel nicht.

          Er ging nicht nur zu Prostituierten oder Ehebrechern.

          Du nanntest schon die Zöllner. Ein Zöllner übt ja keinen sündigen Beruf aus, aber sie waren etwas verrufen. Ein Samariter gehörte einer kleinen nicht beliebten Minderheit an, aber sündig war er nicht durch diese Zugehörigkeit, usw.

          Das meinte ich mit Randgruppen. Migranten sind z.B. heute nicht dadurch Sünder, dass sie Migranten sind.

          Du scheinst Randgruppen mit schlimmen Sündern gleich zu setzen. Warum eigentlich?

          > Und keine Sorge, die Bibel gehört zu meiner täglichen Lektüre,

          Es gibt lesen und es gibt lesen.

    • Stammtischbruder

      Du nennst Dich Stammtischbruder, was auf einen aufgeschlossenen Bruder in Christus vermuten läßt. Doch Deine Äußerungen machen mich wütend und traurig, da Du per se alle von dem Artikel angeschriebenen Gruppierungen negativ darstellst und eine Stimmung von Negativismus und Pessimismus verbreitest, was den vielen gesegneten und ehrlichen Nachfolgern Jesu in den verschiedenen Gruppierungen in keinster Weise gerecht wird. In einer Art von Narzismuss stellst Du Dich und Deinen Meinung/Nachfolge etc. als abgehoben und superlativ dar, während Du die ehrlichen Bemühungen um Dialog die im Artikel beschrieben werden, diffamierst.
      Ich bin wütend und traurig über Deine Einstellung und würde mich freuen wenn Du Deine Haltung mal prüfen würdest. Mit dieser Haltung bist Du dem Reich Gottes nur hinderlich und Teil des Problems, nicht der Lösung.

      • Lieber Fabian, sollte ich mich unklar ausgedrückt haben? Die Absicht war nicht“ alle Gruppierungen negativ darzustellen,“ meine Kritik geht aber in Richtung EKD, da stehe ich auch dazu. Natürlich gibt es in der evangelischen Kirche liebe und treue Gotteskinder, die „Organisation“ die sich Kirche nennt und unter deren Dach sich alles tummelt was laufen kann, darf man aber doch hinterfragen? Oder breche ich damit ein Tabu? Ich hab auch nix gegen einen Dialog, zweifle aber in diesem Fall an der Sinnhaftigkeit.
        Deiner Distanz-Anamnese will ich mich nicht gänzlich verschließen, etwas ist ja meistens dran an einer Kritik. aber findest du nicht, du bist über das Ziel hinausgeschossen? Du bezeichnest mich als Narzisten und „dem Reich Gottes hinderlich“. Das ist starker Tobak, kann es sein, du praktizierst, was du mir vorwirfst? Wir sollten uns auch bewusst machen, wir schreiben hier Kommentare und keine ausführlichen „Abhandlungen“. Da bringt man mal etwas verkürzt und vielleicht unausgewogen zu Papier, aber ich finde das belebt die Diskussion. Ich rechne mich ja selber den Evangelikalen zu, und hier dem eher traditionellem Spektrum, auch dazu stehe ich ! Also nichts für ungut, „Wut und Traurigkeit “ wollte ich nicht auslösen !

        • Stammtischbruder

          Vielen Dank für Deinen Kommentar. Es mag sein, dass ich da ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen bin. Du stellst mir also aber auch gleich die Gegenfrage, ob ich diese Vorwürfe praktiziere… Dazu kann ich nur sagen, ich hoffe nicht, bzw. ich hoffe dass der heilige Geist mich darauf hinweist, falls solche Dinge in meinem Herzen sind, und ich kann mir vorstellen, dass soetwas tatsächlich auch in meinem Herzen stattfinden kann und sicherlich auch schon stattgefunden hat…ich hatte halt bei Deinem Artikel den Eindruck, dass Du alle von Dir angesprochenen Gruppierungen verurteilst und das hat mich wohl gestört. Ich wünsche Dir auf jeden Fall weiterhin auf Deinem Weg der Nachfolge viel Segen und das Erleben der spürbaren Liebe und Nähe Gottes für Dich.

  3. Die Letzten werden die Ersten sein

    Eine gute Tagung. Auch wenn die Referate hier nicht nachlesbar sind, so spiegelt doch das Ergebnis dieser Tage wieder, das sich Evangelikale und Nichtevangelikale nicht wie Gegensätze gegenüberstehen. Ich selbst bin ein 74Jähriger, der mehr als 50 Jahre nicht nur meine Kirchengemeinde, davon 38Jahre als Kirchenvorsteher erlebte, sondern auch andere Gemeinden im Dekanat und auch in der Landeskirche. Es ist schon per se keine Gemeinde wie jede andere. Es gibt Gemeinden die – dem Liedvers folgend – den Schlaf der Gerechtigkeit pflegen, und manchmal so etwas wie die milde Form einer geistlicher Depression erleben: In Anbetracht vielfältiger aber unergiebiger Bemühungen, den Traditionsabbruch irgendwie zu einzudämmen. Andere arbeiten bis an die Grenzen der Kraft ihren großen Verwaltungsaufwand ab – früher waren dies vielfach jene Gemeinden, die mehrfach Träger von Kindertagesstätten oder auch Sozialstationen waren (oder noch sind). Andere sie überaus fleißig. Es gibt oft Gottesdienste, denen an normalen Sonntagen nur noch ein Dutzend alte Rentner folgen. Andere haben immer noch gutbesuchte gottesdienstliche Feiern. Ich lasse mich nicht in Schuladen wie evangelikal, liberal oder charismatisch (einfacher ist noch liberal und traditionell fromm) einordnen. Ich bin nur ein Christ. ich bin vollkommen und ich bin zugleich Sünder. Ich bin gerettet, habe aber wie alle Menschen einen Abgrund, in den ich hineinfallen kann. Es gibt daher keine superfrommen Menschen, denn nach diesen Maßstäben würde Paulus genauso durchfallen wie Petrus. Wir sollten also alle ehrlich sein, jeden Tag aus der Vergebung leben und genauso barmherzig wie Gott mit uns umgeht, auch mit anderen Menschen. Und es gibt neben Gemeinden, die den Schlaf der Gerechtigkeit pflegen auch solche, die superfleißig sind und mit phantastischen Pfarrerinnen und Pfarrern. Aber niemand ist immer perfekt, auch nicht immer der Beste. Da ist tröstlich, daß nach der himmlischen Laufordnung im Marathon der wirklicher Gerechtigkeit der jenige siegt und als Erster gefeiert wird, der zuletzt ankommt.Denn auf den (oder die) freut sich der Himmel am meisten: Die Ersten werden die Letzten sein + die Letzten die Ersten. Und wenn Gott auch die völlig Unreligiösen, wie das unauffällige Lieschen Müller, am Ende des Lebens liebevoll in seine Arme nimmt, werden wir wohl hoffentlich ihr dies nicht missgönnen. Ob wir es verdient haben, steht auch nicht fest.

  4. Der ganze Abgrenzungsabsolutismus ist das Ergebnis vergangener Schlachten und keine Basis für das Gespräch mit heutigen Bibelfernen. Ganz zu schweigen von den kommenden Herausforderungen für alle Arten von Kirche.

  5. Gibt es denn die Referate zum Nachlesen? Man will sich ja ungern auf die wenigen Sätze beschränken, um einen zutreffenden Eindruck der Botschaften zu gewinnen.

      • Wir planen als Veranstalter eine Tagungsdokumentation aber es wird noch ein bisschen dauern, bis diese fertig sein wird. Die Tagung war eine Kooperation der Akademie Loccum, des Pastoralkollegs Niedersachsen und des Hauses kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

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