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Kommentar

Arabische Staaten sagen Nein zur Hamas – Europas Haltung bleibt widersprüchlich

Während arabische Führer die Hamas als Hindernis für Frieden benennen, schweigt Europas Diplomatie. Warum? Ein Kommentar von Thomas Schirrmacher.

Von Thomas Schirrmacher

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Viele europäische Staaten, angeführt von Frankreich und Großbritannien, sprechen sich derzeit für die Anerkennung eines palästinensischen Staates aus, ohne konkrete Forderungen an die Hamas oder die palästinensischen Behörden zu stellen und ohne die Geiseln zu er­wähnen. Darüber hinaus präsentieren sie eine lange Liste von Dingen, die sie von Israel erwarten. Unterdessen ha­ben sich die arabischen Staaten kürz­lich getroffen und in einem offiziellen Dokument gefordert, dass die Hamas ihre Waffen an die palästinensischen Behörden und eine gemeinsame inter­nationale Beobachtergruppe übergibt und alle Geiseln freilässt. Die Welt steht Kopf.

Kein funktionierender Staat mit der Hamas

Die arabischen Staaten unterstützen die Paläs­tinenser natürlich. Aber sie wissen, dass Terroristen niemals einen funktionierenden Staat aufbauen oder dafür sorgen können, dass niemand hungert. Sie wissen, dass die Hamas eine Bedrohung für jeden Staat darstellt – nicht nur für Israel, sondern auch für die arabischen Staaten. Sie wissen, dass ein Zwei-Staaten-Abkommen nur zwischen zwei funktio­nierenden, ratio­nalen Re­gierungen erreicht wer­den kann, nicht durch Fantasien über eine Welt, die es wahrscheinlich nie geben wird.

Die europäischen Staaten sollten auf die arabischen Führer hören und sich ihnen solidarisch anschließen, indem sie dieselben Forderungen an die Hamas stellen: ihre Selbstentwaffnung und die Freilassung der Geiseln als Bedingungen für die palästinensische Seite eines jeden Vertrags oder einer staatlichen Anerkennung. Es muss auch ein klareres Verständnis dafür geschaffen werden, was auf palästinensischer Seite in Bezug auf die humanitären Fragen geschieht. Der politische Einfluss muss ausgewogen sein.

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Die Lage in Gaza

Es ist zwar verständlich, Israel unter Druck zu setzen, die Menschen in Gaza zu versorgen, aber dies sollte nicht geschehen, ohne gleichzeitig von der Hamas zu verlangen, dass sie keine Hilfsgüter für sich selbst stiehlt oder an Menschen verkauft (denen die Lebensmittel kostenlos gegeben wurden), um Waffen zu kaufen, mit denen der Konflikt fortgesetzt wird.

Genau das geschieht derzeit. Die deutsche Armee (mit Hilfe Jordaniens) wirft Lebensmittel und andere Hilfsgüter aus der Luft ab, nur um dann anhand von bestätigten Beweisen vor Ort festzustellen, dass 50 bis 100 Prozent davon in die Hände der Hamas gelangen und nicht zur Ernährung der hungernden Menschen verwendet werden.

Warum respektieren europäische Staaten wie Frankreich zusammen mit dem Vereinigten Königreich die Perspektive der arabischen Staaten nicht genug, um ihrem Beispiel zu folgen und zu versuchen zu verstehen, warum die arabischen Staatsführer sich konsequent weigern, mit Terroristen zusammenzuarbeiten, die von unrealistischen Ideologien getrieben sind? Warum erkennen die europäischen Staaten, obwohl sie einen palästinensischen Staat befürworten, nicht an, dass die Hamas nicht in der Lage ist, diesen Traum zu verwirklichen?

Es braucht Gerechtigkeit

Um des palästinensischen Volkes willen sollten wir nicht die Augen vor der Ungerechtigkeit auf der Seite eines Konflikts verschließen, den wir lieber unterstützen. In diesem Konflikt ist viel Gerechtigkeit erforderlich, aber sie muss damit beginnen, dass man denen zuhört, die näher an der Situation sind, den Nachbarn, die den historisch-kulturellen Kontext weit besser kennen als jede andere weit entfernte politische Macht.

Schließlich können wir helfen. Wir können beten, dass die größte Kraft für den Frieden, die bleibende Hoffnung für diesen Teil der Welt, auf wundersame Weise eingreifen möge: „Jesus, der du aus diesem Land stammst und Herr über alle bist, zeige deine Barmherzigkeit und gieße deine Gnade über Palästina und Israel aus. Amen.“

Quellen: Christian Daily, Bonner Querschnitte

Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher ist ein deutscher Theologe, Religionssoziologe. Von 2021 bis 2024 war er Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz.


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2 Kommentare

  1. Frieden wird erst sein, wenn der Messias wiederkommt

    Thomas Schirrmacher hat vollkommen recht, andererseits auch wiederum nicht“! Denn jeder der es wissen kann, wird dann hier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit richtig liegen, daß die Hamas ihre Waffen an die palästinensischen Behörden und eine gemeinsame inter­nationale Beobachtergruppe erst am St. Nimmerleinstag übergibt (und man darf höchstens die Hoffnung haben, dass alle Geiseln auch wider den Anschein doch noch frei kommen werden). An anderer Stelle hatte ich kommentiert, daß die Hamas Verbrecher sind (daß wir aber nicht den Teufel mit dem Belzebub betreiben können und die Verbrecher wie Schmeißfliegen vernichten dürfen, denn dann begeben wir uns auf die sehr schiefe Ebene von Blut, Tränen und einem Hass), der noch größeren Hass generiert. Bomben auf Gaza-Stadt, und Häuserkämpfe dort, wird viele Unschuldige töten. Hamas-Terroristen sind aber lediglich Kriminelle und gehören sodann vor eine (leider heute teils nicht global anerkannte) Weltgerichtsbarkeit. (Wie übrigens auch Herr Putin, der jetzt mit dem unklugen Donald Trump die Ukraine neu aufteilen will). In Weltgerichten sind, wie in Rechtsstaaten, Gerichtsverfahren und die dann notwendigen Gefängnisstrafen möglich. Die Hamas sind keinesfalls Soldaten, sondern nur Straftäter allergrößter Verbrechen gegen die Menschlichkeit und wohnen unter den armen Menschen im Gazastreifen. Dies macht es so unendlich schwer, sie überhaupt habhaft zu machen. Die absolut böse Taktik der Hamasverbrecher besteht darin, die Zivilbevölkerung als Schutzschilde zu benutzen. In diese Falle ist Herr Netanjahu sofort hinein getappt. Da gilt leider das etwas grenzwertige Sprichwort: „Oh Herr, lass doch bald Geist vom Himmel regnen“!

    Die palästinensische Autonomiebehörde ist, was einen richtigen Staat betrifft, eigentlich nicht Fisch noch Fleisch und nicht ein funktionierendes Gemeinwesen, mit der bei uns vorhandenen Gewaltenteilung. Dort könnte man auf die wenig vorhandenen Strukturen, die kaum reale politische positive Macht beinhaltet, einen Staat auf rudimentären Fundamenten wenigstens aufbauen. Die leider doch kräftige rechtsradikale Regierung in Israel wird eine Zweistaatenlösung derzeit niemals mittragen und sie dann niemand zum eigenen Glück und mehr Frieden zwingen kann. Denn jedenfalls gibt es in Israel und um Israel herum ganz viel Friedensbewegte und die gibt bereits lange und es gab sie, als ich – beginnend Mitte der 1970er Jahre – und dann noch zweimal – Israel besuchte. Ich bleibe ein wenig mutlos, wenn wir für Frieden beten.. Denn man muss jeden Frieden politisch vorbereiten und einleiten. Leider scheint mir dies fast so unmöglich zu sein, als wenn ich unseren früheren Hühner Fliegen bei zu bringen. Die idiotischste und dann noch brandgefährliche Idee Israels ist, (nur) Gaza-Stadt zu erobern, um dort der Hamas habhaft zu werden. Der restliche Gazastreifen besteht nur aus Ruinen. In den jetzigen Kliniken, sofern noch vorhanden, gibt es fast keine Medikamente und auch Lebensmittel sind Mangelware. Wo sollte denn die arme Bevölkerung, um die sich die Hamas niemals wirklich sorgte, denn unterkommen? Absurdistan lässt grüßen.

    Es ist schon den Amerikanern vor Jahrzehnten auch in Vietnam gegen den Vietkong nicht gelungen,gegen deren asymetrischen Krieg zu siegen. besiegen. Ich bin noch ratloser, wenn der Wunsch der Palästinenser, Jerusalem müsse die neue Hauptstadt des neuen zweiten Staates werden, zwar verständlich ist, aber dort sind auch die Heiligen Stätten von Israel und auch weil jüdische Menschen bereits seit 3000 Jahre im jetzigen Heiligen Land leben und nicht nur weltweit zerstreut wurden. Für Jerusalem gibt es nur die nicht dümmste alte Idee, sie als Welthauptstadt dreier großer Religionen und als diejenige von Abraham, Moses und Jesus, unter UN-Verwaltung zu stellen. An der Verwaltung könnte man ja die beiden entstehenden Staaten beteiligen. Vielleicht wäre dies ein kleiner Bereich, der sich regeln ließe.

    Ich liebe Israel sehr, allerdings wird der Nahe Osten erst wieder wirklich „Heiliges Land“, wenn der Frieden eingekehrt ist und man geistig-geistlich behaupten könnte, der Geist des wiederkommenden Messias, personengleich in jenem den die Juden, und dann wir Christen erwarten, auch dort ankommt. Sagte doch bereits Jesus, dass das Himmelreich nicht irgendwo ist oder von irgendwo her kommt, sondern in uns ist – in allen unseren Haltungen und in der Bereitschaft, zusammen zu leben. Dazu müssen aber die Traumates von Jahrzehnten herzhafter Feindschaft überwunden werden. Aber wenn wir eine besondere Freundschaft für Israel haben, müssen wir auch das völlig Unangenehme kritisieren. Nämlich das ist der furchtbare Verstoß gegen die Menschenwürde aller, die in Gaza leben. Allerdings dabei soll nie vergessen werden, daß der Überfall der Hamas auf Israel diese Dynamik erst in Gang setzte. Aber Lawinen, die dann abgehen, sind sehr furchtbar: Hass mit noch mehr Krieg führt ins Unendliche. MIt jedem Menschen, der durch Waffen, Bomben, Raketen, Anschläge oder auch Hunger und Krankheiten im Krieg stirbt, wird Jesus wieder an sein Kreuz genagelt.

  2. Wie kann ich einem Gegner nehmen, was ihn in seiner Handlungsweise bestätigt, wenn ich sie selbst an den Tag lege?

    Krieg ist auch dann keine Löung, wenn er sich gegen das Böse richtet. Im Vertrauen auf Gott liegt verborgen, was erst der jüngste Tag offenlegt, sodass es immer erst um die Entscheidung geht, die ich treffe. Bevor ihre Auswirkung die Zeit erreicht, aus der sich generiert, was das Leben braucht, um in seinem Aufbau voranzukommen.

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