- Werbung -

„Mit Gott verheiratet?“ Studentin entscheidet sich für Leben im Kloster

Schwester Magdalena hat vor drei Jahren ihr Studentenleben an den Nagel gehängt und lebt seitdem als Nonne im Kloster. Dabei war es keine „Liebe auf den ersten Blick“.

- Werbung -

Hallo Magdalena, du bist Nonne und lebst im Kloster. Wie darf man sich das vorstellen?

Schwester Magdalena: Ich bin Ordensfrau und gehöre zu den Franziskusschwestern Vierzehnheiligen in Oberfranken. Ich bin also Franziskanerin. Franziskus hat gesagt: Unser Kloster ist die Welt. Das heißt, wir leben in ganz normalen Wohnungen unter den Menschen. Unsere Ausbildungsgemeinschaft in Nürnberg befindet sich zum Beispiel in einem sozialen Brennpunkt. Vierzehnheiligen, wo ich aktuell bin, ist da eine Ausnahme. Hier ist das Setting sehr klösterlich.

Du bereitest dich gerade auf deine Profess vor. Kannst du mal kurz erzählen, was das überhaupt ist?

Die Ordensausbildung hat mehrere Stufen. Angefangen mit dem Postulat. Hier lebt man in Gemeinschaft und teilt den Alltag miteinander. Die nächste Stufe ist das Noviziat. Das sind zwei Jahre Ordensausbildung, wovon das erste mit einem Sabbatjahr vergleichbar ist.

Der Fokus liegt dabei auf dem persönlichen Glauben, der Berufung, der Spiritualität und den Ordensregeln der Gemeinschaft. Diese Zeit ist dazu da, um sich an den Tagesrhythmus in der Gemeinschaft zu gewöhnen und mehr über sie zu lernen. Und sich mit Fragen auseinanderzusetzen wie zum Beispiel: Wer war Franziskus, was wollte er und wie lebt man das im Alltag?

„Am Schluss steht die ewige Profess. Da verpflichtet man sich auf Lebenszeit.“

Im zweiten Jahr stehen verschiedene Praktika an, man lebt alle drei Monate woanders und lernt verschiedene Lebensorte der Gemeinschaft kennen. Dann kommt die Profess, vor der ich gerade stehe. Dieses Commitment gilt erst mal für ein Jahr und verlängert sich danach auf drei Jahre.

In dieser Zeit schaut man: Wie geht’s mir damit, die Gelübde so zu leben – mit allen Konsequenzen? Am Schluss steht die ewige Profess. Da verpflichtet man sich auf Lebenszeit.

Was genau verspricht man denn da?

Grundsätzlich hat das Ordensleben drei evangelische Ratschläge, nach denen wir versuchen zu leben: Armut, ehelose Keuschheit und Gehorsam.

Was bedeutet das konkret?

Armut heißt für mich, freiwerden von jeder Form des Festhaltens. Auch wenn das nicht bedeutet, nichts zu besitzen oder keine Bedürfnisse zu haben. Gehorsam meint, auf die Nöte der Zeit und auf Gottes Wort zu hören. Wir sollen wachsam durch die Welt gehen und Gott in allen Dingen suchen und finden.

Und dann ist da noch die ehelose Keuschheit. Es geht dabei darum, eine ganz andere Art Beziehung zu leben. Nicht nur ehelos, sondern auch offen und lauter, also ehrlich mit sich und den Menschen, mit der Welt und Gott umzugehen.

Mit der Profess gelobe ich vor meiner Gemeinschaft und der Kirche, das auch tatsächlich im Alltag so zu leben in aller Bruchstückhaftigkeit meines menschlichen Daseins. Mich der Kirche, den Menschen und Gott zur Verfügung zu stellen, da wo ich gerade stehe, mit meinem ganzen Sein und meiner ganzen Tatkraft.

„Ich möchte betonen, dass ich als Ordensfrau nicht mit Gott verheiratet bin, das ist ein Klischee.“

Also ein krasser Schritt, der dir jetzt bevorsteht.

Definitiv, das ist eine lebensverändernde Entscheidung.

Als Ordensschwester bist du sozusagen mit Gott verheiratet. Wirst du deine „Hochzeit“ irgendwie feiern?

Ich möchte betonen, dass ich als Ordensfrau nicht mit Gott verheiratet bin, das ist ein Klischee. Wenn wir trotzdem in dem Bild bleiben wollen, dann ist eher die Gemeinschaft der Partner/die Partnerin und das, was trägt, ist die gemeinsame Liebe zu Gott. Die ewige Profess ist für jede Gemeinschaft etwas ganz Besonderes. Und das feiern wir auch groß.

Im Gottesdienst erneuert die Schwester ihre Gelübde dieses Mal für die Zeit ihres Lebens. Meistens kommt dann auch der Bischof als Stellvertreter der Kirche, um Zeuge dieses Versprechens zu sein. Danach sitzt man noch zusammen und feiert – das ist tatsächlich ein bisschen so wie bei einer Hochzeit.

Manchmal gibt es verschiedene Beiträge, die Mitschwestern oder Freunde vorbereitet haben. Oft wird darin die Person, die Profess feiert, liebevoll auf die Schippe genommen. Gefeiert wird im Mutterhaus, weil das ein wichtiger Ort für uns ist.

„Keine Liebe auf den ersten Blick“

Was hast du gemacht, bevor du ins Kloster gegangen bist?

Ich habe mein Abitur gemacht und dann dual „Pflege“ studiert und eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht. Ich hatte ein ganz normales Studentenleben.

Wie kam es dazu, dass dich dein Weg dann ins Kloster geführt hat? Hattest du da vorher schon irgendwelche Berührungspunkte?

Nee, eigentlich gar nicht. Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Ich bin katholisch in Bayern auf dem Dorf aufgewachsen. Tradition und Brauchtum hatten dort einen hohen Stellenwert. Als Teenager hat mich Kirche irgendwann gar nicht mehr interessiert.

Erst im Studium habe ich gemerkt, dass ich meinen Glauben im Alltag intensiver leben will und mich auf die Suche nach Menschen und Orten gemacht, wo ich das kann. Dabei habe ich die Kapuziner kennengelernt und ein paar Leute aus einem Bibelkreis. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mir das im Alltag so nicht reicht.

„Das passt, da kommt
innerlich etwas ins Lot.“

Ich bin mit einem Pater ins Gespräch gekommen und habe das Internet nach Gemeinschaften durchforstet. Ich muss selbst schmunzeln, wenn ich dran denke, dass meine Kriterien damals eine gute Zuganbindung, andere junge Leute und eine schöne Homepage waren. Bei meiner Recherche bin ich auf die Franziskusschwestern gestoßen und dachte, ich fahre mal hin und mache ein paar Stille Tage.

Das war echt cool und die Schwestern waren nett. Danach bin ich öfter hingefahren und mit der Zeit hat sich ein Zuhause-Gefühl eingestellt. Ich habe auch ein paar Wochen dort mitgelebt und gemerkt: Das passt, da kommt innerlich etwas ins Lot. Nach meinem Studium bin ich ins Postulat gegangen.

Wie hat dein Umfeld auf diese Entscheidung reagiert?

Für manche war das nicht einfach zu verstehen. Vor allem für meinen damaligen Freund war es schwer. Freunde, die am Anfang wenig damit anfangen konnten, haben mit der Zeit gemerkt, dass ich glücklich bin und es mir Spaß macht, so zu leben und dass ich hier ganz so sein kann, wie ich bin.

Schwester Magdalena steht neben einem Pinguin.
Schwester Magdalena kann im Kloster so sein, wie sie ist. (Foto: Schwester Magdalena)

Ein Gefühl des Angekommenseins?

Ja, genau und gleichzeitig auch die Möglichkeit, meine Talente und Fähigkeiten einzubringen, einfach mit den Menschen unterwegs zu bleiben. Kein Leben zu wählen, das irgendwie isoliert ist von jeglicher Beziehung oder weltfremd, sondern ein Leben, das mitten in der Welt und unter den Menschen ist.

Wenn ich jetzt eine Familie hätte, könnte ich mich nicht so engagieren, wie ich das tue. Ich müsste immer Rücksicht nehmen. Im Orden muss ich zwar schon gucken, wie das in den Tagesablauf der Gemeinschaft passt. Aber es ist eine andere Qualität von Freiheit.

Ich stelle mir das bei euch relativ durchgetaktet vor. Wie sieht ein normaler Tag im Orden aus?

Normalerweise stehe ich so um Viertel nach sechs auf. Um zwanzig vor sieben beten wir im Konvent in Nürnberg die Laudes, also das Morgengebet, und beginnen den Tag damit, uns auf Gott auszurichten. Ich bleibe meistens noch für eine persönliche Stille Zeit, das heißt ich meditiere eine halbe Stunde.

Das Frühstück gestaltet jede für sich und dann geht’s ab zur Arbeit. Wir haben ganz normale Jobs, wie jeder andere auch. Schwester Anna arbeitet in der Straßenambulanz und kocht für obdach- und wohnungslose Menschen. Schwester Veronika arbeitet als Ingenieurin im Büro, Schwester Verena als Apothekerin.

„Manche gucken eine Serie, backen Plätzchen.“

Abends treffen wir uns alle wieder und essen zusammen. Dann folgt das Abendgebet der Kirche, die sogenannte Vesper. Der Rest ist Freizeit, in der jede machen kann, was sie will. Manche gucken eine Serie, backen Plätzchen. Andere haben noch Außentermine oder ein Hobby.

Hast du ein Ritual, das dir besonders wichtig ist?

Der Tagesrückblick ist mir wichtig geworden. Sich vor dem Schlafengehen Zeit zu nehmen und Gott den Tag hinzulegen. Ich gehe durch, was ich erlebt habe, und bitte Gott um Segen für alles, was gut und was nicht so gut gelaufen ist.

Ich bitte Gott darum, die Dinge ganz zu machen, wo ich es nicht hinbekommen habe oder hinter meinen Möglichkeiten zurückgeblieben bin. Oft entdecke ich dabei Gottes Spuren in meinem Alltag. Meistens in den kleinen Dingen, wie einer Begegnung oder WhatsApp-Nachricht.

„Beichte hat unglaubliche Strahlkraft“

Ein Ritual, das es bei euch gibt, ist die Beichte. Wie sieht das aus, wenn du deine Beichte ablegst?

In der Beichte wird Gottes Liebe für die Menschen sichtbar, also ganz konkret und greifbar. Alles, was eine Person beschäftigt, kann sie so vor Gott bringen. Das kann man entweder anonym im Beichtstuhl machen oder in einem Gespräch mit dem Priester. Der erteilt dann die Lossprechung und gibt noch einen Zuspruch mit auf den Weg.

Ein Priester sitzt im Beichtstuhl und hat eine aufgeschlagene Bibel in der Hand.
Foto: SeventyFour / iStock / Getty Images Plus

Warum braucht es dafür so ein relativ aufwendiges Ritual? Immerhin kann ich Gott ja auch im Gebet um Vergebung bitten.

Sicher kann man auch im Gebet einen Zuspruch und Gottes heilende Nähe erfahren. Es hat aber noch mal eine andere Qualität, wenn ich das, was mich beschäftigt, einfach mal aussprechen kann und mir jemand gegenübersitzt, der nicht urteilt oder bewertet und mich nicht in irgendeine Schublade steckt, sondern der einfach mal zuhört und versteht. Und das quasi als Stellvertreter von Jesus. Für mich hat dieses Sakrament eine unglaubliche Strahlkraft, die viele Menschen heute gar nicht mehr so wahrnehmen.

Hast du eigentlich schon mal darüber nachgedacht, das Klosterleben hinzuschmeißen?

Es gab schon Situationen, in denen ich keinen Bock mehr hatte. Das waren aber eher zwischenmenschliche Dinge und nichts, was mich an der Lebensform an sich hat zweifeln lassen. Ich denke auch, dass es Glaube nicht ohne Zweifel gibt. Vielleicht, damit wir es uns nicht zu gemütlich machen, lebendig bleiben, uns reflektieren und nicht aufhören, wichtige Fragen zu stellen.

Hast du denn die Möglichkeit, mal Pause vom Klosterleben zu machen?

Wir haben vier Wochen Urlaub im Jahr und zusätzlich noch mal eine Woche Zeit für Exerzitien. Wir müssen dann nicht zu Hause chillen, sondern können natürlich auch in den Urlaub fahren. Mir persönlich ist der Nachhaltigkeitsgedanke dabei sehr wichtig und ich gehe gern campen und wandern.

„Es kommt nicht auf die Kleidung an“

Ich stell mir so eine Tracht beim Wandern recht unpraktisch vor, legst du die dann ab?

Im Urlaub ziehe ich das Kleid nicht an. Aber auch im Alltag gibt es Situationen, in denen ich in zivil rumlaufe. Nur meine Kette trage ich eigentlich immer, um als Franziskanerin erkennbar zu sein.

Legst du mit deiner Tracht auch bewusst Einstellungen, Gefühle, Werte an und ab?

Für mich kommt es nicht auf die Kleidung, sondern auf die Haltung an. Ich bleibe Ordensfrau, egal wie ich angezogen bin. Diese Kleidung soll ein Hinweisschild auf Gott und ein Zeichen dafür sein, dass unser Leben hier auf Erden nicht alles ist. Dass es noch etwas Größeres gibt.

Ich persönlich denke allerdings, dass das Ordenskleid nicht unbedingt zeitgemäß ist und auch von vielen Menschen als Zeichen an sich nicht mehr verstanden wird. Mir ist es lieber, ich komme aufgrund meiner Haltung mit anderen ins Gespräch als wegen meiner Klamotten. Die Idee von Franziskus war ja ursprünglich, die Kleidung der einfachen Leute zu wählen, um wie sie in der Welt zu leben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Julia Spliethoff, Redaktionsleiterin der Zeitschrift DRAN.


Ausgabe 2/22

Dieser Artikel ist in der Zeitschrift DRAN erschienen. DRAN wird vom SCM Bundes-Verlags herausgegeben, zu dem auch Jesus.de gehört.

Zuletzt veröffentlicht