Mehrere Staaten drängen auf ein internationales Moratorium für Leihmutterschaft. Sie sehen darin einen Verstoß gegen die Menschenwürde.
Vier Staaten haben am Rande der Sitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf in einer Erklärung ein internationales Verbot der Leihmutterschaft gefordert. Dies berichtet die Menschenrechtsorganisation Alliance Defending Freedom International. Ziel ist ein weltweites Verbot der Leihmutterschaft, die nach Ansicht der Unterzeichner nicht mit den internationalen Menschenrechten vereinbar ist.
In der Erklärung wird Leihmutterschaft mit gravierenden ethischen und rechtlichen Problemen in Verbindung gebracht. Kritisiert werden insbesondere die Kommerzialisierung menschlichen Lebens, die mögliche Ausbeutung von Frauen sowie die bewusste Trennung von Kindern und ihren leiblichen Müttern. Auch gesundheitliche Risiken und soziale Abhängigkeiten von Frauen werden genannt. Für Kinder sehen die Initiatoren Gefahren für ihre Entwicklung sowie rechtliche Unsicherheiten etwa bei Staatsangehörigkeit und Elternschaft.
Menschenwürde statt Marktlogik
Die italienische Familienministerin Eugenia Roccella warnte vor einem „globalen Markt für Leihmutterschaft“, der von grenzüberschreitenden Arrangements und tiefen sozialen Ungleichheiten geprägt sei. „Politische Entscheidungsträger müssen sich fragen, ob jeder Mensch noch als Person respektiert wird – oder bereits zum Mittel für die Wünsche anderer geworden ist.“
Unterstützt wird die Initiative durch aktuelle Berichte aus dem Umfeld der Vereinten Nationen. So hatte die UN-Sonderberichterstatterin Reem Alsalem Leihmutterschaft kürzlich als möglichen Faktor für Gewalt gegen Frauen beschrieben. Vertreter der beteiligten Staaten warnten zudem vor einem wachsenden globalen Markt, der von wirtschaftlichen Ungleichheiten profitiere. Kritik kommt in diesem Zusammenhang auch an Deutschland: Zwar sei Leihmutterschaft hierzulande gesetzlich verboten, doch werde dies nicht konsequent umgesetzt. Dadurch verletze Deutschland nach Einschätzung von Experten internationale Verpflichtungen, etwa aus der UN-Kinderrechtskonvention.
