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Anglikanischer Theologe wirbt für spendenfinanzierte Kirchen

Der anglikanische Theologe Christopher Easthill plädiert für ein spendenbasiertes System der Kirchenfinanzierung. Easthill ist seit März Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen.

Von Franziska Hein und Stephan Cezanne (epd-Gespräch)

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«Ich komme aus einer Kirche, die ihr Budget auf freiwilligen Spenden aufbaut. Und mir ist das Prinzip der freien Entscheidung auch näher», sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Natürlich sei der Übergang vom deutschen System der Kirchensteuer, die an die Lohn- und Einkommenssteuer gekoppelt ist, hin zu einem freiwilligen System schwierig. Dieser müsste über Jahrzehnte organisiert werden, sagte er.

Dafür bräuchte es alternative Finanzkonzepte, etwa für die gesellschaftlichen Angebote und die soziale Daseinsfürsorge, die Kirchen auch über die Kirchensteuer mitfinanzieren. Die anglikanischen Gemeinden in Deutschland haben laut Easthill traditionell eine enge Bindung zur alt-katholischen Kirche, die wiederum Kirchensteuern einzieht. «Für unsere Gemeinden würde das aber nicht funktionieren. Denn bei uns würden diejenigen, die in die Gemeinde kommen, auch Kirchensteuer zahlen. Das wären eins zu eins dieselben Menschen, während es in anderen Gemeinden oft viel mehr kirchensteuerzahlende Mitglieder gibt als Menschen, die in die Kirche kommen.» Easthills Gemeindemitglieder gäben freiwillig mehr Geld, als durch die Kirchensteuer – acht oder neun Prozent der Lohn- oder Einkommenssteuer – eingenommen werden könnte.

Easthills Verständnis der Taufe

Die Frage der Kirchenmitgliedschaft hänge bei den beiden großen Kirchen in Deutschland zu sehr davon ab, ob jemand auf den Listen der Behörden eingetragen sei, sagte Easthill, der in Wiesbaden eine anglikanische Gemeinde leitet. «Ich habe da ein philosophisch-theologisches Grundsatzproblem. Denn für mich ist die Taufe eine Sache für die Ewigkeit. Getauft ist getauft.»

Easthill ist seit März Vorsitzender der ACK. In dem kirchlichen Dachverband haben sich 25 Kirchen und Konfessionen zusammengeschlossen. Ziel ist, die ökumenische Zusammenarbeit zu fördern. Der 65-Jährige wurde als Kind britischer Eltern in Singapur geboren und arbeitete als Versicherungsmanager bei der Allianz, bevor er im Alter von 51 Jahren Theologie studierte.

Quelleepd

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4 Kommentare

  1. Phantasien über die ganz andere Form von Kirche/n

    «Ich komme aus einer Kirche, die ihr Budget auf freiwilligen Spenden aufbaut. Und mir ist das Prinzip der freien Entscheidung auch näher», sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bei allen hier berechtigt geschilderten Sachständen und ihrer Schwierigkeiten wurde das nachfolgende Problem überhaupt nicht erwähnt:

    Theoretisch kann man immer in jeder Kirche auf Spendenfinanzierung umstellen. Ich habe – hier EinFragender betreffend – auch keinerlei Problem daran zu glauben, daß Gottvertrauen auch im guten Sinne zu ausreichend Spenden verhilft. Was aber immer bei Grundreform das ganze Vorhaben infrage stellt, etwa auch politisch alle Menschen in eine Pflege- und Krankenversicherung zu nehmen, oder wie hier intendiert Kirche mit Spenden zu finanzieren: Eine solche Regelung kann juristisch vermutlich niemals rückwirkend geschehen. Am Tag X der Spendenfinanzierung gilt dies ab diesem berühmtem Datum nur für neue Projekte und Aufgaben sowie auch eine neue schmale Organisation.

    Und unvorstellbare Mengen an Aufgaben, die auf Zeiten davor sich belaufen, müssen leider nach dem bisherigen Modus erfolgen. Dies ist immer ein Grundproblem. Das zweite Grundproblem liegt eher im organisatorischen, ist aber ein Riesenbalast. Man kann nicht alle oder nur die meisten Menschen einfach entlassen. Aber kommen Zeiten, in denen wir kirchlicherseits von dem Luxus der Kirchensteuer Abschied nehmen müssen, (wo dann der Staat auch die dicksten Krokodielstränen weint, weil dann das Subsidiaritätsprinzip nicht mehr gilt und Vater Staat selbst soziale Arbeit betreiben müsste), dann sollte eher das Ideal jesuitischer Ideen Wirklichkeit werden. Damals in den 1970er Jahren träumte der fromme und sehr gelehrsame Orden gern davon, daß es ganz viele kleine Gruppen geben könnte, in denen Menschen exemplarisch und ökumenisch ihren Glauben mutig gemeinsam lebten. Selbst Priester wären dann verheiratet, ehrenamtlich, aber diese Kirche als Salz der Erde und Licht der Welt könnte nicht mehr große soziale Aufgaben stemmen, sondern lediglich als Diakonie und Caritas auf Augenhöhe im sehr bescheiden privatem Umfang.Das wäre dann unsere Urgemeinde 2,0 – vielleicht ein Paradies – oder wenn mit üblichen menschlichen Mängeln behaftet, auch mit sehr viel Streit und Zoff.

    Es gab nie eine ideale Kirchenform, sonst müssten viele Christinnen und Christen glücklicher sein (als Superchristen ??) und nicht heute in viele Konfessionen und auch Frömmigkeitsformen gespalten. Auch eine postmoderne Kirche der kleinen Gruppen sollte dann doch ihre Buntheit und eine Einheit in der Vielfalt nicht ganz verlieren. Denn Christen können von ganz anders gestrickten Christen durchaus etwas lernen, es sei denn man ist Fundamentalist und ein Evangelikaler bar jeder Toleranz für abweichendes Denken und/oder Gottesvorstellungen. Auch wenn Kirche stets einer (Re-)formation bedarf, muss erinnert werden, daß die eher leicht herstellbare Abendmahlgemeinschaft zwischen Ev. Landeskirchen und den Katholiken völlig unmöglich erscheint. Neue Städte auf dem Mars scheinen fast eher zu kommen. Also in die Richtung gemeinsames Abendmahl sollte man wenigstens anfangen zu starten. Aber römisches Kirchenrecht und einmal als Glauben verkündigte angeblich absolute Wahrheiten sind extrem schwieriger zu revidieren, also wie damals Petrus über das Wasser zu laufen. Die nach dem 2. Vatikanischen Konzil von vielen katholischen Berufschristen erhoffte Abwendung vom Zölibat der Priester ist eher ein Beweis, daß Mitchristen mit dem anderen Gesangbuch bis dahin noch für viele Reformpäpste der Zukunft beten müssen in der Hoffnung, daß Gott nicht denkt er habe nur dem Kirchenstaat die ewige Treue geschworen

  2. Hier eine perplexity.ai Anfrage zu Pensionsanspruechen.

    Ob bei freiwilligen Spenden Zahlungen von 70% des letzten Bruttogehalts als Pensionen mehrheitsfaehig waeren?
    In Freikirchen bekommen Ruhestaendler entsprechend der Ges.Rent.Vers. nur ca 48% vom letzten Brutto (das deutlich niedriger liegen duerfte, als das Brutto von Kirchenbeamten)

    „Es liegen keine öffentlich zugänglichen, exakten Angaben darüber vor, welchen Anteil der Kirchensteuereinnahmen die Pensionen für ehemalige Kirchenmitarbeiter bei der evangelischen oder katholischen Kirche in Deutschland ausmachen. Auch spezialisierte Quellen, etwa von kirchlichen Webseiten oder Forschungsinstituten, nennen diesen Wert nicht explizit.
    Eine plausible Abschätzung ist jedoch möglich:
    Die beiden großen Kirchen in Deutschland (evangelisch und katholisch) haben jeweils Kirchensteuereinnahmen von mehreren Milliarden Euro jährlich: zum Beispiel etwa 5,9 Milliarden Euro für die EKD im Jahr 2023.
    Die meistbesoldeten Berufsgruppen mit Pensionsansprüchen sind Pfarrer, Kirchenbeamte und ggf. einige weitere fest angestellte Mitarbeiter. Kirchliche Tarifangestellte erhalten in der Regel keine Pensionen wie Beamte, sondern Betriebsrenten.
    Die Höhe der Pensionen von Pfarrern liegt bei rund 70–71,75% des letzten Bruttogehalts.
    In den Haushaltsaufstellungen der Landeskirchen macht der Posten „Versorgungslasten“ (Pensionen und deren Nebenleistungen) geschätzt zwischen 10 und 20% des Haushaltsvolumens aus. Einzelne Landeskirchen geben beispielsweise in Haushaltsdarstellungen Versorgungslasten im Bereich von 15% an; dies ist auch durch verschiedene Medienberichte gestützt.
    Plausible Schätzung:
    Es ist realistisch anzunehmen, dass etwa 10–20% der Kirchensteuereinnahmen für Versorgungslasten, also Pensionen und Beihilfen ehemaliger Kirchenbeamter und Pfarrer, ausgegeben werden. Der genaue Anteil variiert je nach Landeskirche bzw. Bistum und Personalstruktur.
    Der prozentuale Anteil könnte angesichts der demografischen Entwicklung und der hohen Zahl von Kirchenmitarbeitern im Ruhestand in kommenden Jahren weiter steigen.
    Wichtige Einschränkung:
    Diese Schätzung bezieht sich primär auf die evangelische Kirche; für die katholische Kirche gilt sie in ähnlicher Größenordnung, kann aber regional abweichen, da nicht alle Priester oder Mitarbeitende in gleichem Maße pensionsberechtigt sind.“

    Naja, vielleicht mal den theoret. Ueberbau bei den Franziskanern anschauen, um sich neu zu konditionieren?

    LG Joerg

  3. > Dafür bräuchte es alternative Finanzkonzepte, etwa für die gesellschaftlichen Angebote und die soziale Daseinsfürsorge, die Kirchen auch über die Kirchensteuer mitfinanzieren.

    Das ist wohl eher ein organisatorisches Problem und kein finanzielles. Die beiden großen Kirchen bekommen derzeit derart viel staatliche finanzielle Unterstützung, dass das dafür locker ausreichen wird. Zumal die kirchlichen Zuschüsse oft weniger als 10 % ausmachen, teilweise wie bei Krankenhäuser sogar bei Null liegen. Da müssen dann andere Trägerstrukturen geschaffen werden.

    Die Kirchen müssten übrigens nicht nur von Spenden leben. Sie könnten ja auch weiterhin Mitgliedsbeiträge erheben. Das machen schließlich alle anderen (Parteien, Gewerkschaften, Vereine, etc.) auch so.

    Schön, dass der Vorschlag aus den Reihen der ACK erfolgt. Ich denke, gerade dort erleben auch viele kleinere Kirchen diese Ungerechtigkeit.

  4. Ein spendenbasiertes System ist besser als das Kirchensteuersystem. Wer gläubig ist, weiß dass der Herr einen versorgt und viele christliche Gemeinschaften beweisen das.

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