Forscher sind Missbrauchsfällen im Bistum Passau seit 1945 nachgegangen. Bischof Oster bittet die Betroffenen «in großer Hilflosigkeit» um Verzeihung.
Im Bistum Passau sind laut einer Studie über Jahrzehnte hinweg Hunderte Minderjährige von Klerikern missbraucht und misshandelt worden. Mindestens 672 Kinder und Jugendliche seien seit 1945 schweren Übergriffen durch Priester ausgesetzt gewesen, sagte der Leiter der «Studie zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt an Minderjährigen im Bistum Passau», Marc von Knorring, in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme.
Ermittelt wurden 154 Beschuldigte oder überführte Täter. Drei Jahre lang hatte ein Forscherteam der Universität Passau an der Studie gearbeitet. Bischof Stefan Oster sprach von einem massiven Versagen der Kirche.
Forschungsleiter Knorring sagte, es sei geschehen, «was niemals hätte geschehen dürfen»: «Die Opfer leiden ein Leben lang an den Folgen.» Die laut Studie 154 Beschuldigten oder überführten Täter seien nicht allein verantwortlich gewesen. Verantwortlich waren nach den Erkenntnissen der Forscher «bestimmte Denk- und Handlungsweisen innerhalb des Systems Kirche». Das habe in der Vergangenheit dazu geführt, dass «eine Reihe von Bischöfen und Generalvikaren in zahlreichen Fällen den Schutz der Institution Kirche und der Priesterschaft über das Wohl von Betroffenen stellten».
«Blind für Betroffene»
Bischof Oster bezeichnete es als Skandal, dass Kirchenverantwortliche ihre «Institution schützen», «gnädig mit Tätern» sein wollten und dabei «blind für die betroffenen Kinder und Jugendlichen» gewesen seien. Diese «Kultur des Schweigens» wurde laut Oster gestützt «durch ein kirchliches und gesellschaftliches Milieu», in dem den minderjährigen Opfern von sexueller und körperlicher Gewalt entweder nicht geglaubt oder die Taten tabuisiert wurden. Der Bischof bat die Opfer «in großer Hilflosigkeit» um Verzeihung, «weil vieles einfach nicht wiedergutzumachen» sei.
Seit Herbst 2022 hatte ein Forschungsteam der Uni Passau unter Leitung des Historikers Knorring an der Studie zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt an Minderjährigen im Bistum Passau gearbeitet. Ende November wurde die Studie mit dem Titel «Sexueller Missbrauch und körperliche Gewalt. Übergriffe auf Minderjährige durch katholische Geistliche im Bistum Passau 1945 bis 2022» der Unabhängigen Aufarbeitungskommission, dem Unabhängigen Betroffenenbeirat und dem Passauer Bischof Oster übergeben. Seit Montag ist die 400 Seiten starke Studie öffentlich.
Link: Zur Studie «Sexueller Missbrauch und körperliche Gewalt. Übergriffe auf Minderjährige durch katholische Geistliche im Bistum Passau 1945 bis 2022»

Natürlich ist zuerst jeder einzelne dieser Übeltäter schuldig. Aber in noch weit grösserem Mass sind es die nicht mit dem Evangelium von Jesus Christus zu vereinbarenden Strukturen der r.kath. Kirche, einen Priesterstand kannte die erste Christenheit nicht, gemäss Bibel ist jeder Glaubende auch Priester, wenn Frauen gleiche Rechte hätten und Priestern nicht ein besonderer Stand zugesprochen würde, dann käme solcher Missbrauch viel weniger vor und der Pflichtzöllibat drängt den Priester in die Heimlichkeit, er darf, entgegen der Heiligen Schrift „es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ keine Beziehung eingehen und die Sexualität ist trotzdem da. Wollte Bischof Oster wirklich etwas ändern, müsste er seine Kirche von Rom befreien.
Nun hat die EKD deutlich andere Strukturen und kein Zölibat, hat aber nicht weniger Missbrauchsfälle und hat mindestens genauso verschleiert und begünstigt.
Freikirchen beginnen erst, sich damit thematisch zu beschäftigen. Nach dem, was man bisher hört, lief es dort auch nicht positiver. Von Sondergemeinschaften wie z.B. den Zeugen Jehovas hört man diesbezüglich auch wenig, und das, was durchdringt, klingt ebenfalls schlecht.
Nimmt man dann noch Sportvereine, Chöre, etc. dazu, dann wird eine andere Grundlage offensichtlich:
In allen Fällen wird die Organisation als schützenswerter betrachtet als die Opfer. Bei bestimmten Institutionen wie Kirchen kommt die Möglichkeit dazu, auch mit weltlichen Einfluss sich gegen Aufklärung zu schützen.
Das besondere an Kirchen, allen Kirchen, ist dabei auch, dass die Täter (und ihre Hierarchie) sich auf Gott berufen, ihren klerikalen Heiligenschein benutzten, um Missbrauch zu begehen, noch viel mehr aber, um ihn zu verschleiern.
Ich denke, und da sind wir eigentlich schon bei einem Reformationsgedanken, wir müssen die Kirchen endlich als reines Menschenwerk sehen und das bedeutet eben: Keine Sonderrechte irgendeiner Art. Und kein Vorschussbonus, der ist nun wirklich verspielt.
Flache Hierarchien gegen Missbrauch
Liebe Chey, eine gute Bekannte, die heute Christin ist und vorher lange Zeit Zeuge Jehova war, hat auch über sexuell Übergriffige in ihrer damaligen Glaubensgemeinschaft berichtet. Die wurden da ordentlich in die Mangel genommen, aber offensichtlich niemals angezeigt und die Sache fand hinter absolut geschlossenen Türen statt, sodass sich irgendeine Wahrheit für niemand erkennen ließ. Ich halte dies für außerordentlich fragwürdig. Leider sind auch fundamentalistische Sekten, selbst bei größter ethischer Strenge, nicht in der Lage, dass der Neandertaler unseres Stammhirnes nicht zum Vorschein kommt. Leider geschieht dies ja hier nicht nur beim Sexuellen Missbrauch, sondern wie derzeit berichtet wird auch durch Gruppen leider vieler Menschen im Internet, die neben Kinderpornografie auch Kinder und Jugendliche zum Suizid drängen und sich an den Liveerlebnissen des Sterbens dann im Internet sehr ergötzen. Da gibt es nur noch das Allerschlimmste und dies ist der Krieg, den keine Regel des Völkerrechts wirklich harmonischer macht. Gewalt bleibt daher immer Gewalt und dabei ist völlig egal, in welcher Gestalt. Dass Kain seinen Bruder Abel erschlug, auch noch aus religiösen Gründen, steht nicht umsonst ganz am Anfang in der Schöpfungsgeschichte. Gewalt wurde erst so richtig zum Problem, dann auch der Missbrauch, als der Mensch sesshaft wurde, die soziale Nähe weiter wuchs, die Standesunterschiede und Hierarchien entstanden. Spätestens beim Turmbau zu Babel, eine Sinnbildgeschichte über antike machtvolle Eliten, haben die Menschen sich dann gar nicht verstanden und der Turm fiel um. Neben guten Regeln von Nähe und Distanz kann es Kirchen und anderen Organisationen helfen, wenn sie flache Hierarchien hätten. Die sind nämlich Strukturen, die das Herrschen eines Menschen über einen anderen, hinter verschlossenen Türen, dann eher verhindern.
Wer die nicht infrage stellbare Macht besitzt, seine Türen zu verschließen, hat leider den Freifahrtschein zum Missbrauch. Macht über Menschen zu haben, sie zu manipulieren, kann Seelen vergiften und ist auch eine Form einer bösartigen Sucht. Nicht nur bei Täter/innen, sondern sogar bei Opfern. Leider gibt es die Möglichkeit Seelen so zu malträtieren, dass sie möglicherweise eigenes Leid sogar am Anfang freiwillig erleben. Dann werden Menschen zu Marionetten in den Händen von Unmenschen. Das wären dann in der Tat toxische Beziehungen. Die Wunden in den Seelen sieht niemand.
Hat die EKD nicht aber eigentlich flache Hierachien?
Und dennoch ist sowohl Missbrauch wie auch Verschleierung dort enorm und der Wille zur Aufklärung kam erst durch grossen öffentlichen Druck und hält sich immer noch in Grenzen.
Ich kenne nur eine religiöse Gruppe ohne Hierarchie und in der Tat gibt es dort keinen Missbrauchsskandal. Aber EKD und RKK kann ich mir ohne Hierarchie nicht vorstellen.
Insofern kann die Lösung nur sein, dass der Staat dort sehr genau hinschaut und jede falsche Rücksichtnahme wie beispielsweise den Kirchen selbst die Aufklärung zu überlassen endet.
Kirchen haben auf schlimme Art bewiesen, dass sie eine Gruppierung wie jede andere auch sind. Man sollte sie also auch entsprechend behandeln.
Hat die EKD nicht aber eigentlich flache Hierachien?
Ja.
Unabhängig vom Missbrauch: Die EKD ist lediglich eine „Kirchengemeinschaft“ der 20 Landeskirchen – mit eher repräsentativem Charakter, vereinfacht gesagt. Weisungsbefugnisse nach „unten“ (bis in die Gemeinden) hat sie quasi kaum. Das gilt aber in weiten Teilen auch für die Landeskirchen (mit leichten Unterschieden) und die darunterliegenden Ebenen (z. B. Sprengel, Bezirke, Kreissynoden etc.). Letztlich sind die einzelnen Kirchengemeinden autark, solange sie das geltende Kirchenrecht ihrer Landeskirche achten. Genau deshalb gibt es unter dem Dach der einzelnen Landeskirchen ja auch ein sehr weites Spektrum liberaler und konservativer Gemeinden. Insofern: Ja, die Hierarchien sind sehr flach.
Moin,
war auch mehr rhetorisch gemeint. 🙂
Die Schlussfolgerung ist dann aber, dass flache Hierarchien nicht vor Missbrauch und insbesondere der Verschleierung/Verharmlosung/Unterstützung durch die Organisation bewahren. Das war ja eben mein Punkt.
Die EKD hat ja lange nach außen die Botschaft gegeben, dass das mehr ein katholisches Problem sei und am Zölibat und ähnlichen liegt und es bei ihr eher „normale“ Einzelfälle sind. Bis dann die Erkenntnis und vor allem die Beweise mit Macht zuschlugen und die Begründung ins Reich der Lügen schoben.
Es gibt keinen Zusammenhang von Zölibat und Missbrauch
Lieber Samuel Kräuchi: Soweit würde ich nicht gehen. Obwohl ich dies vielleicht nicht mehr erleben werde, wird das Ereignis mit Jesu Geburt im Jahr 2030 immerhin zwei Jahrtausende alt und vielleicht wird sich die Kirche dann als geschwisterliche Ökumene als Einheit in Vielfalt zusammen schließen. Es gibt zwischen Sexuellem Missbrauch in den Kirchen und dem Pflichtzölibat keinen unmittelbaren Zusammenhang, sonst wäre dann Missbrauch und Gewalt, in der Gestalt von Sexualität, nicht in allen beziehungsnahen Bereichen leider nie böse Pest. Aber es bleibt aber trotzdem richtig, dass dieses Zölibat keinerlei Sinn macht, niemals wirklich biblisch begründbar ist und in keiner Zeit in 2000 Jahren Christenheit wirklich funktionierende Lebensregel war. Das Zölibat widerspricht unserer Biologie, in der doch die Sexualität wie Kommunikation und Ernährung nicht unerheblich unser Wesen bestimmt. Es ist erst vor wenigen Tagen hier wieder geäußert worden, dass zölibatär es derzeit fast nirgends funktioniert. Der damals sehr beliebte katholische Pfarrer in meiner alten Heimatstadt hat im Alter seine Haushälterin adoptiert und wir haben den Pfarrer der katholischen Geschwister, viele Jahr lang vorher immer, wie wunschgemäß vom Pfarrgemeinderat erbeten, stets „mit seiner Frau“ auch zu allen ökumenischen Angelegenheiten mit eingeladen. Wie irrsinnig aber jenes Zölibat ist, zeigt die (wahrscheinlich immer noch gültige) Regel, wenn in sehr seltenen Fällen evangelische Pfarrer konvertieren und Priester werden, selbst mit Frau und Kindern nun im katholischen Pfarrhaus leben, hier zur Josefsehe verpflichtet werden. Natürlich kann dies niemand kontrollieren und ich weiß nicht was geschieht, wenn des Pfarrers bzw. Priesters Familie dann doch größer würde. Leider muss man zwar alles tun damit Missbrauch nicht stattfindet, aber zu einer gesunden Einstellung auch zur eigenen Biologie zu finden, wäre doch keinesfalls ein negativer Schritt. Aber leider lässt sich das Böse und Destruktive in uns Menschen auch nicht einfach abstellen wie ein Computerprogramm. Die Hölle, die wir hier auf Erden teilweise einrichten, hat mit Jesus Christus allerdings doch bereits Insolvenz angemeldet, aber dauert bis zu Gottes Neuem Himmel und Neuer Erde noch eine uns unbekannte Zeitspanne. Dann wird alles sehr gut.
> Bischof Oster bezeichnete es als Skandal, dass Kirchenverantwortliche
Bischof Oster ist sicherlich deutlich besser und glaubwürdiger als seine Vorgänger seit 1945 (Beginn des Untersuchungszeitraums).
Aber auch er wird in dem Gutachten kritisiert und auch sein großer inhaltlicher Einfluss auf den Bericht ist nicht unumstritten.
Immerhin scheint er glaubwürdig aufklären zu wollen.
Die Zahlen der Studie sollte man mit Vorsicht betrachten. denn die Studie selbst stellt auch fest, dass die Erfassung von Missbrauchsfällen oft gar nicht gegeben war.
Auch die dort geschilderte Rolle mancher Eltern ist erschreckend. Da wird klar, welchen Druck diese ausgesetzt waren/sind, da auf der anderen Seite eben die Kirche stand.
Und letztlich hat auch nur der Druck der Öffentlichkeit zu einer Änderung bei der Kirche geführt. Die Selbsterkenntnis kam nicht von allein.
In der FAZ gab es dazu einen interessanten Artikel.
„Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein um seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.“
Vielleicht wird ja in diesem Leben schon ein stückweit Gerechtigkeit hegestellt werden und die Täter zur Rechenschaft gezogen, am Tage des Gerichts aber allemal. Jetzt soll es aber Hoffnung geben auch für den schlimmsten Sünder, denn alles kann vergeben werden, so eine echte Reue stattfindet. „das Blut Jesu reinigt uns von aller Sünde“. Nur wer beugt sich tatsächlich vor Gott, zumal auch tiefgreifende Buße ein Werk des hl Geistes ist?
In der Haut dieser Übeltäter möchte ich nicht stecken, “ schrecklich ist es in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“
Die Tatsache, dass es sich um „Diener Gottes “ handelt eskaliert das Verbrechen sowie die Strafe !
Was für ein dunkles Kapitel neuerer Kirchengeschichte, eine Schande nicht nur für die Kirchen sondern für die gesamte Christenheit !