Der Papst gilt nach katholischer Lehre als Oberhaupt der gesamten Christenheit. Das sorgt für Konflikte in der Ökumene – es gibt aber Annäherungsversuche.
Von Malin Georg
Der Begriff Papstprimat geht auf das altlateinische Wort primatus zurück, was „der Erste“ bedeutet. Er bezeichnet die besondere Stellung des Papstes in der Katholischen Kirche: Im römisch-katholischen Glauben gilt der Papst als Stellvertreter Christi auf Erden und Nachfolger des Apostels Petrus. Er hat die unmittelbare Befehlsgewalt und höchste Lehrautorität über die gesamte Katholische Kirche; seine Lehre gilt als unfehlbar, wenn er ex cathedra spricht. Dieser schon lange zuvor verbreitete Glaube wurde im Ersten Vatikanischen Konzil 1870 formell zum Dogma erhoben.
Petrus: „Erster Bischof von Rom“
Der Führungsanspruch des Papstes geht auf die Überlieferung der römischen Gemeinde im 3. Jahrhundert zurück, „der Apostel Simon Petrus sei der erste Bischof von Rom gewesen und habe dort das Martyrum erlitten“.
Mitte des 3. Jahrhunderts begründete Papst Stephan I. den Führungsanspruch des römischen Bischofs mit Matthäus 16,18-19: „Von nun an sollst du Petrus heißen. Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und alle Mächte der Hölle können ihr nichts anhaben. Ich werde dir die Schlüssel zum Himmelreich geben. Was du auf der Erde bindest, wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf der Erde öffnest, wird auch im Himmel offen sein.“
Abgeleitet von diesen beiden Versen versteht die Katholische Kirche den Apostel Petrus als Nachfolger Christi und Leiter der Kirche. Der Papst gilt wiederum als Nachfolger von Petrus – im katholischen Glauben das „Fundament der christlichen Kirchen weltweit“, erklärt die Herder Korrespondenz. Seit Petrus, dem „ersten Bischof von Rom“, ist das Papstamt durchgehend besetzt. Allerdings ist die Existenz einiger Päpste im 1. und 2. Jahrhundert nicht gesichert. Die frühesten Listen entstanden erst im 2. Jahrhundert.
Auch die sogenannte „apostolische Sukzession“, also die ununterbrochene Weitergabe des Bischofsamtes durch Handauflegung von den Aposteln bis heute, ist historisch nicht nachweisbar. Dieses theologische Konzept war in der Urchristenheit unbekannt. Ob Petrus selbst „Bischof von Rom“ war, ist ebenfalls umstritten. Im Neuen Testament steht nichts von einem Rom-Aufenthalt oder gar einer Gemeindegründung durch Petrus. Es gibt Hinweise auf eine Petrus-Verehrung in Rom ab dem 2. Jahrhundert, aber keine sicheren Beweise. Unabhängig davon steht fest, dass es im 1. Jahrhundert nach Christus in Rom keinen Bischof nach heutigem Verständnis gab.
Kirchenspaltung 1045
Gesichert ist, dass dem höchstrangigen Bischof von Rom in der frühen Kirche ein „Ehrenprimat“ oder „Primat der Liebe“ zustand. Diese Ehrenstellung beinhaltete jedoch weder einen „qualitativ höheren Rang“, noch das Recht, „ungefragt in die inneren Angelegenheiten anderer Patriarchate einzugreifen“. Unter den anderen Patriarchaten, den Leitern der kirchlichen Verwaltungsbezirke, galt der Bischof von Rom als „Erster unter Gleichen“.
Erst beim Vierten Konzil von Konstantinopel im Jahr 879 erkannte der Westen des Römischen Reichs die Jurisdiktion (Vollmacht) des Papstes an. Der römische Bischof hatte somit die höchste und volle Gewalt über die gesamte Katholische Kirche. Von den östlichen Patriarchaten wurde das jedoch klar abgelehnt. Dieser Konflikt trug auch zur Spaltung der Kirche bei: Seit 1054 ist die Kirche in die Katholische Kirche (Westkirche) und die Orthodoxe Kirche (Ostkirche) getrennt.
Im 11. Jahrhundert kam es zu einem Konflikt um die Vorherrschaft im Römischen Reich – der sogenannte Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst. Mit seinem 1075 verfassten Schriftstück „Dictatus Papae“ stellte sich Papst Gregor VII. über den Kaiser: „Nur der römische Papst trägt zu Recht den Titel des universalen Papstes; Über ihn besitzt niemand richterliche Gewalt; Die römische Kirche hat nie geirrt und wird nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift auch in Ewigkeit nicht irren; Wer nicht mit der römischen Kirche übereinstimmt, kann nicht als katholisch (rechtgläubig) gelten“.
Dogma: Päpstliche Unfehlbarkeit
Auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869 bis 1870) wurden die höchste Rechtsgewalt, die höchste Lehrvollmacht und die Unfehlbarkeit des Papstes dogmatisch definiert. Es wurde festgelegt: Niemand kann Mitglied der Katholischen Kirche sein, der die Stellung des römischen Bischofs über die „über den ganzen Erdkreis verbreitete Kirche“ nicht voll anerkennt.
Das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit stieß auch innerhalb der Katholischen Kirche auf Kritik. Nach 1870 kam es zur Abspaltung der Altkatholischen Kirche, die die Unfehlbarkeit des Papstes bis heute ablehnt.
Die Unfehlbarkeit gilt nur für Glaubens- und Sittenfragen, die der Papst „ex cathedra“ (vom Stuhl aus) als allgemeingültig und verbindlich für alle Christen erklärt. Bis heute hat nur ein Papst von dem Dogma Gebrauch gemacht: Pius XII., als er die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel verkündete. Die Verkündigung der unbefleckten Empfängnis Mariens durch Pius IX. im Jahr 1845 gilt nach katholischer Lehre aber ebenfalls als unfehlbar, da sie die Bedingungen des Dogmas erfüllt.
„Dass sie eins seien“
Das Zweite Vatikanische Konzil bestätigte den Primat des Papstes im Jahr 1964 noch einmal. Bis heute gilt der Primat des römischen Bischofs als Haupthindernis für die Einheit der Kirchen. Laut Katholisch.de ist jedoch der ökumenische Dialog mit dem Ziel einer Einheit aller Christen eine Priorität für die Katholische Kirche.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die päpstliche Enzyklika Ut unum sint („Dass sie eins seien“) aus dem Jahr 1995. Damit lud Papst Johannes Paul II. die anderen Kirchen ein, gemeinsam ein neues Verständnis des Papstamtes zu finden. In dem Dokument verpflichtet die Katholische Kirche sich unumkehrbar dazu, die Einheit in der Ökumene anzustreben.
Als Bischof von Rom wisse er, dass „die volle und sichtbare Gemeinschaft aller Gemeinschaften … der brennende Wunsch Christi ist“, schreibt Johannes Paul II. in dem Dokument: „Ich bin überzeugt, diesbezüglich eine besondere Verantwortung zu haben.“
Der Bischof von Rom müsse die Gemeinschaft aller Kirchen gewährleisten. Es sei „bedeutungsvoll und ermutigend, dass die Frage des Primats des Bischofs von Rom … nicht nur in den theologischen Gesprächen der katholischen Kirche mit den anderen Kirchen … sondern auch in der ökumenischen Bewegung insgesamt“ als wesentliches Thema vertreten sei.
Ökumenischer Ehrenprimat für den Papst?
Auch Papst Franziskus sorgte während seiner Amtszeit mit einem Dokument für Aufsehen. Das Studiendokument „Der Bischof von Rom„, veröffentlicht im Juni 2024, enthält den Vorschlag, dass andere Kirchenoberhäupter den Papst als Ehrenoberhaupt akzeptieren. Ein solches ökumenischer Ehrenprimat solle zur „Wiederherstellung der Einheit der Christen beitragen“, berichtete Evangelisch.de.
Aus der Ökumene kamen unterschiedliche Reaktionen. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Weltkirchenrats, begrüßt die Vorschläge grundsätzlich. Es sei bemerkenswert, „dass das zentrale Charakteristikum des Papstamtes untrennbar mit dem Geheimnis des Kreuzes und der Kenosis [Selbstentäußerung] Christi verbunden werde“, statt wie bisher „mit einem Bild des Papstes als Monarch“.
Der syrisch-orthodoxe Theologe Aho Shemunkasho kann sich einen Ehrenprimat für den Bischof von Rom vorstellen, den auch die orientalischen Kirchen anerkennen, heißt es in einem Artikel von Vatican News. Ein Primat der Ehre könne „ähnlich wie im ersten Jahrtausend“ aussehen.
Weitere Streitpunkte
Für den deutschen evangelischen Ökumene-Experten Martin Bräuer erscheint der Papst als „ein synodal verwurzeltes Ehrenoberhaupt der Christenheit als Möglichkeit am Horizont“. Damit evangelische Kirchen diesen Schritt mitgehen könnten, dürfe die Synodalität aber nicht nur auf die bischöfliche Ebene beschränkt werden. Auch die Frauenordination sei aus evangelischer Sicht unverzichtbar.
Das sieht auch Rita Famos, die Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz, so: „Solange die katholische Kirche sich der Gleichstellung der Frauen in allen Ämtern verweigert, kann kein Papst einen Primat für alle Christinnen und Christen beanspruchen“, sagte sie der christlichen Monatszeitschrift „Herder Korrespondenz“.
Ein gewisser Primat könnte nötig sein, sagte der Dominikanerpater Hyacinthe Destivelle in einem Interview mit Vatican News: „Es hängt alles davon ab, was man unter Primat versteht.“
Quellen: kirche-und-leben.de, herder.de, domradio.de, vaticannews.va, evangelisch.de, katholisch.de, ref.ch, wikipedia.org

Ohne den Papst als Primat hätte Jesus nicht für die ihm nachfolgenden Menschen sein Leben an das Kreuz gegeben, sondern für Gott und die Kirche, in die er erst eintrat, als er sich seiner selbst sicher war. Ich denke, der Primat dient einzig seinem Gedächtnis, sodass es einer Struktur entspringt, die von der Liebe zum Nächsten lebt, der sich aus den Schriften ergibt, die das Herz von Gott bereits als alt bewährte Quelle angeben konnten und in eine neue Zeit übertragen sein wollten.
Damit bleibt jedes Amt in seiner Würde erhalten, egal wo es angesiedelt ist (Kiche oder Staat). Einzig das Bewusstsein dafür hat sich verändert, indem es der ganzen Menschheit dient, sich, von ihrer Würde durch Gott überzeugt an seine ewige Frucht zu erinnern, um sich selbst zu finden. Damit hat die Kirche von heute sicher erkannt, wem ihr Leben in seiner Unendlichkeit wirklich zu dienen vermochte.
Wie es mit der Kirche weitergeht, das kann ich nicht sagen, doch mir wurde sie Heimat durch ihre virtuelle Präsenz, sodass ich hoffe, früher oder später auch wirklich mit den Menschen in Kontakt treten zu können, die sich meiner auf der verzweifelten Suche nach Gott angenommen haben. Mein Name uns seine Einheit halfen mir bei der zeitlichen Einordnung die sich durch die Geburt von Jesus bereits zum dritten Mal wiederholte. Was das für mich bedeutet, das weiß ich nicht, doch ich glaube an Gott und die Menschen, die er an meine Seite stellte, um sich für den Sohn einzusetzen, den so viele bereits verworfen haben.
Das Papstum auf Petrus zurückzuführen ist mehr als konstruiert und die katholische Kirche hat sich über die Jahrhunderte wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Gott sei Dank sind Reformatoren aufgetreten die dem Treiben ein Ende gemacht haben, davon profitiert haben auch die Katholiken selbst.
Weltweit sind evangelikal-pfingstliche Freikirchen die zweitstärkste Kraft und ich kann nicht erkennen, dass die sich nach einem Papst sehnen.
Ich staune immer wieder über Menschen die dem katholischen Brimborium, den Zeremonien und autoritären Strukturen etwas abgewinnen können. Über das Primat, bzw die Unfehlbarkeit braucht man doch eigentlich gar nicht reden, das ist einfach Unsinn !
Die ökumenische Bewegung hat den Anschein gottgefällig zu sein, aber Einheitsbestrebungen auf Kosten der Wahrheiten des Evangeliums sind abzulehnen, darüber freut sich weder der Himmel noch haben die Menschen einen Nutzen davon.
Für möglich halte ich ein die ganze Welt umspannendes religiöses System allerdings schon, das würde sich decken mit endzeitlichen Deutungen!?
Der Papst als Ehrenvorsitzender aller Christen denkbar
Auch Papst Franziskus sorgte während seiner Amtszeit mit einem Dokument für Aufsehen. Das Studiendokument „Der Bischof von Rom„, veröffentlicht im Juni 2024, enthält den Vorschlag, dass andere Kirchenoberhäupter den Papst als Ehrenoberhaupt akzeptieren. Ein solches ökumenischer Ehrenprimat solle zur „Wiederherstellung der Einheit der Christen beitragen“, berichtete Evangelisch.de.
Auch ich würde mir durchaus den Papst als Ehrenoberhaupt der Weltkirche(n) wünschen, es gibt ja nur eine wirklich einzige Kirche Jesu Christi, die gewissermaßen quer durch alle Kirchen verläuft. Allerdings gehören da viele Hausaufgaben dazu, nicht nur für uns auf der evangelischen Seite, sondern vor allem bei unseren katholischen Geschwistern im Glauben. Alle die sich Kirche nennen und gewissermaßen ebenso auch die gleichen Grundüberzeugungen haben, werden dann nur eine Einheit in der Vielfalt bilden. Es ist also nicht daran irgendwelche schwierigen Glaubenslehren aneinander anzupassen und sie wie Satzungen formal zu ändern. Gemeinsam zu beten, zu arbeiten und sich reformieren zu lassen wäre dann ein angemessenes Ziel. Alle kirchliche Formen sollten möglichst eine geringe Hierarchie haben – Laien und Berufschristenebenso auf Augenhöhe sein. Der Normalchrist ist keinesfalls nur ein dummes Schaf. Demokratische Formen sind sehr angemessen in praktischen Abstimmungsfragen auf allen Ebenen. Wir brauchen hier das gemeinsame Abendmahl, denn die Trennung am Tisch des Herrn ist ein Skandal und niemand scheint es sehr zu stören. Sinnvoll wäre eine gute Kann- und keine Mussbestimmung des Zölibats. Themen unter den Kirchen sind die andere und dann auch bessere Sexualmoral bzw. -ethik. Dass Gott Menschen biologisch unterschiedlich schuf und nicht nur grobsortiert nach männlich-weiblich, haben auch die Autoren der Schöpfungsgeschichte noch nicht gewusst und deshalb auch zwei dieser Schöpfungserzählungen hintereinander in den Kanon der Bibel genommen. Es geht da nicht um eine historische Wahrheit der Schöpfungsgeschichte, sie ist ein antikes Glaubensbekenntnis und gleichfalls.
ein Schöpfungshymnus. Der Ehrenvorsitz des Papstes ist dann – nicht ganz – vergleichbar – mit dem/der Vorsitzenden des Bundestages, denn diese oberste Kirchenleitung aller Kirchen, die nach Jesus nur EINE Kirche sein kann, wird ihrem Ziel nach immer die Kommunikation sein, die Hoffnung auf Gott und die Glaubwürdigkeit der Christinnen und Christen in der Welt stärken und auch die Stimmen vieler Gewissen zu formulieren, etwa so zum Klimawandel, gegen den Krieg, die Atombomben und gegen Hass, Hetze sowie Desinformation. Es ist leider die befürchten, daß der leider sehr furchtbare Ruck in rechtsradikale und undemokatische Abgründe nicht nur in den USA zunimmt, also müssen Kirche(n) und Menschen gute Netzwerke bilden, um dagegen in Liebe und Geduld angehen. Leider werde ich dies nicht mehr miterleben können, aber vielleicht vom Himmel wahrnehmen. Der Heilige Geist kann es richten, wenn wir ihn hier auch wirklich wirken lassen und ihm keine Knüppel zwischen die Beine werfen.
Hallo!
Das passt doch: Primat bedeutet AFFE. (Quelle: Wikipedia)
Gruß,
Peter
Nein, bedeutet es nicht auch nicht nach Wiki.
Es bedeutet ‚Vorrangstellung‘. Biologisch ist der Mensch auch ein Primat. Den Primaten wird in der Tierwelt eine Vorrangstellung zugesprochen, daher die Bezeichnung.
Man kann ja gern den Papst, insbesondere diesen, kritisieren. Aber muss es derart primitiv sein?