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„Nicht ernst genommen“: Betroffenensprecherin Janz tritt zurück

Nancy Janz, Sprecherin im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt der EKD, tritt zurück. Sie kritisiert „mangelnden Umsetzungswillen“ seitens der Kirche.

In einer Pressemitteilung des Beteiligungsforums begründete Betroffenensprecherin Nancy Janz ihren Rückzug: „Für mich geht es bei meiner Entscheidung um Klarheit. Nicht als Anspruch an andere, sondern als Verantwortung mir selbst gegenüber.“ Über viele Jahre habe sie mitgetragen, vermittelt, Brücken gebaut. Das habe Kraft gekostet.

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Ein wesentlicher Grund für ihren Rückzug lieg in dem aus ihrer Sicht mangelnden Umsetzungswillen innerhalb der landeskirchlichen Institutionen. Zwar sei in den vergangenen Jahren einiges in Bewegung gekommen, nicht zuletzt, weil Betroffene beharrlich Druck gemacht und das Beteiligungsforum engagiert gearbeitet habe. Vieles gehe jedoch zu langsam, wichtige Entscheidungen würden vertagt, anstatt sie „konsequent anzugehen.“ Es gebe auch nach vielen Jahren „kaum spürbaren Fortschritt für Betroffene. „Das tut weh“, so Janz. Sie habe oft das Gefühl, dass das Beteiligungsforum für Landeskirchen und diakonische Verbände als Alibi genutzt werde – nach dem Motto: „Es waren ja Betroffene dabei.“ Das sei ein „zermürbender, permanenter Spagat zwischen den Erwartungen der Betroffenen, die uns mit Hoffnung und Vertrauen begegnen, und den Strukturen, die Veränderung nur im Schneckentempo zulassen.“

Trotzdem blicke sie mit Dankbarkeit zurück, erklärte Janz. „Ich bin stolz, Teil dieses Beteiligungsforums gewesen zu sein, als Pionierin der ersten Phase.“ Es brauche jedoch neue Energie, neue Perspektiven, neue Wege.

Bedauern bei EKD

Die EKD drückte in einer Pressemitteilung ihr Bedauern über den angekündigten Rückzug von Nancy Janz aus. Dorothee Wüst, Kirchenpräsidentin und Sprecherin der kirchlichen Beauftragten im Beteiligungsforum, dankte Janz für ihr „langjähriges und prägendes Engagement für Betroffene“. Janz habe das Beteiligungsforum „von Anfang an und entscheidend“ geprägt. Sie habe die Konzeption mitentwickelt und als Sprecherin der Betroffenengruppe eine besondere Verantwortung übernommen, die auch mit persönlicher Belastung verbunden war. „Vor diesem großen Engagement habe ich höchsten Respekt und ich danke ihr persönlich für die offene, ehrliche und konstruktive Zusammenarbeit als Sprecherinnen!“

Das Beteiligungsforum werde nun zusammen mit Nancy Janz über den Rückzug, ihre Beweggründe und Schlussfolgerungen über die Weiterentwicklung sprechen. Die Nachfolge im Sprecheramt werde innerhalb der Gruppe der Betroffenen im Beteiligungsforum geregelt. Bis dahin werde Janz ihr Amt weiter ausüben.

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Die Pressemitteilung des Beteiligungsforums im Wortlaut.

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6 Kommentare

  1. Die Erwartung, in dieser Kirche ernst genommen zu werden, war wohl etwas zu hoch gegriffen, um nicht zu sagen unrealistisch.
    Wo Gott nicht ernst genommen wird, kann man auch nicht erwarten, dass Menschen ernst genommen werden …

    • Bei Missbrauch und den schlimmen Umgang damit ist es aber bei den Kirchen nicht nur die EKD.

      Die Freikirchen fangen jetzt nach Jahrzehnten ja überhaupt erst richtig an, sich damit zu beschäftigen.

      Die Strukturen und die Motivlage, die eigene Kirche und ihre Beschäftigten zu beschützen gibt es ja in vielen christlichen Kirchen.

  2. Schlange mit vielen Köpfen

    Ich weiß indirekt von der Kirchenpräsidenten Wüst, wie sehr sich ihr Gremium mit dem schlimmsten aller inländischen Themen hier beschäftigt, nämlich diesem Sexuellen Missbrauch. Da gibt es wohl mehr als zwei Seiten und noch mehr Personen, die gravierende Probleme schilderten, auch gerade bei sehr engagierten Umgang mit dieser Thematik. Es wird nie ein Punkt oder eine Begrenzung kommen, hinter deren Zeitlichkeit dieses Missbrauchsthema für alle Zeiten abgearbeitet wurde. Es ist wie die berühmte mythische Schlange mit den vielen Köpfen. Da kann man hier nur viel Fustrationstoleranz für alle wünschen, die sich dieser Aufarbeitung widmen. Ich befürchte, dieses Thema wird wie alles was mit diesem und anverwandten Themen zu tun hat, uns bis ans Ende aller Tage verfolgen. Zumal es nicht nur Kirchen, sondern dies alle nahen soziale Beziehungen betrifft und so auch global stattfindet. Ich möchte fast vermuten, dass eine solche Befassung mit solchem Thema nicht als Person betroffene Menschen selbst traumatisieren kann. Ich weiß nicht wie solche Gremien in einzelnen arbeiten, aber vermute, dass Einzel-Supervision sinnvoll ist.
    Denn bei Kirchens kochen den Brei immer sehr verschiedene Köche, der als sensibles Thema schnellstens auch immer anbrennen könnte. Sehr berührend fand ich einen schon länger gewesenen Gottesdienst, gemeinsam mit Betroffenen und jenen, die hier helfend tatkräftig mitarbeiten.
    Man möge nicht gesamtkirchliche Gremien und ihre Aktivisten hier für nicht eingehaltenen Verhaltenskodex und/oder Regelungsverstöße bzw. Lücken kritisieren, die sich dafür aber Tage und Nächte um die Ohren schlagen und an vermeidbaren Sollbruchstellen keine Schuld haben können.

    • Oder es ist ganz simpel: Die EKD will gar nicht richtig Missbrauch aufklären.

      Schaut man sich die Jahrzehnte des Skandals an, ist es wohl so einfach.

      Der Missbrauch ist in der EKD strukturell gegeben, Diese Strukturen wollen, dass alles so bleibt.

      • Wer ist Ross und Reiter ?

        Ich bin strikt für schonungslose Aufklärung sexuellen Missbrauches. Aber ich würde insbesondere EKD-Aufklärungsgremien gerne eher motivieren wollen, denn die dortigen Menschen schlagen sich in Nachtsitzungen mit großen Problemen herum und niemand kann dort gezwungen werden auch mitzuarbeiten. Ich würde also die Menschen bei den Aufklärungsbemühungen lieber gerne motivieren, damit Leute in den Betroffenenforen niemals resigniert aufgeben. Gut wäre zu wissen wer und wo bremst oder gar unter die Teppiche kehrt? Denn verbal sind ja alle guten Willens, aber Anspruch und Wirklichkeit müssen in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen. Weshalb der Missbrauch in der EKD (dies sind ja ganz verschiedene Landeskirchen und dann ist auch noch jede Kirchengemeinde doch von jeder anderen Kirchengemeinde verschieden) strukturelle Gründe hätte, erschließt sich für aber leider nicht. Es gibt zwar hier viel Bürokratismus, aber keine steilen Hierarchien. Aber Bremser und unter-den-Tischkehr-Menschen gibt es sicherlich, aber sie wirklich zu ertappen, ist wie die Quadratur des Kreises. Sexueller Missbrauch scheint ursächlich, dass in uns allen auch noch die deutlich niederen Gehirnteile mitbestimmen und insofern haben wir noch viel Neandertaler in llen. Was aber nicht heißt, dass der Vulkan ausbricht, wenn man Vorsichtsmaßnahmen trifft. Leider lässt sich aber Gewalt, Sexueller Missbrauch, Pornografie und auch Prostitution als sehr starke Gewaltmöglichkeiten nicht abschaffen oder nur verbieten nutzt niemand. Auch der Epstein-Skandal beweist, dass sich selbst hier auch Prominente zu den Partys mit Kindern und Jugendlichen auf eigenes Betreiben einladen ließen mit der Annahme, es bleibe alles unter dem Deckel. Da gibt es leider keinen Zauberstab, nur geduldiges Betreiben von Aufklärung und Schutz. Kinder müssen gestärkt werden. Vielleicht sollten Kirchenleitungen vertraglich dafür einstehen, Aufklärung in jeder Form betreiben. Dies wäre starkes Zeichen und dann kann Verweigerung sanktioniert werden. Auch im Kirchenrecht gibt es (wie beim Staat) Gewaltenteilung und somit richterliche Gewalt mittels Kirchengesetze. Die kann man nur gegen Ross und Reiter anwenden, wenn sie bekannt sind. Aber dies erscheint schwierig. Der Kirche und Glauben gut zu dienen und jeden sexuellen Missbrauch zu unterbinden, wäre eine starke Willenserklärung und sogar eine Nichtbefolgung bereits justiziabel für Kirchengerichte. Andererseits muss auch jeder im beruflichen Umgang mit Menschen auch strikte Regeln befolgen und vorher polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Daher würde dann gleiches Recht und gleiche Pflicht für alle gelten.

        • Das der Missbrauch in der EKD strukturell gegeben ist, ist doch inzwischen in zig Stellungnahmen und Untersuchungen belegt. Selbst EKD-eigenen.

          Wie kann man das immer noch in Frage stellen? Aber so verwunderlich ist das auch wieder nicht, denn das ist ja einer der Gründe für Missbrauch.

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