Kirchen dürfen sich politisch äußern, findet der SPD-Politiker Hubertus Heil. Politiker sollten Kirchen keine thematischen Vorgaben für ihre öffentlichen Äußerungen machen.
Politiker sollten laut dem früheren Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) den Kirchen nicht vorschreiben, zu welchen Themen sie sich äußern sollen. «Als verantwortlicher Politiker sollte man nicht nur gefällige Meinungen erwarten, die die eigene Haltung widerspiegeln», sagte Heil der christlichen Monatszeitschrift «Herder-Korrespondenz» (September). Man müsse sich sogar gerade mit kritischen und unbequemen Positionen auseinandersetzen, forderte er.
Heil ist in der neuen Legislaturperiode Religionsbeauftragter der SPD-Bundestagsfraktion. «Wenn sich Kirchen allerdings politisch äußern, müssen sie auch damit leben, dass es Widerspruch aus dem politischen Raum gibt», sagte er. Als Christ finde er im Übrigen, dass eine «stumme Kirche eine dumme Kirche wäre».
Debatte: Darf sich Kirche politisch äußern?
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hatte zu Ostern politische Stellungnahmen der Kirchen kritisiert und eine Debatte über die Rolle der Kirchen ausgelöst. Die katholische Theologin hatte sich in der «Bild am Sonntag» von den Kirchen mehr Sinnstiftung und weniger Stellungnahmen zu tagesaktuellen Themen im Stile einer Nichtregierungsorganisation gewünscht. Diese Äußerungen stießen auf teils scharfen Widerspruch.
Heil sagte nun, gerade in einer pluralen Demokratie sei es wichtig, dass sich auch Kirchen zu politischen Themen äußern dürften – «natürlich im Rahmen der verfassungsrechtlichen Ordnung und mit dem nötigen Respekt vor dem demokratischen Staat».

Kirche ist ja die Gesamtheit ihrer jeweiligen Mitglieder*innen. Äußern tut sich aber in der Regel die Leitung.
Ist das, was diese politisch äußern wirklich immer der Wille zumindest der Mehrheit ihrer Mitglieder*innen und ist die Leitung überhaupt demokratisch legitimiert?
Bei der .kath. Kirche ist das nicht der Fall. Äußerungen der Leitung ist auch oft nur deren Meinung, teilweise sogar konträr zu ihren Mitglieder*innen. So muss man es dann auch sehen.
Bei der EKD haben wir zumindest formal eine demokratische Legitimation
Selbstverständlich dürfen sich die Kirchen politisch äußern. Sie tun es und niemand stellt dies ernstzunehmend in Frage. Die Prämisse der Aussage von Herrn Heil ist insoweit irreführend.
Ich gebe zweierlei zu bedenken:
1. Je stärker sich eine Kirche politisch äußert, desto mehr verschwimmen Grenzen zwischen tagespolitischen Fragen und den ihnen vorhergehenden (spirituellen und moralischen) Werten. Damit werden diese Ebenen umgekehrt einer politischen Bewertung und Einflussnahme zugänglich. Die Politik kann damit den moralischen Rahmen selbst verschieben, der sie eigentlich limitieren soll.
2. Ein Recht der Kirchen zur politischen Äußerung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kirchen keine politischen Institutionen sind. Ihr vornehmster Auftrag ist geistlicher Art. Stark ist die Versuchung aller politischer Lager sich für ihre jeweiligen Themen kirchliche Schützenhilfe zu organisieren. Die Konsequenz wäre ein kirchlicher Aktivismus. Dass dieser Geist die Flasche bereits verlassen hat, macht ein Blick auf das letzte Programm des Evangelischen Kirchentags deutlich. Das christliche Kernthema der Erlösung des Menschen ertrinkt dort in Zeitgeistthemen wie KI, Rente, LGBTQ bis hin zum Widerstand gegen Trump. Damit wären wir bereits an der Stelle, an der Herr Heil die Kirchen offenbar gerne zukünftig noch verstärkt sehen möchte.
Es bleibt der Verdacht, dass es ihm nicht um eine Haltung der Kirche, sondern um die – aus jeweiliger politischer Sicht – richtige Haltung geht.
Darum: Das Hauptaugenmerk der Kirchen soll und muss spirituell bleiben.
Aber hat Jesus nicht auch laut Evangelien ‚Tagespolitik‘ gemacht?
Folgende Geschichte halte ich zwar absolut sicher nicht für wahr (anderes Thema, würde hier zu weit führen), aber in den Evangelien steht sie nun Mal so drin: Die Steinigung der Ehebrecherin
Danach mischt er sich in einem Einzelfall ein, Sollte er nicht allgemein bleiben?
2. Das mit dem wohltätigen Samariter, den LGBTQ+-Vertreter seiner Zeit, nämlich dem gesellschaftlich Ausgegrenzten, den Jesus plötzlich positiv in den Mittelpunkt stellt.
Mir scheint, dass insbesondere konservative Christen damit nichts anfangen können. Aber nach den Evangelien ist genau diese Einmischung christliche Lehre und nicht salbungsvoll Unverbindliches reden.
Natürlich dürfen Kirchen ihre Meinung äußern. Aber ich halte das für eine Nebelkerze die davon ablenken soll, dass Kirche etwa in Form des „Katholischen Büros Berlin“ massiven politischen Einfluß ausübt und im Abgeordnetenhaus ein und aus geht.
Chistinnen und Christen sind wie Jesus politisch
Grundsätzlich richtet finde ich, daß sich die Kirche(n) zu aktuellen politischen Ereignissen äußern (was sie so tun) und dann aber dieser Logik hier folgend, ebenso kritisiert werden dürfen. Christinnen und Christen sind keine Menschen, die sich (nur) in religiöse Räume zurückziehen, hier aber meinen, lediglich nur Gott widmen zu können und sonst leider zu wichtigen Fragen einfach nur zu schweigen. Dies entspricht so in keinerlei Weise dem Kern unseres Glaubens. Der besteht aus Jesus Christus als dem Messias, uns geschickt zu unserer Erlösung und der ganzen Schöpfung. So war Jesus – um es mit modernen Kathegorien zu formulieren – auch kein Wissenschaftler, Philosoph oder Schriftsteller, der alle seine Worten und Taten dann auch selbst publizierte. Sondern die Menschen, seine Schüler/Mitarbeiter die ihn hautnah erlebten, sowie seine Jüngerinnen und auch die Zeitgenossen aus Jahrhunderten haben die gute Nachricht von der Liebe Gottes weltweit gesendet. Wir glauben daher als Christ:innen, was in allen Generationen nach der Urgemeinde weitererzählt wurde. Manches wurde da ausgeschmückt, mit guten Absichten auch mit Meinungen oder Vorurteilen versehen und enthält ebenso Irrtrümer. Wir Gläubige katholisch, evangelisch oder freikirchlich, legen alle Bibeltexte an Jesus selbst aus. Seine Worte, Taten sowie sein ganzes Leben, Sterben und seine Auferweckung sowie Auferstehung von den Toten ist bleibende Glaubenswahrheit.
Jesus lehrte das Kommen des Reiches Gottes, dass nicht von irgendwo her kommt, dort an einem Ort zu finden wäre, was sodann langsam wie mit den ziehenden Wolken, fast unmerklich, zu uns in die Herzen einkehrt und Nächstenliebe spendet . Es ist die Liebe, die wir zu Gott und Menschen pflegen, die unsere Berufung ausmacht. Jesus redete in Gleichnissen, für jeden verständlichen Sinnbildern, die ganz einfache Menschen genauso verstanden haben wie die Gebildeten. Er liebte die Armen, die am Rande Stehenden und die hier Gescheiterten, denen angeblich Wohlanständige nicht selten mit Vorurteilen begegneten. Er hielt den innerlichen und liebevollen Glauben für notwendig, sowie Gottes-, Nächsten- und Eigenliebe auch für die Zusammenfassung aller Glaubenslehre, was so auch in der hebräischen Bibel steht. Jesus war ein moderner gläubiger Jude und stand den Pharisäern nahe, auch wenn er bisweilen ihre Bigotterie kritisierte. Er tat was er glaube, er lebte konkret vor, wie jede(r) auch die Beziehung zu Gott pflegen könnte. Jesus hat nie allgemeine Sinnsprüche überliefert, sondern einfache und verständliche Wahrheiten. Es ging ihm um Wahrheit, Eindeutigkeit, vorallem die Barmherzigkeit und Nächstenliebe vorallem konkreter Hilfe für Menschen in Not. Jesus kritisierte die Theologen wegen dem Geschäftsmodell des Glaubens, in dem er die Tische der Wechsler vor dem Tempel umwarf. Die Heiligkeit Gottes darf niemals käuflich sein. Er empfand dies als sehr grundlegendes Übel. Jesus kritisierte die Berufsgläubigen sehr, weil sie die Messlatte religiöser Pflichten sehr hoch anlegten und sich eher selbst einen schlanken Fuß machten. Gern sonnten sie sich der Würde ihres hohen Amtes und stolzierten in ureigener Frömmigkeit.
Jesus war der Mensch, wie ihn Gott wünschte. Ein Ebenbild Gottes, wie wir es eigentlich sein sollten und als Gottesknecht auch alleiniger Gerechte. Am Kreuz hat er freiwillig auf alle Gewalt verzichtet, er hat seinen Tod nicht versucht durch bewaffnete Engel zu verhindern: Kriegs-Engel gibt es nicht. Weil Golgatha ein Skandal ist, wenn Menschen durch Gewalt, Kriege, Terror, Mord und sogar die brutale Folter (auch Jesu sterben) mussten. So ist auch sein Kreuz ein Skandal (=Skandalon) also ein Fallstrick, über den wir stolpern sollen. Das Kreuz ist zugleich Gottes Versöhnung mit uns und allen die so damals Gottes Feinde waren. Gott liebt seine Feinde und unser Himmel als der unendlichen Macht Gottes regiert nur mit jener sanften und sodann auch sehr zärtlichen Macht(losigkeit) aller Liebe. Jeder Mensch wird dabei von Gott vorbehaltlos geliebt, als sei er das einzigste Lebewesen im unendlichen Universum. Sodass auch die 10 Gebote uns daher vorallem sehr schützen sollen. Zudem ist die Bergpredigt ein zeitloser Appell zu globalem Frieden, Barmherzigkeit, auch der dienenden Zuwendung zu allen Menschen, sowie der guten Schöpfung. Wer allerdings die Menschenrechte nicht mehr praktizieren oder sie einschränken möchte, darf hier nie hoffen, daß die Kirchen, Christ:innen und auch die anderen Religionen schweigen. Flüchtlinge werden von Jesus besonders geliebt, seit seine Eltern schon nach seiner Geburt mit ihm nach Ägypten fliehen mussten. Maria und Joseph fanden auch kein Raum in der Herberge, weil sie fremd waren. Fremde sollen nicht generell das Gefühl haben, daß wir sie nur als unser Problem wahrnehmen. Wir sollten es nicht fragwürdigen Sekten überlassen, die uch fremde Glaubensgenossen aufnehmen wie nahe Verwandte. Was zwischen denn Gläubigen heutiger Kirchen häufig fehlt ist Gemeinschaft und ein wirkliches Gefühl von Geschwisterlichkeit.
Daher kann die Christin und der Christ nicht nur politisch denken, sondern weil er dem Nächsten und seinem Wohl zugewand ist, er muss es auch. Aber Nächstenliebe ist kein Philosophie, sondern die Selbstaktivierung zu konkretem Tun und einer konkreten Haltung zu Unrecht und fehlender Nächstenliebe. Daher hätte Frau Klöckner Unrecht, wenn sie gerade etwa die Äußerungen zu Menschenrechten. Krieg und Frieden und anderen elementaren Fragen den Kirchen und Christen eher nicht zubilligen würde. Und selbstverständlich ist Jesus, als er die 5000 Menschen damals mit Lebensmitteln versorgte, ebenso Sozialarbeiter gewesen, der mit seinen Jüngern vorlebte auch Brot zu teilen, wie das Brot des Ewigen Lebens und ein Wasser, welches keinen Durst mehr erzeugt. Es darf kein Aberglaube sein, daß (Super-)Christen auf Abwegen sein, wenn sie das bessere soziale Miteinander fördern möchten und (in)tolerant in Glaubensfragen sind. Jesus war den Mitarbeiter/innen gegenüber nie rechthaberisch, er hat aber stattdessen immer vorgelebt, wie er seine Mitstreiter:innen gerne haben wollte. Menschen sind durchaus glaubwürdiger als Bibel auf zwei Beinen.