„Die Notaufnahme für Herz und Seele“ – so beschreibt Wolfram Lehmann seinen Beruf als Gefängnis-Seelsorger. Bei ihm sprechen die Häftlinge aus, was sonst niemand hören soll – oder will.
Pfarrer Wolfram Lehmann hat einen nicht alltäglichen Beruf: Er ist Gefängnis-Seelsorger. Der Tagesablauf hinter Gittern ist streng durchgetaktet. Trotzdem haben die Insassen viel Zeit zum Nachdenken – über Fehler, Schuld und Scham. Im persönlichen Gespräch hört Lehmann Geschichten, die Häftlinge sonst niemandem anvertrauen. Zuhören, das ist die Aufgabe des Seelsorgers. Außerdem möchte Lehmann die Insassen im Umgang mit ihrer Schuld unterstützen und ihnen von Gott erzählen.
Eine fremde Welt
Die Seelsorge ist vor allem bei Häftlingen nötig, für die die Freiheitsstrafe überraschend kommt, sagt der Pfarrer. Von einem Tag auf den anderen ändert sich alles. „Sie fühlen sich wie in einer fremden Welt, hilflos und abgeschieden und ohne Möglichkeit, jemanden anzurufen oder zu fragen“, so Lehmann. So erzählt der Seelsorger etwa von einem jungen Mann, der ihn wiederholt fragte, ob es denn wirklich sein kann, dass Gott alle Schuld vergibt. Was für eine Schuld den jungen Mann beschäftigte, blieb dabei offen.
Auch die Angehörigen leiden
Dass unter einer Haftstrafe nicht nur der Straftäter leidet, sondern auch seine Familie und Freunde, das ist vielen Menschen nicht bewusst. „Ich weiß von einem, der sagte: Hier meine Zeit abzusitzen, kriege ich hin. Aber dass mein Sohn alleine zu Hause sitzt und ich als Vater nicht bei ihm sein kann, das zerreißt mich.“ Schuld kann der Geistliche den Insassen nicht nehmen. Aber er kann zuhören, das Erzählte aushalten und von Gott erzählen, der Menschen nicht aufgibt.
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Das 100 Jahre junge diakonische Werk Schwarzes Kreuz in Celle betreut Strafgefangene. Es gibt jedes Jahr einen Kalender für interessierte Inhaftierte und Nichtinhaftierte gegen Spende. Ehrenamtliche werden ausgebildet für Briefkontakte, in manchen JVAs gibt es Bibel- Gruppen mit Leuten von drinnen und draußen. Im Dezember wird aufgerufen, Pakete für Inhaftierte zu packen und an die JVA Seelsorger wie Pfr.Lehmann zu schicken. Es gibt hierbei von den Gefängnisverwaltungen recht strenge Vorgaben bezüglich Inhalt. Die Abteilung „Projekt Brückenbau“ begleitet Inhaftierte und Entlassene in Celle. Homepage: naechstenliebe-befreit.de
Mich hat die Ordensschwester Helen Prejean tief bewegt, die sich vor allem für Todeskandidaten einsetzt. Manche werden vielleicht den Film ‚Dead man walking‘ mit Susan Sarandon kennen. Helen Prejean war die Grundlage dieses Films.
Das bemerkenswerte, was Sie auch in einem Ihrer Bücher beschreibt, ist, dass sie immer auch die Opfer im Blick behält.
Diese werden viel zu oft vergessen, die Hilfen sind oft rar (der weiße Ring ist hier positiv zu nennen).